[REIFFERSCHEID-]WILDENBURG
I.
Die W. in dem zugehörigen Dorf in der Nordeifel (Gmd. Hellenthal), das während des MAs durchweg als Wildenberg erscheint, war Hauptsitz der Herren von W. und Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft. Als Vorgängerres. gilt eine Burg, deren Reste auf dem rund 6 km südwestlich gelegenen Berg Burgkopp liegen und die im 18. Jh. als Alt-W. bezeichnet wird.
Die W. wird erstmals 1263 erwähnt, der erste Dynast dieses Namens 1235. Mit dem Aussterben des Geschlechtes endet 1328 auch die Funktion als Res.
II.
Die W. ist eine der wenigen Eifeler Höhenburgen, die nicht durch Kriegseinwirkungen oder Abriß zwecks Gewinnung von Baumaterial zerstört worden ist. Sie gehört zur Gruppe der Spornburgen und liegt in rund 526 m Höhe am Ende eines schmalen, weit ins Tal reichenden Bergvorsprungs, der nach drei Seiten ziemlich steil abfällt. Ein schmälerer und niedrigerer Sattel stellt die Verbindung zu der höheren Flanke im O her, die dem höchsten Punkt der W.er Hochfläche auf der Krekeler Heide (607 m) zustrebt. Burg und Ort W. sind ganz von Wald umgeben und werden nur von einer einzigen Straße erschlossen. Über diese sind über Reifferscheid das Schleidener Tal und über Steinfeld das Urfttal zu erreichen.
Versorgungsbasis waren in der Hauptsache Land- und Forstwirtschaft und in geringerem Maße die Gewinnung von Blei- und Eisenerz. Die Jagdmöglichkeiten waren ausgezeichnet. Weiher am Leiterbach dienten der Versorgung mit Fischen.
W. gehörte zur Pfarrei Steinfeld im gleichnamigen Archidiakonat der Erzdiöz. Köln.
Die Besiedelung des auch heute nur wenige Häuser zählenden Ortes wird erst nach der Errichtung der Burg eingesetzt haben. Der Flekken war durch einen Halsgraben von der Burganlage getrennt und nur durch eine Hecke und einen Grindel an der einzigen Zufahrt geschützt. Ein Burgfrieden von 1416 umschreibt den Umfang der späteren Freiheit W. Diese umfaßte eine erheblich größere Fläche als das heutige Dorf, das also zu einer Bürgersiedlung oder gar Stadt ausgebaut werden sollte. Trotz einiger Sonderrechte der Bewohner ist es dazu nicht gekommen. Zur Freiheit rechnete auch die am Fuße der Burg in Manscheid gelegene Bannmühle.
III.
Möglicherw. hatte die Burg einen Vorgängerbau. Eine Untersuchung zur Datierung von 1992 aufgefundenen Mauerresten ist bisher unterblieben.
Aus der Zeit der Dynasten ist als einziges Gebäude der Burg ein templum aus dem Jahre 1263 bekannt, das mit der 1380 gen. Burgkapelle identisch ist, von der noch Reste vorhanden sind. 1344 wird ein Haus in der Vorburg aufgeführt.
Wenn auch keine weiteren Angaben zu Res. und Ort vorliegen, dürfte doch der oben erwähnte Burgfriede von 1416 noch die früheren Zustände widerspiegeln. Demnach bestand die Burganlage aus Vorburg und Oberster Burg (Hauptburg). An der Pforte zur Vorburg stand ein heute nicht mehr vorhandener Turm. Zur Hauptburg, vermutlich ebenfalls über einen Graben, führte ein weiteres Tor. Den ältesten Teil der Burg bildete der große vierkantige Wohnturm aus dem 12. oder frühen 13. Jh., der im 18. Jh. wg. der Errichtung einer Kellnerei durch die Abtei Steinfeld abgerissen wurde. Der Saal (Palas) wurde von einem großen Turm und einem Treppenturm flankiert. Den Palas baute die Abtei Steinfeld im 18. Jh. zur Kirche um. Der große Turm erfuhr im 16. und 18. Jh. ebenfalls bauliche Veränderungen. In Vor- und Hauptburg befand sich je eine Stallung, die an die Ringmauer angelehnt oder in diese integriert war. Der an der Südwestecke der Burganlage gelegene Bastionsturm ist spätestens im 16. Jh. entstanden, nicht aber schon zur Zeit der Herren von W. Denn seine Wandstärke soll schon auf Geschützfeuer berechnet sein.
Mit Ausnahme der Apsis der im Obergeschoß des ehem. Palas gelegenen Burgkapelle können keine Angaben über die Architektur und Einrichtung der Gebäude zur Zeit als Res. der Herren von W. gemacht werden.
Die oben benannten Bauwerke der Hauptburg sind alle erhalten. Die Vorburg erfuhr große Veränderungen zu Beginn des 19. Jh.s. Damals war das Burgtor und Turm schon nicht mehr vorhanden. Der Burggraben ist heute verfüllt.
Quellen
Grabungsbericht ZÜ 92/054 im Ortsarchiv des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege in Bonn.
Literatur
Siehe auch A. Wildenburg und B. Wildenburg. – Koch, Wilfried Maria: Lesefunde von der Burgruine Burgkopf in Giescheid, in: Archäologie im Rheinland, Köln u. a. 1996. – Herzog, Harald: Burgen und Schlösser, Köln 1989. – Konrads, Manfred: Bauen und Bauten in der Freiheit Wildenburg, in: Kreis Euskirchen, Jahrbuch 1983. – Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden, bearb. von Ernst Wackenroder, Düsseldorf 1932.