Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DEN HAAG C.7. ('s-Gravenhage/La Haye)

I.

Der in Ortsnamen oft belegte Begriff Hag, Haag (Woordenboek der nederlandsche taal, 1900; Paul, 2002), mit der Bedeutung »Dornbusch«, »Umzäunung«, »Gehege« u. ä. wurde Eigenname des um 1230 vom Gf.en von Holland erworbenen Jagdguts (Quellenbeleg: met een haag omgeven landgoed, Mostard 1980, S. 9). Die fortan ausgebaute Res. führte seit dem 14./15. Jh. die amtl. Bezeichnung 's-Gravenhage (auch belegt:des Greven Haghe, lat. apud hagam comitis, frz. la Haye, ital. l'aia, span. La Haya, engl. The Hague); seit 1370 urkundl. Erwähnungen des um den Regierungssitz entstandenen Dorfes (het dorp van der Haghe, Mostard 1980, S. 9), das während der Welle gfl. Stadterhebungen im 13. Jh. - auf Dordrecht 1220 folgten Privilegien u. a. für Middelburg, Zieriksee, Gravenzande, Haarlem, Delft, Alkmaar, Leiden - keinStadtrecht erhielt. Der Haag, weder Burg noch »Stadtresidenz« noch auch »Residenzstadt«, war meist Nebenres. Jedoch konsolidierte sich dort eine lokale Administration trotz ambulanter Regierungsweise unter der Sukzession folgender, durch Heiratspolitik vernetzter, fünf Dynastien: 1) Gf.en von Holland und Zeeland, 2) ab 1299 Gf.en von Hennegau, 3) ab 1346 bayer. Wittelsbacher (Teilhzm. Straubing-Holland), 4) ab 1433 Valois-Hzg.e von Burgund, 5) ab 1477/82 bis 1581 Haus Habsburg. Dem Abfall der nördl. Niederlande von Habsburg folgte die Ära der Generalstaaten unter Repräsentanz derStatthalter -, später (ab 1815 bis heute) kgl. Dynastie aus dem Hause Oranien-Nassau.

Die Gft. Holland-Seeland bestand nominell bis 1581 (s. u. III). Eine geogr.-histor. Beschreibung von 1580 lautet (Guicciardini, Beschreibung, 1580, S. CCVj, CCXiX, CCXXj): Der umbkreiß dieser Landschafft, so man eigentlich Holand nennent, begreifft inn sich bey sechtzig Meilen und ist nicht breiter, es sey an was ohrt es wölle, das ein Mann von dannen innerhalb dreien stunden nicht darauß kommen köndte. [...] Hage ligt nahent bey dem Meer gegen Nidergang, ein gute Meil von Delft, zwo von Leiden, und drey von Roterdam. Dieses ist, meines erachtens,das schönest, reichest und vielleicht das grössest offen Dorff inn gantz Europa, denn es hat ob zwey tausent Heuser, [...] für-{ nemlich aber den raumseligen grossen Königlichen Palast, gleich wie ein Schloß mit Mawren unnd Gräben umbfangen. [...] Die Einwohner wöllen auß großmechtigkeit dises herrlich Dorff mit Maweren nicht ummringen, dann es gedunckt sie also viel rhümlicher sein (volgend die [...] fantasey Julij Caesaris [...] das sie viel lieber Herren wöllen sein des aller schönesten unndmechtigesten Dorffs in gantz Europa, dann Herrn uber ein Statt, die mit Mawren umbfangen were, unnd alsdann gegen andern Stetten den mindern Nammen haben wurde [...]. Es hat Hage einen schönen luftigen Wald, mehrerley geschlechten Gewilde zum jagen voll. Seine Attraktion um 1400/1500 als »gelobtes Land«, »terre de promission« (Blockmans/Prevenier 1999; zur Geschichtsschreibung Prochno 2001) verdankte Holland dem durch aktive Binnenkolonisation angewachsenen Reichtum ankirchl. (ca. 180 Kl.), wirtschaftl. (Fischfang, Seehandel, Viehzucht und Molkereiprodukte, Hopfenanbau) und materieller Kultur (Schiffsbau, Textilfabrikationen), insonderheit befördert mit der im SpätMA exzeptionellen Urbanisierung (Guicciardini, Beschreibung, 1580, S. CCVj: 29 umbmawrte Stett und rd. 400 Dörfer). Um 1470 lebten rd. 44-52% von der auf rd. 1/4 Million zu schätzenden Bevölkerung in allerdings kleinen Städten; die groote steden mit höchstens bis zu 10 000 Einw.n wurden polit. dominant (Jongkees 1990).Kirchl. gehörte die Gft. zum Bm. → Utrecht (bis 1559 Erzdiöz. → Köln); mit dem Hochstift (sticht) ergaben sich öfter Konflikte. D. H. fungierte seit 1584 als Regierungssitz der sog. Generalstaaten (s. u.). Nach dem frz. Zwischenspiel unter zunächst revolutionärer (Batavische Republik 1795-1806), dann kgl.-ksl. Regierung (bis 1813), wurde D. H. aufgrund des Wiener Kongresses 1815 Regierungsmetropole des Kgr.s der Niederlande. De iure »Dorf« geblieben (abgesehen von der ad-hoc-Stadterhebung 1811 im Kgr. Holland Louis Napoleons von dessen ksl. Bruderfür eine Übernachtung), diente die Res. D. H. seit 1899 als Vorort völkerrechtl. diplomat. Friedens-Konventionen (Haager Konferenzen 1899, 1907) und wurde Sitz des mit dem Völkerbund (1919/20) geschaffenen, seit 1946 als Organ der Vereinten Nationen tätigen Internationalen Schiedsgerichtshofes. - NL, Prov. Südholland, Provinzhauptstadt und Regierungssitz des Landes.

II.

(1) Für das holländ. Grafenhaus (Boer/Cordfunke 1997 zur gesamten Periode) galten als Stammväter der bei der Normannenabwehr bewährte Gerulf mit seinem Sohn Dirk (Dietrich), bezeugt in ost- und westfränk. Königsurk.n (889, 922), letzterer wohl Stifter des Hauskl.s Egmond. Die Herrschaftsbildung ging aus vom Küstengebiet um das verzweigte Rheindelta, dem später sog. Rijnland, im Zuge von Urbarmachung der Moorlandschaften hinter den bewaldeten Geestrücken und Eindeichungen in der schrittweiseeingegliederten seeländ. Inselwelt des Schelde- und Maas-Mündungsgebiets. Das Unabhängigkeitsstreben gegenüber den angrenzenden Herrschaften von → Utrecht, Flandern und den nördl. Friesen mündete in die polit. Ausgliederung aus Westfriesland: Seit 1101 führten die bisherigen comites Fresonum den Titel comes de Hollant (Blok 1969, S. 358; zum Ursprung holländ. Ansprüche auch Janse 1993, S. 29ff.). Die Ausbreitung der neuen Benennung von Landschaft und Einw.n(Hollandi, Hollandenses) folgte der polit. Expansion. Die ma. Historiographie überliefert zwei etymolog. Deutungen, näml. einmal als Holzland: Na Duutscher tale ist ghehieten Holtlant, wanter vele boschs ende houts in plach te wassen, mer nu hietet Hollant, want daer een lettere is uutghesneden (Johannes de Beke, Croniken, S. 8f.), aber auch als hohles Land: [...] solcher nammen sey zusammen gesetzt von den zweien Wörtlin Hol und Land, bedeutende, daß das Land unden Hol, als wie untergraben seye, dann mansiehet an vielen Ohrten augenscheinlich das Land zittern wann ein Wagen darauff fehrt, scheinende als wann das Land ledig, wie ein Schiff ob dem Wasser schwebete [...] (Guicciardini, Beschreibung, 1580, S. CCiiij).

