Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HORN

B. Horn

I.

Die Gft. H. liegt in der niederländischen Provinz Limburg. Das Gebiet wurde von König Friedrich III. am 25. Dez. 1450 zur Gft. erhoben. Jakob I. van H. war der erste Graf, der diesen Titel führte. Die Gft. H. umfaßte einen Teil von Midden-Limburg und die angrenzenden belgischen Gebiete, nämlich die Dörfer H., Geistingen und Ophoven (Belgien), Heel, Wessem, Nunhem, Buggenum, Haelen, Roggel, Heijthuijsen und Neer. Große Städte gibt es dort nicht. Die wichtigste Burg befand sich in H., daneben gab es noch eine Burg in Aldenghoor bei Haelen, Groot Buggenum in Grathem und einige andere kleinere Befestigungen. In der Gft. H. war die Familie van H. mit daran beteiligt, das Kl. Keizerbosch zu gründen und auszubauen, wo Mitglieder der Familie beigesetzt wurden. Zudem waren sie daran beteiligt, das Kl. Sint-Elisabethsdal in Nunhem zu gründen.

II.

Die Existenz der Familie van H. ist seit dem 12. Jh. im Gebiet der Gft. H. überliefert. Sie besaß dort vom 13. bis 16. Jh. eine Burg und herrschaftliche Rechte. Im 17. Jh. kam die Gft. in den Besitz der Fs.bf.e von Lüttich. Die Gft. war vergleichsweise klein und hatte nur regionale Bedeutung. Die Herrschaften Weert, Nederweert und Wessem, die die Gf.en ebenfalls besaßen, waren bedeutsamer als die eigentliche Gft. Auch die Burg in → Weert wurde häufiger besucht als die in → Horn. Weiter hielt die Familie sich auf Burg Woudrichem im Land Altena auf. Nebenlinien ließen sich in Gaasbeek bei Brüssel und in Boxtel nieder.

Das Land H., nach 1450 die Gft. H., war ein Lehen der Gf.en von → Looz. Die Gft. gehörte zum Römischen Reich. Für gerichtliche Appellationen zog man an den Oberhof in Vliermaal (Belgien). Die älteste Belehnung stammt aus dem Jahr 1243, als Willem, Herr von H. und Altena, das Land vom Gf.en von → Looz.als Lehen erhielt. Der Herr von H. übte die hohe Gerichtsbarkeit im Land aus. Das Gebiet kannte im 13. Jh. keine zentrale Rechtsprechung durch Schöffen aus den im Lande liegenden Dörfern. Im 14. Jh. gab es Schöffengerichte in den Dörfern Wessem, Geistingen, Heijthuijsen, Neer, Haelen und Beegden. Bemerkenswerterweise wird H. selbst nicht genannt, denn dieser Ort gehörte wie Buggenum zur Schöffenbank von Haelen. Roggel fiel in die Zuständigkeit der Schöffen in Heijthuijsen.

→ Weert, Nederweert und Wessem, ebenfalls Eigentum der Grafen von H., arbeiteten im 15. Jh. eng zusammen mit der Schöffenbank des Landes H., vor allem bei gemeinschaftlichen Finanzierungen.

Nach dem Tod von Philippe de Montmorency behielt seine Wwe. den Nießbrauch der Gft., aber die eigentlichen Rechte fielen trotz der von einigen Prätendenten erhobenen Ansprüche 1614 an den Fs.bf. von Lüttich zurück, der der Rechtsnachfolger der Gf.en von → Looz war.

Zur Gft. gehörte der Lehnhof H., dem ein Statthalter des Herrn, mehrere Lehnsmannen und 92 Lehen zugehörten, teilweise auch außerhalb des Landes H., wie z. B. in Asselt, Helden, Hunsel, Ittervoort, → Maaseik, Swalmen, Thorn und Stramproij. Die Herrn von H. besaßen Fischereirechte in der Maas, Zehntrechte in mehreren Dörfern und den Zoll in Hansum bei Neer, der von den die Maas befahrenden Schiffen erhoben wurde. Dieses Recht wurde von den Herrn von H. an die Stadt Roermond abgetreten.

Landwirtschaft war die wichtigste Erwerbsgrundlage in der Gft. Über die Maas wurde reger Handel betrieben, namentlich mit Lüttich, 's-Hertogenbosch und Dordrecht. In der benachbarten Stadt → Weert gab es eine blühende Wolltuchherstellung, die auch für Arbeitsmöglichkeiten im Land H. sorgte.

In Wessem und → Weert ließen die Herren von H. Münzen schlagen. Schon 1118 gab Bf. Otbert von Lüttich seine Zustimmung dafür, daß der Abt von St. Pantaleon in Köln in Wessem eine Münzstätte einrichtete. Das Münzrecht ging 1219 auf Willem I. van H. über. Aus dem 14. Jh. sind Münzen von Willem IV., Willem V. und Dirk van H. bekannt. Auf den Stücken findet man die Umschrift MONETA DE WERT, was darauf hinweist, daß die Münzen nicht mehr in Wessem, sondern in → Weert geprägt wurden. Im Haus De Keizer in der Molenstraat in → Weert befand sich noch im 16. Jh. eine Münzstätte, wo im Auftrag von Philippe de Montmorency geprägt wurde, insgesamt sechs verschiedene Gold- und Silberwerte. Das Münzbild zeigte das Wappen der Herren von H., Münzmeister waren zu dieser Zeit Jan van Luemel und Peter van Bossenhoven.

Nähere Aussagen zum Hofpersonal sowie zu Festen, Vergügungen und zur Repräsentation des Hofes lassen sich leider nicht machen.

Quellen

Siehe A. Horn. – RHCL te Maastricht, archief van het graafschap Horn.

Boekhorst, B.H.J. te: De heerlijke munten van Horne. Een historisch overzicht van 300 jaar muntslag op naam van de heren van Horne, Anjum 1998. – Boel, W. M. van de: Een onderzoek naar de rechterlijke organisatie in de heerlijkheid Horn, in: Publications de la Société Historique et Archéologique de Limbourg (1965) S. 160-163. – Thoma, W.: Muntslag op het grondgebied van het hertogdom Gelre in: Stinner, J./Tekath, K. H.: Gelre-Geldern-Gelderland. Geschiedenis en cultuur van het hertogdom Gelre, Geldern 2001, S. 243-260.