GLEICHEN
I.
Blankenhain (1252), Blangkinhain (1490). 1424 civitas. Das südlich von Weimar gelegene B. war zwischen 1416 und 1627 Res. der Gf.enlinie → Gleichen-B. und Mittelpunkt des gleichnamigen Herrschaftskomplexes. Als Herrschaftssitz diente die im 12./13. Jh. in Ortslage auf einem Hügel errichtete (Wasser-)Burg. Von seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1252 bis zum Beginn des 15. Jh.s ist B. als Beiname eines nach ihm benannten Herrengeschlechts (ausgestorben 1415) bezeugt. Dieses ging auf die Herren von Meldingen zurück, die Burg und Herrschaft als mainzisches Lehen innehatten. Acht Jahre nach dem Erlöschen des Hauses → Gleichen empfingen 1639 die Gf.en von Hatzfeld-Gleichen die kurmainzische Belehnung mit B.
II.
B. liegt südlich von Weimar auf einer Höhe von 350 m über NN am Nordhang des Tals der Schwarza, einem Nebenfluß der Ilm. Ihrer Res.funktion verdankte die im Schutz der Burg gelegene Siedlung die Erhebung zur Stadt. 1424 wird sie erstmals als solche gen. Für 1464 sind Ratsverfassung und Stadtmauer bezeugt. Letztere schloß die Stadtkirche (älteste Teile aus dem 13. Jh.) und das Rathaus mit ein, nicht jedoch den Markt, der in der Vorstadt lag. Dort befand sich eine weitere Kirche (»Nonnenkloster«). Für ihr wirtschaftliches Wachstum förderlich wurde die »Kupferstraße«, die sich im Verlauf des 16. Jh.s aus einem Weg zur Umgehung des Erfurter Geleits entwickelt hatte und von S herkommend über Naumburg nach Leipzig führte. Ansonsten bestimmten Handwerk und Ackerbau das ökonomische Leben der Stadt. Ihre Anfänge reichen zurück bis in die Mitte des 13. Jh.s. Als Herrschaftssitz wird B. erstmals in einer 1256 ausgestellten Urk. über das Vermächtnis der Helwig, der Wwe. eines Gf.en von Berka, faßbar. Unter den Zeugen ist Gottfried von B. gen., der aus einem Zweig der Herren von Meldingen stammte. Der erste indirekte Hinweis auf die Existenz der Burg bietet die Nennung Heinrichs von Meldingen, der 1279 als castrensis erwähnt wird. In einer Urk. aus dem Jahr 1303 ist dann explizit vom castrum Blankenhayn die Rede. 1420 heißt es dann in einer kurmainzischen Urk. Schloß Blankenheimb. Auftraggeber der Burggründung war Berengar von Meldingen, der sich in den Quellen von 1234 bis 1262 nachweisen läßt. In den darauf folgenden ca. 150 Jahren bleibt B. bis 1415 Sitz einer Linie der Herren von Meldingen. Nach dem söhnelosen Tod des letzten männlichen Familienmitgliedes gelangten Burg und Stadt über die B.er Erbtochter Katharina (gest. 1427), die Heinrich VII. von → Gleichen (gest. 1414) geheiratet hatte, an das Haus → Gleichen. Heinrichs Sohn Ludwig I. (gest. 1467) erwarb in den 1450er und 1460er Jahren weitere benachbarte Güter und baute den Herrschaftskomplex kontinuierlich aus. Er begründete mit seinen Nachkommen 1432 die Gf.enlinie → Gleichen-B., die 1627 mit dem Gf.en Wolrad (1556-1627) ausstarb, so daß Schloß und Herrschaft B. bis zum endgültigen Aussterben des Gf.engeschlechts 1631 an die Linie → Gleichen-Tonna fielen. Bereits Ende des 16. Jh.s war B. an verschiedene Parteien verpfändet worden. Kurmainz konnte nach dem Aussterben des Hauses → Gleichen seine Vorstellungen nur mit Mühe (letztlich aber erfolgreich gegen Besitz- bzw. Erbansprüche verschiedener Parteien) verwirklichen und belieh 1639 die Gf.en von Hatzfeld-Gleichen mit der Herrschaft B. Letztere hatten B. bis zu ihrem eigenen Aussterben 1794 inne, danach fielen Schloß und Herrschaft vorübergehend an Kurmainz zurück, bis sie nach diversen Besitzerwechseln 1815 im Großhzm. Sachsen-Weimar-Eisenach aufgingen. Zwischen 1855 und 1917 diente das Schloß als Krankenhaus für psychisch Kranke.
III.