Die Entstehung der Res. erfolgte in den Regierungsperioden der Gf.en Floris IV. (1222-34), Wilhelm II. (1234-56) und Floris V. (1256 bzw. reg. 1266-96). Den Erwerb der Domäne belegt ein von Dirk Wassenaar († 1243) am 29. Nov. 1229 in Leiden ausgestellter Vertrag über den Verkauf seines Rechtsanteils am Hof (curtis) der verstorbenen Frau Meilendis mit allem Zubehör, auch »met de mannen en de Hoevenaars« (homines et mansionarii, Breemen 1950; Mostar 1980, S. 9;Janse 2001, S. 141). Etwa zur gleichen Zeit stiftete Gf. Floris IV. gemeinsam mit seiner Gemahlin Machteld von Brabant auf dem naheliegenden Allod Loosduinen ein Frauenkl., womit der Zisterzienserorden in Holland einzog (Regt 1986, S. 166ff.). Die in Details kontroverse Forschungsdiskussion zur Baugeschichte (zuletzt Mekking 1997) dat. die Fertigstellung der Repräsentationsräume des später sog. Binnenhofs zw. 1275 und 1295 (s. u. III). Die nicht eindeutig differenzierbaren realen und idealen Beiträgedes röm. Kg.s (seit 1247) → Wilhelm von Holland hatten historiograph. stolzen Ausdruck gefunden: [...] dede in die Haghe tymmeren een coninclic palaes, daer hi van hoghen saken des rijs te richten plach (Johannes de Beke, Croniken, S. 128). Vieles spricht dennoch für Floris V. als maßgebl. Bauherrn von »Grote Zaal« und Hofkapelle. Er entfaltete auch sonst Bauaktivitäten, z. B. von Kastellen im westfries. Grenzgebiet sowie auch des neuen Jagdsitzes Vogelenzang nahe Haarlem. Die Stiftung des St. Jacob-Ritterordens am 25. Juli 1279 im Haager großen Saal(Mostard 1980, S. 10f.) gilt heute als apopkryphe Überlieferung (Herwaarden 1996, S. 265) trotz der Historizität der holländ. Jakobsverehrung (vgl. das Ur-Patrozinium der Haager Jakobskirche und die Muschelkette im holländ. Löwen-Wappen). Aber chronikal. bezeugt ist ein Festakt kollektiver Rittererhebung von 40 ehrbaren reichen Männern im Haag für 1295, viell. zur Einweihung des neuen Saals. Der Residenzbau (s. u. III) spiegelt die fsl. Kultur des soz. purpurgeborenen Königssohnes, der seit 1291 als Gf. von »Holland und Zeeland«regierte und durch Verwandtschaftspolitik mit dem engl. Königshaus sowie durch Ansprüche auf den schott. Thron (Cordfunke 1991) Züge eines Souveräns annahm. Der Dordrechter Stadt- und gfl. Kanzleischreiber Melis Stoke spielt um 1300 vorwurfsvoll darauf an, daß der Gf. auf Anraten ein Kgr. verkauft habe (woude vercopen), das ihm zukam (Mekking 1997, S. 333; Burgers 1999). Aus Urk.n läßt sich schließen, daß onse woninge ter Hage aufrückte neben u. a. der beliebtenHerberge Albrechtsberg bei Bloemendal (Brokken 1984, S. 13). Unter der damals übl. Mehrzahl von Ausstellungsorten für Urk.n (wie Dordrecht, Middelburg, Leiden, Zieriksee) wird Haag erstmals 1242 gen. (De oorkonden en de kanselarij van de graven van Holland tot 1299, Bd. 1, 1971, Nr. 164, dann wieder Nr. 199, etc.; dazu ebd., S. 175ff., 232ff.; Blok 1998). Obgleich die Regierungsweise von Gf. und Hofbeamten vorerst ambulant blieb, festigte sich im Haag bis Ende des 13. Jh.s eine mehrköpfige hierarch. organisierte Kanzlei.Holland stand mit wachsender Urkundenproduktion im Zuge des allg. Verschriftlichungsprozesses nicht zurück hinter anderen landesherrl. Verwaltungen, wobei sich seit den 1280er Jahren die niederländ. Sprache gegen das Latein durchsetzte, zumindest für nicht-kirchl. Empfänger (Burgers 1996 u. ö.).

(2) Nach der Ermordung Floris' V. 1296 und dem frühen Tod seines nach England verlobten jugendl. Sohnes Jan I. 1299, dem letzten Sproß der angestammten Grafenfamilie, fiel die dynast. Erbfolge an das (über die Ehe der Schwester → Wilhelms von Holland, Aleid, verwandte) Haus Avesnes von Hennegau. Die Vereinigung der Gft.en Holland-Zeeland mit der nicht direkt benachbarten Gft. Hennegau bedeutete eine Zäsur sowohl polit. durch Kursveränderung in Richtung Frankreich, als auch verfassungsrechtl. für die Residenzentwicklung. Der Regierungsantritt von Johann (Jean) von Avesnes alsVogt für Jan I., dann selbst als Jan II., war begleitet von Unruhen, die den erstarkten Mitregierungswillen der künftigen ständ. Kräfte ankündigten, einerseits des Adels (damals ad hoc in seeländ.-flandr. Kooperation durch den Aufstieg der einflußreichen Familie van Borselen), andererseits der wirtschaftl. Macht der Städte als Kreditleiher (voran Dordrecht). Obgleich die Hennegau-Gf.en regelmäßig auch die zee- und holländ. Zentralorte bis hin zum nördl. Alkmaar besuchten, regierten sie von ihrer Hauptres. Valenciennes aus. Indes erscheint für das Programm der polit. Integration der drei Gft.ensymptomat. die Neubenennung der dortigen Grafenwohnung als »Hôtel de Hollande« (Hemptinne 2000, S. 44), v. a. aber die wohl von Jan van Avesnes schon als Vogt veranlaßte Erarbeitung eines papieren cartularium des gfl. Schriftmaterials in D. H. nach Muster des »Cartulaire de Hainaut« (Burgers 2000, S. 111; vgl. auch Burgers 1995 und 1998). Das v. a. aus Rechnungen und Urk.n bestehende »Archiv« im Binnenhof dürfte wohl damals schon in der Hofkapelle, ähnl. der Funktionder Pariser Sainte-Chapelle, aufbewahrt worden sein, verwaltet von einem clericus registri; im 14. Jh. sind mehrere mit umfangr., nicht nur Schreiber-, sondern auch diplomat. Aufgaben betraute »Register-Clerks« bezeugt (Damen 2000, S. 109), später meist Kanoniker an der 1367 zum Kapitel erhöhten Hofkapelle.

