SCHWARZBURG
I.
704: Arnestati; 726: Armistadi; 954: Arnestat/Aranstedi; 1208: Arnstete; 1266: Arnisthede; 1306: Arnstete; 1443: Arnstat. Der Ortsname bedeutet Stätte eines Arn (Personennamen); nach Erlangung der Stadtrechte im 13. Jh. Umdeutung des Grundwortes zu -stadt. Gelegen am Rande des Thüringer Beckens an der Einmündung der Wilden Weiße in die Gera an der alten Straßenverbindung, die über den Thüringer Wald von Mainfranken in das Thüringer Becken mit dem zentralen Ort Erfurt führte, am Nordostfuß der vorgeschichtlichen Wallanlage Alteburg. – D, Thüringen, Ilm-Kr.
II.
Die urkundliche Ersterwähnung A.s (curtis in loco nuncupante Arnestati; UB Arnstadt, Nr. 1) dat. in das Jahr 704. Der in Würzburg residierende vir illuster Heden, der als Hzg. die Herrschaft über Thüringen ausübte, schenkte mit seiner Gemahlin Theodrada den Herrenhof mit seinem gesamten Zubehör Bf. Willibrord von Utrecht, der A. wiederum 726 dem von ihm gegr. Kl. Echternach übertrug. Wohl zu Beginn des 10. Jh.s ging A. in den Besitz der Reichsabtei Hersfeld über. Als Hersfelder Vögte fungierten in A. die Gf.en von Käfernburg- → Schwarzburg, wobei Zeitpunkt und Umstände dieser Verbindung unklar bleiben. 1220 erscheint A. erstmals als Stadt (civitas) und erhielt 1266 das Hersfelder Stadtrecht. Obgleich Stadtmauern erstmals 1309 urkundlich erwähnt werden, dürfte A. bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jh.s eine Stadtbefestigung gehabt haben. Das Verhältnis zwischen Kl. Hersfeld und den Arnstädter Schutzvögten gestaltete sich zunehmend problematisch. In diesem Zusammenhang konnten die Käfernburger 1273 in den Besitz der Hälfte A.s gelangen und erhielten die an der Nordostecke der ma. Stadt gelegene hersfeldische Wasserburg Neideck von Abt Heinrich zu Lehen. Als Endpunkt des Machtkampfes der Äbte von Hersfeld mit ihren Vögten konnten die Schwarzburger, auf die die käfernburgischen Rechte 1306 übergegangen waren, 1332 schließlich die Stadt A. durch Kauf des hersfeldischen Anteils ganz in ihren Besitz bringen. A. stieg seit den 1330er Jahren zur namengebenden Res. der Schwarzburger auf. Nach vorangegangenen Unterbrechungen endete die Nutzung A.s als Res. endgültig mit dem Jahr 1716. Seit 1446 war A. Verwaltungsmittelpunkt der Ämter A. und Käfernburg. Ca. 1415 erfolgte eine Aufzeichnung des städtischen Gewohnheitsrechtes, Ende des 15. Jh.s eine Ergänzung dieser Statuten, die wiederum 1544 durch neue Statuten abgelöst wurden. Die ma. Wirtschaft wurde bes. vom Waidhandel bestimmt.
III.
In den Jahren 1553-1560 erfolgte der Ausbau der Burg Neideck zu einem Renaissance-Wasserschloß durch den ndl. Baumeister Gerard van Mere. Die regelmäßige Vierflügelanlage läßt als Rest des hersfeldischen Vorgängerbaus noch den zum Schloßturm umgebauten Bergfried erkennen. Bis 1716 wurde Schloß Neideck als gfl. bzw. fsl. Res. genutzt und erlebte seine Glanzzeit unter Gf. bzw. Fs. (Erhebung in den Reichsfs.enstand 1709) Anton Günther II. von → Schwarzburg-A., mit dessen Tod 1716 die Arnstädter wieder mit der Sondershäuser Linie vereinigt wurde. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jh.s setzte der fortschreitende Verfall der Schloßanlage ein. Die im wesentlichen im späten 12. und 13. Jh. erbaute Liebfrauenkirche beherbergt im nördlichen Nebenchor die schwarzburgische Grabkapelle mit Grabmälern und Renaissance-Epitaphien. Von 1728 bis 1740 wurde an Stelle der Alten Kanzlei das Neue Palais als Wwe.nsitz für die Fs.in Elisabeth Albertine von → Schwarzburg-Sondershausen errichtet, das bis 1918 als Wohnsitz nichtregierender Familienmitglieder und als Nebenres. genutzt wurde.
Quellen
Urkundenbuch der Stadt Arnstadt 704-1495, hg. von C. A. H. Burkhardt, Jena 1883 (Thüringische Geschichtsquellen, 4. NF, 1).
Literatur
Bühring, Johannes: Geschichte der Stadt Arnstadt 704-1904, Arnstadt 1904. – Chronik von Arnstadt. Zeittafel/Lexikon. Festschrift zur 1300-Jahrfeier der Stadt Arnstadt, Arnstadt 2003 (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Schwarzburg, Gleichen und Hohenlohe in Thüringen, 3). – Eberhardt, Hans: Die Frühgeschichte der Stadt Arnstadt, in: Mosaiksteine. Zweiundzwanzig Beiträge zur thüringischen Kirchengeschichte, Berlin 1981 (Thüringer Kirchliche Studien, 4), S. 106-120. – Klein, Matthias: Arnstadt im Spannungsfeld zwischen dem Kloster Hersfeld und den Grafen von Schwarzburg, in: Thüringen im Mittelalter. Die Schwarzburger, Rudolstadt 1995 (Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, 3), S. 199-215. – Krebs, Hermann/Wiegand, Fritz: Arnstadt, in: Deutsches Städtebuch, Bd. 2: Mitteldeutschland, Stuttgart u. a. 1941, S. 269-272. – Lappe, Ulrich: Ruine Neideck in Arnstadt. Ein Beitrag zur materiellen Kultur des 17. Jahrhunderts, in: Alt-Thüringen 15 (1978) S. 114-158. – Leist, W.: Arnstadt, in: LexMA I, 1980, Sp. 1011 f. – Mildenberger, Gerhard: Altenburg, in: Thüringen, Bd. 2., verb. und erg. Aufl., Stuttgart 1989 (Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 9), S. 4 f. – Möbius, Helga: Arnstadt, Liebfrauenkirche, München u. a. 1992. – Thüringen, bearb. von Michael Gockel, Göttingen 2000 (Die deutschen Königspfalzen, 2). – Wiemann, Erich/Patze, Hans: Arnstadt, in: Thüringen, 2., verb. und erg. Aufl., Stuttgart 1989 (Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 9), S. 18-26.