Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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VIANDEN

C. Vianden

I.

Vienna (1096, 1124); Vianna (1129, 1134); V. (1220); am heutigen dt.-luxemburgischen Grenzfluß Our gelegen, am Südrand der zentralen Ardennen. Die Burg befindet sich auf halber Höhe (etwa 60 m) auf einem Felsvorsprung zwischen dem Hochplateau und der Siedlung gleichen Namens im Tal (viell. der Mons Viennensis in einer Echternacher Urk. des ausgehenden 7. Jh.s?). Die südliche Felsspitze überragt Talsiedlung und Flußübergang; die nördliche Seite ist durch einen breiten Abschnittsgraben geschützt. Die Burg war vom Ende des 11. bis zum Beginn des 15. Jh.s (Erlöschen des Gf.enhauses) Res. der Gf.en und hat sowohl dem Gf.engeschlecht als auch der Gft. ihren Namen gegeben. Unter Gf. Gottfried (1273-1306), der sich im Hzm. Brabant (Grimbergen) niederließ, diente sie allerdings zwischenzeitlich nur als Nebensitz. Nach dem Tode Marias von V. (1400), die als letzte Gf.in aus dem Hause V. in der V.er Trinitarierkirche beigesetzt wurde, und der Übernahme der Gft. durch die Gf.en von → Nassau (1417), wurde die Burg gfl. Verwaltern als Wohn- und Wirtschaftssitz überlassen.

II.

Burg V. wurde auf einem länglichen Felsvorsprung, einem Ausläufer des nordwestlichen Höhenplateaus zwischen den tief eingeschnittenen Tälern der Our und des kleinen Schankbaches, errichtet. Vermutlich führte ein alter regionaler Verbindungsweg, der die westlichen Ardennen (Römerstraße Reims-Arlon-Zülpich-Köln) mit den römischen Zentren Bitburg und Trier (Straße Trier-Bitburg-Zülpich-Köln) verband, am Fuß des Burghügels über die Our, etwa an der Stelle, wo später eine Brücke die Burgsiedlung am rechten Ufer (Pfarrei V.) mit der Talsiedlung am linken Ufer (Pfarrei Roth) verband.

Auffallend ist die Grenzlage der Burg zwischen den alten karolingischen Gauen, den Pagi der Ardennen und des Bidgau, aber auch am Schnittpunkt der Diöz.n Lüttich und Trier und dadurch an der Grenze der Landdekanate Stablo, Mersch und Killburg. Der eher karge Boden des Ardennerplateaus, die bewaldeten Schieferhänge und die engen Täler erlaubten kaum landwirtschaftliche Nutzung; größere Wirtschaftszentren und Verkehrsachsen lagen abseits. Wirtschaftliche Motive für die Auswahl des Standortes der Dynastenburg am Ende des 11. Jh.s werden demnach kaum vorauszusetzen sein. Größeres Potenzial zum Aufbau einer Herrschaft lag in der für postkarolingische Gft.szentren typischen Randlage in weiter Entfernung zu den ebfl. Zentren (Trier, Lüttich), die Möglichkeit des Ausgreifens auf klösterl. Grundbesitz (Prüm, Echternach) und kgl. Forstbezirke (Bastogne, Thommen, Büllingen), sowie, von den naturräumlichen Begebenheiten her, das große Jagdgebiet des Ardennen-Eifelwaldes.

Über die fränkischen Siedlungen des unteren Ourtals ist nicht viel bekannt. Hinweise auf eine ursprgl. Großpfarrei um Geichlingen-Roth-Körperich beiderseits der Our lassen sich nur vermuten, genau wie die Gleichsetzung dieses Pfarrbezirks mit Prümer oder Echternacher Grundherrschaften. Die Politik der Gf.en von V. hatte direkte Auswirkungen auf die Pfarrorganisation im Bereich der sich entwickelnden Siedlung am Fuß der Burg. Zu einem nicht bekannten Datum etablierten die Gf.en die Templer in der südlich von V. am linken Flußufer liegenden älteren Kirche Roth (1228?, matrix ecclesia 1248), die über die Pfarrechte beiderseits der Our verfügte. Nach der Gründung des 1248 den Trinitariern unterstellten Hospitals (Gründungsdatum unbekannt; Gründer: Heinrich I. (1214-1252)) erfolgte die Erhebung der Burgkapelle (1256; den Trinitariern 1248 unterstellt) und dann der Trinitarierkirche (1266) zum neuen Pfarrzentrum rechts der Our. Fortan war die Ortschaft V. kirchenrechtlich durch die Our geteilt; die Templer aus Roth bestimmten einen Vikar für die an der linken Ourseite gelegene Nikolauskapelle (Ersterwähnung des Patroziniums 1311).

