SCHÖNBURG
I.
Waldenberch (1254), Waldinberch (1291), Waldinberg (1336), Waldenborg (1420), Wallenberck (1525), W. (1791), 20 km östlich von Chemnitz an der Zwickauer Mulde in Sachsen gelegen. Die Burg auf einem Bergsporn über der Mulde war von ihrer Errichtung 1172 an im Besitz der Familie von Wartha, die sich fortan nach ihrer neuen Herrschaft von W. nannte. Nach der Stadtgründung (1199) durch die Herren von W. ist die Stadt 1378 bis 1945 Res. der Herren von → Schönburg.
II.
Die Anfänge W.s gehen auf das 12. Jh. zurück. Nach Errichtung einer Burg entwickelte sich in deren Schutz zunächst das Bauern- und Handwerkerdorf »Altw.« als Suburbium sowie das herrschaftliche Vorwerk. Vermutlich unter Einbeziehung einer bereits existierenden Siedlung von Altenburger Kaufleuten entstand im 13. Jh. die oberhalb der Burg gelegene Stadt W. Bis weit in die Frühe Neuzeit besaßen Altenburger Kaufleute Zollfreiheit für die Zollstelle an der Mulde. Ähnlich wie → Glauchau und Meerane wird W. von der Forschung als planmäßige Gründung angesehen. Als Stadtgründer gilt Unarg (auch Anarg, Anarch) von W., der 1254 erstmals mit seinem Vater Hugo II. (1239-1254) gen. wird. Der trapezförmige Grundriß der Stadt hat sich auch nach zahlr. Stadtbränden (1425, 1430, 1580, 1727 und 1835) bis heute erhalten. Im MA war die Stadt stark befestigt, wovon noch Reste der einstigen Stadtmauer zeugen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Mulde existierte wohl schon um 1160 eine vormals slaw. Siedlung, die den Namen »Altstadt W.« erhielt. Hier siedelten sich bereits frühzeitig Töpfer- und Pfeifenmacher an, die i.J. 1388 ihren Innungsbrief erhielten. Das W.er Steinzeug wurde im späten MA und in der Frühen Neuzeit in ganz Dtl. und sogar bis nach Estland, Schweden und Ungarn verbreitet. Als letzter Stadtteil entstand im 15. Jh. die Mittelstadt. Die ursprgl. eigenständigen Orte Altw. und Altstadt W. wurden im 19. Jh. eingemeindet. Im Jahre 1546 zählte die Stadt 86 besessene Bürger und 87 Einw.
III.
Zum Schutz der in der Nähe verlaufenden semita bohemica (Bömische Steige, eine von Altenburg über Waldenburg und Zschopau nach Böhmen führende Verbindung) wurde in den Jahren 1165-1172 eine Burganlage auf einem Bergsporn westlich der Mulde errichtet. Der Bau der i.J. 1199 erstmals urkundlich erwähnten Burg erfolgte zeitgl. mit der Errichtung des Altenburger Bergerkl.s. Als ausführende Ministerialen erscheinen der ksl. Marschalk Rudolf von Brand und der ksl. Landrichter Hugo von Wartha, in dessen Besitz die Anlage schließlich verblieb. Mit quadratischen Grundriß und dem Unterbau aus mächtigen Buckelquadern weist der Bergfried eine große Ähnlichkeit mit ksl. Anlagen wie dem Kyffhäuser auf. In der Folgezeit wurde die Burg für etwa 200 Jahre zu einem wichtigen Stützpunkt für die Kolonisation des Pleißenlandes und den Herrschaftsausbau der Herren von W. Zwischen 1375 und 1378 gingen Stadt und Burg in den Besitz Friedrichs XI. von → Schönburg (gest. 1389) über, dessen Familie bereits die nahegelegenen Herrschaften → Glauchau und → Lichtenstein besaß. 1388 erscheint die Burg während der Belagerung W.s durch Mgf. Wilhelm I. von Meißen als Res. Veits I. (gest. 1423). Nachdem Stadt und Burg 1430 dem Einfall der Hussiten zum Opfer fielen, ließ Veit II. (ca. 1418-1472) noch während der gemeinsamen Herrschaft mit seinem Bruder in der ersten Hälfte des 15. Jh.s eine nun bereits als Schloß bezeichnete Anlage errichten. Nach der Nutzungsteilung (Örterung) von 1446 diente diese seinem Bruder Friedrich XX. (1420-1480) als Res. Aus der Zeit vor 1430 haben sich daher lediglich Reste des Bergfriedes sowie Bodenmerkmale eines Wassergrabens am Fuße des Burghügels erhalten. Ernst I. (gest. 1488) nutzte W. lediglich als Nebenres. Seiner Gemahlin Anna