HANAU (MIT H.-LICHTENBERG UND H.-MÜNZENBERG)
I.
724 Buxovillare, 737 Puxovilla, 1157-1178, Buswilre. Der an der Straße nach Straßburg gelegene, an der Stelle eines römischen Bades entstandene Ort wird erstmals 724 in einer Urk. des Kl.s Weissenburg gen., gehörte aber später zu dem 723 gegr. Benediktinerstift Neuweiler. 1260 erhielten die Herren von Lichtenberg Anteile an B. als Lehen des Bm.s Metz. Im Zuge ihres Territorialausbaus um die Gründung fester Städte bemüht, erreichten sie mit Hilfe der Habsburger das Stadtrecht für B. bereits Ende des 13. Jh.s, denn 1301 erneuerte Kg. Albrecht die B., das in einer Urk. von 1312 als oppidum bezeichnet wird, von seinem Vater verliehenen Bürgerrechte.
II.
Nachdem sie 1445 auch die Geroldsecker Anteile an B. erwerben konnten, waren die Lichtenberger im Alleinbesitz der Stadt. Geschützt wurde diese von einer Mauer. 1503 verlieh ihr Ks. Maximilian I. das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten. 1528 ließ Philipp II. ein Spital als fromme Stiftung dort einrichten. B. war schon früh Amtssitz (1357 wird der erste Amtmann erwähnt). Spätestens unter Philipp IV. (1538-1590) wurde die Stadt zur ständigen Res. 1540 ließ dieser in der Schloßkapelle, 1542 in der Stadtkirche die Reformation einführen. 1612 gründete Gf. Johann Reinhard I. eine Lateinschule. Eine jüdische Gemeinde ist erstmals 1322 erwähnt. Sie hatte ihren Begräbnisplatz in Ettdorf.
III.
An der Nordecke der Stadtmauer stand eine bereits früh verlassene Burg. Anfang des 15. Jh.s wurde auf dem heutigen Schloßplatz bei der Burgkapelle, in der 1315 Johann von Lichtenberg beigesetzt wurde, ein Fachwerkschloß errichtet. Als Jacob von Lichtenberg seine Mätresse Bärbel in B. unterbrachte, wurde sie 1462 im sog. B. Weiberkrieg durch einen von Jacobs Bruder Ludwig gestützten Bürgeraufstand vertrieben. Das später im Bauernkrieg zerstörte Schloß wurde durch einen Renaissancebau ersetzt, der von einem Wassergraben, dem ›Fischpfuhl‹ umgeben war. Eine Brücke mit fünf Bogen führte zum zentralen Schloßhof, eine mit zwei Bogen verband die Wohnquartiere mit dem Garten. Nach 1695-1699 durchgeführten Umbauten bestand das Schloß aus einem mittelalterlichen Teil mit Wohnturm in der Südostecke und einem Nord- und Südflügel. Als Ende des 18. Jh.s die große Lgf.in Charlotte, die mit Lgf. Ludwig VIII. von Hessen verh. Tochter des letzten Hanauischen Gf.en Johann Reinhard II., in B. ihren Aufenthalt nahm, wurde das Schloß durch einen Park nach Versailler Vorbild verschönert. Nach Plünderung und Zerstörung im Jahre 1793 wurde, was vom Schloß noch übrig war, 1865 abgeräumt und beseitigt.
Literatur
Historisch-Topographisches Wörterbuch des Elsass, 1. Lieferung, bearb. von Joseph M. B. Clauss, Zabern 1895, S. 178-182. – Lichtenberger Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren des Archivs der Grafen und Herren von Lichtenberg in Darmstadt, Karlsruhe, München, Speyer, Straßburg, Stuttgart und Ludwigsburg 1163-1500, 5 Bde., bearb. von Friedrich Battenberg und Bernhard Metz, Darmstadt 1995-1996 (Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, 2/1-5). – Hotz, Walter: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler im Elsaß und Lothringen, Darmstadt 1965. – Matt, Alfred: Kurzer Abriß der Geschichte von Bouxwiller (Buchsweiler), in: Babenhausen einst und jetzt, Bd. 11, 1984. – Rexer, Frédéric: Versuch einer Rekonstruktion der Baupläne des Buchsweiler Schlosses, übers. von Ute Wittenberger, Babenhausen 2009 (Beiträge zur Geschichte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, 2, Babenhausen einst und jetzt, 34), S. 97-114. – Das Reichsland Elsaß-Lothringen, Landes und Ortsbeschreibung, Dritter Theil, Ortsbeschreibung, hg. von Statistisches Bureau des Ministeriums für Elsass-Lothringen, Straßburg 1901-1903, S. 142-143. – Weber, Peter Karl: Eine elsässische Herrschaft auf dem Weg zum Territorialstaat. Soziale Kosten politischer Innovationen, Heidelberg 1993 (Schriften der Erwin von Steinbach Stiftung, 12).