Diese kirchenrechtliche Entwicklung, die zu einem heftigen Streit zwischen den Gf.en von V. und dem Templerorden führte, und in Folge dessen die Gf.en exkommuniziert wurden (Aufhebung 1261), deutet auf den Ausbau der Siedlung am Fuß der Burg hin, über den sonst nicht viel bekannt ist. Die relativ geringe Zahl der zentralen Funktionen der Ortschaft V. (vor 1300: 5; vor 1400: 7; vor 1500: 7) deutet auf eine Kleinstadt (villa 1261; oppidum 1266; les bours et la ville 1269; la ville 1306) hin, die nicht dem Rang der alten Propsteizentren (Luxemburg, Echternach, Bitburg, Diedenhofen, Arlon) sondern eher dem der jüngeren Verwaltungszentren der Gft. Luxemburg entspricht (Grevenmacher, Remich). Dennoch sind Bestreben der Gf.en von V., ihre Siedlung auszubauen, unverkennbar: Neben Hospital (erste Hälfte des 13. Jh.s) und Leproserie (1261) werden Lombarden (vor 1300), ein Wochenmarkt (1309), eine Zunft und Tuchproduktion (1457) erwähnt. 1306 befreit Gf. Philipp II. die Stadt nach Trierer Recht, mehr als ein halbes Jh. nach der Befreiung der ersten Propsteizentren der Gft. Luxemburg. Die Befreiungsurk. ist noch stark geprägt von lehnsrechtlichen Aspekten und zeigt eine vom Gf.en stark abhängige Gemeinschaft (oppidani; bourgeois) mit geringem städtischem Charakter. Die Gmd. wurde von einem Richter (justicier) und sieben Schöffen verwaltet.

Da die erste Pfarrkirche im etwa 2 km südlich liegenden Roth stand, ist kaum davon auszugehen, daß die Siedlung V. der Burg vorausging. Die durch archäologische Funde belegten spätantiken, merowinger- und karolingerzeitlichen Befestigungsanlagen auf dem Hügel haben wohl keine nennenswerte Besiedlung im Tal bewirkt. Erst die Dynastenburg ab dem Ende des 11. Jh.s ließ als ständiger Wohnsitz der Gf.en die Siedlung im Tal anwachsen. Vermutlich wurde diese entlang des Talwegs am Schankbach um 1200 ein erstes Mal umwehrt. Dieser ersten Umwehrung lag der Markt in Form einer einfachen Straßenverbreiterung an der westlichen Seite vor. Ein erstes Stadtrecht in mündlicher Form, die Gründung eines Hospitals vor 1248 und der ersten Stadtpfarrei kurze Zeit später bezeugen den Wunsch der Gf.en, den urbanen Charakter der Burgsiedlung schon in der ersten Hälfte des 13. Jh.s zu fördern. Die Entwicklung der Talsiedlung links der Our (Pfarrei Roth) und außerhalb der Stadtumwehrung ist wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s anzusetzen. Beide Ortsteile wurden durch eine Brücke miteinander verbunden, dessen Baudatum nicht bekannt ist. Im späten MA wird die Umwehrung der Burgsiedlung rechts der Our (Pfarrei V.) nach W und N in Richtung Talhöhe ausgedehnt (Einbezug des Marktplatzes) und mit zwei Stadttoren (Oberes und Unteres Stadttor) ergänzt. Somit wurde auch der Hauptzugang zur Burg, der außerhalb der Stadtumwehrung liegen mußte, nach N verlegt. Ein älterer Zugang in Form eines Hohlweges führte direkt von der Burg zur Stadt.

