HANAU (MIT H.-LICHTENBERG UND H.-MÜNZENBERG)
I.
Um 850 Tezelenheim, um 1000 Decilenheim, 1251 Detzelheim, 1266, 1277, 1325 Wunecken/Wunnecken, 1288 Wunnecke, 1302 Wonnecken, 1332 Winecken, 1536 Wynnecken. Burg in Spornlage an einer Furt der Nidder, um 1260/62 von Reinhard I. von → Hanau angelegt.
II.
Der Ort W. entstand am Rande der Wetterau an einer Furt der Nidder um einen Lehnhof des Bf.s von Bamberg, den dieser 1260 zunächst an Ulrich I. von → Hanau verpfändete und ihm 1262 als Lehen überließ. Der Ort wird von einer in West-Ost-Richtung führenden Straße bestimmt, die sich in der Mitte zu einem dreiecksförmigen Marktplatz erweitert. Die Burg befindet sich im Nordosten. Am Stadtrand im S, W und Nordwesten liegen Adels- und Kl.höfe.
1288 erhielt Ulrich I. von Ks. Rudolf von Habsburg für W. die Stadtrechte nach Frankfurter Recht. Ende des 13., Anfang des 14. Jh.s wurde die neue Stadt mit einer Ringmauer befestigt. Ab 1437 konnten in W. neben den Wochen- auch Jahrmärkte abgehalten werden. Eine 1314 gen. Kapelle gehörte zur Pfarrei Ostheim und wurde erst 1489 zur eigenständigen Pfarrkirche erhoben. Ostheim seinerseits gehörte zum Archidiakonatsbezirk des Propstes des Kollegiatsstiftes St. Maria ad Gradus zu Mainz und zu dessen Erzpriesterstuhl in Roßdorf. Die Zusammenkünfte des Roßdorfer Ruralkapitels fanden später in der Windecker Kirche statt und bis ins 16. Jh. existierte im Ort auch ein Kapitelhaus. In W. lebte seit Beginn des 14. Jh.s auch die älteste und größte jüdische Gemeinde der Herrschaft und Gft. → Hanau-Münzenberg (1311 zieht Samuel von Wunekke nach Frankfurt). Während des Dreißigjährigen Krieges wurden weite Teile der Stadt zerstört.
III.
Ulrich I. von → Hanau begann vermutlich schon kurz vor seiner Belehnung mit Tetzelnheim mit dem Bau der Burg W. 1262 wird mit Gutzold von Ilbenstadt bereits der erste Burgmann gen. Auch späterhin waren die Burgmannen Angehörige des Niederadels der näheren und weiteren Umgebung.
Die Burg war bis 1436 Wohnsitz der Herren und Gf.en von → Hanau, danach wurde sie vorwiegend als Amtssitz genutzt. 1417 wurde hier Philipp d.Ä., der Stammvater der Linie → Hanau-Lichtenberg geb. Die Burg oder zumindest Teile ders. diente aber auch als Witwensitz 1379 verschrieb Ulrich IV. die halbe Burg der Verlobten seines Sohnes Ulrich (V.) Gf.in Elisabeth von Ziegenhain als Wittum. Als 1612 Gf. Philipp Ludwig II. von → Hanau-Münzenberg starb, fiel W. seiner Wwe. Catharina Belgica zu, die von dem Architekten Joachim Rumpf Ausbaupläne anfertigen ließ.
Über Anlage und Aussehen der ursprgl. Burg, die sehr wahrscheinlich Festungscharakter hatte, ist nichts bekannt. Erst 1490 wird im Burgbereich eine untere Kapelle erwähnt, die aber ebenso wenig zu lokalisieren ist, wie eine dieser Bezeichnung nach möglicherw. vorhanden gewesene obere Kapelle.
Um- und Ausbaumaßnahmen erfolgten im 15. und 16. Jh. Im 15. Jh. wurden Teile der Vorburg mit dem sog. Hexenturm errichtet. In der ersten Hälfte des 16. Jh.s erhielt der innere Torbau die noch heute sichtbaren Renaissance-Erker. Ob und in welchem Umfang die Rumpf'schen Pläne verwirklicht wurden, läßt sich aufgrund der 1635 durch plündernde Kroaten erfolgten Zerstörungen nicht mehr sagen. Ernst J. Zimmermann nutzte diese Pläne für seine Grundriss- und Lagezeichnungen (Zimmermann, Hanau, 1903, S. 26 B).
Literatur
Bus, Erhard: Windecken zwischen Ersterwähnung und Stadterhebung, in: Stadt Windecken: 1288-1988, historische Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung, hg. vom Magistrat der Stadt Nidderau, red. Erhard Bus, Nidderau 1988, S. 42-46. – Backes, Magnus: Art. »Windecken«, in: Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, bearb. von Dems., 2. bearb. Aufl., München u. a. 1982, S. 930-931. – Kingreen, Monica: Jüdisches Landleben in Windecken, Ostheim und Heldenbergen, Hanau 1994. – Historisches Ortslexikon für Kurhessen, bearb. von Heinrich Reimer, Marburg 1926 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14), ND Marburg 1974. – Schmidt, Frank: Die Kirche im Mittelalter, in: Stadt Windecken: 1288-1988, historische Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung, hg. vom Magistrat der Stadt Nidderau, red. Erhard Bus, Nidderau 1988, S. 56-63. – Schmidt, Frank, Städtebauliche Entwicklung, in: Stadt Windecken: 1288-1988, historische Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung, hg. vom Magistrat der Stadt Nidderau, red. Erhard Bus, Nidderau 1988, S. 130-147. – Stadt Windecken 1288-1988, Historische Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung, hg. von Stadt Nidderau, Red.: Erhard Bus, Nidderau 1988. – Worbs, Bert: Die Burg Windekken, in: Stadt Windecken: 1288-1988, historische Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung, hg. vom Magistrat der Stadt Nidderau, red. Erhard Bus, Nidderau 1988, S. 64-78. – Zimmermann, Ernst J.: Hanau – Stadt und Land, Hanau 1903.