Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LEISNIG

C. Penig

I.

Fridericus de Penic (1264); Penig, Penick, in opido Penik (1313); Penig (1314); Penik, Penyk (1351/1358); Penek (1382); zcu Penick (1486); de Bennyck (1506); Benick (1518); Benig (1546) [altsorbisch, wohl »Siedlung am schäumenden Wasser«]. Stadt und Schloß an der mittleren Zwickauer Mulde, auf dem rechten Ufer gelegen. Seit dem 13. Jh. zunächst im Besitz der Bgf.en von Altenburg, gehörte P. von 1327 bis zu deren Aussterben 1538 den Bgf.en von → Leisnig. Das sog. »Alte Schloß«, zunächst wohl eine einfache Wasserburg, später umfangr. aus- und umgebaut, war vom 14. Jh. bis 1538 Res. einer Linie der Bgf.en von → Leisnig.

II.

Am gewundenen Lauf der Zwickauer Mulde, im bereits bergigen nördlichen Erzgebirgsvorland entstand P. auf kleinem Plateau im Winkel eines Muldenknies. Noch im engeren Stadtgebiet beginnt Richtung Chemnitz die Steigung hinauf zum Mühl- und Galgenberg. Die städtische Frauenkirche befindet sich bereits in etwas herausgehobener Höhenlage und mutet wehrkirchenartig an. Das auf der gegenüberliegenden Muldenseite befindliche Dorf Altpenig dürfte der Stadt wohl den Namen gegeben haben. Anzeichen für frühstädtische Verhältnisse lassen sich dort aber nicht ausmachen.

Möglicherw. deutet der altsorbische Name P.s, der einzige inmitten dt. Ortsnamen, auf die frühe Nutzung der beim Ort befindlichen Furt über die Zwickauer Mulde, die innerhalb eines im weiteren Verlauf über das Erzgebirge nach Böhmen führenden älteren Fernweges zwischen Altenburg und Chemnitz eingeordnet werden kann. Spätestens seit dem 12. Jh. entwickelte sich die bei der heutigen Brücke zu suchende Furt zum wichtigsten Übergang an der mittleren Zwickauer Mulde zwischen Rochlitz und → Waldenburg. Die älteste Wegeführung im Stadtgebiet dürfte nicht der heutigen Chemnitzer Straße entsprechen, sondern wird auf dem rechtsmuldischen Hochufer abwärts bis zur Ruine der Burg Drachenfels geführt haben, wo ein Hohlenbündel auf starken ma. Verkehr hinweist.

Durch die Höhenlage von P. im Vorland des Erzgebirges und die mittlere Bodenqualität bietet die Gegend von P. nur mittelmäßige agrarische Bedingungen.

Die Besiedlung und agrarische Erschließung der Gegend um P. erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 12. Jh.s und führte zunächst zur Gründung des Dorfes Altpenig.

Ein Markt im späteren Stadtgebiet von P. ist nicht vor dem 13. Jh. anzunehmen. Hinweise auf Zoll und Münze gibt es nicht.

Ursprgl. gehörte der P.er Raum wohl zur Herrschaft Zinnberg, als deren Herren, ebenso wie über die nördlich anschließende Herrschaft Rochsburg wohl noch vor der Mitte des 13. Jh.s die Bgf.en von Altenburg anzunehmen sind. Nach der Mitte des 13. Jh. rückten Zinnberg und Rochsburg ins Zentrum der bgfl. Herrschaftsbildung, nicht zuletzt weil deren Altenburger Stellung durch die wettinische Pfandherrschaft über das Pleißenland beeinträchtigt wurde. Nach dem Tod des letzten Altenburger Bggf. Albrecht IV. (1327) konnte dessen Schwiegersohn Bgf. Otto von → Leisnig große Teile des Erbes, darunter die Herrschaft Zinnberg/Rochsburg mit P., an sich bringen und eine eigene Linie der → Leisniger Bgf.en begründen, die als letzte dieser drei Linien bis 1538 Bestand haben sollte. Von dem Verlust der → Leisniger Stammburg i.J. 1365 scheint die P.er Linie nicht betroffen gewesen zu sein. Zur endgültigen Teilung in einen Rochsburger und einen P.er Herrschaftsteil kam es mit der Teilung von 1436. Doch konnte sich in der Folge allein Bgf. Otto II. im P.er Teil behaupten, während Bgf. Albrecht III. 1448 aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf von Rochsburg gezwungen wurde, das nun in fremde Hände fiel. Mit dem Aussterben der Bgf.en von L. i.J. 1538 gelangten Herrschaft und Stadt P. zunächst an die Wettiner und dann im Zuge eines Gebietstausches 1543 an die Herren von → Schönburg.

