HOHENLOHE
I.
Waldenberc (um 1250); Waldenberg (1351); Waldenburg (1656) – Stadt – Herrschaft W.; Gf.en von → Hohenlohe – Schloß – Res. vom 16. bis in die zweite Hälfte des 17. Jh.s – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Hohenlohekr.
II.
Die kleine Stadt W. und ihr Schloß liegen über der → Hohenloher Ebene auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Bergsporn aus Kieselsandstein (506 m NN), der mit einem schmalen Hals an die Hochfläche der W.er Berge angehängt ist. Zu Füßen des Bergs zieht die alte Geleitstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall und Nürnberg vorüber. Die Stadtwerdung der als Burgweiler entstandenen Siedlung vollzog sich möglicherw. schon im späten 13. Jh.; die erste Erwähnung als stat dat. von 1330. Neben einem eher bescheidenen Handwerk sowie Feld- und Gartenbau spielten von alters her v.a. Viehhaltung und Waldwirtschaft eine Rolle. Vieh- und Krämermärkte sind erst seit dem ausgehenden 18. Jh. bekannt.
Um die Mitte des 13. Jh.s als Pertinenz der Öhringer Stiftsvogtei an die Herren von → Hohenlohe gelangt, waren Schloß, Stadt und Herrschaft W. bis zum Ende des Alten Reiches Regensburger Hochstiftslehen. Das Forstrecht rührte vom Hochstift Würzburg zu Lehen (15. Jh.). Spätestens seit 1328 Sitz eines hohenlohischen Amts, fungierten Ministerialen und Angehörige ritteradliger, später auch bürgerlicher Geschlechter als herrschaftliche Amtleute und Vögte. Zum Stadtvogteiamt gehörten 1681 neben der Amtsstadt die Gemeinden Obersteinbach (W.), Kesselfeld, Eschelbach und Obersöllbach (→ Neuenstein, Hohenlohekr.) sowie Teile von Westernach (Kupferzell, Hohenlohekr.) mit ihren verstreuten Siedlungsplätzen. 1621 wurde in der Stadt eine Münzstätte errichtet, die allerdings nur kurze Zeit Bestand hatte. Res. war W. seit der Teilung nach Gf. Kraft VI. (gest. 1503) für dessen Sohn Georg (gest. 1551) und – namengebend für die jüngere Hauptlinie des Hauses → Hohenlohe – von der Teilung der Jahre 1553/55 bis ins letzte Viertel des 17. Jh.s, dann erst wieder seit dem 19. Jh.
Bis zur Reformation gehörte W. als Filialgemeinde zur Stiftspfarrei in → Öhringen (Diöz. Würzburg, VII. Archidiakonat, Landkapitel → Weinsberg). Jedoch war an der in der Stadt gelegenen St. Ägidien-Kapelle, der späteren evangelischen Pfarrkirche, bereits 1329 ein Pleban bepfründet (1344 Kaplan). Eine Kaplanei in der auf der Spitze des Bergsporns gelegenen Marien-Kapelle der Burg – mit den Konpatrozinien der Hl. Dreifaltigkeit, Johannes des Täufers und Aller Heiligen – wurde 1487 gestiftet. Die jeweiligen Patronatsrechte standen der Herrschaft zu. Im S vor der Stadt liegt eine dem Hl. Georg geweihte Wallfahrtskapelle (1376, heutige Friedhofskapelle). Infolge der Reformation erhielt W. Mitte des 16. Jh. eine eigene Pfarrei unter hohenlohischem Patronat und wurde darüber hinaus Sitz einer Superintendentur. Nachdem die Herrschaft 1667 zur römischen Kirche zurückgekehrt war, diente den Katholiken die Schloßkapelle als Gottesdienstraum. Schulunterricht ist seit der Mitte des 16. Jh. bezeugt; seit 1634 sind zwei Lehrerstellen nachzuweisen.
III.
Von der ältesten, aus staufischer Zeit datierenden Burg, die im Lauf des späten MAs, zuletzt 1529, mehrfach umgebaut und erweitert wurde, sind nur die unteren Geschosse des Bergfrieds erhalten. Im Auftrag Gf. Eberhards I. (gest. 1570) gestaltete der Heilbronner Stadtbaumeister Balthasar Wolff die Anlage 1557/58 nur um, schuf aber keinen eigtl. Neubau. Von dem so entstandenen Renaissanceschloß blieb außer der 1576 von Ulrich Unsinnig (Wallerstein) geschaffenen Turmbekrönung (Männlesturm) nach Umbauten des 18. Jh. nichts übrig, dgl. von den Baumaßnahmen, an denen 1613/21 Georg Kern (Forchtenberg) und Heinrich Schickhardt beteiligt waren. Einem bei der Fastnacht 1570 im W.er Schloß durch Mummenschanz verursachten Feuer fielen der Gastgeber und mehrere seiner Gäste zum Opfer; von dieser erschröcklichen, doch wahrhafftigen geschicht berichtet ein zeitgenössisches Flugblatt. Der 1732/39 in schlichten Barockformen errichtete Schloßbau ging im April 1945 bis auf die Fassade unter und wurde zwischen 1950 und 1963 wiederhergestellt.
Anstelle der alten Ägidien-Kapelle entstand 1589/94 unter Mitwirkung Heinrich Schickhardts und unter Verwendung von Teilen des Vorgängerbaus ein größerer Neubau, eine dreischiffige Hallenkirche mit markantem Westturm, in der sich Stilelemente der Nachgotik und der Renaissance verbinden. Die Kirche diente den in W. residierenden Gf.en bis zu ihrer Konversion als Grablege. Die heutige Schloßkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis entstand 1781/93 nach Plänen von Christian Dornacher.