Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LIMBURG-STYRUM (STIRUM)

C. Styrum, Burg und Schloß

I.

Die möglicherw. bereits um 1000 entstandene, urkdl. erstmals 1067 als Reichshof erwähnte Anlage Stirhrim in Mühlheim an der Ruhr befand sich bis um 1200 im Besitz der frühzeitig ausgestorbenen Herren von Mühleim (Mulinhem) und gelangte anschl. an die Gf.en von Altena. Um 1200 übertrug Gf. Arnold von Altena-Berg (geb. 1166, gest. 1209) seiner Ehefrau Mechthild von Holland (gest. 1223) den Oberhof Stirheim zum Wittum. Die Anlage wurde vom Ebf. von Köln erworben, wann sie jedoch wieder an das Haus → Limburg-S. gelangte, ist den Urk. nicht zu entnehmen. Für die Jahre 1251, 1284 und 1294 ist diese als Besitz der Gf.en konkret erwähnt. Die Erben der Gf.en von Altena-Isenberg, die Gf.en von → Isenberg-Limburg, fanden um 1288/90 Unterkunft in S., als sie von ihrem Sitz → Limburg an der Lenne (heute Hagen/Westf.) zeitweilig vertrieben wurden. In diese Zeit fällt auch der Ausbau des Oberhofes Stirheim in eine befestigte Anlage.

Mitte des 13. Jh.s spaltete sich von der Linie → Isenberg-Limburg, der Zweig der Edelherren von → Limburg-S. ab, der Anfang des 16. Jh.s in den Gf.enstand erhoben wurde. Sitz des Geschlechts blieb bis zur Mitte des 16. Jh.s Burg S.

Mit der 1539 erfolgten Eheschließung Georgs von → Limburg-S. mit der Erbin Irmgard von Wisch gelangten zusätzlich größere Besitzungen im Gelderland (Herrschaften Wisch, Borculo, Lichtenvoorde, Gft. → Bronkhorst) in den Besitz des Geschlechts. Von 1539 bis zur Mitte des 17. Jh.s waren die Schlösser Borculo, Bronkhorst und Wildenborch dann auch Hauptsitze der Familie → Limburg-S. Schloß S. war von 1644 bis 1809 wieder Res. des Zweiges → Limburg-S.

Nach dem kinderlosen Tod des letzten Gf.en Ernst Maria von → Limburg-S. (gest. 1809) fiel das Schloß an seine Schwägerin Margarethe von Humbracht, die es 1836 an den letzten S.er Rentmeister Clemens Marcks verkaufte. 1861 erwarben der Gutsbesitzer Johann Schönnenbeck und 1890 August Thyssen die Anlage. Schloß S. gelangte 1959 an die Stadt Mühlheim an der Ruhr und wurde 1992 im Zuge der Mülheimer Landesgartenschau grundlegend renoviert.

II.

Das 1422 als Reichsherrschaft S. anerkannte Gebiet zählte mit ca. 50 ha Eigenbesitz zu den kleinsten Territorien des Alten Reichs, war allerdings mit seinem umfangr. Streubesitz bis weit in den westfälischen Raum hinein bedeutsam. Die Herrschaft S. bestand aus dem Schloß, Waldbesitz und sieben Bauernhöfen. Seit 1385 gehörten auch der Alten- und Maurenhof im Dorf Mühlheim, Rechte und Zehnte in der Herrschaft Broich und das Patronat über die Petrikirche in Mühlheim dazu. Die so gen. S.er Mannkammer bestand aus 126 Lehen, die in den niederrheinisch-westfälischen Territorien verteilt lagen.

III.

Die frühe Baugeschichte der Anlage ist nicht nachvollziehbar. Größere Baumaßnahmen sind für die Zeit um 1288/90 anzunehmen, als die Gf.en von → Isenberg-Limburg nach dem Verlust ihres Stammsitzes → Limburg an der Lenne temporär in S. unterkamen. Um 1350 wird S. als befestigter Oberhof bezeichnet. Im 14. und 15. Jh. wurde im Schloßhof das zweigeschossige Herrenhaus errichtet und entspr. mit einer Mauer eingefaßt.

Umfangreichere Baumaßnahmen sind für das 17. Jh. quellenmäßig erfaßt, als das Schloß zunächst Witwensitz und danach Res. eines S.er Zweiges war. Im Zuge einer grundlegenden Renovierung wurden an der Nordseite des Herrenhauses ein sechsseitiger Treppenturm sowie vor die Giebelseite quer angeordnete zweigeschossige Bauten angebracht. Die Baumaßnahmen umfaßten auch die steinerne Umwehrung mit dem Torhaus. Das über dem Tor angebrachte Allianzwappen verweist auf den Gf.en Hermann Georg von Limburg und seine Ehefrau Maria von → Hoya. Ob die sich an das Torhaus anschließende Kapelle bereits im 15. Jh. bestanden hat (1498 Nachweis eines Schloßkaplans) kann nur angenommen werden. Nach einem Schloßbrand während der Regierungszeit des Gf.en Christian Otto (gest. 1749) wurden größere Renovierungsarbeiten durchgeführt. In diese Zeit fällt offenbar auch die Anlage eines Barockgartens.

Aders, Günter/Hulshoff, Adam Lambert/Theuerkauf, Gerhard: Burgen und Sitze, in: Die Grafen van Limburg Stirum, hg. von Günther Aders und Adam Lambert Hulshoff, Tl. II, Bd. 4, Assen u. a. 1968, S. 256-269. – Bocklenberg, Erich/Rawe, Kai: Schloss Styrum, in: Zeugen der Stadtgeschichte. Baudenkmäler und historische Orte in Mühlheim an der Ruhr, hg. vom Geschichtsverein Mühlheim an der Ruhr e.V., Essen 2008, S. 21-29. – Ortmanns, Kurt: Schloß Styrum in Mühlheim an der Ruhr, Köln 1992 (Rheinische Kunststätten, 377). – Rawe, Kai: Schloß Styrum, in: Burgen Auf Ruhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion, hg. vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Essen 2010, S. 301-304.