Das Stadtgebiet von P. gehörte als Teil des Archidiakonats Rochlitz zum Bm. Merseburg, das hier über die sonstige Muldengrenze hinaus nach O ausgriff. Die Stadtkirche (St. Marien) ist zunächst ein Filial der Altpeniger Kirche St. Ägidien gewesen, wurde dann vor 1500 aber selbst zur Hauptkirche mit den Filialen Altpenig und Markersdorf.

Mit der Kolonisation und mit der Ausbildung des staufischen Reichslandes Pleißen gewann die P.er Furt an der Verbindungsstraße zwischen den reichsländischen Zentren Altenburg und Chemnitz an Bedeutung. Möglicherw. entstand bereits in der ersten Hälfte des 13. Jh.s auf der rechten Muldenseite, unterhalb und in Zusammenhang mit der späteren Stadtkirche (St. Marien) eine frühstädtische Kaufmannssiedlung. In der zweiten Hälfte des 13. Jh.s bestätigt sich das Bestehen des Ortes P. durch die zweimalige Nennung eines Friedrichs von P. (1264, 1288). 1301 wird die Siedlung selbst als forensi civitate, 1313 als opidum, 1314 als civitas bezeichnet. Die Stadtwerdung erfolgte unter Förderung der Bggf. von Altenburg wohl bereits im späteren 13. Jh. Möglicherw. gehen der planmäßige Stadtgrdr. um den heutigen Markt und ein erstes Stadtrecht auf diese Zeit zurück. Für die Mitte des 14. Jh.s sind bereits das Bestehen einer Schuhmacherzunft und eine Zollstätte an der Furt nachweisbar, 1367 wird das P.er Rathaus erwähnt. Um 1380 enstand eine hölzerne Brükke über die Mulde, zwischen 1458 und 1488 errichteten die Bürger eine steinerne Stadtmauer. Große Stadtbrände sind für die Jahre 1459 und 1472 überliefert. 1527 kam es zum steinernen Neubau der bei einem Hochwasser 1491 zerstörten Brücke.

Das ältere P.er Stadtrecht ist verloren. Überliefert wurde die 1455 ausgestellte Bestätigung des Stadtrechts. 1471 erwarb der P.er Rat von den Bggf. von → Leisnig zudem das dem Blutgericht entspr. Obergericht.

Seit dem 15. Jh. gewann P. über (Nah)Markt und Verkehr hinaus als Töpferstadt mit seiner an das »Waldenburger Steinzeug« angelehnten Ware überregional an Bedeutung. Im Gefolge des »zweiten Berggeschreis« kam es in der Umgebung der Stadt nach 1483 zu Silber- und Zinnbergbau.

Mit dem Übergang P.s an den Bgf.en Otto von → Leisnig läßt sich nach 1327 eine residenzielle Funktion des Ortes stärker fassen: In P. werden die meisten bgfl. Urk.n ausgestellt und 1356 wird als Penik castrum eine Burg gen., unter der wohl bereits das anstelle der Wasserburg erbaute »Alte Schloß« zu verstehen ist. Seit dem fortgeschrittenen 15. Jh. bezeichnen sich die dortigen Bgf.en ausdrücklich als »zu P.« gesessen.

Über Spannungen zwischen Res. und Stadt ist nichts bekannt.

III.

