FRAUNBERG
I.
Ks. Friedrich II. hatte 1246 die Schaffung einer fraunbergischen Herrschaft um die entstehende Burg H. gefördert. Die auf einem Moränenzug des Inngletschers liegende Burg war somit schon im 13. Jh. im Bau. Die ausgedehnte spätma. Burganlage wurde zu einem Schloß mit großzügigen Gartenanlagen erweitert, wie es im Bild des Gf.en Ladislaus von 1557 zu sehen ist. Diese Anlage wurde jedoch 1804 weitgehend abgebrochen. Heute sind davon nur noch der Schloßturm und ein Bergfried erhalten. Die Ansicht der alten großen Schloßanlage findet sich, neben der exakten Wiedergabe auf Mieliechs Porträt des Gf.en Ladislaus, im Gemälde von Hans Thonauer im Antiquarium der Münchner Res. aus dem späten 16. Jh. und in den Stichfolgen von Matthäus Merian (1644) und Michael Wening (1701).
II.
Nordöstlich des Burghügels hatte sich ehem. eine Vorburg entwickelt, die schon im 13. Jh. in eine Siedlung überging. 1324 erhob Ks. Ludwig der Bayer diese Siedlung dann zum Markt. Der Markt H. lag an der wichtigen Kreuzung zweier Straßen, der später sog. Wiener Poststraße von München über Mühldorf am Inn und weiter nach Österreich und der Verbindung Regensburg-Landshut-Wasserburg-Kufstein.
III.
Nach dem Übergang der Herrschaft an Bayern wurde das Schloß im 17. und 18. Jh. als kfsl. Jagdschloß genutzt. Von den damals erfolgten barocken Umgestaltungen ist nur noch das Löwentor erhalten. Nach einem Brand 1849 wurden Teile des Schlosses ebenso wie die Wohnhäuser des Marktes im damals aktuellen maximilianischen Stil wieder aufgebaut. So zeigt heute der unter Ensemble-Schutz stehende Markt H. sowohl das charakteristische ma. Miteinander von Burg und Siedlung wie auch ein bemerkenswert geschlossenes Ortsbild des 19. Jh.s. Am westlichen Ende der Hauptstraße öffnet sich ein Platz, der von Brauereibauten umgeben ist und der Teil der ehem. Schloßökonomie war. Die nach 1849 in neugotischem Stil wiederaufgebaute Pfarrkirche mag auf einen hochma. Bau zurückgehen – schrieb noch Wiguleus Hund, daß Syfridus de Fraunberg fundator huius Castri et Ecclesiae, obiit Anno 1267 Nonas Decembris.
Quellen
Matthäus Merian, Topographiae Bavariae, München 1644. – Karl Primbs: Philipp Apians Topographie von Bayern und bayerische Wappensammlung, in: Oberbayerisches Archiv 39 (1880). – Michael Wening, Historico-Topographica Descriptio. Das ist: Beschreibung, deß Churfürsten- und Hertzogthums Ober- und Nidern Bayrn Welches In vier Theil oder Renntämbter, Oberlandts München und Burgkhausen, Underlandts aber in Landshuet unnd Straubing abgetheilt ist …, München 1701, S. 59, Abb. Tafel 111.
Literatur
Denkmäler in Bayern, Bd. 1,2: Oberbayern, hg. von Michael Petzet, bearb. von Wilhelm Neu und Volker Liedke, München 1985, S. 418 ff. – Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirks Oberbayern, bearb. von Gustav von Bezold und Berthold Riehl, Tl. 6: Stadt und Bezirksamt Traunstein, Stadt und Bezirksamt Wasserburg, München 1902, ND München, u. a. 1982, S. 1960-1971. – Müller, Matthias: Das Schloß als Bild des Fürsten. Herrschaftliche Metaphorik in der Residenzarchitektur des Alten Reiches (1470-1618), Göttingen 2004.