Nach dem 14. Jh. gab es keine nennenswerte Entwicklung der Kleinstadt, wohl auch weil die Burg ihren Res.charakter verlor. Im Feuerstättenverzeichnis von 1501 werden 113 Familien erwähnt, etwa die Hälfte der Feuerstätten der Abteistadt Echternach und ein Viertel von Luxemburg-Stadt. Die Stadt V. wurde von einem Bürgermeister und sieben Schöffen verwaltet. Sie kannte sieben Zünfte, von denen v.a. die Goldschmiede eine beeindruckende Produktion von weltlichen und religiösen Kunstwerke hinterließen, die über den ganzen Raum der Ardennen und der Eifel verbreitet sind. Kurz nach 1564 ließ Wilhelm I. von Oranien- → Nassau in V. ein erstes Eisenwerk auf heutigem Luxemburger Gebiet errichten, das allerdings nur kurzen Bestand hatte Die Stadt war von einer Ringmauer umgeben, die 24 halbkreisförmige Türme und fünf Pforten zählte. 1679 wurde die Ringmauer durch den frz. Marschall de Boufflers zerstört. Pläne für den Umbau zu einer Zitadelle durch Ingenieure Vaubans wurden nicht ausgeführt. Um 1850 wurden die beiden letzten Stadtpforten, die Obere Pforte und die Brückenpforte, abgetragen, weil sie den Verkehr behinderten.

III.

Mit dem Erlöschen des V.er Gf.engeschlechts zu Beginn des 15. Jh.s verlor die Burg ihren zentralen Charakter und diente fortan hauptsächlich Lagerungs- und Wirtschaftszwecken (Schmiede, Brauhaus) und als Wohnsitz der Verwalter (1470: Bgf.; 1617: Statthalter/Amtmann) der Gf.en von → Nassau (Neubau der sog. »Nassauer Türme«, um 1620). Die Burg blieb dadurch vor milit. Aktionen geschützt, verlor aber zusehends ihren ma. Glanz. Umbauten durch die Intendanten vom 16. bis zum 18. Jh. (Umgestaltung und Ausbau der Vorburg zu Speicher- und Verarbeitungszwecken), sowie Abriß und Verkauf von Baumaterialien nach der Versteigerung an einen V.er Bürger (1820) setzten der Kernburg schwer zu. 1827 wurde sie vom luxemburgischen Großhzg. Wilhelm I., Kg. der Niederlande, erworben, und ab der zweiten Hälfte des 19. Jh.s (über?)restauriert (Pläne und Zeichnungen von Bodo Ebhardt). Als der Staat die Burg 1977 erwarb, wurde sie progressiv fachgerecht untersucht, aufgenommen und restauriert, Arbeiten, die durch archäologische Untersuchungen ergänzt wurden (John Zimmer, Nationales Denkmalamt, 1983-1994).

Folgt man den Rekonstruktionsversuchen von John Zimmer, so bestand auf dem V.er Burghügel schon ein spätrömisches Kastell, sowie auch merowingische und karolingische Befestigungsanlagen über deren Bestimmung wir nicht informiert sind. Um das Jahr 1000 habe eine erste Burg drei Elemente begriffen: Halle (Aula), Kapelle und ovale Ringmauer. Um 1100 soll die Burg definitiv zu Wohnzwecken umgebaut worden sein (Gf. Gerhard). Mit Wohn- und Wehrturm, Palas und Kapelle sowie einer ersten, umwehrten Vorburg hebt sich V. zu dieser Zeit kaum vom klassischen Burgenschema ab. Erst mit den nächsten Bauphasen im 12. Jh. (kurz vor und um 1150 (Gf. Friedrich I.) und um 1200 (Gf. Friedrich III.)), zeichnen sich die Bauelemente ab, die der Burg in der Folge ihren hervorragenden Repräsentationscharakter geben: die zweistöckige Kapelle als Zentralbau, die monumentale Galerie und der Palas mit seinen zwei großen Prunksälen. Der Wehrgang wurde auf Arkaden gestützt und nach außen verlegt; dadurch wurde ein großer Platzgewinn erreicht. Nach der Art der staufischen Pfalzen wurden die drei repräsentativen Bauelemente Palas, Prunkgalerie und Kapelle in einer Linie angeordnet, die der Burgfassade nach NO hin ihren Res.charakter geben. Die südwestliche Fassade wirkt durch den Anbau eines Wehrturm, diverser Wohngebäude mit Binnenhof und eines massiven Wehrgangs weitaus unruhiger. Um 1200 wurde auch am südlichen Ende der Vorburg ein Wehrturm errichtet. Gegen Mitte des 13. Jh.s (Gf. Heinrich I.) wurde die Burg mit großem baulichen Aufwand im gotischen Stil um- und ausgebaut, ohne daß die Anordnung der wichtigsten Elemente verändert wurde. Mit ihren hohen Treppengiebeln, den zusätzlichen Wehrtürmen am nordöstlichen Ende und der Verlängerung des unteren Wehrgangs nach NO erhielt Burg V. ihre bis heute charakteristische Silhouette, die in der Niedergangsphase des ausgehenden MAs und der nachfolgenden drei Jh.e kaum noch verändert wurde.