Wenn D. H. nach 1299 zunächst in eine von Wilhelm III. (1304-37, im Hennegau als Wilhelm I.) zwar bevorzugte, aber selten länger besuchte Rolle als Nebenres. zurückfiel, so professionalisierte sich währenddessen das Haager Verwaltungszentrum durch die für Holland-Zeeland weiterhin zuständige Kanzlei, wobei auf höherer Ebene der Austausch zw. holländ. und hennegau. Personal Platz griff. Die Struktur des teils mobilen, teils residierenden gfl. Rates als wichtigstem Regierungsorgan wandelte sich auch durch die Erweiterung des früheren Lehens- und Hofadels um Städtevertreter und Beamte.

Seit der Regierung Floris' V. heiratspolit. eingeflochten ins europ. Netzwerk mit seinen großen Spannungsfeldern (1314-48 Thronstreit um das röm.-dt. Ksm., 1338-1453 Hundertjähriger Krieg zw. England und Frankreich, seit 1363 expansiver Aufstieg der »Grands Ducs« von Valois in den seitdem so genannten burgund. »Niederlanden«) geriet die reiche Gft. als begehrte Beute in eine polit.-kulturelle »Schlingerbewegung« (Boer 1987) zw. dem Reich und den westeurop. Staaten. Der Tod 1245 Gf. Wilhelms IV. (als Wilhelm II. im Hennegau) als letzter männl. Sprossdes Hauses Avesnes aktualisierte das locker gewordene Reichslehensverhältnis, denn Wilhelms Schwester Margarethe von Avesnes, die natürl. Erbin des - als Frauenlehen geltenden - Hennegaus (Störmer 1997), war 1324 mit dem Wittelsbacher → Ludwig IV. in dessen zweiter Ehe vermählt worden, also seit dessen Kaiserkrönung 1328 »Kaiserin«. → Ludwig der Bayer belehnte Margarethe am 15. Jan. 1346 mit den drei Gft.en und der Herrschaft Friesland; daß diese seront à tousjours mais tout à un, mußte sie in Mons den huldigendenStänden geloben. Vorsorgl. regelte → Ludwig die Nachfolge Margarethes zugunsten beider Sohn Wilhelm und danach Albrecht. Aber schon im März 1347 berief die Gf.in wg. Rückkehr nach Dtl. Wilhelm nach Holland-Zeeland - einem herkömml. Mannslehen - als Vertreter, dux Bavariae expectans comitatum [...] (Cartulaire des Comtes de Hainaut, Bd. 1, 1881, Nr. 178, S. 277), auch »Verbeider« (etwa: Hoffnungsträger) gen. Nach → Ludwigs Bärenjagd-Tod am 11. Okt. 1347 begründeten die bayer. Hausverträge (1349/53) das niederbayer. Teilhzm.Straubing-Holland als Sekundogenitur unter den vom Ks. Vorbestimmten (Boehm 1981; Straub 1988).

(3) Fünf bayer. Titular-Hzg.e regierten in den drei vereinten Gft.en: Nach dem Tod Margarethes (1356) der »Verbeider« als Gf. Wilhelm V. (im Hennegau Huldigung als Wilhelm III.). Er lebte seit einem Ausbruch unheilbarer Geisteskrankheit, im Volksmund »de dolle Graf« gen., bis zum Tod 1389 in Gewahrsam auf dem hennegau. Schloß Le Quesnoy. Albrecht I. unternahm im Febr.-März 1358 die Umfahrt durch die drei Gft.en, beginnend in Dordrecht; er regierte ab 1358 offiziell als »Ruwaard« (Ruhewahrer), ab 1389 als Gf. († 1404). Ihm folgten sein ältester Sohn Wilhelm VI. († 1417), dann imErbstreit dessen Bruder Jan VI. (Johann III. von Bayern, † 1425) und Wilhelms Tochter Jakobäa († 1436). Die bayer. Periode blieb seit dem Doppelregime Margarethe-Wilhelm überschattet durch die fatale Verquickung einheim. gespaltener Bürgerrevolten mit dynast. Konflikten zw. Mutter und Sohn, Vater und Sohn und zuletzt Onkel und Nichte, wobei die Adelspartei der später sog. »Hoeks« (Angel-Haken) gegen die seestädt. sog. »Kabeljaus« vorwiegend die reichsorientierte Seite von Margarethe über Albrecht bis Jakobäa stützten (Brokken 1982).

