SCHÖNBURG
I.
Lychtenstein (1240), Lictinstein (1256), Lichtinstein (1297) und Lichtinsteyn (1460), 10 km nordöstlich von Zwickau in Sachsen gelegen (heute L.-Callnberg), war vom 13. Jh. bis zum Jahr 1945 ein Sitz der Herren von → Schönburg. Ursprgl. in der Hand der schönburgischen Hauptlinie, war L. bis 1382 Sitz der böhm. Nebenlinie der Herren von → Schönburg.Pürstein und fiel darauf wieder an die Glauchauer Linie. Seit der Teilung von 1556 lag L. im oberen Teil der schönburgischen Herrschaften. Seit den Rezessen von 1740 mit Kursachsen bis zur endgültigen Mediatisierung 1878 stand L. nur noch unter »limitierter Landeshoheit« der Herren von → Schönburg, die 1945 entschädigungslos enteignet wurden.
II.
Die Burg L. wurde vermutlich um 1200 von den Herren von → Schönburg auf einer nach drei Seiten steil abfallenden Anhöhe östlich des Baches Rödlitz errichtet. Das 1286 erwähnte castrum bildete die Grundlage für die sich in ihrem Schatten entwickelnde Stadt und diente zum Schutz der den Rödlitzbach überschreitenden Straße von Zwickau nach Chemnitz. Ein dt. Waldhufendorf befand sich westlich des Rödlitzbaches, ein Burgvorwerk läßt sich auf dem Höhenrücken nordöstlich der Burg belegen. Zwei Rittergüter (Schaller- und Albertinenhof) könnten der Versorgung der Burgbesatzung gedient haben. Erst um die Mitte des 13. Jh.s erfolgte unterhalb der Burg eine planmäßige Stadtanlage um einen trapezförmigen Markt in dem geschützten Tal östlich der Rödlitz. Ein um 1261 erwähnter plebanus weist auf eine Pfarrkirche St. Lorenz. Erstmals erscheint L., obwohl nicht ummauert, 1446 als Stadt. Die Bezeichnung stetlein für den zum 1497 zum Amtsmittelpunkt erhobenen Ort scheint auf Grund der 33 besessen Männer in der Stadt und 20 besessenen Männer in der westlich der Rödlitz liegenden Vorstadt treffender. Erst aus dem Jahr 1599 ist ein Stadtrat bekannt. Eine Schule mit Schulmeister, Cantor und einer Mädchenschulmeisterin ist 1590 belegt. Aus dem Jahr 1364 stammen Hinweise auf eine Schmiede- und Beilmacherinnung. Die Landwirtschaft war jedoch lange der dominierende Wirtschaftszweig, so werden die Innungen der Fleischhauer (1611), Bäcker (1617), Tuchmacher (1587) und Woll- und Leinweber (1669) erst deutlich später gegr.
III.
Im Jahr 1286 urkundet erstmals ein Schönburger, der nobilis miles Friedrich I. (gest. 1290/1291), der zuvor schon als Besitzer der Burg und Herrschaft → Glauchau auftritt, in castro L. In der folgenden Zeit fielen Herrschaft und Burg an die böhm. Linie der Schönburger. Im Lehnbuch Friedrich des Strengen erscheinen 1349 Friedrich XIII. (gest. 1367) und Albrecht I. (gest. 1353) aus der Linie → Schönburg-Pürstein (Perštejn) als Besitzer der von Ponitz und L. Die Beteiligung an einer Fehde der Reußen gegen den Mgf.en von Meißen führte zur Zerstörung der Burg i.J. 1357. Im Jahr 1364 wird die […] Burgk zum licten Steen so viel hundert jahr geweßt […] wieder aufgebaut. Die neu errichtete spätma. Burg läßt sich auf Grund häufiger Zerstörung und Neuaufbauten kaum noch nachweisen. Die Spornburg in Ost-West Lage besteht aus Vor- und Kernburg, die durch Doppelgräben gesicherte wurde. Die Burgen waren durch einen Graben getrennt. Im Bereich der Vorburg befindliche Kelleranlagen zeigen Anzeichen einer durch Fallgatter gesicherten Zugangsrampe. Im Jahr 1371 belehnte Ks. Karl IV. neben Vertretern der Linie → Schönburg-Pürstein auch Friedrich XI. (gest. 1389) aus der Glauchauer Linie mit der L. Nach dem endgültigen Erwerb L.s i.J. 1382 durch Friedrich XI. erscheint die Burg als Res. unter Veit I. (gest. 1423). Von einer Zerstörung in der Zeit der Hussitenkriege ist nichts bekannt. In der Örterung von 1446 wurde die Burg L. dann als Res. des umtriebigen Veit II. (ca. 1418-1472) bestimmt, der dort verstarb aber auch in anderen Res.en nachzuweisen ist. Unter Ernsts I. (ca. 1458-1489) und Ernst II. (ca. 1486-1534) wurde L. nur als Nebenres. genutzt. 