Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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GREYERZ

C. Greyerz, Schloß

I.

Distrikt G.s, Kanton Fribourg, CH. 1244 wird erstmals das castrum Gruerie, Hauptort des Allods, das zugunsten des Pierre von Savoyen durch den Gf.en Rudolph von G. und seinen Sohn Wilhem erneut zum Lehen genommen wurde. Zu dieser Zeit bezeichnete das castrum nicht nur die Festung, sondern auch die angrenzende Agglomeration, die 1254 mit einer Gemeindekirche ausgestattet wurde. Eine entscheidende Phase für die Entwicklung des Schlosses liegt gegen Ende des 13. Jh.s. In einem regional sehr konfliktreichen Zusammenhang, der von der Konfrontation zwischen Savoyen und Habsburg beherrscht wurde, wurde das Schloß mit einem fast viereckigen Grdr. ausgestattet, der an einer Ecke von einem großen Rundturm flankiert wurde. Diese Konstruktion läßt sich sehr deutlich vom architektonischen und milit. Modell ableiten, das zur selben Zeit durch Savoyen verwirklicht wurde und daher als »carré savoyard« bezeichnet wird. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß diese Arbeiten zwischen 1272 und 1278/80 verwirklicht worden sind, als Savoyen das Schloß direkt verwaltete, das ihnen zeitweilig von den Gf.en von G. aufgrund von Klauseln im Vassalleneid überlassen worden war. Das Fehlen einer Rechnungssquelle und die wichtigen Umgestaltungen am Ende des MAs verhindern heute, eine präzisere Vorstellung vom Zustand und Aussehen dieses ersten Schlosses zu erhalten. Einige urkundliche Anspielungen erlauben jedoch, auf die Existenz einer kleinen und einer großen Aula, einer Kapelle und einer camera domini zu schließen, eines hauptsächlich priv. Raums, der für den Gf.en und seine Familie reserviert war.

Das Schloß erfuhr wichtige Umbauten am Ende des 15. Jh.s, die zur Zeit der Gf.en Louis (1475-1493) und François II (1493-1499) begonnen und bis gegen 1540 weiter verfolgt wurden. Dieses ehrgeizige Programm, das unvollendet blieb, bestand darin, monumentale Steinfassaden zu schaffen, die von großen hellen Fenstern durchbrochen und von gemauerten Galerien umgeben werden, die die alten Holzgalerien ersetzen sollten. Dieser Gesamteindruck wurde noch durch einen Treppenturm vervollständigt. Durch ihr Ausmaß und ihren innovativen Charakter ohne Präzedenzfall im regionalen Zusammenhang sind diese Arbeiten ein architektonischer Ausdruck des fsl. Ehrgeizes, der von den Gf.en von G. in dieser Zeit verfolgt wurde. Diese erbauten noch i.J. 1480 in einem Turm des inneren Bereichs die Kapelle St. Jean-Baptiste, die i.J. 1485 mit Ablässen ausgestattet wurde und als regionale Variante der fsl. Saintes-Chapelles angesehen werden kann. Dendrochronologische Zeitbestimmungen bestätigten schließlich, daß Michel, der letzte Gf., noch in den Jahren 1552-1553 ungeachtet seiner finanziellen Schwierigkeiten Arbeiten am Schloß verwirklichen ließ.