AHAUS C.3.
I.
A. mit nordwestl. Gebieten: Fgft. A., ursprgl. zur Fgft. Lon gehörend, Belehnung durch die Bf.e von Münster an die Herren von A. - D, Nordrein-Westfalen, Reg.bez. Münster, Kr. Borken.
II.
Die Burg und Herrschaft A. kamen durch Verpfändung am 13. Nov. 1400 in den Besitz des Bf.s. Der vorherige Besitzer Sweder, Herr zu Voost und Keppel, war im Verlauf einer Fehde 1398 in münster. Gefangenschaft geraten und erkaufte sich so die Freiheit. Seine wiederverheiratete Wwe. überließ am 21. Jan. 1406 für 4500 Goldgulden den Besitz von Herrschaft, Burg, Stadt und Gericht A. mit Gütern, und Personen (Burgmänner und Ministerialen). Durch seine wald- und wildreiche Lage war es wie andere Nebenres.en v. a. als Jagdres. geeignet. In der Res. verstarben die Bf.eHeinrich von Mörs (2. Juni 1450), Johann von Hoya (5. April 1574) und Christoph Bernhard von Galen (19. Sept. 1678). Ihre Regierungszeiten bedeuten gleichzeitig mit der Ergänzung durch Bf. Friedrich von Wied (1522-32) und Erich von Sachsen-Lauenburg (1532) auch Schwerpunkte in der Bedeutung der Res. In der Stiftsfehde von 1450-56 wurde A. vergebl. 1450/51 durch Johann von Hoya belagert. A. wurde durch benachbarte Dynasten entsetzt. Am 21. Jan. 1452 erhielt der mit Bf. Walraum verbündete Bf. Rudolf von Utrecht Besetzungs- und Pfandrecht. Am 21. Jan. 1458 wurde es durch Bf. Johann Pfgf. vonSimmern-Zweibrücken (1457-66) wieder eingelöst. Bis zur energ. Gegenreformation Galens gab es in A. reformator. Tendenzen. 1583 wurde A. durch Holländer geplündert, 1603 lagerten hier Spanier. 1622 wurde es durch mansfeld. Truppen geplündert, dann wurden ksl. Truppen einquartiert. 1633-49 war A. durch → Hessen besetzt. Im Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurden die Ämter A. und Bocholt den Fs.en von Salm zugeteilt, die im Schloß ihre Res. nahmen.
A. wird ungefähr 1300 zum ersten Mal als Stadt erwähnt. Die Stadt hatte Anteile an Zoll und anderen Einkünften, 1391 ein genau begrenztes Stadtrecht. Seit der Einverleibung ins Stift war A. Vorort eines bes. Amtes, dem 24 Kirchspiele angehörten. Die Stadt hatte eine geringe Bedeutung, eher den Charakter einer der fsl. Burg zugeordneten Freiheit. 1498 hatte A. 379 steuerpflichtige Einw., i. J. darauf 334. Im Schatzungsregister wird A. 1498 mit 334 Mark veranschlagt. Bf. Erich stiftete Messen und verlieh ihr am 31. Okt. 1521 das Recht, Wegegeld zu erheben. 1560 wurde die Stadt erweitert.Fsl. Beamte gehörten in der Regel nicht zur A.er Bürgerschaft. Als Bürger, die eindeutig der fsl. Res. zuzuordnen sind, finden sich im 16. Jh. im Bürgerbuch ein Goldschmied (1560), ein Rentmeister (1563), ein Sekretär (1570) und ein Hutmacher (1600). 1653 wurde durch Bf. Christoph Bernhard von Galen eine Fayence-Manufaktur gegr., die aber nur bis 1657 bestand. 1674 waren Stadt und Burg A. wehrhaft von Bastionen und Wasserläufen umschlossen.
III.
