Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NASSAU

C. Neu-Weilnau

I.

Burg und Ortschaft liegen im oberen Weiltal gegenüber von Alt-W. auf einem leichten Bergkegel. N.-W. war 1472-1492 Res. Gf. Philipps II. von → Nassau-Weilburg und später des Gf.en Philipp III., bis dieser 1534-1539 Schloß → Weilburg hatte wieder herrichten lassen. Mehrfach wurde N.-W. aber weiterhin vom gfl. Hof für längere Aufenthalte genutzt, so 1551. N.-W. zählte im SpätMA zum nassau-weilburgischen Amt Weilmünster.

II.

N.-W. entstand erst 1302 nach einem Familienstreit unter den Gf.en von Diez für Heinrich II. und Reinhard von Diez-W. bei einer Teilung der Gft. 1326 gelangte die Gft. N.-W. durch Verpfändung an Siegfried von Runkel, den Probst des Kl.s Gemünden und noch im selben Jahr als Pfand von diesem an Gf. Gerlach von Nassau-Weilburg. 1405 erwarb dann Gf. Philipp I. von → Nassau-Saarbrücken die Herrschaft samt Burg und Ort käuflich von den Gf.en von W.

Schloß N.-W. fungierte mehrmals als weilburgische Res., so im 15. Jh. für Gf. Philipp II. und im frühen 16. Jh. für seinen Urenkel Gf. Philipp III., dem das Schloß in → Weilburg zu unwohnlich war. Nach dem Aus- und Umbau des Weilburger Schlosses 1539 wurde die Res. nach → Weilburg zurückverlegt.

Als 1561 die Gf.en Albrecht und Philipp IV. ihr Territorium teilten, behielt Albrecht → Weilburg, Philipp hingegen bekam u. a. N.-W. 1635 wurde die Gft. vom Ks. sequestriert und 1637 an den katholischen Gf.en Johann Ludwig von → Nassau-Hadamar vergeben. Erst 1651 kam N.-W. wieder an → Nassau-Saarbrücken, 1659 an Nassau-Usingen.

Der Ort wurde seit 1326 Stadt gen. und auch noch im 16. Jh. so bezeichnet, allerdings wurden die Stadtrechte nie offizielle verliehen. Ebenso fehlte eine wirkliche Entwicklung zur Stadt. Haupteinkommensquellen stellten der Hopfen- und der Weinanbau dar. Im Weiltal wurde ein Kupferhammer betrieben.

III.

Das Schloß bildet eine trapezförmige, langgestreckte Anlage auf der Spitze des Rödlberges. Von der Anlage des 14. Jh.s blieben nur die Ringmauern und ein Rundturm in der Nordostecke erhalten. Ein aus dem Felsen gehauener Wassergraben schützt die Zugangsseite im S, während das Gelände im N steil abfällt. Vor dem Graben erhebt sich ein halbrundes Vorwerk, der sog. »Schloßberg«, evtl. der Standort der ehem. Kernburg mit dem im 18. Jh. abgebrochenen Bergfried. 1506-1513 kam es unter Gf. Ludwig I. zu Umbauten, die sich aber nicht näher bestimmen lassen. Der Wohnbau auf der Nordseite wurde erst unter Philipp IV. in den 1560er Jahren nach W erweitert, um wohl als repräsentative Wohnung für diesen zu dienen. Die Fenstergewände dieses Abschnitts ähneln in sehr charakteristischer Weise denen am Süd- und Westflügel des Weilburger Schlosses. Vermutlich wurde die Erweiterung durch den dort tätigen Balthasar Wolff oder durch Ludwig Kempff ausgeführt. Allerdings unterblieb der Innenausbau. Der Bau von fast 42 m Länge und 10 m Tiefe springt mit seiner Schmalseite gegen W aus dem Mauerring vor und verfügt hier über zwei flankierende, über Eck gestellte Standerker mit Geschützscharten im Untergeschoß. Die Fenster im Westteil haben Renaissanceprofile, die Kreuzstockfenster im O sind noch spätgotisch. Dieser Teil des Baus dürfte noch in der ersten Hälfte des 15. Jh.s entstanden sein. Vermutlich gab es noch ein weiteres Obergeschoß in Fachwerk, das aber im 18. Jh. bei einem Umbau abgebrochen wurde. An der Hoffront erhebt sich ein achteckiger Treppenturm mit welscher Haube und Laterne und der erst im 19. Jh. angebrachten Jahreszahl 1565. Der Torbau entstand 1563/64 ebenfalls unter Philipp IV. Er hat ein Fachwerkobergeschoß, eine hofseitige Galerie und Zwerchhäuser.

Große Teile der Befestigungen und der Bergfried wurden 1709 abgebrochen.

Grossmann, G. Ulrich: Renaissanceschlösser in Hessen. Architektur zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, Regensbug 2010, S. 145-147. – Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 4: Hessen, hg. von Georg W. Sante, unv. ND der 3. Aufl., Stuttgart 1993, S. 344 f. – Knappe, Rudolf: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, Gudensberg-Gleichen 1994, S. 451. – Krupp, Ingrid: Burgen und Schlösser in Hessen-Nassau, Würzburg 1987, S. 213-218. – Luthmer, Ferdinand: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Lahngebiets. Oberlahnkreis – Kreis Limburg – Unterlahnkreis, Frankfurt 1907 (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden, 3), ND Walluf 1973, S. 150-159. – Reck, Hans-Hermann: Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Hauptbaus von Schloß Neuweilnau, in: Nassauische Annalen 115 (2004) S. 25-35.