LIMBURG-STYRUM (STIRUM)
I.
Von der Stammlinie Altena-Isenberg aus dem Hause der Gf.en von Berg spaltete sich im 13. Jh. die Linie L.-S. ab, die bis zu ihrer Erhebung in den Gf.enstand zu Beginn des 16. Jh.s ein Herrengeschlecht blieb. Stammeltern des Styrumer Zweiges waren der Enkel Gf. Dietrichs I. von → Isenberg-L., Dietrich I. von L. gen. Snycke (erw. 1291-1327/28) und seine Frau Berta von Götterswick. Die sich wiederum von L.-S. abgeteilte Linie L.-Broich starb bereits 1511 aus. 1644 zerfiel das gfl. Haus L.-S. wiederum in drei Linien (S.-Bronkhorst, S.-Gemen, S.-Styrum).
II.
Das Wappen der Herren von L.-S. ist bis 1279 mit dem der Stammlinie → Isenberg-L. gleichzusetzen. Im Gegensatz zu dieser führte L.-S. jedoch die »Isenberger Rose« der Vorfahren aus dem Haus Altena bis zur Mitte des 14. Jh.s weiter im Wappen. Der Wappenwechsel zum L.er Löwen erfolgte erst um 1354/55.
Aus dem Geschlecht L.-S. gingen einige Persönlichkeiten hervor, die zu kirchlichen Würden gelangten. Als Äbt.nen sind im MA und in der FNZ nachweisbar: 1338 Jutta (geb. um 1309) in Herdecke; 1413-1426 Luckardis in Möllenbeck; 1426 Margaretha (gest. 1460) in Essen; 1493 Anna (geb. nach 1448, gest. 1507) in Villich und 1495 in Borghorst; 1494 Bonizetta (gest. 1524) in Herford; 1525 Anna (gest. 1565) in Herford und in Gerresheim; 1527 Agnes (gest. 1570) in Freckenhorst und zugl. 1553 in Metelen; 1564 Katharina (gest. 1572) in Borghorst; 1578 Mechtild (gest. 1622) in Freckenhorst; 1603 Agnes (geb. 1563, gest. 1645) in Elten, Borghorst und Vreden sowie 1614 in Freckenhorst.
III.
Die Genealogie des S.er Zweiges aus dem Hause Altena-Isenberg muß als kompliziert bezeichnet werden. Arnold von Altena-Berg (geb. 1166, gest. 1209) übertrug um 1200 seiner Ehefrau Mechthild von Holland das Reichslehen → S. mit der Burg Broich bei Mühlheim an der Ruhr als Wittum. Für seinen Sohn Friedrich ließ er die → Isenburg bei Hattingen an der Ruhr errichten, nach der sich das Geschlecht Isenberg zukünftig benannte. Die Person Friedrich II. von → Isenberg (geb. um 1190, gest. 1226), der von seinem Vater bereits im frühen 13. Jh. S. erhielt, ist eng verbunden mit den machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen Adel, Kirche und Reich. Diese gipfelten am 7. Nov. 1225 in dem Totschlag des Ebf.s von Köln, Engelbert von Berg, zugl. Hzg. von Westfalen. Nach der Hinrichtung Friedrich II. als Mörder des Kölner Ebf.s und dem Verlust sämtlicher Besitzungen, gelang es seinem Sohn Dietrich I. von → Isenburg-L. (geb. um 1215, gest. um 1301), erst geraume Zeit später, einen Teil der Rechte und des Familienguts (u. a. Limburg an der Lenne und S.) zurück zu erhalten. Nach dem Tode Dietrichs I. von Isenburg-L. erfolgte 1301 die Aufteilung der Besitzungen, verbunden mit der Abspaltung von neuen Familienzweigen, u. a. L.-S. Eine neue Teilung des Geschlechts L.-S. erfolgte nach dem Tode seines Enkels, Dietrich I. von L. gen. Snycke (erw. 1291-1327/28). Dessen ältester Sohn Johann I. von L.-S. (geb. um 1295, gest. 1364) setzte mit Margaretha von Ahaus die L.-S.er Linie fort.