Die fast 100jährige niederländ. Wittelsbacher-Herrschaft, aus bayer. Warte ein »Außenposten« als zeitbedingtes Hausmacht-Abenteuer, hinterließ kräftige Spuren. Das Teilhzm. Straubing blieb Statthaltern und Viztumen überlassen; hingegen wurde D. H. Hauptres. Dies erweist das Gf.en-Itinerar von 1346 bis 1425 (Smit 1991) für die Regierungsjahre Wilhelms V., für Albrecht namentl. ab 1387, während er zuvor auch häufig im Hennegau weilte, sowie für Johann 1420 bis 1425. Albrecht scheint zuletzt 1371 in der Heimat gewesen zu sein. Seine Enkelin Jakobäa hat ihrnominelles Hzm. Bayern nie betreten. Nicht nur der Ausbau des Haager Wohntrakts (baierisches Kwartier; Brokken 1984, S. 14) sprechen für ein lebhaftes Hofleben; dazu das Residieren der Gf.innen, wie der engl. Gemahlin Wilhelms V. und der beiden Gattinnen Albrechts mit jeweiligem Hofstaat, auch seiner Mätresse Aleida van Poelgeest, deren wohl den Hoeks zuzuschreibende Ermordung beim Binnenhof 1392 Aufsehen erregte (Boer/Cordfunke 1997, S. 107). Feste, wie die Stiftung einesAntonius-Ritterordens durch Wilhelm VI., Besuche von Fs.en, Künstlern und Gauklern, ein reiches Musikleben (Janse 1986; Boer 1987, S. 285f.) verliehen der Res. internationales kulturelles Gepräge. Dazu gehörte z. B. die Indienstnahme eines Herolds als Publikator aristokrat. Ruhms, gen. sei Claes Heynenz, zuvor am Hofe in → Geldern, unter Albrecht als heraut Beyeren (Boer 1987, S. 283f.); in den Rechnungen von 1383/1408 findet man den Dichter Willem Hilgaertsberch alsVortragskünstler (Oostrom 1987) erwähnt; zu Albrechts Protégés zählte der vagante Chronist Jean Froissart; der Maler Jan van Eyck arbeitete im Haag 1422/25 als »Valet de chambre« (Schneider 1913, S. 142f.; Klemm 1987). Turniere manifestierten ritterl. Selbstsbewußtsein; im Dorf beim Binnenhof mehrte sich der Zuzug Adeliger (Janse 2001, S. 336ff.; Skizze zur Verteilung von Adelssitzen ebd., S. 129). Der Binnenhof erlebte Ereignisse der Herrscherfamilie wie die GeburtJakobäas am Jakobstag 25. Juli 1401 oder die Vermählung mit ihrem zweiten Gemahl Jan van Brabant. War der Bauherr des Binnenhofs Floris V. noch bei den Ahnen in der Abtei Rijnsberg beigesetzt, so wurde die Hofkapelle jetzt zur Grablege der bayer. Gf.en seit dem Tod der ersten Gemahlin Albrechts, Margarethe von Brieg-Liegnitz († 1386, s. u. III), die mit ihm Stifterin des Kapitels war (Klooster 1984, S. 30); ihr folgten Albrecht († 1404) und Wilhelm VI. († 1417). Dieselbe Ruhestätte vereinte wieder die letzten Repräsentanten des Hauses Bayern in Holland, derenKonflikt das Erbe zur Beute für Burgund machte: Johann gen. »Ohnegnade«, vormals Elekt des Bm.s → Lüttich, den Ks. → Sigismund 1417 mit den Gft.en belehnt hatte, starb im Haag, dem Gerücht nach an den Folgen eines Anschlags mittels eines in sein Gebetbuch geschmierten Giftes und beschenkte vor dem Tod († 1425) die Kapelle mit der Bitte um Gebetsgedenken (Schneider 1913, S. 125). Der Leichnam von Jakobäa († 1436) wurde vom Schloß Teijlingen, Besitz ihres vierten Gemahls Frank van Borselen, unter Aufsicht desTestamentsvollstreckers Jan Ruychrock zum Haag überführt (Damen 2000, S. 176, 488; zum Grab: Klooster 1984, S. 35f.). Dort hatte sie am 12. April 1433 die schon 1428 (nach dem Tod ihres zweiten Gemahls Johann von Brabant) im Vertrag von Delft zugestandene Statthalter- und Erbschaft durch feierl. Abtretung der Gft.en an Hzg. Philipp von Burgund besiegeln müssen (Cartulaire des Comtes de Hainaut, Bd. 5, 1892, Nr. 1725, S. 177ff.; Boehm 1981, S. 124), - das war der Schlußstrich ihres zähen Kampfes gegen dieburgund. Einkreisung, wofür schon die bayer.-burgund. Doppelhochzeit von 1385 die Optionen eröffnet hatte: Jakobäa war von einer burgund., Philipp der Gute von einer bayer. Mutter (beide des Namens Margarethe) geb. In holländ. Volkstradition beim Keukenhof nächst ihres Sterbeorts blieb »Jacoba van Beieren« populär als Opfer polit. Ränke; im Bayern des 19. Jh.s ging sie in die »vaterländische« Literatur ein (Jansen 1967, S. 7; Löher 1862/69).

(4) Die Valois-Regierung der Burgund-Hzg.e Philipps des Guten († 1467) und Karls des Kühnen († 1477) versetzte den dezentralen Haag wieder in die Rolle der Nebenres. Für die Reiseherrschaft über die erweiterten und hinfort sog. »Niederlande« (Lademacher 2001) gab es, anders als für den bayer. Außenposten, nicht »die Residenz, aber auch nicht beliebig viele Residenzen« (Paravicini 1991, S. 248 [ND 2002, S. 482]). In der Hierarchie der regelmäßig oder sporad. besuchten »Hôtels« hatten Vorzug dieFrankreich nähereren und vom Reichtum zahlungswilliger Städte gestützten Res.en in Flandern (Brügge, Lille, Gent), Hennegau (Valenciennes, Mons), → Brabant (→ Brüssel). D. H. gehörte nicht zu jener ersten Garnitur, immerhin aber zu einer geschätzten Gruppe in den nördl. Provinzen. Das Itinerar (Itinéraires, 1940) bezeugt Philipp 1428 mehrwöchig in Holland (Vertrag von Delft am 3. Juli), in D. H. 1432, 1433 (Vertrag mit Jakobäa), 1436 (über Ostern), 1439 (über Ostern), 1445 jeweils ein bis drei Wochen. Sein längster und letztbezeugter Aufenthalt im Haag vom 2.Nov. 1455 bis 17. März 1456, ab 29. April nochmals drei Monate, verweist auf mehrfache Zusammenhänge. In einer Fehde mit dem Stift → Utrecht ging es Philipp um Durchsetzung der Bischofswahl seines Bastardsohnes David († 1496 als Bf.) gegen den Rivalen Gijsebrecht van Brederode, Ratsmitglied, den der Hzg. dann mit anderen Ämtern entschädigte (Damen 2000, S. 451). Am 1. Juni 1456 wurde die Hochzeit der natürl. Herzogstochter Yolande gefeiert (Itinéraires, 1940, S. 357; Namen und Daten von 26 illegitimen Kindern Philipps beiPrevenier/Blockmans 1986, S. 389). Als wichtigste Familienangelegenheit erschien die Verselbständigung eines Hofstaats des Erbprinzen Karl, Gf. von Charolais, der sich Febr. bis Juli 1456 zweckgerichtet im Haag aufhielt (Kruse 1996, S. 264). Höhepunkt im Sinne des polit. Prestiges war die neunte Kapitel-Sitzung des 1430 begründeten Ordens vom Goldenen Vlies im Juni 1456 im Binnenhof; der 1455 zum Hofhistoriographen ernannte Georges Chastellain beschrieb die für Burgund als dem damals berühmtesten Hof Europaswürdige Prachtentfaltung mittels vielerlei herantransportierter Schaukostbarkeiten (Tapisserien, Gold- und Silbergeschirr) in »einem der schönsten Säle der Welt« (Paravicini 1991, S. 233, 235f. [ND 2002, S. 472, 474f.]; Mostard 1980, S. 20f.; Prochno 2001, S. 106f.), - zu bedenken: in einem steingebauten Gebäude im Unterschied zu den sonst für Festlichkeiten damals öfter ad hoc errichteten Holzhallen. Kurz zuvor, 1453, geschahen - viell. im Hinblick auf das Fest? - Erweiterungen an der Hofkapelle, wofürviell. Ablaßgelder aus dem kirchl. Jubeljahr verwendet wurden (Prevenier/Blockmans 1986, S. 152; s. u. III). Nach 1456 verschwindet La Haye zwar aus dem Itinerar Philipps. Hingegen verlagerte Karl einen Schwerpunkt seines Machtaufbaues nach Holland; als beliebteste Res. baute er den Arkel-Besitz Gorinchem (Gorkum) aus (»blauer Turm«). Aber ab 1462 besuchte er fast jährl. auch D. H. (nicht 1465, 1466); nachweisbar dort 1464 (über Ostern; mehrere Wochen Anwesenheit der Gf.in); 1469 und 1473 empfing Hzg.Karl im Haag Gesandte europ. Höfe. Während der Feldlagerzeit ab 1474 residierte Karls Gemahlin Margarethe grundsätzl. in Gent, kam ledigl. Okt. 1476 für 12 Tage nach D. H. (Itinéraires de Philippe le Bon, Duc de Bourgogne [1419-1467] et de Charles, Comte de Charolais [1433-1467], 1940, und Itinéraires de Charles, Duc de Bourgogne, Marguerite d'York et Marie de Bourgogne 1467-1477, 1936; vgl. auch Briefwechsel Karls des Kühnen, 1995, Register: Stw. »'s-Gravenhage«).

