Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HANAU (MIT H.-LICHTENBERG UND H.-MÜNZENBERG)

C. Babenhausen

I.

1236 – Castrum Babenhusen. Mit der Burg wird in der Urk. von 1236 auch der zugehörige Ort B. erwähnt, der 1255 wie die Burg als Teil des Münzenberger Erbes an die Herren von → Hanau fiel, die für diese Siedlung 1295 die Stadtrechte nach Frankfurter Recht erhielten. Vermutlich wurde um diese Zeit auch mit dem Bau der Stadtmauer begonnen, die um 1445 erneuert wurde. Als Ulrich II. von → Hanau 1310 seiner Braut Agnes von → Hohenlohe-Weikersheim B. als Morgengabe verschrieb, siegelte die Stadt mit einem eigenen Siegel, das auf einem viereckigen sog. Frauenschild das hanauisch-hohenlohische Allianzwappen (1. und 4. Feld je drei rote Sparren auf goldenem Grund für → Hanau, 2. und 3. Feld je zwei schwarze Leoparden auf silbernem Grund für → Hohenlohe) zeigt und die Umschrift S[igillum] Oppidi Babenhusensis trägt. 1372 trug Ulrich IV. Ks. Karl IV. als böhm. Kg. Stadt und Schloß B. zu Lehen auf. Die ältere, südlich von B. gelegene Siedlung Altdorf ging in der wachsenden Stadt auf und war 1635 wüst.

II.

Die zwischen 1200 und 1250 erbaute Nicolaikirche in der Stadt, über die durch päpstliche Bestätigung von 1262 die Herren von → Hanau das Patronatsrecht besaßen, erhielt 1472 ihre für die Gegend typische Gestalt mit einem Langhaus in Form einer flachgedeckten dreischiffige Stufenhalle. Die Kirche diente als gfl. Grablege. Die Stadt war Sitz der gfl. Amtsverwaltung, wovon die stattlichen Gebäude des Amtshauses, der Kellerei und der Schreiberei zeugen. Daneben haben sich auch Adels- und Burgmannenhäuser erhalten. Die älteste erhaltene Karte von B. und Umgebung wurde anläßlich eines Rechtsstreits 1581 von dem Frankfurter Maler Elias Hofmann gezeichnet. Juden, mit denen die Herren von → Hanau lt. einer 1351 ausgestellten Urk. belehnt waren, lebten zu dieser Zeit nicht mehr in B. und kehrten erst Anfang des 15. Jh.s zurück.

III.