Die erste P.er Burganlage, eine mutmaßliche Wasserburg nordöstlich der Stadt unmittelbar am Muldenknie, reicht wohl in die Mitte des 13. Jh. zurück, ohne daß sich diese Anlage unter den Bgf.en von Altenburg gegen die nahen Burgen Rochsburg und Zinnberg als Res. behaupten konnte.

Residenzielle Funktion gewann unter den Bgf.en von → Leisnig das viell. noch in der ersten Hälfte des 14. Jh. an gleicher Stelle erbaute »Alte Schloß«. Diese Burg befand sich also in Randlage zur Stadt und bildete zugl. einen Teil der Stadtbefestigung. Durch die Stadtbrände von 1459 und 1472 wurde die Anlage erheblich beschädigt. 1517 beklagte Bgf. Hugo von → Leisnig die Enge des Baus. Doch kam es unter den Bgf.en von → Leisnig zu keinem grundlegenden Umbau mehr.

Stattdessen errichteten die Herren von → Schönburg kurz nach der Mitte des 16. Jh.s das sog. »Neue Schloß« als Renaissancebau an anderer Stelle, am später sog. Schloßplatz, also in unmittelbarer Nähe zum Markt. Nach 1790 erfolgte ein klassizistischer Umbau dieses Gebäudes, das dann bis zur Mitte des 19. Jh.s als Amtshaus, später als Produktionsgebäude einer Papierfabrik genutzt wurde.

Um 1612 erfolgte der Abriß des »Alten Schlosses«, das einem weiteren Renaissancebau weichen mußte, der im 19. Jh. durch zwei Flügel erweitert, im 20. Jh. zur P.er Papierfabrik geschlagen und zu betrieblichen Zwecken umgebaut wurde. Heute ist dieser Komplex ruinös. Bauliche Aussagen zur vormaligen Res. der Bgf.en von → Leisnig lassen sich demnach nicht treffen.

Quellen

Siehe A. Leisnig.

Fritschen, Walter von: Penig. Eine städtebauliche Untersuchung, in: Sächsische Heimatblätter 11,5 (1965) S. 403-416. – Grässler, Ingolf/Thieme, André: Die Burgen Drachenfels und Zinnberg und die Entstehung von Penig, in: Burgenforschung aus Sachsen 15/16 (2003) S. 21-51. – Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, hg. von Ernst Eichler und Hans Walther, Berlin 2001. – Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe, hg. von Karlheinz Blaschke, bearb. von Susanne Baudisch und Karlheinz Blaschke, Leipzig 2006 (Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, 2). – Kobuch, Manfred: Die Lehnsherrschaft der Burggrafen von Leisnig. Untersuchungen auf Grund der Lehnbücher der Burggrafen von Leisnig im Sächsischen Landeshauptarchiv Dresden, ungedr. Ms., Potsdam 1958. – Neumann, Margret, Die Orts-, Flur- und Straßennamen der Stadt Penig sowie der eingemeindeten Dörfer Arnsbach, Chursdorf, Dittmannsdorf, Markersdorf, Tauscha, Thierbach und Zinnberg, Beucha 2002. – Penig, Überblick über die geschichtliche Entwicklung, hg. vom Rat der Stadt Penig, Penig 1977. – Richter, Dieter: Zur Geschichte der Stadt Penig, in: Der Heimatfreund für das Erzgebirge 22,7 (1977) S. 147-153. – Schlesinger, Walter: Handbuch der historischen Stätten, Bd. 8: Sachsen, Stuttgart 1965. – Thieme, André: Die Burggrafschaft Altenburg. Studien zu Amt und Herrschaft im Übergang vom hohen zum späten Mittelalter, Leipzig 2001 (Schriften zur sächsischen Landesgeschichte, 2). – Thoma, Winfried: Die archäologischen Ausgrabungen im Umfeld des Rathauses von Penig, in: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 43 (2001) S. 213-267. – Zeissig, Karl: Die Flurnamen der Stadt Penig, Dresden 1943 (Sächsische Flurnamenverzeichnisse, 2).