Zwar nicht mehr fsl. Hauptsitz, festigte sich D. H. fortan doch als Regierungsbehörde für Holland-Zeeland, zumal Hzg. Philipp zunächst kaum Eingriffe in die regionale Grafschafts-Verwaltung vornahm. Bis ca. 1445/50 ist personelle Kontinuität aus beiden Klientelen der bayer. Periode nachweisbar: 13 Ratsherren Johanns und 17 Jakobäas wirkten über 1433 hinaus, einzelne sogar bis 1463, wobei den Borselens und Egmonds bzw. den Montfoorts Gewicht zukam (Damen 2000 mit Namens-Tabellen S. 160ff., 213f.; vgl. dort den biograph. Anhang; zu Adels-Genealogien vgl.Janse 2001, pass.). Um 1446 begannen Strukturreformen der im Haager Binnenhof lokalisierten Institutionen, zuvörderst dem Finanzwesen geltend. Kernstück burgund. Zentralisierungspolitik waren die zuerst in Flandern und → Brabant eingerichteten Rechnungskammern. Da die jährl. Rechnungsprüfung für Holland-Zeeland seit 1432 durch Kommissare aus Lille oder → Brüssel erfolgte, bedeutete die Konstituierung einer dritten niederländ. »Rekenkamer« (»Chambre des Comptes«) 1446 in D. H. einen Pfeiler der Selbständigkeit für Holland-Zeeland(Stein 2001 und Bos-Rops 2001). Als Regierungsorgan fungierte jedoch der hzgl. bestellte Statthalter (Stedehouder de landen van Holland, Zeeland ende Vriesland); in der Regel war er auch Vorsitzer des im Haag stationierten Ratskollegiums, dessen Zusammensetzung sich durch Verdrängung unbesoldeter Räte bei zunehmendem Zuzug von Beamten fläm. Herkunft soziolog. änderte. Im Zuge der jurist.-akadem. Professionalisierung von Rat und Grafschafts-Bürokratie wandelte sich die Haager Res.künftig zum sog. »Hof van Holland« als Justizbehörde (Le Bailly 2001). Hzg. Karls zentralist. Reformen ab 1463 etablierten seinen »Großen Rat« 1473 als Parlament in Mecheln (nach 1477 erneuert 1504); dabei verlor D. H. nur kurzfristig die Rechnungskammer. In der Zukunft blieb der Provinzial-Eigenstand von Justiz und Finanzen im Hof von Holland das Rückgrat polit.-staatl. Identität der Gft.

(5) Der Tod Karls des Kühnen bei Nancy (5. Jan. 1477) stürzte die burgund. Niederlande in eine ca. 15jährige Staatskrise unter außen- und innenpolit. Druck durch Annexionen Frankreichs und anti-zentralist. Revolten der Stände, in der Forschung auch als »révolution légale« oder »constitutionelle« gedeutet. Zum Herrschaftsantritt erkaufte die 20jährige, mit Ehzg. → Maximilian von Österreich verlobte Erbtochter Maria (Verkündung der Vermählung 26. März 1477, Vollzug 19. Aug.) die Anerkennung von den nach Gent einberufenen Ständen der Provinzen (États Généraux,noch nicht »Generalstaaten« im späteren Sinn) mit dem »Großen Privileg« vom 11. Febr. 1477 (Le privilège general et les privilèges regionaux de Marie de Bourgogne pour Les Pays-Bas, 1477, 1985). Bedingt u. a. durch Termin- und winterl. Reiseprobleme (die Delegation aus D. H. z. B. kam verspätet) folgten dem Generalprivileg einige provinziale Ausfertigungen. Die Stände von Holland-Zeeland, d. h. Vertreter des Adels und der sechs Hauptstädte, berieten am 7./12. Febr. im Binnenhof über eine Liste von 61 Gravamina. In der zu Gent ausgestellten, das Erst-Privileg für Flandern nachUmfang übertreffenden Handveste Marias vom 14. März 1477 für onse landen van Hollant, Zeelant ende Vrieslant (Jongkees 1985 und 1990), also - entgegen dem einstigen Eid der Ks.in Margarethe - ohne Hennegau, ging es um Bewahrung der polit.-territorialen Integrität durch eigenständige Kompetenzen der Gft.; u. a. durch die Ämter-Besetzung nur durch Personen, die in den landen geboren sind ende niet van vremden landen (Art. 4), durch die Zusammensetzung des Raid van Hollant aus sechs Holländern undzwei Seeländern (Art. 5), durch Restituierung der Rechenkammer (Art. 22), durch die Zusage, landesherrl. Mandate (brieven) in keiner anderen dan in Duytsscher tale zu senden (Art. 20). Holland-Zeeland war der vergleichsw. am schwächsten »burgundisierte« Teil der Niederlande, das spiegelt auch der geringe Anteil seines Adels in höchsten Hofämtern sowie im Orden vom Goldenen Vlies (Paravicini 1980; Bos-Rops 2001, S. 47).

Mit dem Dynastiewechsel zum habsburg. Regime nach dem tödl. Unfall Marias (1482), die D. H. offenbar nie besucht hat, betrat die Gft. das letzte Jahrhundert ihrer Geschichte unter folgenden Regenten: → Maximilian I. (1482-1519), zuerst als Ehzg. und Vogt seiner Gemahlin, dann röm. Kg./Ks.; Ehzg. Philipp der Schöne (1494-1506); Ks. → Karl V. (1519-55); Kg. Philipp II. (1554-98). Für D. H. brach eine fürstenferne Statthalter-Ära an. Die auf provinzialer Ebene regierenden gfl. Statthalter als Vorsitzende des Rats und Hofs von Holland waren untergebene Partner derzunächst meist in Mecheln residierenden Generalstatthalter der Niederlande. Aus der Reihe der letzteren seien hier gen.: Hzg. Albrecht von Sachsen »der Beherzte« (1488-93) als Befrieder der Bürgerkriege; drei Habsburgerinnen als Landvogtessen, näml. Mararethe von Österreich, Tochter → Maximilians, (1507-† 30), Kg.in Maria von Ungarn (1530-† 58), Schwester → Karls V., und Margarethe von Parma (1559-80, † 1586), natürl. Tochter → Karls V.; die Wirksamkeit Wilhelms I. von Oranien, Gf. von Nassau (1555 mit Unterbrechung bis † 1584), mündete ins Ende derGrafschaftsepoche.

