Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NEUHAUS

C. Neuhaus

I./II.

Die ursprgl. fsl. Siedlung an der südlichen Grenze Böhmens erwarb Heinrich am Anfang des 13. Jh.s, der sich schon um 1220 Heinrich de Novo castro bezeichnete. N. blieb im Familienbesitz bis zum Jahr 1604, als dieser nach dem Aussterben der Familie auf die Slavata überging, in den 1690er Jahren wurden zu ihren Besitzern die Czernin von Chudenitz, die N. dann bis 1945 besaßen. Die ursprgl. gotische Burg durchlief während dieser Jh.e eine komplizierte architektonische Entwicklung, wobei N. zu einem der größten Schloßkomplexe Böhmens wurde.

III.

Die grundlegende, eigtl. dreieckige Disposition der Res. wurde von den Wasserflächen beeinflußt, die an N. von O und W grenzen, sowie von der Lage des Eingangstraktes im N, vor dem sich ein Wassergraben befand. Von diesem Eingang stieg man nach oben bis zu der Felsenlandzunge im S des ganzen Komplexes. Der Kern der ma. Bebauung konzentrierte sich an der Grenze des heutigen zweiten und dritten Schloßhofes. Die ursprgl. gotische Burg schützten (neben dem Wassergraben vor dem Eingang) noch zwei weitere Wassergräben, Zwinger, Turmtore und Ringfortifikationen. Die Burg selbst, fertig gebaut wahrscheinlich in den 1250er Jahren, schützten drei Ecktürme, wovon ein zylindrischer Turm bis heute erhalten blieb (der sog. Hungerturm). Dieses sog. Alte Haus bestand am Anfang aus einem zweistockigen Objekt, das aus einem größeren Saal mit anliegenden Räumen und einer Burgkapelle gebildet war. Zu seiner Erweiterung um einen weiteren Trakt kam es unter Ulrich III. in der Mitte des 14. Jh.s. Damals kam es auch zur Erweiterung der Burgkapelle sowie zur Erbauung weiterer Objekte. 1338 wurde auch einer der Burgräume mit dem Gemälde der Georgslegende verziert, die bis heute erhalten ist. Wahrscheinlich noch im 14. Jh. wurde die Burg wieder vergrößert, v.a. um die Burgküche.

Zu weiteren grundlegenden Änderungen der Siedlung im spätgotischen Stil kam es erst im letzen Drittel des 15. Jh.s unter Heinrich IV. von N. Die ursprgl. Burg wurde dabei um zwei weitere Flügel erweitert, an der westlichen sowie östlichen Seite des heutigen südlichsten, dritten Schloßhofes. Während die Gebäude der Ostseite bei dem prachtvollen Renaissanceumbau der Siedlung nach der Mitte des 16. Jh.s vernichtet wurden, blieben im W einige Bauten erhalten. Es handelt sich v.a. um Heinrichs priv. Kapelle, einen großen spätgotischen Saal oder die sog. Silberkammer. An den alten gotischen Palast knüpfte dieser Flügel durch eine zweiteilige Arkade an. In der Nähe des Westflügels, der auch als Flügel der Grünen Zimmer bezeichnet wird, erbaute man um 1500 eine neue und bis heute erhaltene spätgotische sog. Schwarze Küche, aus der der Rauch durch vier hohe Eckschornsteine weggeführt wurde. Am gegenüberliegenden Teil des Alten Hauses schloß Heinrich den sog. Königlichen Palast an, mit einem großen Repräsentationssaal mit Netzrippengewölbe. Neben umfangr. Umbauten konzentrierten sich Heinrichs Aktivitäten auch auf die Verbesserung des Befestigungssystems der Siedlung, das mit den Stadtmauern verbunden und mit Halbkreisbasteien ergänzt wurde. Heinrichs Umbauten machten aus der Familienhauptres. nicht nur eine bedeutsame Festung, sondern auch einer der wertvollsten Belege der spätgotischen Burgenarchitektur in Böhmen.

Eine grundsätzliche architektonische Umwandlung der N.er Res. brachte aber erst das 16. Jh. Mit den ersten Veränderungen begann Adam I. von N. schon 1528. Östlich vom Königlichen Palast ließ er einen neuen engen Flügel bauen, durch dessen Flur man heute aus dem zweiten in den dritten Schloßhof eintritt. Wg. des vorzeitigen Todes des Magnaten erlebte das Schloß weitere Umbauten erst unter seinem Sohn Joachim von N. in der Mitte des 16. Jh.s. Die Bauarbeiten konzentrierten sich v.a. auf die ehem. Vorburg zwischen dem Alten Haus und dem nördlichen Eingangstor, wo ein Flügel, der den ersten und zweiten Schloßhof trennte, allmählich entstand, sowie ein Flügel, gen. Joachims Haus, der sich an der Ostseite des zweiten Schloßhofes befindet. In der Nähe des ersten Schloßhofes entstanden oder wurden umgebaut Wirtschaftsräume, die den wirtschaftlichen Hintergrund der Res. bildeten. In den 1560er Jahren konzentrierten sich die Umbauten auf den dritten, südlichsten Schloßhof, wo der Hauptwohnpalast entstehen sollte, das sog. Neues Haus. Mit seinem Bau sollte der in N. angesiedelte ital. Baumeister Antonio Ericer beauftragt werden.