Nach 1300 wurde die Burg nur mehr wenig erweitert.

Über Architekten, Baumeister und Künstler sind keine Nachrichten erhalten geblieben.

IV.

Eine detaillierte Beschreibung der heutigen Bausubstanz hat John Zimmer 1996 gegeben; weitere Ausführungen zur Vorburg sind demnächst zu erwarten. Weisen wir hier lediglich auf einige wesentliche Aspekte der Res.architektur hin.

In der Zeit zwischen etwa 1150 bis 1250 entwickelte sich die Burg V. von einer durchschnittlichen Adelsburg zu einem monumentalen Herrschaftssitz. Die Dimensionen der Kernburg verdoppelten sich, von ca. 1000 qm auf 1950. Dabei fällt die hohe Proportion der Repräsentationsflächen im Vergleich zu den Wohnflächen auf. Lag das Verhältnis um 1100 bei 1:1, so nehmen die herrschaftlichen Funktionen um 1150 schon das Doppelte der Wohnfläche ein, um 1200 das Dreifache, um 50 Jahre später wieder auf etwas weniger als das Doppelte zu fallen.

Drei Bauelemente geben der Burg ihren hervorragenden Repräsentationscharakter: die Kapelle, die Galerie und der Palas. V.a. die Verdoppelung der Bauten mit Repräsentationscharakter (Palas und Galerie mit jeweiligen Prunksälen) verdeutlicht den architektonischen Ausdruck der kulturellen und demnach auch politisch außergewöhnlichen Bedeutung der V.er Gf.en. Eine konkrete Nutzung dieser Prunksäle (Kg.saufenthalt? Hofhaltung?) läßt sich nicht bezeugen.

Absolutes Juwel der Burg ist die zweigeschossige Kapelle, die in ihrem heutigen Zustand auf die diskutable Restauration von 1855 zurückgeht. Die ursprgl. Burgkapelle am südöstlichen Ende der Kernburg wurde im 12. Jh. durch einen neuen, zweigeschossigen Sakralbau ersetzt Die beachtliche Laufhöhe des ausgebauten Wehrgangs scheint zu belegen, daß die Kapelle schon in ihrem ersten Bauzustand zwei Geschosse besaß. Das von massiven Mauern ummantelte Untergeschoß endet im SO in einer halbkreisförmigen Apsis, die in die starken Außenmauern eingetieft ist. Die Mitte des zehneckigen Zentralbaus nehmen sechs schwere Pfeiler ein, die durch steile Spitzbögen miteinander verbunden sind und einen relativ engen mittleren Schacht abgrenzen.

Der obere Teil der Kapelle (Herrscherkapelle mit direktem Zugang zum Palas) wurde in seiner heutigen Form um 1200 erbaut. Aus dem sechseckigen Mittelschacht entwickelt sich hier ein feiner Stützenkranz, der auch aus sechs Bündelpfeilern besteht. Die zahlr. Säulen und Halbsäulen weisen in der noch originalen Form einfache Würfelkapitelle sowie unverzierte und mit Blattwerk bedeckte Kelchkapitelle auf. Der zehneckige Umgang zeigt eine zweigeschossige Wandgliederung, mit Blendarkaden im unteren und Fenstern im oberen Bereich.

Die Prunkkapelle wurde als direkte Nachahmung der Aachener Pfalzkapelle mit herrschaftlichem Obergeschoß angesehen. Doch sollte man hier eher an eine Verbindung zur Goslarer doppelstöckigen Pfalzkapelle denken, die in der Folgezeit mehrere Nachahmungen durch Kg.e, Hzg.e und Herren kannte, wobei die Unterkapelle mehrere Funktionen innehaben konnte. Demnach deutet die Übernahme des Zentralbaus auf jeden Fall auf einen hohen Anspruch der Territorialherren hin.