Zum Regierungswechsel gehörte für jeden neuen Herrscher die traditionelle Tour durch die Provinzen zur Bestätigung von Anerkennung und Steuerzusagen. → Maximilian residierte in den Jahren nach der Hochzeit noch einige Male im Binnenhof: So 1478 nach dem Osterfest (in Dordrecht?) vom 25. März bis 8. April; auffallend lang i. J. 1480 vom 12. März bis 31. Mai, bedingt durch eine Fiebererkrankung (Itinéraires de Marie de Bourgogne et de Maximilien d'Autriche 1477-1482, 1934, vermerken Arztbesuche; vgl. auch Wiesflecker, Bd 1, 1971, S. 154f.); dannnochmals 1481 zu Ostern sowie an einigen Septembertagen. Bei dem wiederaufflammenden Hoek-Kabeljau'schen Bürgerkrieg kam es 1479 zur Belagerung des (damals fürstenlosen) Binnenhofs. → Maximilian besuchte nach der Kaiserkrönung 1508 nochmals Holland (Aufenthalt in Leiden). Aber er blieb dort Fremdling. Anders Philipp der Schöne († 1506), den die Stände Flanderns seit seiner Geburt (1478 populäre Taufwahrnehmung in Brügge durch die Präsentation des nackten Säuglings) als »natürlichen« Erben Marias gegen den Vater ausspielten; auch in Holland wurde ihm 1494 gehuldigt. Hofhielt er in Mecheln, D. H. blieb er fern bis zum Abzug 1501 als präsumptiver Erbe Spaniens (Prevenier/Blockmans 1986, S. 198ff.; Boer/Cordfunke 1997, S. 145ff.). Hingegen schloß der in Gent (1500) geborene → Karl V. bei seiner Holland-Hoffahrt Juni/Juli 1515 die Haager Res. mit ein. Ab 1520 besuchte der Ks. mehrmals die ihm wohlgesonnenen Niederlande mit Aufenthalten von insgesamt 55 Monaten (Tracy 1990, S. 44 nachGachard 1874). In der ehem. Jakobskirche von D. H. erinnert ein in ksl. Auftrag geschaffenes Glasfenster der Künstler D. und W. Crebith mit Darstellung des vor der Gottesmutter knieenden Ks.s daran, daß → Karl V. nach der Brandverwüstung der Groote Kerk 1539 bei Reformationsunruhen 1540 zwei Monate lang auf dem Binnenhof gewohnt hatte (Mostard 1980, S. 28). Dagegen blieb die Huldigungstour Philipps II. als Prinz 1549 dessen einziger Auftritt in Holland. Dieser ab 1555 regierende letzte Gf. von Holland-Zeeland(Tracy 1990, S. 176ff.) band die Niederlande ab 1556 an sein span. Kgtm., - im Widerspruch zu dem mit der dt. Reichsgliederung seit 1512 geschaffenen und 1548 von → Karl V. neu umschriebenen »Burgundischen Reichskreis«. Diesem war auch → Geldern eingegliedert, dessen Feldherr Maarten van Rossum noch 1528 beim Kriegszug durch Holland D. H. mit dem Binnenhof geplündert hatte (Zuider 1911; Tracy 1990, S. 73, 84f.).

Die zieml. verwaiste Fürstenres. D. H. entwickelte sich indes zu einer Herrschaftszentrale von bedeutendem polit. Gewicht: Standort nicht nur von Rat und Hof von Holland als höchstem provinzialen Verwaltungs- und Justizorganen, die durch die Strukturreform 1531 in den Kompetenzen für Holland-Zeeland bestätigt wurden, sondern auch künftiger Versammlungsort der Stände. Mit einer auf rd. 200 residente Amtspersonen berechneten Bürokratie und mind. 100 außerhalb des Binnenhofs im Dorf lebenden präsenten Gerichts-Offizialen, - für 1552 zählt man 105 lokale regierungsbeauftragteInquisitoren (Tracy 1990, S. 47), - wies der Haager Hof, d. h. auch als ständiger Haushalt, eine Größenordnung auf, die den zeitübl. Rahmen von Grafenhöfen (ca. 50-80 Personen, so Müller 1995, S. 30) übertraf. Dazu kamen die alle paar Wochen zu ein- oder mehrtägigen Ständeversammlungen (sog. dagvaarten) anreisenden Abgesandten aus Ritterschaft und Städten. Ladung erfolgte durch den Statthalter oder Präsidenten, das Verfahren organisierte der ab 1480 seitens der Stände eingesetzte Landesadvokat (oderadvocaat van den lande), der sich bald mit einem Sekretariat umgab; sein Wohnsitz war gebunden an D. H. als nicht-städt., darum als »neutral« geltendem Boden. »Partikuliere« Tagfahrten für Laufendes fanden bis 1578 meist im Dominikanerkl. an der Langen Voorhout, »generale« Sitzungen im Binnenhof statt, der durch Beschluß von 1578 Tagungsstätte für alle polit. Belange blieb (Koopmans 1990, S. 89ff., 94ff., 182; Liesker 1984). Die Stände rekrutierten sich aus gewählten Vertretern des Adels und der (seit1477 als solchen geladenen) stimmberechtigten sechs »Hauptstädte« Dordrecht, Haarlem, Delft, Leiden, Amsterdam, Gouda, 1578 erweitert auf 18 durch Einbeziehung einiger kleiner Städte. Zu ihnen zählte nicht das Dorf D. H., obwohl damals schon größer als manche der kleinen Städte; bei den vom Binnenhof aus einberufenen Ständeversammlungen führte D. H. keine Stimme, erlangte aber auf Antrag 1585 für eigenbetreffende Belange bedingte Zulassung, wobei die Stimmberechtigung über Pumerend ablief (Koopmans 1990, S. 32). Die holländ. Stände - dank der Blüte v. a. derStädte, aber auch des darin verflochtenen Adels, verkörperten sie seit dem 14. Jh. die stärkste Wirtschafts- und Finanzkraft - erfuhren im 16. Jh. einen steilen Machtaufstieg; mit ihnen wuchs die Zentralität des Residenzortes mit dem Binnenhof.