Im 15. Jh. begann mit dem Wiederaufstieg der rheinischen Gf.en von → Neuenahr auch deren Bemühungen um die Besitznahme der südwestfälischen Gft. L. Gumprecht II. von Neuenahr (geb. 1403, gest. 1486) war mit der Erbin Margarethe vermählt und versuchte in den nachfolgenden Jahren, die 1425 in seinem Heiratsvertrag festgelegten Ansprüche auf dieses Territorium durchzusetzen. Die Angehörigen der Nebenlinie L.-Broich, die ebenfalls Ansprüche auf die Gft. L. stellten, waren ohne Unterstützung kaum dazu in der Lage, sich den Begehrlichkeiten des einflußreichen Hauses → Neuenahr auf die Gft. L. entgegenzustellen. Die Aktivitäten Gumprechts II. können gleichwohl nicht losgelöst von den politischen und territorialen Planungen seines Lehns- und Dienstherrn, dem Ebf. von Köln, Dietrich von → Moers, gesehen werden, der zur selben Zeit politische und milit. Aktivitäten im Rheinland und in Westfalen entwickelte.
Eine Fehde führte im Sept. 1459 zur Besetzung der Gft. L. und Belagerung der gleichnamigen Burg sowie am 2. Okt. des Jahres zur Übergabe der Anlage an die Truppen der Brüder Dietrich, Heinrich und Wilhelm von L.-Broich. Der Konflikt wurde Ende März 1460 durch einen Schiedsspruch beendet. Die beiden verwandten Häuser mußten sich fortan einem Kondominium und einem »Burgfrieden« unterwerfen. Sie erhielten jeweils die Hälfte der Einkünfte aus der Gft. sowie Wohnrecht in getrennten Bereichen der Burganlage, während sich die Gf.en von → Neuenahr auch weiterhin als Gf.en von L. bezeichnen durften.
Da sich bereits frühzeitig das Aussterben der Geschlechter L. und L.-Broich abzeichnete, stellte die Vermählung Gf. Johanns I. von L.-Broich mit Elisabeth, einer Schwester Gumprechts III. von Neuenahr, i.J. 1492 sicherlich auch eine politische Maßnahme dar, um den gesamten Besitz, einschließlich der Herrschaft Broich, für das Haus Neuenahr zu sichern. Seine Ansprüche ließ sich Gumprecht III. von Neuenahr bereits im Nov. 1499 von Ks. Maximilian bestätigen. Kurze Zeit darauf durchkreuzte Johann I. von L.-Broich die ursprgl. Planungen: Im Nov. 1505 anerkannte er seine adoptierte Nichte Irmgard von → Sayn als Erbtochter. Diese war mit Gf. Wyrich V. von Daun-Falkenstein (geb. 1473, gest. 1544) verh. Noch zu seinen Lebzeiten übertrug Johann I. seinem Schwiegersohn die Gft. L. und die Herrschaft Broich. Mit Johann I. starb im Juli 1511 schließlich der letzte männliche Vertreter des Hauses L. aus der Linie Broich. Da die Hauptlinie aus dem Hause Altena-Isenberg bereits 1458 in direkter Linie ausgestorben war, existierte nur noch der Familienzweig L.-S., der jedoch für die weitere Entwicklung der Gft. L. und der Herrschaft Broich keine Bedeutung mehr besaß. Als Erbe der Gf.en von L. und Herren von Broich belehnte Hzg. Johann III. von Jülich-Kleve-Berg 1513 schließlich Wyrich V. von Daun-Falkenstein mit dem halben Anteil an der Gft. L. sowie mit der Herrschaft Broich. Dadurch gelangte die vom Haus → Neuenahr beanspruchte zweite Hälfte der Gft. L. zu Beginn des 16. Jh.s für rund 40 Jahre in den Besitz der Gf.en von Daun-Falkenstein.
Literatur
Aders, Günter/Hulshoff, Adam Lambert/Theuerkauf, Gerhard: Burgen und Sitze, in: Die Grafen van Limburg Stirum, hg. von Günther Aders und Adam Lambert Hulshoff, Tl. II, Bd. 4, Assen u. a. 1968, S. 256-269. – Horstmann, H.: Die Wappen der Grafen von Isenberg-Limburg-Stirum, in: ADERS, Günter/HULSHOFF, Adam Lambert u. a.: Die Grafen van Limburg Stirum, hg. von Günther Aders und Adam Lambert Hulshoff, Tl. I, Bd. 1, Assem u. a. 1976, S. 337-380. – Kohl, Wilhelm: Limburg-Styrum, Grafen v., in: NDB, XIV, 1985, S. 566- 567. – Küper, Aloys: Die Haus- und Wirtschaftspolitik der Regenten über die Herrschaft Gemen, Bocholt 1916 (Diss., Univ. Münster). – Prinz, Joseph: Die Grafen von Limburg Stirum – Diener der Kirche – Streiter Gottes, in: ADERS, Günter/HULSHOFF, Adam Lambert u. a.: Die Grafen van Limburg Stirum, hg. von Günther Aders und Adam Lambert Hulshoff, Tl. I, Bd. 1, Assem u. a. 1976, S. 292-336.