Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NEUHAUS

C. Teltsch

I./II.

T. in Südostmähren gewann Ulrich III. von → Neuhaus 1339, als er mit dem mähr. Mgf.en Karl (dem künftigen Kg. von Böhmen und römischen Ks. Karl IV.) T. gegen das entlegene Banov an der ungarischen Grenze tauschte. Damals befand sich hier ein landesherrlicher Hof, der im südlichen Teil der zukünftigen Stadtbebauung neben dem spätromanischen Turm mit der Kirche des Hl. Geistes lag. Erst in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s kam es auf Initiative der neuen Obrigkeit zur Burggründung, die dagegen im nordöstlichen Teil der entstehenden Stadt situiert wurde, in der Nähe der neuen Pfarrkirche zum Hl. Jakob.

III.

Die gotische Burg, die später völlig von Renaissanceumbauten verschlungen wurde, bestand aus einem recheckigen Etagenpalast, in dessen Erdgeschoß sich Arkaden mit Spitzbögen befanden. An der Nordseite schloß sich ein niedrigerer Flügel der Burg rechteckig an, der wahrscheinlich nur wirtschaftlichen Zwecken diente. Das Objekt wurde von einer Befestigung sowie teilw. von den Flächen beider Stadtteiche geschützt. Von seinen Teilen ist nur die Burgkapelle des Hl. Georg bekannt. Die Burg diente lediglich der wirtschaftlichen Verwaltung der Herrschaft und den vorübergehenden Aufenthalten der Obrigkeit, deren Hauptres. in → Neuhaus war. In T. herrschte selbständig erst Johann (d.J.) von → Neuhaus (seit 1404) und dann auch sein Sohn Johann T.er von → Neuhaus (gest. 1452).

Weitere Änderungen erlebte die T.er Res. unter Heinrich IV. von → Neuhaus, der an dem nördlichen und östlichen Burgteil zwei rechteckige Türme bauen ließ. Am Ende des 15. Jh.s entstand am südlichen Teil des gotischen Palastes auch ein neuer Flügel, die sog. Rüstkammer, das sich in den Burghof mit Arkaden mit Spitzbögen öffnete. Die Wohngebäude bekamen hölzerne Stege, die v.a. zum Schutz dienten. Unter den Bauten, die gleichzeitig in der Vorburg entstanden, gab es eine Küche sowie weitere wirtschaftliche Objekte.

Wesentliche Umbauten machte die spätgotische Burg erst nach 1550 durch, als Zacharias von → Neuhaus zum Besitzer von T. wurde. Wahrscheinlich schon am Anfang der 1550er Jahre lud er nach T. die Baumeister aus dem nahen Slavonice/Zlabings ein, die unter der Führung Leopold Estreichers den Umbau des ma. Palastes begannen. Ihre Aktivitäten konzentrierten sich auf den ehem. Burghof, den sog. Kleinhof, wo auch die in Renaissancebauweise angepaßten Privaträume des Besitzers entstanden, der sog. Speisesaal und die Schatzkammer. In der Etage der ehem. Burg entstand ein repräsentativer Großer Festsaal mit der Wappengalerie von Zacharias und seiner ersten Ehefrau Katharina von Wallenstein. Anstelle des gotischen nördlichen Wirtschaftshauses wurde ein Gang gebaut, der die Räume um den Kleinhof mit dem sog. Nordpalast verband, mit großen repräsentativen Sälen (dem Goldenen und dem Blauen) von der Wende der 1550er zu den 1560er Jahren.

Ungefähr zu Beginn der 1560er Jahre entstand ein neues Bauprogramm in T., das zu wesentlich umfangreicheren Veränderungen der Res. eines der reichsten Männer Mährens führen sollte. Obwohl es aufgrund der nur minimal erhaltenen schriftlichen Quellen nicht klar ist, wem Zacharias von → Neuhaus die Führung anvertraute, wird der Architekt meist unter den ital. Baumeistern vermutet, die im Dienst der Herren von → Neuhaus tätig waren; es könnte Antonio Ericer gewesen sein. Die neuen Bauten konzentrierten sich nicht mehr auf die älteren gotischen Objekte, die schon meist angepaßt waren, sondern auf die Fläche der ehem. Vorburg. Hier bildeten die neuen Objekte zwei Burghöfe. Schon in der Mitte der 1560er Jahre begann man mit dem Bau des sog. Südpalastes mit dem Audienzsaal (sog. Marmorsaal), wo sich auch Zacharias' berühmter silberner und teilw. vergoldeter Sessel befand. Den Südpalast verbanden die Arkaden auf der westlichen und östlichen Seite mit dem Nordpalast, wodurch der östliche Arkadenschloßhof entstand. Um den größeren, westlicher gelegenen Schloßhof befanden sich v.a. Wirtschaftsgebäude. Die intensiven Umbauten, bei denen aus einer kleinen Burg eine prachtvolle Renaissanceres. entstand, wurden noch unter Zacharias mit dem Bau der Kapelle Allerheiligen im Erdgeschoß des Südpalastes abgeschlossen, wo sich das Grabmal Zacharias' und seiner ersten Ehefrau Katharina von Wallenstein befindet. Ihr Presbyterium reicht in den neu gegr. Garten, der im östlichen Teil der Res. entstand und der mit den Wohnbauten durch einen Erdgeschoßarkadensteg verbunden war. Als Urheber dieser Bauarbeiten gilt häufig der ital. Baumeister Baldaßare Maggi. Obwohl es zum Abschluß aller Bauarbeiten erst zu Beginn des 17. Jh.s unter den Slavata kam, war der Renaissanceumbau der T.er Res. nur das Werk des Bauauftraggebers Zacharias von → Neuhaus. Schon in seiner Zeit wurde die Res. mit den meist auch heute noch erhaltenen Sgraffiti, Malereien und hölzernen Kassettendecken verziert.

Quellen

Teplý, František: Telecké inventáře [Die Inventare aus Teltsch], in: Časopis Společnosti přátel starožitností 35 (1927) S. 171-176.

Beringer, Jan/Janoušek, Jaroslav: Město a panství Telč [Stadt und Herrschaft Telč/Teltsch], Telč 1891. – Richter, Václav: Telč. Státní zámek a městská památková rezervace [Telč/Teltsch. Schloß und Stadt], Praha 1953. – Krčálová, Jarmila: Sgrafitová výzdoba zámku v Telči [Die Sgraffiti-Dekoration im Schloß Teltsch], Praha 1955. – Kratinová, Vlasta/Samek, Bohumil/Stehlík, Miloš: Telč. Historické město jižní Moravy [Telč/Teltsch. Eine historische Stadt in Südmähren], Praha 1993.