Im Gefolge der Reformation wurde der Gerichtshof von Holland Handlungs- und Schauplatz dramat. Prozesse. Herrscherl. Ketzeredikte seit 1521 in Form von sog. »Plakkaten« sowie die Tätigkeit von kgl. ernannten Inquisitoren provozierten Differenzen um die Kompetenzen zw. den Instanzen von Regierung, Hof, Bm. und Städten; letztere verhielten sich gegenüber Häretikern nachsichtiger als höhere Instanzen. Die gfl.-provinzialen Gewalten beriefen sich gegenüber der staatskirchl. Definition der Glaubensabweichung als crimen laesae maiestatis auf das Immunitäts-Privilegde non evocando; Hof und Stände spielten dieses gegen die Regierung, aber auch gegeneinander aus unter Berufung auf ein Konkordat von 1434 zw. dem Bf. und dem Hzg. von Burgund, das Gerichtsimmunität für dessen (auch niederländ.) Untertanen gewährte (Post 1957, S. 94f.; Tracy 1990, S. 155ff., 172 u. ö.). Der Vollzug erster Ketzerverbrennungen beim Binnenhof ist 1525/7 bezeugt; für die Jahre der Wiedertäuferbewegung 1538 bis 1545 verzeichnen die Akten 17 Todesurteile und 22 Verbannungs-Sentenzen des Hofs vonHolland. Resistenzverhalten des Hofs gegen Edikte riskierte Verdächtigung in der Zentrale → Brüssel. Zwei Exekutionen 1564 in D. H. erfolgten viell. unter Einfluß des damaligen Kapitel-Dekans der Hofkapelle Willem van der Lindt (Lindanus), ehem. Theologie- Prof. der SJ-Universität → Dillingen, als Inquisitor in Kontroverse mit dem gfl. Rat (zu Berichten an die Generalstatthalterin: Tracy 1990, S. 204ff.). Die Verschärfung des staatskirchl. Absolutismus' unter Philipp II. schürte den Widerstand der zurückgedrängten Stände, bes. nach der1559/61 päpstl. dekretierten Neuorganisation der Kirchenprovinz (Erhebung → Utrechts zum Ebm. mit neuen Suffragan bm.ern, u. a. Haarlem und Middelburg) und der Intensivierung der Verfolgung von Häretikern nach dem Bildersturm von 1566; die Hofkapelle blieb damals unversehrt. Der 1555 kgl. eingesetzte Statthalter für Holland, Zeeland und → Utrecht, Wilhelm (I.) von Oranien, Gf. von Nassau (ermordet 1584 in Delft), profilierte sich mit den adeligen »Geusen« als Kritiker der Generalstatthalterin und schürte den Sturz ihres übermächtigen Regierungsberaters Kard. Granvella. AlsFührergestalt der sieben aufständ. vorwiegend protestant. Provinzen formierte er die Union von → Utrecht (23. Jan. 1579). In dem 1578 zum ständigen Tagungsort bestimmten Haager Binnenhof signierten die Vertreter der nördl. Provinzen am 26. Juli 1581 das Manifest über die Lossagung von Spanien, somit das Ende der Gft.(en). Die Ortswahl des histor. Aktes bestätigte zugl. den Vorrang Hollands in den sog. Generalstaaten (Staten-Generaal), deren Unabhängigkeit dann 1648 der Westfälische Friede sanktionierte. Die Stände banden ihr Regierungszentrum weiterhin an den Haag (beiörtl. Fortbestand der Funktionssbereiche von Rat, Jurisdiktion, Verwaltung; Kuyper 1984). Nach dem Scheitern der Gewinnung eines auswärtigen spanienfeindl. Souveräns - der Günstling Kg.in Elisabeths II. von England, Robert Dudely Gf. von Leicester, zog triumphal, aber kurzfristig im »kaiserlichen Quartier« (s. u. III) des Haager Binnenhofs ein und wieder aus - folgte 1585 Wilhelms Sohn Moritz (Maurits) als nicht mehr → Brüssel, sondern den Staten verpflichteter Statthalter († 1625). Seinen Wegbereiter, den leitenden Landesadvokaten(raadspensionaris) Johan van Oldenbarneveld, mit dem er in polit. und kirchl. Konflikt geriet, ließ er nach einem Hochverratsprozeß 1619 im Haag enthaupten (die Urteilssentenz des Hofes ist gedruckt überliefert). Als Nationalheld fand der »Rebell« dennoch sein Grab in der Hofkapelle. Seit Maurits bezogen die Oranier den Binnenhof als dauerhaften Amts- und Wohnsitz, der nun erneut Prinzengeburtsstätte von Erbregenten mit aufwendiger Hofhaltung wurde, obwohl sie eigtl. als Angestellte der Generalstaaten »Gäste« blieben. Ihr mit der nun wieder permanentenResidenzhofhaltung verknüpftes quasi monarch. Bewußtsein mit deutl. absolutist. Zügen spiegelt sich u. a. in der topograph. Symbolik der Statthalterportraits (Jansen 1984, S. 59f.).

III.

Die Nutzung der einstigen Grafendomäne für Regierungszwecke weist einzigartige Kontinuität auf. Heute ist der Ort D. H. (gegenwärtig mit ca. 445 000 Einw.) - neben der Landeshauptstadt Amsterdam - Zentrale des Kgr.s der Niederlande, d. h. Sitz von Ministerien, Tagungsstätte der zwei Kammern des Parlaments (Generalstaaten) sowie Res. der Kg.in aus dem Haus Oranien-Nassau, seit 1581 durch Statthalter, ab 1815 durch Kg.e regiert. Histor. Kern des Regierungsbezirks ist der Binnenhof. Nach vorübergehender Zweckentfremdung seines »Grote Zaal« als Lotterie- undBuchhändlersaal (Pelt/Tiethoff-Spliethoff 1984, Abb. Nr. 116), während der Franzosenzeit auch als Kaserne, sowie nach den teilw. Gebäudeabbrüchen von 1861 und 1879 geht die heutige Gestalt der Schloßbauten am Vijver zurück auf die Restaurierungsmaßnahmen 1898-1904 (Peters 1905; Commissie 1907); dabei flossen einige »neugotische« Kunstideale mit ein.

Der Ausbau des ursprgl. Wohntrakts von 1230/34 noch im Laufe des 13. Jh.s hat damalige Wesenskriterien herrschaftl. Res.en erfüllt: Lage nächst Jagdgründen, Umfriedung durch Hecke und Grachtausgrabungen (statt Burgmauer), Repräsentationsraum mit kunstvoller Zugangsarchitektur, Kapelle als Eigenkirche, Anlage eines Hofgewässers (Hofvijver), so erkennbar auf den Rekonstruktionsskizzen (1905/07) des für etwa 1300 erschlossenen Zustands. Der Typus des mehrgeschossigen Palastgebäudes läßt auf ein ausgeprägtes Souveränitätsbewußtsein des Hauptbauherrn Floris V. schließen, das sich auf die väterl.Königswürde und eigene Thronansprüche (s. o. II) stützen konnte. Die Forschung erkennt im Stil des Repräsentationsraumes und der Westfassade des ost-westl. orientierten Gebäudes eine bemerkenswerte historisch-allegorische Programmatik. Der »Grote Zaal« (im 19. Jh. umgetauft zum »Rittersaal«) stand mit den Maßen von 120 × 55 Fuß (entspr. 6600 Quadratfuß), umgerechnet 37,60 × 17,20 m (entspr. 646,72 qm) nur knapp ein Drittel zurück hinter dem im 15. Jh. aufgeführten Saal der Prachtres. von → Brüssel mit 9000 Quadratfuß(Paravicini 1991, S. 242). Als frühes Zeugnis der fläm. Backsteinkultur und der sog. Scheldegotik verweist zum einen die Anlage als freistehender Palastbau, ähnl. der Haakonshall im norweg. Bergen, zum andern das auffallende Rundfenster der Westfassade zw. den Flanken-Türmen auf Einflüsse der engl. Herrschafts- und Sakralarchitektur (Westminster Hall, Kathedrale von Salisbury). Die Forschung vermutet hinter dem Konzept den Baumeister und gfl. Reisebegleiter Gerhard Arnoutsz(oon) van Leyden (Mekking 1997). Der anzunehmende Sitz-Platz desRegenten mit seinen Räten vor dem (um 1900 wiederhergestellten) großen Kamin mit Blick auf die gegenüberliegende Fensterrosette, wie schon die Anordnung im älteren Erdgeschoßsaal mit kleinerem rundem Fenster, ist herrschaftssymbol. deutbar (Metaphern für Rad, Sonne etc.). Mecking interpretiert auch das 1295/1300 entstandene Siegelbild des vom Gf.en damals eroberten Grenzdorfes Woerden, näml. mit Doppelturmfassende, Rundfenster und krabbenfressenden Vögeln auf (runden) Turm-Zeltdächern, nicht als Stadttor, sondern als konkretes Abbild der Fassade des Haager »Sacrum Palatium«mit herald. Storchen-Motiv: Adebar, alter Begriff für den Sumpfgänger als Glücks- und Besitzbringer, ist Wappentier des heute Stadt D. H. genannten Residenzortes

