Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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COBURG C.2.

I.

1056 Coburg, 1125 mons für die Burg, 1182 Chouburch für die Befestigung auf dem Burgberg. Etymologie des Namens dunkel, wohl von altslaw. chov, altwend. khow - Sicherung - 1075 Truftelstat für eine urbane Talsiedlung, 1217 burgus, quod antiquitus dicebatur Trufolistat, 1272 civitas Koburch, 1330 opidum.

Der 157 m die Stadt überragende Festungsberg diente nach dem Aussterben der Hzg.e von Andechs-Meranien 1248 als Res. den Gf.en von → Henneberg bis 1291, von 1292-1312 den Mgf.en von → Brandenburg aus askan. Geschlecht, von 1312-53 den Gf.en von → Henneberg-Schleusingen als Mittelpunkt der sog. Neuen Herrschaft, die sich von Schweinfurt bis Sonneberg und im N bis Salzungen erstreckte. Durch Einheirat kam 1353 die Pflege C., seit 1423 auch als sächs. Ortlande in Franken bezeichnet, an Mgf. Friedrich III. von Meißen und damit an das Haus→ Wettin, wo sie als selbständiges Hzm. von der ernestin. Linie seit 1485 regiert bis 1918 verbleibt. Die Veste C., stets zeitweiliger Wohnsitz, wurde Res. für Hzg. Johann Ernst von Sachsen 1541-53, der seine Hofhaltung ab 1547 auch in das neuerbaute Stadtschloß Ehrenburg verlegt, das 1695 von Hzg. Albrecht weiter ausgebaut wurde. - D, Bayern, Reg.bez. Oberfranken, kreisfreie Stadt.

II.

C. liegt im Talbecken der Itz am Südrand des Thüringer Waldes in 296 m ü. d. M. (Veste 453 m). Die seit Alters bedeutende, durch C. verlaufende N-S-Straßenverbindung, nach dem Nürnberger Kartographen Etzlaub (1460-1532) die ehemalige Pilgerstrasse von Dänemark nach Rom, gabelt sich im N C.s aus → Gotha kommend für die Destinationen S (→ Bamberg), SW (Grabfeldgau-Würzburg) und O (→ Leipzig). Entwicklungsgeschichtl. wurde die Region seit dem frühen MA vom Grabfeldgau beeinflußt, an dessen südöstl. Rand sie liegt.

Um 992 erhielt Mathilde, Tochter Ks. Ottos II. (973-83), anlässl. ihrer Hochzeit mit Pfgf. Erenfrid (Ezzo) von Lothringen von ihrem Bruder Otto III. (983-1002) Reichsgüter in Thüringen und Franken, die ihre Tochter Richeza (993-1063) erbte und lt. Fundatio monasterii Brunwilarensis (Braunweiler) 1056 Bf. Anno II. und dem Erzstift → Köln vermachte, darunter auch Saalfeld-C. Bf. Anno tradierte die Güter der Benediktinerabtei auf dem Petersberg bei Saalfeld 1071. Die auf der Burg (mons) C. vom Kl. zur Verwaltung der Güter eingerichtetePropstei wurde in eine Thüringer-Siedlung mit ursprgl. Namen Truftelstat (1075) bzw. Trufolistat (1217) verlegt, deren Kern um die von 1310 an neuerbaute Pfarrkirche St. Mauritius oder um St. Laurentius in der Vorstadt vermutet wird. Bm. bereits für die Propstei war → Würzburg. Die spätere Stadt entstand im 13. Jh. mit regelmäßigem Grdr., vier Toren und kreisförmiger Ummauerung, gleichzeitig wurde die Burg (sloss, Veste) durch Gf. Hermann I. von Henneberg zur Res. ausgebaut. C. wird 1217 alsburgus, 1272 als civitas (in der Siegelumschrift), 1330 als (castrum et) opidum bezeichnet. Die erste Münzstätte ist 1265 nachgewiesen. 1331 verlieh Ks. → Ludwig IV. C. das Schweinfurter Stadtrecht. Von ca. 1300 bis zum 16. Jh. wurden die vor der inneren Stadtmauer gewachsenen Vororte befestigt. Diesen nördl. vorgelagert wurde an der Stelle einer Laurentius-Kapelle des 12. Jh.s 1401 die spätgot. Heilig-Kreuz-Kirche errichtet.

Bei der Teilung des wettin. Territoriums 1485 zw. Kfs. Ernst von Sachsen und seinem Bruder Hzg. Albrecht fiel C. an die ernestin. Linie. Die Veste C. wurde 1499-1525 Res. für Kfs. Friedrich III., den Förderer der Reformation (Einführung des protestant. Glaubens 1524) und Protektor Martin Luthers, der 1530 während des Augsburger Reichstags diese für sechs Monate bewohnte. Zunehmenden Residenzcharakter erhielt C. 1542-53, als Hzg. Johann Ernst von Sachsen an der Stelle des 1526 säkularisierten Franziskanerkl.s das Schloß Ehrenburg als Stadtres. erbauen ließ, die zweitälteste Stadtres. derRenaissance in Dtl. Dennoch wurde der Ausbau der Veste durch die Anlage von Basteien nicht vernachlässigt.

