Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DESSAU C.7.

I.

Dissowe (1213); Dessouwe (1228); Dessaw (1275); D. (1349) - Schloß und Stadt - Askanier; Gf.en bzw. Fs.en von Anhalt - Stadtschloß in Nähe der Mulde; seit 1474 Res. der Linie Anhalt-D. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. D., Kr. D. (Stadt).

II.

D. liegt auf einer Talsandplatte am linken Ufer der Mulde nur wenige Kilometer südl. von deren Mündung in die Elbe im ehemaligen Gau Serimunt. Die Ende des 12. Jh.s am Übergang der »Hohen Straße« über die Mulde von den Askaniern angelegte Marktsiedlung wird erstmals 1213 gen. und befand sich zusammen mit der bereits vorher vorhandenen Burgmühle im Schutz einer archäolog. bisher nicht nachweisbaren, aber mit großer Wahrscheinlichkeit an der Stelle des späteren Schlosses vorhandenen Burg. Sie zählte zu den Besitzungen der sich 1212 abspaltenden Linie deranhaltin. Askanier und diente den Fs.en als gelegentl. Aufenthaltsort oder Witwensitz.

Zu 1341 ist der Baubeginn des Schlosses belegt, das innerhalb der Stadtmauern lag und 1346 urkundl. erwähnt wird. Das Gebäude wurde 1405 durch Belagerung teilw. und 1467 zusammen mit fast der gesamten Stadt durch Brand völlig zerstört. Der Wiederherstellung des Schlosses seit 1470 folgte wenig später die Einrichtung der Res. der Linie Anhalt-D., die sich bis 1570 zur jüngeren und seit 1863 alleinigen Stammlinie des Hauses Anhalt entwikkelte. Von 1530-83 wurde das Schloß zu einer repräsentativen Anlage im Renaissancestil ausgebaut und über die Stadtmauer hinaus erweitert.

Die Einrichtung der Res. sowie die günstige Lage als Übergangsort über die Mulde und seit 1583 auch über die Elbe wirkten sich äußerst förderl. für die Entwicklung des 1228 als oppidum und 1278 als civitas bezeichneten D. aus, wenngleich es in seiner Größe und Bedeutung hinter anderen anhalt. Städten wie → Zerbst oder → Bernburg vorerst noch zurückstand. Zu den Haupterwerbszweigen der Bürger zählten Ackerbau, Fischfang und Bierbrauen, daneben war die Tuchherstellung, das Schmiedehandwerk und die Ziegelproduktion vonBedeutung. Eine wichtige Funktion als Abnehmer spielte die Hofhaltung der Fs.en, deren Herrschaft die Stadt stets untergeordnet blieb und offensichtl. auch keinen Widerstand entgegensetzte.

III.

Von dem 1341 in einem von Wasser umgebenen Viereck errichteten Schloß haben sich Kellergewölbe und andere Reste in dem noch heute als Johannbau vorhandenen Westflügel erhalten. Nach dem großen Brand von 1467 wurden Nord- und Ostflügel des Schlosses ab 1470 neu errichtet. Einem Gemälde Lucas Cranachs d. J. zufolge besaß letzterer einen massiven Unterbau, darauf eine Fensterfront und schließl. ein niedriges Fachwerkgeschoß mit kleinen Erkern und spitzen Türmchen. Um 1530 begann man mit dem Neubau des erwähnten Westflügels. Das zweistöckige Gebäude wurde dabeidurch ein mit Pilastern gegliedertes weiteres Geschoß aufgestockt und von dem Steinmetz Ludwig Binder 1531-33 mit einem damals Aufsehen erregenden und beispielgebenden vorgelagerten Treppenturm versehen. Um 1540 erfolgten der Bau einer Küche an der Südost-Ecke des Schlosses und in den folgenden Jahren weitere An- und Umbauten.

Nachdem Fs. Joachim Ernst 1570 ganz Anhalt unter seiner Herrschaft vereinigt hatte, beschloß er einen repräsentativen Schloßneubau, für den der brandenburg. Festungsbaumeister Gf. Rochus von Lynar die endgültige Fassung der Baupläne entwarf und Peter Niuron aus Brieg als ausführender Baumeister berufen wurde. Nach sechsjähriger Bauzeit war das Schloß 1583 fertiggestellt. Umgestaltet bzw. neu errichtet wurden der südl. Hauptbau, der Ostflügel sowie die nördl. Verbindungsgalerie zw. Ost- und Westflügel. Die fsl. Gemächer befanden sich im Ostflügel. Im Südflügel lag über der Küche ein großerSaal und ein ebensolcher im Westflügel über den Kammern für die Waffen und das Zaumzeug. Das Gesinde war im Nordflügel untergebracht, der 1708 abgebrochen wurde.

Von 1748-53 erfolgte durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff eine grundlegende Umgestaltung der nunmehrigen Dreiflügelanlage, bei der vom Vorgängerbau neben dem Johannbau nur der sog. Kupferturm, ein Treppenhaus, die Fundamente des Ost- und Südflügels und Teile der Untergeschosse bestehen blieben. Darüber hinaus legte man im 18. Jh. einen Lustgarten mit Pavillons, Reitbahn, Marstall und Orangerie an. Das Schloß wurde 1871 durch ein Treppenhaus ergänzt und nach seiner 1945 erfolgten Zerstörung mit Ausnahme des 1996 wiederhergestellten Johannbaus abgetragen.

Quellen

CDA. - Regesten der Urkunden zu Zerbst, 1909. - Wäschke, Hermann: Urkunden und Akten des Stadtarchivs zu Dessau, in: Geschichte der Stadt Dessau, 1901, S. 239-315.

Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler, 1894, S. 327-337. - Brückner, Franz: Häuserbuch der Stadt Dessau, Heft 6, Dessau o. J. (1977), S. 516-527. - Die Dessauer Chronik, hg. von Bernhard Heese, Dessau 1924/25. - Die Dessauer Schloßbauten bis zum Ausgang des sechzehnten Jahrhunderts, hg. von Kurt Ehrlich, Berlin 1914 (Bauwissenschaftliche Beiträge, 2). - Die Haupt- und Residenzstadt Dessau, 1.Aufl., Dessau 1907, 2. Aufl., Dessau 1911. - Geschichte der Stadt Dessau, 1901. - DieKunstdenkmale des Landes Anhalt, hg. von Hermann Giesau, Bd. 1: Die Stadt Dessau, bearb. von M[arie Luise] Harksen, Burg b. Magdeburg 1937, S. 68-74. - Rüger/Schmitt 1983. - Schicksale, 1978, S. 308-312. - Würdig, Ludwig: Chronik der Stadt Dessau, Dessau 1876.