1534 stand die Anlage unter Aufsicht eines Schossers, der kleinere Baumaßnahmen leitete und Schafzucht betrieb. 1538 wurde die Burg durch einen Brand zerstört. Zum folgenden Neubau im Stil der Frührenaissance existieren keine weiteren Angaben, doch sind Reste davon noch in der heutigen Bausubstanz vorhanden. Im Jahr 1546, als Hzg. Moritz von Sachsen Quartier in L. bezog, muß der Bau bereits vollendet gewesen sein. In der Familienteilung von 1556 fiel das Schloß an Hugo I. (1530-1566), der v.a. in → Waldenburg residierte und dort auch verstarb. In der Teilung von 1582 unter seinen Söhnen erhielt der studierte Veit III. (1563-1622) L. und eine größere Abfindung. Feuersbrünste (1598, 1610), Pestwellen (1611-1613) und unglückliche Wirtschaftsführung verursachten eine starke Verschuldung der Herrschaft, so daß diese 1614 unter kursächsische Sequestration fiel. Von seinen Söhnen verfügte Georg Ernst (1601-1664), der während seiner Studienreisen auch zum Rektor der Leipziger Universität gewählt wurde, ab 1628 allein über Herrschaft L. und konnte die finanziellen Verhältnisse restaurieren. Die Lage an einer Heerstraße brachte 1632 trotz aller Bemühungen die erneute Zerstörung des Schlosses und der Stadt durch plündernde Holksche Truppen mit sich. Georg Ernst trieb den Wiederaufbau der Stadt schnell voran, wobei er sich v.a. der Stadtkirche widmete. Weitere Plünderungen und Einquartierungen erfolgten 1637 und 1647 durch die Schwedischen Truppen. Das dabei zerstörte Schloß konnte erst nach einem Wiederaufbau 1651 wieder als Res. genutzt werden. Umbauten im 18. und 19. Jh. haben wenig äußere Anzeichen der älteren Anlagen zurückgelassen. Die Bedeutung L.s wurde durch die Einrichtung der schönburgischen Familiengruft im 19. Jh. betont. Zum Hofleben haben sich lediglich Einzelnachrichten und Angaben aus der Zeit nach 1650 erhalten.
Quellen
Schön, Theodor: Geschichte des fürstlichen und gräflichen Gesammthauses Schönburg. Urkundenbuch der Herren von Schönburg, 8 Bde. und Nachtragsbd., Stuttgart u. a. 1901-1910.
Literatur
Billig, Gerhard/Müller, Heinz: Burgen Zeugen sächsischer Geschichte, Neustadt an der Aisch 1998. – Colditz, Hugo: Zur Geschichte der Gewerbe in Lichtenstein, in: Schönburgischer Geschichtsblätter 4 (1897/1898) S. 208-224. – Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe, hg. von Karlheinz Blaschke, bearb. von Susanne Baudisch und Karlheinz Blaschke, 2 Halbbde., Leipzig 2006 (Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 2), S. 427; auch als Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen im Internet: http://hov.isgv.de/ [27.02.2009]. – Lippmann, Bruno: Geschichte der Stadt Lichtenstein, Lichtenstein 1964. – Müller, Conrad: Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931. – Röber, Wolf-Dieter: Schönburgische Burgen und Schlösser im Tal der Zwickauer Mulde, Beucha 1999, S. 29-33. – Schlesinger, Walter: Die Schönburgischen Lande bis zum Ausgang des Mittelalters, Dresden 1935 (Schriften für Heimatforschung 2), S. 50 f., 103-106. – Wetzel, Michael: zahlreiche biographische Artikel über die Schönburger, in: Sächsische Biographie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: www.tu-dresden.de/isgv/[27.02.2009].