Konkret lassen sich auch sehr enge Bezüge zwischen der Burgkapelle in V. und der Burgkapelle in Kobern an der Mosel feststellen. Sämtliche Details, wie die Stützenbündel und die Wandstruktur, sind sich sehr ähnlich. Vermutlich läßt sich dies durch die Ehe zwischen Friedrich, dem nachgeborenen Sohn des Gf.en Friedrich III. mit Cäcilia von Kobern erklären. Die Kapelle in Kobern war allerdings als Memorialbau konzipiert, welcher der Aufbewahrung von Reliquien aus dem Hl. Land dienen sollte – also eine sakrale Variante der staufischen Pfalzkapelle. In V. hingegen läßt sich die Funktion der Oberkapelle als Herrscherkapelle im Gegensatz zur sehr einfach gehaltenen Unterkapelle (Übertragung als provisorische Pfarrkirche an die Trinitarier, um 1250; cf. Deutschorden in Nürnberg) in staufische Traditionen eingliedern.

Die Verlegung des ›Neuen Palas‹ an die der Kapelle gegenüberliegende nordöstliche Hügelseite machte den Bau einer neuen Verbindungsgalerie zwischen Kapelle und Palas notwendig. Sie öffnet sich nordöstlich in sechs, an der Südwestseite in vier großen kleeblattbögigen Fensteröffnungen, sowie in einem reich dekorierten Portal (Saalpforte). Sechs der ursprgl. zwanzig aufwendig gestalteten Kapitellgruppen haben sich in situ erhalten und lassen sich eindeutig der Spätromanik zuordnen (Kelchblockkapitelles, um 1150-1220 belegt). Die prunkvolle Gestaltung dieser monumentalen Galerie erinnert an die Königspfalzen der Stauferzeit. In dieser Hinsicht könnte man an einen direkten Rückgriff auf die Saalbauten des Kg.s denken, wie etwa der Vergleich mit der Pfalz aus Goslar zeigt. Zu beachten ist v.a. die Gestaltung von Fenstern, Portalen und Kaminen, wo sich in V. nicht nur Beziehungen zum benachbarten Trierer Raum finden, sondern auch direkte Bezüge zur Kaiserpfalz Gelnhausen und anderen Reichsburgen. Nun wissen wir, daß Gf. Friedrich III. durch seine rheinischen Beziehungen in die Reichspolitik geriet, in den Streit zwischen Welfen und Staufern. Viel ist dazu nicht bekannt, doch ist sein Sohn Heinrich 1214 im Lager Ks.s Friedrich II. bezeugt, als dieser die Burg Jülich belagerte. Die Treue zur Stauferdynastie hat Gf. Friedrich wohl auch dazu geführt, am Kreuzzug Friedrich Barbarossas teilzunehmen.

Der Palas im Sinne des echten Saalbaus, also eines Baus, dessen zwei großen Säle die gesamte Fläche des Stockwerks einnehmen, ist in Adelsburgen eher selten anzutreffen und deutet wieder auf kgl. oder fsl. Rang hin. Im Erdgeschoß besticht die einschiffige Palasaula (»Rittersaal«) einerseits durch ihre Dimensionen (ca. 30 x 10 m; Frankfurt: 26,5 x 12 m; Dankwarderode: 42 x 15 m; Goslar: 54 x 18 m), andererseits durch ihr fünfjöchiges Kreuzrippengewölbe und schließlich durch die von Bänken umrahmten Zwillingsfenster im spätromanisch-gotischen Stil. Holzreste des monumentalen Kamins ermöglichten eine genaue Datierung in den Beginn des 13. Jh.s (ursprgl. romanische Balkendecke). Das gotische Gewölbe wurde dann erst in der Umbauphase um 1250 eingebaut. Von einem zweiten großen Saal gleicher Dimensionen im oberen Stockwerk ist allerdings im Originalzustand nicht viel geblieben, so daß sich genauere Angaben zu Stil und Ausstattung kaum machen lassen.

Wohn- und Küchenräume, die den verschiedenen Bauphasen zuzuordnen sind (12.-17. Jh.), ergänzen die Repräsentationsbauten an der südwestlichen Seite der Kernburg. Die Wirtschaftsgebäude der Vorburg werden demnächst in Form eines Besucherzentrums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Quellen

Siehe auch A. Vianden. – Vannerus, Jules: Travaux exécutés au château de Vianden aux XVe, XVIe et XVIIe siècles. Extraits des comptes de l'époque, in: Publications de la Section Historique de l'Institut Grand-Ducal de Luxembourg 60 (1923) S. 209-362.

