MANSFELD
I./II.
Das erstmals zu 1128, sicher jedoch seit 1143 bezeugte edelfreie Geschlecht der Herren von H. (de Helderingen) hat vermutlich im zweiten Viertel des 12. Jh.s in der Nähe eines älteren Ortes H. eine erste Burg in der Unstrutniederung nördlich der Schmücke errichten lassen, viell. einen Turmhügel. In der ersten Hälfte des 13. Jh.s baute das Geschlecht seine politische Stellung in Nordthüringen aus und suchte dabei offensichtlich die Nähe der Lgf.en von Thüringen.
III.
Von einer steinernen Burg aus dem frühen 13. Jh. haben sich ein Rundturm (der sog. Müntzerturm), größere Abschnitte der Ringmauer, mehrere Keller und ein Erdgeschoßraum mit Gewölben auf vier Ecksäulen (Tor, Kapelle?) erhalten; ein großer Bergfried an Stelle des vermuteten Turmhügels und weitere Bauteile wurden zwischen 1984 und 1990 bauarchäologisch dokumentiert. Daß die neuen Besitzer der Burg, die Gf.en von Honstein-Kelbra, zwischen 1412 und 1479 größere Baumaßnahmen haben durchführen lassen, ist nicht nachweisbar. Ihre Nachfolger, die Gf.en von → Mansfeld, gaben der ma. Burg seit etwa 1502 unter Gf. Ernst II. ein weitgehend neues Gepräge: Von der Burg bezogen sie u. a. den »Müntzerturm« und Teile der südlichen Ringmauer in einen annähernd regelmäßigen vierflügeligen Schloßbau mit ein. Zwei hofseitige Wendelsteine, zwei auf der nördlichen Außenseite gelegene Standerker (»Ausluchten«) und große Zwerchhäuser auf den Dächern bestimmten das Erscheinungsbild ganz wesentlich. Zahlr. Inventarbeschreibungen (seit 1572) und die erhaltenen Bau- sowie Ausstattungsreste vervollständigen unser Bild von diesem aufwendigen Schloßneubau der → Mansfelder Gf.en, die gleichzeitig ihren Stammsitz sowie die Burgen in → Artern, → Arnstein, → Bornstedt u. a. modernisierten. Im Inneren befanden sich mehrere reich ausgemalte Stuben (Blaue Stube, Saalstube, Schwarze Stube), Kammern, ein großer Festsaal im zweiten Obergeschoß des Westflügels, die Küche mit Nebenräumen, die Hofstube im ersten Obergeschoß des Ostflügels u. a.m.
Das östlich vorgelagerte Vorschloß bestand aus Amtsräumen (im NW die Kommandantenwohnung), Pferdeställen, der Harnischkammer und dem Torturm mit Uhr im N, der Reiterstube, dem Brau- und Malzhaus und Amtsstuben im O und Zeughaus und Kirche im S. Zwischen diesem und dem Schloß spannte sich nunmehr ein großes Kellergewölbe an der Stelle, wo sich der Halsgraben der hochma. Burg befand. Höchst bemerkenswert sind die seit etwa 1518 um Schloß und Vorschloß errichteten Befestigungsanlagen. Dazu gehören die noch heute zum größeren Teil erhaltenen Außenmauern mit vier Eckrondellen und je einem weiteren Turm auf der Ost- und Nordseite (Pastey). Um diesen Mauerring zog ein innerer Wassergraben, der nach außen von einer Mauer begrenzt war. Es folgten ein hoch aufgeschütteter Erdwall mit vier Eckbasteien und drei mittleren Streichwehren sowie ein äußerer Wassergraben. Von der Gestalt des äußeren Festungstores hat sich nach den Umbauten seit 1664 nur wenig erhalten.
Daß sich die seit 1512 nachweisbaren verwandtschaftlichen Beziehungen der Gf.en von → Mansfeld zu den Gf.en von → Solms auch auf die Befestigungsweise ausgewirkt haben, ist naheliegend (→ Lich, Ziegenhain), aber im Detail schwierig zu belegen.
H. war zwar schon 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg und im Zusammenhang mit den Grumbachschen Händeln 1567 mehrfach besetzt worden; die entstandenen Schäden konnten jedoch zum größeren Teil beseitigt werden. Seit 1624 gehörte die Festung gänzlich zu Kursachsen, nachdem sie schon seit 1572 in Folge der Sequestration der Gft. → Mansfeld unter dessen Aufsicht gestanden hatte. Ihre wichtige strategische Funktion führte im Dreißigjährigen Krieg zu einer ersten Eroberung im Herbst 1632 und i.J. 1645 zu einer weiteren Eroberung und anschließender Zerstörung durch hessische Soldaten.
