Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HANAU (MIT H.-LICHTENBERG UND H.-MÜNZENBERG)

C. Schwarzenfels

I.

1290 – Swarzenfels, 1305 Swarcefels, 1361 Zwarzenfils. Die Burg S. wurde nach der 1276 erfolgten Zerstörung der den Herren von Steckelberg gehörenden gleichnamigen Burg von den Herren von → Hanau im Sinntal erbaut und 1290 erstmals erwähnt. Es handelt sich um eine langrechteckige Spornburg mit einem um 1280 errichteten und im 16. Jh. veränderten, hohen, runden, in die Schildmauer zwischen Vor- und Hauptburg eingebauten Bergfried. Der Torbau zum Vorhof stammt aus dem Jahre 1455, der Torturm aus dem Jahre 1575. 1553 wurde ein Marstallgebäude errichtet und 1583 erweitert. Die Burg war mit einem Vogt, später Schultheiß besetzt, der das zugehörige Amt S., das den Hanauern 1277 als Freigericht Mottgers von Kg. Rudolf als Reichslehen übertragen worden war, und die bei der Burg entstandene kleine Siedlung Tal S. verwaltete.

Trotz immer wieder vorgenommener Um- und Ausbauten, scheint die Burg ständig vom Verfall bedroht gewesen zu sein. Als sie 1568 der Wwe. Philipps III. von → Hanau-Münzenberg Helene aus dem Hause Pfalz-Simmern als Wohnsitz zugewiesen wurde, suchte sie den Umzug nach S. hinauszuzögern mit dem Hinweis, daß weder Küche noch Backhaus benutzbar seien und von der Burgkirche nur noch eine Ruine stehe. Noch 1573 klagte sie über die Reparaturbedürftigkeit des Brunnens und eine mangelhafte Wasserversorgung. Zwischen 1604 und 1642 wurde S. von Gf. Albrecht von → Hanau-Münzenberg, der dem Primogeniturstatut zuwider seinen Bruder Philipp Ludwig II. gezwungen hatte, ihm Burg und Amt abzutreten, zur Res. ausgebaut (1621 Portalbau mit plastischem Schmuck), verfiel aber wieder, als die von Albrecht begründete Linie → Hanau-S. mit seinem Sohn Johann Ernst 1642 erlosch. 1643 an Hessen-Kassel verpfändet, wurde die Burg 1648 zerstört und blieb Ruine mit Ausnahme des Amtshauses (Marstall) in der Vorburg.

Backes, Magnus: Art. »Schwarzenfels«, in: Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, bearb. von Dems., 2. bearb. Aufl., München u. a. 1982, S. 796. – Löwenstein, Uta: Daß sie sich uf iren Withumbssitz begeben …, in: Berns, Jörg Jochen/Ignasiak, Detlef: Frühneuzeitliche Hofkultur in Hessen und Thüringen, Jena 1993 (Jenaer Studien, 1) S. 132-138. – Historisches Ortslexikon für Kurhessen, bearb. von Heinrich Reimer, Marburg 1926 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 14), ND Marburg 1974. – Zimmermann, Ernst J.: Hanau – Stadt und Land, Hanau 1903.