Joachims tragischer Tod beendete aber zunächst die Bautätigkeiten, um die sich erst ein anderer ital. Baumeister der Herren von → N. und der verwandten → Rosenberger, Baldaßare Maggi, unter Adam II. in den 1580er Jahren kümmerte. Ein neues Haus an der Ostseite des dritten Schloßhofes bildete ein großer Palast mit neuen priv. Zimmern des Res.besitzers, von denen manche erhalten blieben, einschließlich dem repräsentativen Goldenen Saal. An seinen Bau knüpfte ein weiterer ital. Baumeister, Giovanni Maria Facconi, an der gegenüberliegenden Seite des Schloßhofes mit dem Umbau des Flügels der spätgotischen sog. Grünen Zimmer in einen umfangr. sog. Spanischen Flügel, in dem zwei große Repräsentationssäle dominieren. Beide neuen gegenüberliegenden Flügel wurden an der Südseite mit großartigen dreistockigen Arkaden verbunden, deren jedes Stockwerk zehn Arkadenbögen besaß. Den Vertrag über ihre Verfertigung schloß Adam II. 1586 mit dem ital. Steinmetz Antonio Melano ab. An der Entstehung der sog. Großen Arkaden nahm auch ein ursprgl. ital. Steinmetz, Antonio Cometta, 1586-1592 teil. Gerade er war 1590-1592 Urheber der kleineren, sog. Kleinen Arkaden, die im W den Spanischen Flügel mit der ursprgl. gotischen Burg verbanden, die aber damals eine neue Fassade mit Renaissanceattika bekam. Neben Um- und Neubauten wurden auch kleinere Objekte geändert, z. B. der Bordstein des Burgbrunnens im dritten Schloßhof i.J. 1598. Der Renaissanceumbau des N.er Schlosses erreichte in den 1590er Jahren durch die Umwandlung der südlichen Landzunge der Res. seinen Höhepunkt. Für den kleinen Garten entwarf Baldaßare Maggi einen damals beliebten Altan (Rondell), den Giovanni Maria Facconi in Zusammenarbeit mit dem Steinmetz Antonio Cometta baute. Dieses Objekt mit einem runden Grdr. mit einem reich verzierten inneren Saal charakterisiert eine durchdachte innere Stuckatur und Vergoldung und stellt eine den schönsten Bauten der (süd-)böhm. Renaissance dar. Noch am Ende des 16. Jh.s wurde das Rondell durch einen Säulenlaubengang mit dem Neuen Haus verbunden. So wurde der Renaissanceumbau des N.er Schlosses abgeschlossen und das Objekt gewann große Strahlkraft, die bis auf kleine Ausnahmen bis heute erhalten blieb. Die meisten Schäden verursachte ein Brand 1773.

Quellen

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Hrdlička, Josef: Poslední páni z Hradce v pramenech a literatuře [Die letzte Herren von Neuhaus in Quellen und Literatur], in: Poslední páni z Hradce, hg. von Václav Bůžek, České Budějovice 1998 (Opera historica, 6), S. 33-62. – Rull, František: Monografie města Hradce Jindřichova [Die Monographie der Stadt Neuhaus], Jindřichův Hradec 1875. – Teplý, František: Dějiny města Hradce Jindřichova [Geschichte der Stadt Neuhaus], I/1-4, II/1-3, Jindřichův Hradec 1927-1934. – Kavka, František: Zlatý věk Růží. Kus české historie 16. století [Die goldene Zeit der Rosen. Ein Stück der böhmischen Geschichte des 16. Jahrhunderts], Praha 1966. – Ledvinka, Václav: Úvěr a zadlužení feudálního velkostatku v předbělohorských Čechách. Finanční hospoda- ření pánů z Hradce 1560-1596 [Kredit und Verschuldung des feudalen Großgrundbesitzes in Böhmen vor der Schlacht am Weißen Berg. Das finanzielle Wirtschaften der Herren von Neuhaus 1560-1596], Praha 1985. – Bů- žek, Václav/Hrdlička, Josef u. a.: Dvory velmožů s erbem růže. Všední a sváteční dny posledních Rožmberků a pánů z Hradce [Die Höfe der Herren mit dem Wappen der Rosen. Alltag und Feste am Hofe der letzten Rosenberger und Herren von Neuhaus], Praha 1997. – Poslední páni z Hradce [Die letzte Herren von Neuhaus], hg. von Václav Bůžek, České Budějovice/Budweis 1998 (Opera historica, 6).