Seit 1657 gehörte das Amt H. zum in Personalunion mit dem Hzm. Sachsen-Weißenfels verbundenen Fsm. → Querfurt. Zwischen 1663 und 1668 wurde die heutige äußere Befestigung neu errichtet, orientiert an der ndl. Manier. Baumeister war Johann Moritz Richter I, der sich zuvor in den Niederlanden aufgehalten hatte. Die neuen Befestigungsanlagen bestanden aus hohen Erdwällen mit vier starken Erdbastionen, eingefaßt von einer Eskarpenmauer. Gedeckte Gänge, Palisaden sowie das stark erneuerte und modernisierte Festungstor ergänzten den beeindruckenden Festungsbau.
Der innere Befestigungsring aus dem frühen 16. Jh. wurde beibehalten. Vom Schloß konnte der zerstörte Ostflügel nicht übernommen werden. Der nordöstliche Kopfbau entstand unter Wiederverwendung romanischer und spätgotischer Mauern weitgehend neu. Außerdem fanden bis zum Ende des 17. Jh.s mehrere Umbauten statt, denen z. B. die Zwerchhäuser auf den Dächern zum Opfer fielen. An den neuen Festungswerken mußte schon sehr früh repariert werden. Die Kirche wurde um 1750 beseitigt. 1735 fragte Hzg. Christian, ob die Festung erhalten oder demoliert werden solle. Sie blieb erhalten, verlor aber weiter an Bedeutung.
Bis 1746 diente das Schloß gelegentlich als Aufenthaltsort für die hzgl. Familie. Danach wohnten dort mehrere Beamte. Im Zeughaus war seit 1764 ein Getreidemagazin untergebracht. Umfangr. Abbrüche im Vorschloß fanden 1804/08 statt. Danach errichtete man einen riesigen Magazinbau, der schließlich 1875/77 wieder beseitigt wurde, nachdem die Festung 1860 aufgegeben worden war.
Seit 1815 gehörte H. zur preußischen Provinz Sachsen. Im Schloß etablierte sich eine Oberförsterei. Die preußischen Behörden behandelten die Anlage nach Nützlichkeitserwägungen, ließen viele Reparaturen ausführen, manches abbrechen. Zwischen 1893 und 1910 fanden auch Instandsetzungsarbeiten an den Mauern und Türmen statt. Nach 1945 wohnten zahlr. Familien im Schloß. Um 1975 wurden auf Betreiben der Denkmalpflege die seit vielen Jahrzehnten verschlammten Wassergräben gesäubert und wieder für einen normalen Wasserzufluß gesorgt. Im Südflügel des Schlosses entstand eine kleine Gedenkstätte für Thomas Müntzer. In den folgenden Jahren bis 1990 wurde das Schloß zur Jugendherberge ausgebaut. Diese Arbeiten sind bis heute noch nicht abgeschlossen.
Durch die intensiven Bemühungen der Denkmalpflege ist es gelungen, eine bedeutende Schloß- und Festungsanlage der Spätgotik und des Frühbarock in ihrer eindrucksvollen Größe und Klarheit der architektonischen Gestaltung zurückzugewinnen.
Literatur
Berger, Heiko: Die militärische Bedeutung des Schlosses Heldrungen für das Kurfürstentum Sachsen bis zu seiner Eroberung am 22. Oktober 1632, in: Historia in museo. Festschrift für Frank-Dietrich Jacob zum sechzigsten Geburtstag, hg. von Volker Schimpff und Wieland Führ, Langenweißbach 2004, S. 33-53. – Schmitt, Reinhard: Zur Baugeschichte des Schlosses und der Festung Heldrungen im 16. Jahrhundert, in: Veröffentlichungen des Kreisheimatmuseums Bad Frankenhausen 13 (1991) S. 5-59. – Schmitt, Reinhard: Zur Geschichte des Schlosses und der Festung Heldrungen im Dreißigjährigen Krieg und in den Jahren des Wiederaufbaus seit 1663, in: Festungsjournal. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung e. V. 13 (April 2001) S. 17-30. – Schmitt, Reinhard: Die romanische Burg in Heldrungen, in: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt 1 (1993) S. 33-43. – Schmitt, Reinhard: Schloß und Festung Heldrungen, München u. a. 1993 (Große Baudenkmäler, 488). – Schmitt, Reinhard: Eine bisher unbekannte Ansicht des Schlosses Heldrungen vom 16. Juli 1664 – Quellen zur Zerstörung der Festung im Dreißigjährigen Krieg und zum Wiederaufbau seit 1663, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 7 (1998) S. 135-158. – Schmitt, Reinhard: Die ehemalige Kapelle des Schlosses Heldrungen, Kyffhäuserkreis, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 18 (2009) S. 344-386. – Schmitt, Reinhard/Voss, Gotthard: Schloß und Festung Heldrungen. Baugeschichte und Denkmalpflege, in: Gebaute Vergangenheit heute. Berichte aus der Denkmalpflege, Berlin 1993, S. 63-88. – Stahl, Andreas: Die Burgen und Schlösser der Grafschaft Mansfeld en miniature, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 19 (2010) S. 396-417. – Wittmann, Helge: Im Schatten der Landgrafen. Studien zur adeligen Herrschaftsbildung im hochmittelalterlichen Thüringen, Köln u. a. 2008 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe, 17), S. 25-182.