Die dem ma. Stadtmauerring südlich vorgelagerte, 1236 erstmals gen. Burg wurde vermutlich um 1200 von den aus der Familie von Hagen hervorgegangenen Herren von Münzenberg errichtet, um ihre Ansprüche in der östlichen Dreieich zu sichern. Mit dem Münzenberger Erbe kam die Burg 1255 ungeteilt an die Herren von → Hanau. In der Ebene kurz vor der Einmündung des Ohlenbachs in die Gersprenz wurde eine regelmäßige quadratische Wasserburg erbaut, die, wie die Erwähnung von Grundpfählen im Zusammenhang mit 1560 geplanten Baumaßnahmen nahelegt, des sumpfigen Geländes wg. auf einer Pfahlkonstuktion stand. Als ältester noch der Gründungszeit angehörender Bauteil hat der romanische Westflügel, der ehem. Palas mit allen drei Stockwerken und dem Treppenturm überdauert. Seine im Erdgeschoß befindliche, sich über die ganze Bautiefe erstreckende spätromanische Halle öffnet sich nach dem Hof hin in vier Arkaden, die an italienische und südfranzösische Anlagen erinnern. Die Rundbogen stehen auf Säulen, auf dem Kapitell der letzten Säule liegen zwei Löwen. Steinmetzzeichen verraten, daß am Bau auch Steinmetze beschäftigt waren, die an der Ks.pfalz in Gelnhausen gearbeitet hatten. 1460 entstand der Ostflügel, danach der Torbau und 1578 der Südflügel. Der im Westteil im Kern noch aus dem 13. Jh. stammende Nordflügel erhielt in spätgotischer Zeit einen fünfseitigen Treppenturm und wurde im 16. Jh. durch Erker ergänzt. Die Ostseite des Nordflügels besitzt eine Tordurchfahrt und die Nordhälfte des Ostflügels hat zum Hof hin einen um 1460 erbauten runden Treppenturm und ein im 16. Jh. verändertes spätgotisches Fachwerkobergeschoß. Die Südhälfte des Ostflügels und der Südflügel wurden um 1570/80 errichtet. Dabei erhielt der Südflügel einen gewölbten Saal, der 52 Schuh lang, 22 Schuh breit und 15 ½ Schuh hoch war. Auf Wunsch von Philipp IV. von → Hanau-Lichtenberg sollten die Wände grau gestrichen werden und eine einfache grüne Vertäfelung erhalten. Dazu sollten 16 Wappenschilde und Hirschgeweihe angebracht und der Raum mit Tischen und Bänken ausgestattet werden. Für die Heizung war ein holzsparender Kunstofen vorgesehen. Am hofseitigen südlichen Treppenturm ist innen wie außen je ein Portal mit dem hanauischen Wappen. Das Wappen am Innenportal wurde auf Befehl von Philipp V. angebracht, der mit seiner zweiten Frau Katharina von Wied zeitw. in B. residierte, und zeigt neben dem hanauischen Wappen das der Gf.en von Wied. Der Torbau aus dem Jahre 1525 mit schlankem runden Treppenturm wurde im 18. Jh. zur Kanzlei umgebaut. In der Mitte der Anlage stand ein mächtiger, freistehender quadratischer Bergfried aus Backsteinmauerwerk mit einer Seitenlänge von nahezu 11 Metern. Angelehnt an das Fundament dieses Bergfrieds wurden bei Ausgrabungen 1954/55 die Reste eines wohl nur in der ersten Hälfte des 13. Jh.s genutzten ringförmig gemauerten Ziehbrunnens gefunden. Im Zusammenhang mit Bauarbeiten des frühen 16. Jh.s wurde ein weiterer Ziehbrunnen »beim Tor« erwähnt. 1570 erhielt der Frankfurter Brunnenmeister Caspar Reinhard den Auftrag zur Errichtung eines Springbrunnens im Schloß, der über von einem Rad im Sommerhaus am äußeren Schloßgraben angetriebene Saugpumpen mit Wasser aus dem äußeren Graben versorgt wurde. 1580 wurde diese Anlage erneuert. Auf dem äußersten der drei Wassergräben, die Philipp d.Ä. Mitte des 15. Jh.s um das Schloß hatte anlegen lassen, hielt man zumindest zeitw. Schwäne, die Hanauer Wappenvögel, und in den Zwingern an der Schloßmauer befand sich ein Damwildgehege. Für die im Schloß befindliche Rüstkammer wurde 1568 außerhalb des Schlosses ein neues Zeughaus errichtet. Verwaltet wurde die gesamte Anlage von einem Burgvogt.

Backes, Magnus: Art. »Babenhausen«, in: Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, bearb. von Dems., 2. bearb. Aufl., München u. a. 1982, S. 36-38. – Dörr, Hans: Grafen, Vögte, Ackerbürger, Neuer Erkenntnisse zur Geschichte von Schloss, Amt und Stadt Babenhausen aus Urkunden des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, Babenhausen 2002 (Babenhausen einst und jetzt, 30). – Lötzsch, Klaus/Wittenberger, Georg: Die Juden von Babenhausen, Babenhausen 1988 (Babenhausen einst und jetzt. Beiheft 1). – Stotz, Hermann: 1236-1986 – 750 Jahre Babenhausen, Babenhausen 1986. – Stotz, Hermann: Babenhausen, Historische Plauderei über eine kleine Stadt im Hessenland, Babenhausen 1986. – Zimmermann, Ernst J.: Hanau – Stadt und Land, Hanau 1903.