KIRCHBERG
I.
Die gfl.-kirchbergische Burg N. im heutigen Lkr. Neu-Ulm wird 1251 das erste mal erwähnt: Damals machten Gf. Otto von → Kirchberg-Brandenburg und sein Schwager Berthold von Neuffen dem Augsburger Spital gemeinsam eine Schenkung. Die entspr. Urk. wurde ausgestellt in novo castro comitis Ottonis. Wie der sprechende Name besagt, handelt es sich um einen Neubau. Dieser ersetzte vermutlich die bis dato aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls kirchbergische Burg im nur einen Steinwurf entfernt gelegenen Pfaffenhofen (Lkr. Neu-Ulm). Die nächste Nachricht über die Burg stammt erst wieder von 1281: Damals wurde castro Niuhusen gemeinsam mit der Burg → Balzheim (Alb-Donau-Kr.) durch die Gf.en von Grüningen-Landau (enge Verwandte der Wirtemberger) an Bf. Bruno von Brixen verkauft. Bf. Bruno war ein Bruder des Gf.en Eberhard von → Kirchberg-Kirchberg. An die Verkäufer (Gf.en von Grüningen-Landau) müssen die beiden Burgen wohl durch eine Tochter des Gf.en Hartmann von → Kirchberg (gest. 1213) gefallen sein, denn Hartmann ist als Vorbesitzer Balzheims sicher belegt.
Nachdem Bf. Bruno 1281 Besitzer der Burg N. geworden war, gab er die Veste an seine Verwandten vor Ort zurück: 1290 benannte sich sein Großneffe Otto von → Kirchberg-Brandenburg nach N. 1304 aber trug jener Otto die Burg dem Bf. von Augsburg (der wiederum ein → Kirchberger war) als Lehen auf. Sofort danach empfing Otto die N. gemeinsam mit seinem Vetter Konrad als Lehen zurück. Es ist denkbar, daß diese Lehensaufgabe den Kirchbergern den Besitz der Burg sichern sollte. Denn nur wenige Jahre zuvor waren sowohl die Herrschaft → Brandenburg als auch Holzheim-Pfaffenhofen an das Haus Habsburg gefallen – unter Umgehung kirchbergischer Erbansprüche.
Nach dem offenbar kinderlosen Tod Ottos (um 1319) verkauften seine Verwandten die Burg 1338 an den Ulmer Amtmann Konrad von Weißenhorn, der ein illegitimer Neuffensproß war. Von diesem gelangte N. an Ulmer Patrizierfamilien. Der Burgort entwickelte sich in der Folgezeit unter Fortbestehen der augsburgischen Lehensbindung zu einem festen Bestandteil des Ulmer Stadtterritoriums. Zur Burg N. gehörte ein Wildbann, dessen Ursprünge im Dunkeln liegen. Verschiedene Indizien machen aber eine um die Mitte des 14. Jh.s erfolgte Abspaltung aus dem übrigen kirchbergischen Forst- und Wildbannbezirk wahrscheinlich. Fakt ist, daß der Wildbann sich seit seiner ersten Erwähnung (1377) als kirchbergisches Lehen im Besitz der Stadt Ulm befand. Die Ulmer wiederum nutzten den Wildbanndistrikt als territorialen Rahmen eines im Laufe des 15. Jh.s errichteten und 1523 durch die Habsburger anerkannten städtischen Hochgerichtsbezirkes südlich der Donau.
Baulich ist von der alten kirchbergischen Burg N. heute nichts mehr zu sehen. Unter der seit 1377 währenden Herrschaft der Ulmer Patrizier entstand ein schlösschenartiger Fachwerkbau, der 1765 durch ein Feuer zerstört wurde.
Quellen
Siehe auch A. Kirchberg. – Urkundenbuch der Stadt Augsburg, hg. von Christian Meyer, Bd. 1, Augsburg 1874, Nr. 11.
Literatur
Siehe auch A. Kirchberg. – Eberle, Wilhelm: Die Burg bei Neuhausen-Holzheim, in: Aus dem Ulmer Winkel. Mitteilungen des historischen Vereins Neu-Ulm (Beilage zum Neu-Ulmer Anzeiger) 3-4 (1912). – Hadry, Sarah: Neu-Ulm, München 2011 (Historischer Atlas von Bayern, Tl. Schwaben I/18). – Hölzle, Wilhelm: Burg Neuhausen wurde vor 200 Jahren zerstört: einst Stammsitz der Grafen von Holzheim. Nur ein Turm erinnert heute noch an frühere Schloßherrlichkeit, in: Der Heimatfreund. Beilage für heimatgeschichtliches Leben aus alter und neuer Zeit. Beilage zur Neu-Ulmer Zeitung 1,10 (1951). – Gaiser Horst/Matzke Josef/Rieber Albrecht u. a.: Kleine Kreisbeschreibung Neu-Ulm. Stadt und Landkreis, 2. Aufl., Neu-Ulm 1964. – Köpf, Hans Peter: Die Herrschaft Brandenburg, in: Au an der Iller. Stadt Illertissen. Ein Dorf im Wandel der Zeiten, hg. von Anton H. Konrad, Weißenhorn 1987, S. 43-139.