Auf dem Areal des Binnenhofs wurde um 1250 oder 1298 (so Mekking 1997, S. 526f.) die Hofkapelle mit Längsseite am Vijver erbaut. Der Grdr. der 1879 abgerissenen Kapelle - Flächenmaß der Fundamente: 21 × 8 m - ist bekannt von den 1770 durchgeführten Grabungen nach der Brandzerstörung von 1644; zur Erschließung von Geschichte und Ausstattung ist namentl. das Archiv der gfl. Rechnungen auswertbar (Kort 1981; Klooster 1984). Die Funktion der Kapelle als wittelsb. Familiengrablege wurdeschon erwähnt (s. o. II); 1770 hat man die Grabkammern wiederentdeckt. Aus Chroniknotizen und aus Belegen der Rechnungskammer für die Werkleute geht hervor, daß das Grabmal der Gemahlin Hzg. Albrechts, Margaretha von Brieg, an dem drei Jahre gearbeitet wurde, sicher zu den seinerzeit künstler. wertvollsten Skulpturzeugnissen der Gft. gehörte, weil es sich nachweisl. anlehnte an das (ebenfalls nicht überkommene) Grabmonument von Albrechts ksl. Mutter in Valenciennes, beschrieben als von »Pleurants« umringte liegende Figur (Klooster 1984, S. 30ff.). Darüberhinausist bemerkenswert die Einrichtung von Chorgestühl um 1373 in der kurz zuvor zum Kapitel erhöhten Kapelle für die 12 Kanoniker. Bezeugt ist der Einbau einer Wand (sog. Oxaal oder Oksaal) mit 30 Nischen, worin Grafenbildnisse angebracht wurden, wahrscheinl. in Etappen fortlaufend ergänzt; als letztes in der noch 1569 als existent bezeugten Nischenwand folgte das Bildnis → Karls V. Dieser Sachverhalt legt nahe, daß die bekannte überlieferte Fresco-Serie aus der Haarlemer Karmeliterkirche (überführt ins Rathaus; das Buch vonBoer/Cordfunke 1995/97 lehnt sich daran an) wohl nicht die älteste war, von der viell. auch die Grafenserie in Egmond beeinflußt war. Die Residenzkapelle, um 1453 (s. o. II) westl. um ca. 5,5 m verlängert durch eine Art Emporenplatz (»travée«), wird um 1580 gepriesen als Thumbstifft mit einer ubermessigen schönen Cappellen (Ludovico Guicciardini, Niderlands Beschreibung, 1580, S. CCXX). Danach diente sie dem reformierten Gottesdienst, ab 1591 als »welsches« (wohl calvinist.)Bethaus, um nach 1807 in der Franzosenzeit wieder dem röm.-kathol. Ritus zugeführt zu werden.

Der Binnenhof - dessen Gesamtterrain innerhalb der Vijver- und Grachtumringung bzw. des im 14./15. Jh. belegten Hofsingels (Umwallung) auf 1000 × 480 Laufmeter geschätzt wird (Brokken 1984, S. 14) - hat natürl. mehrfache, sowohl Wohn- wie Amtsräume betreffende Um-, An- und Neubauten erfahren; dem ist hier aber nicht im Detail nachzugehen (Überblicke bei Pelt/Tiethoff-Spliethoff 1984). In den Erweiterungsbauten und ihren Benennungen spiegelt sich dieResidenzentwicklung als Dynastie- und als Verfassungsgeschichte, so z. B. in den baul. Ausgliederungen von »Quartieren«: Das im 14. Jh. entstandene »Beiers Kwartier« wurde seit dem 15. Jh. genutzt für Besuche von Souveränen, nach → Karls V. Aufenthalt benannt als keizerlijk kwartier. Die Einrichtung des Stadhouder-kwartier erfolgte im Bereich des westl. Torbaues vom Binnen- zum Buitenhof, angrenzend im 17. Jh. der »Prinsentuin« (Gartenanlage). Seit dem SpätMA wuchs mit dem Verwaltungszentrum der Anspruch von Amtsräumen: DieRechenkammer etablierte sich seit dem 14. Jh. vor dem Eingang nördl. zum »Groten Zaal«, die raidcamer auf dem Gelände westl. der Kapelle, dort war wohl auch manche Wohnung vornehmer Ratsleute. Als Versammlungsraum des Gerichtshofs, auch unter der »Staten«-Regierung, eignete sich im Hauptgebäude hinter dem Großen Saal der oude Zaal, seit dem 16. Jh. als Rolzaal (Benennung abgeleitet von rotulus, plaitrol, Prozeß-Rolle), wo u. a. 1619 die Verurteilung Oldenbarneveldsstattfand. Das Gefängnis befand sich in einem der Torbauten; die Gevangenenpoort wurde populär im Zusammenhang der Inquisitionsprozesse. Die Generalstaaten-Versammlungen trifft man im 17./18. Jh. in der sog. Trêveskamer (nach Aushandlung des ersten Waffenstillstands mit den Spaniern 1608; Tiethoff-Spliethoff 1984), während das Staten-Kwartier anstelle des vormaligen ksl. Quartiers 1652/58 eine völlige Neugestaltung erfuhr(Kuyper S. 85ff.). Das topograph. Dekor der Statthalterportraits (s. o.) sowie sonstige Gemälde vermitteln Aufschlüsse über die architekton. eindrucksvolle Residenzsituation in der Frühen Neuzeit. Seit der habsburg. Periode verfügte die Res. auch über eine Bibliothek, die Königliche Liberey, der durch Kg. Philipp II. überantwortet worden seien viel Latinische und Frantzösische Bücher, welche der Madama Margaretha von Oesterreich Gubernantin [...] gewesen seind (Guicciardini, Beschreibung, 1580,S. CCXX).

Über Verfassungsumbrüche hinweg ist der im 13. Jh. als palatium regale konzipierte gfl. Binnenhof und sein repräsentativer Festsaal Mittelpunkt und Kleinod der Res. bis heute geblieben, gleichsam als histor.-nationales Symbol. Nach der Restauration erfolgte am 20. Sept. 1904 die Einweihung des damals neu getauften Riddersaal mit Verlesung der Thronrede durch die regierende Kg.in Wilhelmina vor den vereinigten Kammern der Staten-Generaal.

Quellen

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