CELLE C.7.
I.
Kellu (993); Zcellis (1292); Zell (1642). Zunächst Nebenres. und Witwensitz, ab 1433 Hauptres. der Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg bis zum Aussterben der Linie 1705. - D, Niedersachsen, Reg.bez. Lüneburg, Kr. C.
II.
C. und der frühere Siedlungspunkt Altencelle liegen im Tal der Aller, die ab C. schiffbar war. Hier traf ein in nordsüdl. Richtung verlaufender Handelsweg auf einen in ostwestl. Richtung führenden Weg. Seit ca. 970 gab es eine Burg des sächs. Grafengeschlechts der Brunonen im heutigen Altencelle. Hier siedelten sich die ersten Bewohner an. Verleihung des Stadtrechts durch Hzg. Otto das Kind vor 1249, der C. wiederholt als Heerlager benutze. Ab 1288 ist ein Rat in der Stadt nachweisbar. Wg. der allmähl. Versandung des Umschlagplatzes und des Brandes der C.r Burgum 1290 wurde die Siedlung an den heutigen Standort verlegt, ohne daß die alte Siedlung aufgegeben wurde. Am heutigen Standort muß es bereits zuvor eine Zollstelle und Ansiedlungen gegeben haben. Hier kam es zur Anlage einer neuen Burg, die viell. alte Bauelemente übernahm. 1292 Verleihung des Lüneburger Stadtrechtes an die neue Siedlung, 1301 neues an → Braunschweig orientiertes Stadtrecht für C. 1315 erste urkundl. Erwähnung der Burg, die auch Sitz eines Vogtes war. Zw. 1369 und 1388 kam es im Lüneburger Erbfolgekrieg zu einer kurzen Regierungszeit des→ Askaniers Albrecht, Hzg. zu Sachsen-Wittenberg und Hzg. zu Lüneburg, der die Burg zur Res. erweiterte, nachdem die alte hzgl. Burg auf dem Kalkberg in → Lüneburg 1378 zerstört worden war. Ab 1433 wurde C. zur Hauptres. der C.r Linie der welf. Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg und blieb in dieser Funktion bis zum Aussterben der Linie i. J. 1705.
Älteste städt. Gebäude sind die Stadtkirche und das Rathaus. Im 15. Jh. kam es zu einer ersten Stadterweiterung und zur Gründung eines Kl.s und mehrerer Kapellen durch Hzg. Friedrich den Frommen, der sich auch im Franziskanerkl. in C. bestatten ließ (zuvor war das Michaeliskl. in → Lüneburg die Grablege). Hzgl. Behörden wurden in der Vorburg angesiedelt. Durch Hzg. Ernst den Bekenner wurden 1526 die Reformation im Hzm. eingeführt und die Franziskaner aus C. vertrieben. Eine dauerhafte fsl. Grablege wurde nun in der Stadtkirche angelegt. Es folgte ein starker Ausbau der Stadtunter fortifikator. Gesichtspunkten, ab 1626 war C. Garnisonsstadt. Durch Georg Wilhelm erneute Ausweitung des Stadtgebietes. Nach seinem Tod 1705 verliert C. seinen Residenzcharakter, der nur kurzzeitig durch die aus Kopenhagen verbannte Caroline Mathilde 1772-75 wiederbelebt wurde.
III.
Es ist zu vermuten, daß es am heutigen Standort auch vor der Verlegung der Stadt von Altencelle bereits einen Bau gegeben hat. Im letzten Viertel des 14. Jh.s kam es zum Ausbau durch einen quer zum Burgturm liegenden Saalbau. Im Lüneburger Erbfolgekrieg wurde die Burg v. a. unter Hzg. Albrecht von Sachsen und Lüneburg ausgebaut (Herren- und Frauenzimmer, Großer Saal, Bergfried, Torhaus, Back- und Brauhaus). Nach 1433 Erweiterung der Küche und des Saales. V. a. unter Hzg.in Anna von Nassau geschah der Ausbau unter repräsentativen Gesichtspunkten. Gegen Endedes 15. Jh.s waren die Ausmaße der heutigen Vierflügelanlage erreicht. Gesichert wurde das Gebäude seit dem frühen 16. Jh. durch einen hohen Wall und einen Graben. Gleichzeitig wurden die verschiedenen administrativen und ökonom. Funktionsbereiche in die Vorburg (heute: Schloßplatz) verlegt (Schreiberei, Kanzlei, Burgvogtei, Gefängnis, Brauhaus, Kornspeicher). Die künstler. Ausgestaltung des Schlosses erfuhr unter Wilhelm dem Jüngeren ihren Höhepunkt (Renaissanceausstattung der Schloßkapelle 1560/70 unter Mitwirkung des Niederländers Marten de Vos). Einbau des barocken Schloßtheatersdurch Georg Wilhelm 1675-90.
Quellen
HSA Hannover: Einnahme- und Ausgaberegister der Burgvogtei Celle, Celler Br. 61 Nr. 857, Bd. 1-8. - Die Chroniken der niedersächsischen Städte/Lüneburg, unveränd. Aufl. Göttingen 1968, ND der 1. Aufl. Stuttgart 1931 (Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, 36). - Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande, hg. von Heinrich Sudendorf, 10 Bde. und ein Registerbd., Hannover u. a. 1859-83. - Urkundenbuch der Stadt Celle, bearb. von Dieter Brosius,Hannover 1996 (Lüneburger Urkundenbuch, 17; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 37; Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter, 20).
Literatur
Busch, Ralf: Die Burg in Altencelle. Ihre Ausgrabung und das historische Umfeld erstmals vor 1000 Jahren genannt, Celle 1990 (Schriftenreihe des Stadtarchivs Celle und des Bomann-Museum, 19). - Cassel, Clemens: Geschichte der Stadt Celle mit besonderer Berücksichtigung des Geistes- und Kulturlebens der Bewohner, 2 Bde., Celle 1930/34. - Dormeier, Heinrich: Verwaltung und Rechnungswesen im spätmittelalterlichen Fürstentum Braunschweig-Lüneburg, Hannover 1994 (Veröffentlichungen derHistorischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 37; Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter, 18). - Masuch 1983. - Moeller, Volker: Altencelle. Das ursprüngliche Celle in seiner tausendjährigen Geschichte, Celle 1992. - Ohe, Hans Joachim von der: Die Zentral- und Hofverwaltung des Fürstentums Lüneburg (Celle) und ihre Beamten 1520-1648, Celle 1955. - Spangenberg, Ernst P. J.: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung der Stadt Celleim Königreiche Hannover, Celle 1826. ND Hannover 1979. - Streich, Brigitte: Celle als Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, in: Stadt - Land - Schloß, 2000, S. 57-86.