Die für die ernestin. Linie ungünstig verlaufenden Grumbachschen Händel 1567 bewirkten eine Reduktion des coburg. Landesteils, der später nochmals auf Nebenlinien aufgeteilt wurde. Unter Hzg. Johann Casimir (1586-1633) erhielt C. erstmals den Status der Haupt- und Residenzstadt des Hzm.s Sachsen-C.-Eisenach.

III.

Die Anfänge der stauferzeitl. Burganlage auf dem mons C. liegen im 11. Jh. Zur ovalen Anlage der seit dem 13. Jh. ausgebauten Burg gehören der Fürstenbau der östl. Hauptburg mit Doppelkapelle St. Peter und Paul, Hoher Kemenate und einem Bergfried; im westl. Burghof, von der Hauptburg durch eine Mauer getrennt, das Hohe Haus, nach dem Brand 1489 als Zeughaus wiederhergestellt, der Blaue und Rote Turm und ein granarium (Kornspeicher). Kapelle und Kornspeicher sind bereits 1075 erwähnt, als das Benediktinerkl.Saalfeld auf der Burg C. eine Propstei gründete. Nach 1353 wurde die Anlage von den → Wettinern mit drei Umfassungsmauern umgeben und im 16. und 17. Jh. mit Basteien verstärkt. Neugot. Umbauten unter den Hzg.en Ernst I. und II. 1838-60 (von Heideloff, Streib und Rothbart) folgt 1898-1929 ein weitgehender Rückbau auf ma. Formen durch Bodo Ebhardt.

1543-49 wurde das aufgelassene Franziskanerkl. (errichtet 1250) in der Stadt für Hzg. Johann Ernst von Sachsen-C. (1541-53) durch Paulus Beheim aus → Nürnberg, Nikolaus Grohmann und Caspar Fisch aus Kulmbach zur Stadtres. Ehrenburg umgebaut und seit 1616 unter Hzg. Johann Casimir nach Plänen von Michael Frey und Giovanni Bonalino erweitert. Die Anlage mit drei Höfen, von denen sich der des Hauptbaus heute dem Schloßplatz öffnet, wurde 1690 nach einem Brand erneuert (Hofkirche, Riesensaal) und von den Stukkateuren Caveani, Tagliati und Lucchese gestaltet. Unter Hzg. Ernst I.(1806-44) gewann die Anlage durch Umbauten im klassiszist. und neugot. Stil von Reniè-Grétry nach Plänen von Schinkel ihr heutiges Gesicht.

In unmittelbarer Nähe der Res. Ehrenburg befinden sich die Regierungskanzlei und das Zeughaus, 1597 bzw. 1616-21 von Sengelaub erbaut, ferner das Gymnasium Casimirianum (1601-04) von Sengelaub und Bergner. Ein hzgl. Ballhaus von 1627, im 18. und 19. Jh. Comödienhaus bzw. Hoftheater, wurde wg. des Neubaus eines klassizist. Hoftheaters am Schloßplatz 1837 abgerissen und an seiner Stelle die ehem. Hauptwache errichtet, deren Arkaden den bereits im 17. Jh. existierenden Hofgarten vom Schloßplatz bis hin zur Veste begrenzen.

Quellen

SA Coburg Urk LA E; Urk LA B nr. 23. - SA Würzburg, HU Würzburg 4065. - Brunwilarensis monasterii fundatio, in: MGH SS XI, 1854, S. 394-408. - Brunwilarensis monasterii fundatorum, in: MGH SS XIV, 1883, S. 121-144. - Hönn, Georg Paul: Sachsen-Coburgische Historia, Frankfurt/Leipzig 1700. ND Neustadt a. d. Aisch 1986. - Papst, Hermann: Die Brauweiler Geschichtsquellen, in: Georg Heinrich PERTZ: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 12 (1874) S. 80-200. - RDHT I, 1896.

Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Bd. 4, Landrathsamt Coburg, bearb. von Paul Lehfeld und Georg Voss, Jena 1907. ND Coburg 1981. - Dehio, Kunstdenkmäler, Bayern, 1, 1979. - Bayerisches Städtebuch, 1, 1971. - Pellender, Heinz: Chronik der Stadt und der Veste Coburg, Coburg 1983. - Schilling, Friedrich: Die Ur-Coburg und ihr Umland im Licht der spätottonischen Reichsgeschichte und der Schenkung Königin Ri- chezas, in:Schilling, Friedrich: Coburg mitten im Reich, Kallmünz 1956, S. 117-183. - Schneier, Walter: Coburg im Spiegel der Geschichte, Coburg 1985.