Die Res. lag am Ostrand der Stadt. Um den Unterburgkomplex war eine Grabenanlage gezogen. Das Residenzschloß hatte wahrscheinl. schon im 9. Jh. eine Vorgängerburg. Die Form der alten Landesburg ist unbekannt, sie wurde zusammen mit Ottenstein und Bevergern durch Otto von Hoya zu Beginn des 15. Jh.s wahrscheinl. in Kastellform auf einer hohen rechteckigen Insel mit Eckpavillons, in deren Untergeschossen Geschützpforten saßen, neu errichtet. Heinrich von Mörs soll das Schloß weiter ausgebaut haben. Zur Baugeschichte des neuen Schloßes existieren keine Quellen;als Baumeister 1689-95 ist der Kapuziner Ambrosius von Oelde erschlossen. Das Schloß ist ein Ziegelbau, es besteht aus einem Hauptgebäude mit Flügelbauten, Türmen, Giebeln und einer Freitreppe. Zur Res. gehörten als Nebengebäude Eckbauten, Torhäuser und das Einfahrtstor. Zw. Wohn- und Ökonomiebereich wurden Distanzräume eingehalten, dennoch wurde auf Axialsymmetrie geachtet. So bildet das Schloß den Endpunkt einer Achse: Torturm, Vorburg, Triumphtor, Ehrenhof. Vorbilder für den Schloßbau des 17. Jh.s finden sich in Frankreich mit holländ. Vermittlung. In der Innenaufteilung lagen diePrivaträume und die Kapelle zusammen (1689 von Friedrich Christian von Plettenberg gestiftet), es folgten Audienzzimmer und Ante-Chambre bis zum zentralen Treppenhaus. 1723 war vorgesehen, die dann folgende Küche in den Anbau zu verlegen. Daneben lagen die geistl. Tafel und das Ober-Marschall-Zimmer. Die große Hofküche wurde kleinteilig umgestaltet in ein Küchenmeister-Zimmer und die Küche von die Munds Köchin. In einem Inventar aus dem Jahr 1706 werden weitere Räumlichkeiten aufgezählt: Im Obergeschoß Gesandtenzimmer, eine obere Küche,Confiturkammer, Pagenkammer, Beichtvaterzimmer, eine obere Garderobe, Lakaienzimmer, Hofsaal und Hofküche. In den Vorburggebäuden befanden sich Räumlichkeiten für weitere Hofbedienstete: Sekretärszimmer, Kanzlistenzimmer, Kanzleiknechtekammer, Kriegskanzlei sowie Oberstallmeister- und Bereiterzimmer und ein Raum der Hofwachen. In einem Pavillon befanden sich das Altfrauenhaus, in weiteren Gebäuden auf dem Residenzgelände ein Gutshaus, Fechtschule Backhaus, Brauhaus, ein Orangeriebau und Komödienhaus. 1819 wurde das Gebäude vermietet und eine Tabakfabrik eingerichtet,Nach einem Brand im März 1945 wurde das Schloß ab 1951 wieder aufgebaut.
Quellen
Böker, Hans J.: Unbekannte Planzeichnungen Lambert Friedrich Corfeys, in: Westfalen 67 (1989) S. 171-183, S. 177ff. zu Ahaus, S. 178 Abb. Gesamtanlage, Hofansicht, Grundriß. - Kohl, Anna-Luise: Das Bürgerbuch der Stadt Ahaus 1401-1811, Ahaus 1979 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Ahaus, 1).
Literatur
Höper, Eva Maria: Das Residenzschloß zu Ahaus Münster 1991 (Westfälische Kunststätten, 61). - Ludorff, Albert: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Ahaus, Münster 1900 (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 9), S. 6-14, Tafeln 3f. - Mensing, Theodor: Schloß Ahaus und sein Baumeister, in: Westfalen 19 (1934) S. 371-326. - Tücking, Carl: Geschichte der Herrschaft und der Stadt Ahaus. Zweite Periode. Ahaus unter fürstbischöflicher Regierung1406-1803, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde 30 (3. Folge, 10) (1872) S. 1-102; 31 (4. Folge, 1) (1873) S. 1-45.