Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SCHÖNBURG

C. Hartenstein

I.

H. (1280), Harttenstein, (1322), Hartinsteyn (1336), Hertenstein (1338), H. (1426), in Sachsen 13 km südöstlich von H. gelegen, wurde um 1180 vermutlich durch die Meinheringer errichtet. 1406/1439 bis 1945 war H. Res. der Herren von → Schönburg.

II.

Die Anfänge H.s gehen auf das 12. Jh. zurück. Nach der Errichtung der Burganlage um 1180 entwickelte sich unterhalb des Bergsporns im 14. Jh. ein kleiner Marktort mit quadratischem Marktplatz, der i.J. 1378 das erste Mal erwähnt wird und dem das Haus → Schönburg über die Jh.e hinweg verschiedene Privilegien für Jahr- und Viehmärkte verlieh. Die Pfarrkirche »Unserer Lieben Frauen« wurde als Tochterkirche der Gmd. Thierfeld erst 1588 selbständig. Im Jahre 1546 zählte H. 43 besessene Mannen und zwölf Hausgenossen. Als Res. blieb H. jedoch nahezu ohne Bedeutung. Haupterwerbszweige der Einw. waren neben dem Handwerk und der Landwirtschaft der Bergbau und ab dem 16. Jh. die Zeug- und Leinweberei.

III.

Im Rahmen der Kolonisation des Pleißenlandes wurde um 1180 auf einem Sporn über dem Thierbach eine Burganlage als Stützpunkt für die Besiedlung des westlichen Erzgebirges errichtet. Seit 1240 befand sich die Anlage nachweislich im Besitz der Meinheringer, doch soll Meinher I. von Werben bereits im 12. Jh. Land im Umkreis von H. besessen haben und auch an der Errichtung der Burg beteiligt gewesen sein. Der schon von Meinher I. angenommene Gf.entitel übertrug sich vermutlich 1280 auch auf die Herrschaft H., die fortan als »Gft.« bezeichnet wurde. Die Meinheringer (1336 auch Bgf.en von Meißen) gaben H. fortan als zur Bgft. gehörig aus. Im Jahre 1406 verpfändete der Bgf. von Meißen die Gft. für 8000 fl. an Veit I. von → Schönburg (gest. 1423). Nach Ablauf der Rückzahlungsfrist 1416/1417 ging die Herrschaft endgültig in den Besitz der Schönburger über. Veit I. wurde mit H. als Reichslehen belehnt. Auf Grund der falschen Annahme, H. sei ein Pertinenzstück der Bgft. Meißen, erfolgte 1426 jedoch keine Wiederbelehnung. Erst durch eine Heirat Veits II. mit der Tochter des belehnten Heinrich II. von Plauen konnte die Gft. 1439 zurück gewonnen werden. In den Jahren 1456 und 1457 ging die Oberlehnsherrschaft auf Anordnung des Ks. Friedrich III. an die Wettiner über. In den Jahren 1440-1460 wurde H. vermutlich von Veit II. (um 1418-1472) und dessen Frau Anna von Plauen genutzt. Einzelne Räume wie die Rüstkammer im Südflügel zeigen Bauelemente dieser Zeit. Die alte geräumige Spornburg in Ost-West-Lage bestand aus einer mit Gräben und Wällen gesicherten Vor- und Hauptburg. Baulich lassen sich noch Hufeisenbastionen nachweisen. Die letzten Wehrmauern und Reste des Rundturms im W des Sporns sollen vor 1889 abgetragen worden sein. Die aus dem 13. Jh. stammende, unweit H.s an der Mulde gelegene Burg Stein soll als Vorbefestigung gedient haben. Gegen Ende des 15. Jh.s wurde in der Gft. die Stadt Elterlein zum Zentrum des schönburgischen Silbererzbergbaus, der dem Haus immense Einnahmen bescherte. In der Folge entstanden bedeutende schönburgische Bergstädte wie Scheibenberg (1522) und Oberwiesenthal (1527). Der Zustand des Schlosses scheint gegen Ende des 15. Jh.s jedoch desolat gewesen zu sein. Das Testament Friedrichs XX. (um 1420-1480) bezeichnet es als »schlecht von Behausung«. Auch Ernst II. (1486-1534) nutze es nur als Nebenres. Sein Testament von 1534 nennt einen Schosser, einen Kellermeister, einen Herold und einen Koch im Schloß. Dennoch nahm er im Zuge der Baumaßnahmen in → Glauchau und → Waldenburg um 1530 auch eine Erneuerung des Schlosses H. vor. Dabei entstanden u. a. zwei bollwerkartige halbrunde Vortore. Bereits 1516 und 1529 sahen sich die Schönburger gezwungen, Bergverträge für eine gemeinsame Nutzung des Bergregals mit Hzg. Georg von Sachsen abzuschließen. Schließlich gelang es den Wettinern i.J. 1559, die oberen und wesentlich wertvolleren Teil der Gft. für 146 000 Gulden abzukaufen. Schlimmer als der Verlust der Einnahmen aus dem Bergbau wogen hierbei der Verlust der Landverbindung und die Tatsache, daß das schönburgische Territorium als territorium clausum nun vollständig von Sachsen umschlossen war.