Siehe auch A: Vianden. – Arendt, Jean-Venceslas-Charles: Monographie du château de Vianden, Luxemburg 1884. – Klein, René: In Vianden wog man früher nach Kölner Maß, in: Hémecht 56 (2004) S. 141-148. – Koenig, Alexander: Beiträge zur Geschichte der Stadt Vianden, 4 Bde., Köln 1890, Gülpen 1891, Luxemburg 1894-1895. – Koltz, Jean-Pierre: Nouvelle Monographie du Château-Palais de Vianden, 2. Aufl., Luxemburg 1988. – Margue, Michel: Châteaux et peuplement dans le comté de Luxembourg (Xe-XIIIe siècles), in: Les peuplements castraux dans les Pays de l'Entre-Deux, Alsace, Bourgogne, Champagne, Franche-Comté, Lorraine, Luxembourg, Rhénanie-Palatinat, Sarre. Actes du colloque de Nancy, 1-3 octobre 1992, hg. von Michel Bur, Nancy 1993, S. 281-320. – Margue, Michel: »Wy ritterlîche sy dâ streit!": Kloster und Burg: Der historische Raum zur und in der Yolanda-Dichtung, in: Man mohte schrîven wal ein bůch: Ergebnisse des Yolanda-Kolloquiums, 26.-27. November 1999, Luxemburg, Vianden und Ansemburg, hg. von Guy Berg, Luxemburg 2001 (Beiträge zur Luxemburgischen Sprach- und Volkskunde, 31; Sonderforschungsreihe Language and Culture in Medieval Luxembourg, 3), S. 105-124. – Metzler, Jeannot/Zimmer, John: Récentes recherches archéologiques au château de Vianden, in: Château-Gaillard: études de castellologie médiévale. XII, Actes du Colloque international tenu à Oostduinkerke et à Floreffe, Belgique, 3-9 septembre 1984, Caen 1985, S. 115-125. – Metzler, Jeannot/Zimmer, John: Zum Burgenbau in Luxemburg in vorsalischer und salischer Zeit«, in: Burgen der Salierzeit, Bd. 1: In den Nördlichen Landschaften des Reiches, hg. von Horst Wolfgang Böhme, 2. Aufl., Sigmaringen 1991, S. 311-335. – Meulemeester Johnny de/Zimmer, John: Bourgs castraux et abbatiaux de l'ancien duché de Luxembourg: analyse archéologique des exemples d'Esch-sur-Sûre, Larochette, Vianden, Echternach, Arlon, Thionville et Luxembourg-ville, in: Les peuplements castraux dans les Pays de l'Entre-Deux: Alsace, Bourgogne, Champagne, Franche-Comté, Lorraine, Luxembourg, Rhénanie-Palatinat, Sarre: actes du colloque de Nancy, 1-3 octobre 1992, hg. von Michel Bur, Nancy 1993, S. 321-349. – Milmeister, Jean: Bemerkungen über den Viandener Freiheitsbrief, in: Ous der Veiner Geschicht 25 (2007) S. 41-50. – Neyen, August: Histoire de la ville de Vianden et de ses comtes, Luxemburg 1851. – Pauly, Ferdinand: Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier. Das Landkapitel Mersch, Trier 1970 (Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier, 21). – Schmitt, Michel: Vianden. Kirchen und Kapellen, Regensburg 1997. – Theis, Ernest: Die Trinitarier in der Grafschaft Vianden, Vianden 1999. – Schuppener, Ulrich: Der Grabstein des Heinrich von Nassau († 1589) in Vianden, in: Nassauische Annalen 114 (2003) S. 75-104. – Vannerus, Jules: Le château de Vianden, in: Cahiers Luxembourgeois 8 (1931) S. 29-55. – Zimmer, John: Die Burgen des Luxemburger Landes, Bd. 1: Die Archäologisch- und Bauhistorisch Untersuchten Burgen von: Befort, Bourscheid, Fels, Luxemburg und Vianden, Luxemburg 1996, S. 9-14. – Zimmer, John: Vianden: Burg und Ortschaft in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, in: Interdisziplinäre Beiträge zur Siedlungsarchäologie: Gedenkschrift Walter Janssen, ETTEL, hg. von Peter Ettel u. a., Rahden 2002, S. 441-451. – Zimmer, John: Burg Vianden, Luxemburg, o.J. [2000] (Carnets du patrimoine, 2).