Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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TECKLENBURG

C. Rheda

I.

Die am Emsübergang zwischen Münster und Paderborn gelegene Wasserburg R. (11. Jh.: Retha, Rethe) entwickelte sich aus einer ma. Motte, die erstmalig 1221 urkundliche Erwähnung findet. Als Erbauer der Burg gilt Edelherr Widukind von R. (Widechinus de Reden), Vogt der Kl. Freckenhorst, Marienfeld (1185) und Liesborn. Nach seinem Tod 1189 auf dem Kreuzzug Ks. Friedrichs I. gingen Herrschaft, Burg und Vogteien auf das befreundete Haus der Edelherren zur → Lippe (reg. 1189-1365) über. Durch die Ehe Adelheids zur Lippe mit Otto VI. von → Tecklenburg i.J. 1365 gelangten Herrschaft und Burg R. bis 1557 an die Gf.en von Tecklenburg. Mit der Eheschließung der Erbin Anna von Tecklenburg mit Everwin III. von → Bentheim folgten ab 1557 als Herren von R. die Gf.en von Bentheim und ab 1606/09 die Linie Bentheim-Tecklenburg. Seit Beginn des 17. Jh.s erfolgte der Ausbau der Anlage zur gfl. (ab 1817: fstl.en) Res. Schloß R. wird noch heute von den Fs.en von Bentheim-Tecklenburg bewohnt.

II.

Die Herrschaft R. (Gebiet des heutigen Kr. Gütersloh) war eines der kleinen weltlichen Territorien Westfalens. R. umfaßte mit den Kirchspielen R. (1970: R.-Wiedenbrück), Clarholz, Herzebrock, Gütersloh und Lette ein Gebiet von ungefähr 160 qkm. Zum Hauptort R. gehörte auch die Vogtei über die Kl. Freckenhorst und Liesborn. Zur Herrschaft zählte ebenfalls die Benediktinerinnenabtei Herzebrock (9. Jh.) und das Prämonstratenserstift Clarholz (12. Jh.).

1305 bereits als oppidum bezeichnet, erhielt die Siedlung vor der Burg erst 1355 von Bernhard III. zur → Lippe Stadtrechte verliehen. Konflikte zwischen den Häusern Lippe und Tecklenburg begleiteten den 1365 erfolgten Anfall der Herrschaft R. an die Gf.en von Tecklenburg (»Lippisch-tecklenburgische Fehde«, 1366-1491).

Unter Gf.in Anna von Tecklenburg wurde 1562 in R. eine erste Münzprägestätte eingerichtet, die jedoch nur bis 1567 bestand. Weitere Münzstätten in R. sind für die Jahre 1620, 1655-1660 und 1760-1761 bekannt. Epidemien, Kriegsauswirkungen, Brandkatastrophen, etc. in der Zeit vom 16. bis 17. Jh. dezimierten teilw. die Bevölkerung und zerstörten Teile von Stadt und Wasserburg R.

III.

Unter Hermann II. zur → Lippe wurde die Anlage nach 1221 zu einer Res. des Gf.enhauses Lippe erweitert. Der Regent ließ die zweigeschossige romanische Schloßkapelle erbauen, die sich im Kapellenturm (Torturm), dem ältesten Bauteil der Anlage befindet. Mit dem Kapellenturm wurden Tor, Kapelle und Wohnraum in einem viergeschossigen Wehrturm zusammengeführt. Flügelbauten des frühen 17. Jh.s (mit Galerie) und aus dem Barock (Haupttrakt, 1745-1747) verbinden den Kapellenturm mit einem zweiten Wehrturm (um 1400), der heute die Bibliothek beinhaltet. Im W des Schlosses befinden sich vorgelagert verschiedene Gebäude des 18. Jh.s (u. a. Kanzlei von 1780, Wassermühle von 1772). Außerhalb der Burginsel wurde um 1623 ein Garten angelegt, der 1988 nach Plänen aus dem 19. Jh. restauriert wurde.

Quellen

Meier, Johannes/Ossenbrink, Jochen: Die Herrschaft Rheda. Eine Landesaufnahme vom Ende des Alten Reiches, Bielefeld 1999 (Quellen zur Regionalgeschichte, 4).

Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Tl. 2: Westfalen, bearb. von Dorothea Kluge und Wilfried Hansmann, München u. a. 1969, S. 478-482. – Mühlen, Franz: Schloß und Residenz Rheda, Münster 1979 (Westfälische Kunststätten, 6). – Schaub, Hermann: Die Herrschaft Rheda und ihre Residenzstadt. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reichs, Bielefeld 2006 (Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh, 10). – Schusky, Renate: Die Fürstlich zu Bentheim-Tecklenburgische Bibliothek zu Rheda. Repräsentationsbibliothek und Gebrauchsbücherei, Heidelberg 1984 (Beiträge zur Geschichte der Literatur und Kunst des 18. Jahrhunderts, 9).