Zur repräsentativen Res. wurde H. unter Hugo II. (1559-1606). Eine umfangr. Erneuerung des lange Zeit ungenutzten Schlosses von 1572 ist durch reichhaltige Baubelege dokumentiert. So erhielt der nach W offene dreiflügelige Bau eine neue Halle, in welcher die Jahreszahl 1572 und das Wappen Hugos II. angebracht waren. Die alte Rüstkammer ließ er 1584 in eine Kapelle umwandeln. Hugo II. nutzte Schloß H. bis zu seinem Tode 1606, nachdem er es im Erbteilungsvertrag von 1586 als feste Res. erhalten hatte. 1609 wurde in H. der Dichter Paul Fleming als Sohn des H.er Pfarrers geb. Da Fleming frühzeitig von Hugo II. und seiner zweite Gemahlin Katharina von → Salm gefördert wurde, verfaßte er aus Dankbarkeit mehrere Sonette auf das Haus → Schönburg, darunter die Elegie auf das traurige H. Eines der wenigen gut belegten schönburgischen Feste ist die Hochzeitsfeier Christians von → Schönburg-Wechselburg mit Hugos Tochter Agnes i.J. 1632, für die insgesamt 173 Personen engagiert wurden. Auch Gf. Otto Albert (1601-1681) führte in H. einen bedeutenden Hof, an dem u. a. Jonas de Fletin, ein Schüler von Heinrich Schütz, als Kantor wirkte. In den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges wurden jedoch keine größeren Umbauten mehr durchgeführt. Eine umfangr. Erneuerung des Schlosses erfolgte erst wieder um 1840 im Stil der englischen Tudorgotik. Bis zur vollständigen Zerstörung in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurde das Schloß kontinuierlich als Herrschaftssitz genutzt.

Bausteine zur Geschichte von Hartenstein und Umgebung, hg. von Richard Oertel, Hartenstein [1925]. – Bönhoff, Leo: Der ursprüngliche Umfang der Grafschaft Hartenstein, in: NASG 27 (1906) S. 209-278. – Butter, Karl: Geschichte der Stadt Hartenstein, unveröffentl. Manuskript, Hartenstein 1969. – Giersch, Robert: Kurze Geschichte der Burg Hartenstein, Hartenstein 2006. – Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe, hg. von Karlheinz Blaschke, bearb. von Susanne Baudisch und Karlheinz Blaschke, 2 Halbbde., Leipzig 2006 (Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 2), S. 300; auch als Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen im Internet: http://hov.isgv.de/ [27.02.2009]. – Kannegiesser, C. H.: Der Übergang der Grafschaft Hartenstein an das Haus Schönburg, in: Schönburgische Geschichtsblätter 1 (1894/1895) S. 135-150. – Müller, Conrad: Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 213-227. – Röber, Wolf-Dieter: Schönburgische Burgen und Schlösser im Tal der Zwickauer Mulde, Beucha 1999, S. 16-22 und S. 23-28. – Wetzel, Michael: Das schönburgische Amt Hartenstein 1702-1878. Sozialstruktur, Verwaltung, Wirtschaftsprofil, Leipzig 2004 (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 10), S. 25-44, 125-128. – Wetzel, Michael: zahlreiche biographische Artikel über die Schönburger, in: Sächsische Biographie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: www.tu-dresden.de/isgv/ [27.02.2009].