Die Schloßanlage liegt auf einem Flachen Hügel im S des ehem. Burgbezirks und besteht aus dem Bereich der ehem. Vorburg und dem der Kernburg, die sich in ihrer vieleckigen Form einem unregelmäßigen Oval von etwa 33 x 47 m annähert. Der Grdr. der Hauptburg mit ihren ca. 1,5 m starken Außenwänden ist teilw. mit der hochma. Ringmauer identisch. Inmitten des von N durch eine Torhalle zugänglichen sechseckigen Hofes befand sich der zwischen 1673 und 1690 abgerissene Hauptturm, der in einem Bericht von 1663 als dicker steinerner Turm bezeichnet wird. Die Anlageform des Schlosses sowie zwei an der Außenseite des Tores als Spolien vermauerte spätromanische Löwenfrgm.e legen die Gründungszeit des Schlosses vor der Mitte des 13. Jh.s nahe. Der über dem rundbogigen Eingangstor an der Südseite befindliche, auf vier Konsolen hervortretende Erker mit barocker Haube ist aufgrund einer Bauinschrift (Gipsabdruck) in das Jahr 1480 zu datieren und nennt Gf. Karl I. von → Gleichen-B. (gest. 1495) als Initiator des Wappens: Anno d[omi]ni MCCCCLXXX haben wir Karl graf vo[n] gliche[n] her zv blankenhan dys wapen machen [lassen]. Ein über der Inschrift aufgebrachtes spätgotisches Relief zeigt das gfl. Wappen mit dem gekrönten Löwen, links davon die Figur des Hl. Florian, rechts davon die des Hl. Christopherus. Über den einst Haupt- und Vorburg trennenden Graben führte eine Brücke. 1527 zerstörte ein Brand Teile der Anlage, die unter den Gf.en Karl III. (gest. 1599) und Wolfgang Sigmund (gest. 1554) wiederhergestellt wurde. Den Bauzustand des Schlosses im 17. Jh. beschreiben zwei zu Beginn der 1660er Jahre, also erst nach dem Aussterben der Gf.en von → Gleichen, angefertigte Berichte. Darin werden diverse Räumlichkeiten aufgezählt, die Rückschlüsse auf deren Nutzung zulassen. Erwähnung finden eine Kapelle, unterschiedliche als Gefängnis dienende Räume in der Nähe des Hauptturms sowie die gfl. Wohnung im Obergeschoß. Ferner werden gen. eine große Hofstube, gelegen rechts von der Torhalle, Küchenräume, eine Jägerkammer sowie der Saal oder die große Tafelstube vor der Kapelle. Weitere Räumlichkeiten befanden sich ebenfalls im Obergeschoß, so die »Junker Jörg Stube«, die »Junker Jost von Mandelsloh Stube«, eine Mägdekammer, Schneiderstube und Vogelkammer. Zur Unterbringung von Pferden dienten 1663 Stallungen in der Hauptburg. Weitere Stallungen befanden sich in der Vorburg, wo sich 1663 auch Scheunen, Ställe, Küchengarten, Amtshaus, Backhaus und ein Kellereigebäude befanden. Die heutige Baugestalt des Schlosses ist im Wesentlichen durch den Wiederaufbau nach einem erneuten Brand von 1667 geprägt. Wieder aufgebaut und umgestaltet wurde das Schloß von seinen neuen Besitzern, den Gf.en von Hatzfeld-Gleichen, die nach dem Aussterben des gleichischen Gf.enhauses die Belehnung 1639 erhalten hatten. Das Schloß diente nach dem Herrschaftsantritt der Gf.en von Hatzfeld-Gleichen in erster Linie als Sitz der gfl. Zentralverwaltung. Hierfür wurde es beim Neubau mit repräsentativen Räumlichkeiten und erhaltenen heraldischen Schmuckdarstellungen ausgestattet. Die Fertigstellung der Bauarbeiten 1690 bezeugt ein inschriftlicher Verweis über der Tür des neuen Treppenturms, der anstelle des Hauptturms vor der Fassade des Südwestflügels errichtet wurde.
Literatur
Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, bearb. von Paul Lehfeldt, H 17, Jena 1893 [S. 110-112]. – Egert, Paul/Bankwitz, Walter: Geschichte der Stadt und Herrschaft Blankenhain (Thür.), 2 Bde., Weimar 1922. – Facius, Friedrich: Die Herrschaften Blankenhain und Kranichfeld in der ernestinischen Politik vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. NF 35 (1941) S. 49-100. – Friedhoff, Jens: Schloß Blankenhain, in: Burgen und Schlösser 4,4 (2003), S. 230-240. – Friedhoff, Jens/Lincke, Lutz: Was Bausteine erzählen. Untersuchungen zur Besitz- und Baugeschichte des Schlosses Blankenhain/Thür., Blankenhain 2005 (Beiträge zur Stadtgeschichte Blankenhain, 3). – Huschke, Wolfgang: Art. Blankenhain, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 9: Thüringen, hg. von Hans Patze und Peter Aufgebauer, Stuttgart 1989, S. 52-53.