Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

DIEPHOLZ

C. Diepholz

I.

Die Errichtung der Burg D. dürfte mit dem Landesausbau in den nördlichen Bezirken des Bm.s Osnabrück zusammenhängen, der unter Bf. Benno II. (1068-1088) einsetzte. Wann die Burg genau in diesen hundert Jahren von 1068 bis 1160 – ihrer ersten Erwähnung – errichtet wurde, bleibt offen. Der noch erhaltene, mächtige Rundturm gehört aber eher in den früheren als den jüngeren Abschnitt dieses Zeitraums. Das castrum Depholte war ravensbergisches Lehen, doch lösten sich die Herren von → D. in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s aus diesem Vasallenverhältnis (Hucker, D., S. 11). Burg und Schloß D. blieben bis zum Aussterben der Herren und Gf.en von D. Sitz der Hofhaltung und Hauptres. Nachweisbar im letzten Vierteljh. → D.er Herrschaft wirkten hier Kanzler und Rentmeister, auch gab es einen Hofzwerg (Streich, Hauses Gemächer, S. 61 f.). Eine Burgkapelle wurde 1350 dotiert (Dieph. UB, Nr. 56). Die → D.er ließen hier Münzen bis gegen 1530 prägen, die aber überwiegend für den Export bestimmt waren (Giese, Münzen, S. 34-54). Der Flecken unter der Burg erhielt 1380 Osnabrücker Stadtrecht.

Die Annahme, die Burg Cornau sei ein Vorläufer der Gf.enburg D. gewesen (noch Streich, Hauses Gemächer, S. 54), bestätigt sich nicht. Der Name der erst 1369 erwähnten Veste bedeutet »Konrads Aue« – vermutlich hängt ihr Bau mit einer Erbteilung zwischen den Brüdern Rudolf II. (1262-1303) und Konrad VI. (1267-1302) zusammen. Da die Söhne Konrads infolge des erbenlosen Todes Rudolfs wieder nach D. übersiedeln konnten, blieb die (vermutete) Teilung letztlich wirkungslos und die Burg verlor ihre Bedeutung (Hucker, D., S. 13 f.). Später sind ihre Steine zum Bau der Auburg verwendet worden (Moormeyer, D., S. 29).

Die Gf.en Rudolf und Friedrich II. residierten seit 1529 überwiegend auf dem Schloß Lemförde (Flecken Lemförde, S. 51).