von → Rieneck (gest. 1525) diente das Schloß nach seinem Tode und dem Ende ihrer Vormundschaftsregierung 1512 als Wwe.nsitz. Im Jahre 1519 brannte die Anlage »bis auf den alten Turm« ab, wurde jedoch bald darauf wiederaufgebaut. Dafür ließ Ernst II. in den Jahren 1523 und 1525 Holz aus → Hartenstein auf der Mulde flößen. Zusätzlich wurde etwa um 1530 westlich des alten Schlosses ein neues Vorder-Schloß errichtet. Inwieweit dieser Bau vollständig oder teilw. unter Ernst II. oder Hugo I. erfolgte, ist in der Forschung strittig. Die Ähnlichkeit der Anlage mit Schloß Forderglauchau verweist jedoch auf den Baumeister Ernsts II., Andreas Günther aus Komotau. Dabei handelte es sich um einen Bau der Frührenaissance, bestehend aus einem zweigeschossigen Westflügel mit sechs Zwerchhäusern und einem eingeschossigen Nordflügel, der als Pferdestall und Niederlage diente. Im Rahmen baulicher Veränderungen erhielt dieser im 17. Jh. zusätzlich einen kleinen Treppenturm. Ein Schosser, Kellner und Koch lassen sich zur Zeit Ernsts II. in → Waldenburg belegen. Unter Hugo I. (1530-1566), Georg II. (1558-1611) und Hugo III. (1581-1644) lassen sich erstmals auch Tendenzen zur Ausgestaltung der Stadt als repräsentative Res. der oberen Linie erkennen. Darauf verweist bes. die Ausstattung der Kantorei mit einer Vielzahl von Musikinstrumenten (1623) sowie der Neubau und die Ausstattung der Stadtkirche St. Bartholomäus nach 1580. Eine künstl. herausragende Leistung stellt das von dem Bildhauer Christoph Walther II. 1567 geschaffene Sandstein-Epitaph für Hugo I. dar. Zu Beginn des 17. Jh.s entstand vermutlich der sog. Welsche Garten und spätere »Lustgarten«, eine barocke Gartenanlage zwischen Schloß, Stadt und Vorwerk, die im späten 18. Jh. zu einer englischen Anlage umgewandelt wurde. Die ausgedehnte Repräsentation durch Hof und Res. sowie die Drangsale des Dreißigjährigen Krieges führten in der Folge jedoch zu einer Verschuldung der Herrschaft. Im Jahre 1619 brannte das »hintere« bzw. »alte Schloß« während eines Fastnachtsfeier bis auf die Grundmauern nieder. Erst 1783 wurden die Ruinen abgetragen, der Wallgraben zwischen beiden Schlössern verfüllt und das alte Renaissance-Portal in den neuangelegten englischen Park »Greenfield« versetzt. Im Rahmen der Revolution von 1848 wurde das Schloß geplündert und niedergebrannt, wobei auch das Schloß-Archiv zu großen Teilen vernichtet wurde. Zwischen 1855 und 1859 erfolgte daraufhin ein Wiederaufbau im Stil der Tudor-Gotik und 1909-1912 ein erneuter Umbau im Stil des Neubarock.
Literatur
Billig, Gerhard/Müller, Heinz: Burgen Zeugen sächsischer Geschichte, Neustadt an der Aisch 1998. – Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe, hg. von Karlheinz Blaschke, bearb. von Susanne Baudisch und Karlheinz Blaschke, 2 Halbbde., Leipzig 2006 (Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 2), S. 782; auch als Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen im Internet: http://hov.isgv.de/ [26.02.2009]. – Müller, Conrad: Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 164-172. – Resch, Fritz: Chronik der Stadt Waldenburg, unveröffentlichtes Manuskript (Museum und Naturalienkabinett Waldenburg). – Röber, Wolf-Dieter: Schönburgische Burgen und Schlösser im Tal der Zwickauer Mulde, Beucha 1999, S. 57-76 mit weiterer Literatur. – Schlesinger, Walter: Die Schönburgischen Lande bis zum Ausgang des Mittelalters, Dresden 1935 (Schriften für Heimatforschung, 2), S. 51-53, 99-103. – Wetzel, Michael: zahlreiche biographische Artikel über die Schönburger, in: Sächsische Biographie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: www.tu-dresden.de/isgv/ [26.02.2009]. – Zwischen Residenz und Töpferscheibe: 750 Jahre Waldenburg, hg. von Ulrike Budig, Chemnitz 2004.