Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Luxemburg (Luxembourg, Lëtzebuerg)

Luxemburg (Luxembourg, Lëtzebuerg)

(1) L. liegt auf einem Sandstein-Plateau 320 m über dem Meeresspiegel (Oberstadt) und im rund 40-70 m tiefer liegenden Tal der Alzette (Unterstädte) an der Stelle, wo die Römerstraße Reims-Trier eine ältere Nord-Süd-Verbindung kreuzte und die Alzette überquerte. Während im Tal eine frühmittelalterliche Besiedlung nachzuweisen ist, ließ Graf Sigfrid aus dem Ardennen-Moselraum um 963 auf einem Felssporn eine Burg bauen, die 987 Lucilinburhuc genannt wird. Seit Konrad I. (ca. 1059-1086) nannte sich die Dynastie nach dieser Burg, die hinfort Hauptresidenz war und über mehrere Erbgänge hinweg bis ins 13. Jahrhundert blieb. Den Grafen von Luxemburg-Limburg gelang es, ihren Besitz um benachbarte Grafschaften (Laroche, Durbuy, Markgrafschaft Arlon) auszuweiten. Ausdruck der damit verbundenen Ansehensmehrung war die Wahl Graf Heinrichs VII. zum König des Römischen Reichs 1308 (Ks. 1312, †1313). Durch die hierdurch bewirkte Einbindung in die höchsten Dynastien des Reichs konnte sein Sohn Johann der Blinde (1296-1346) 1311 die böhmische Kg.skrone gewinnen. Bevorzugter Aufenthaltsort wurde hinfort Prag, die Grafschaft L. zum Nebenland, die seit 1244 privilegierte Stadt L. zur Nebenresidenz. Im Itinerar Johanns des Blinden erscheint L. nach Prag am zweithäufigsten; Johann hob L. 1340 als »Hauptstadt« (chief) hervor. Dessen Sohn König, ab 1355 Kaiser Karl IV. (1316-1378) erhob den gesamten Herrschaftskomplex 1354 zum Herzogtum Luxemburg, das mit der durch Johann den Blinden erworbenen Grafschaft Chiny bis ans Ende des Ancien Regime in Personalunion regiert wurde. Ab den 1380er Jahren wurde das Herzogtum L. mehrmals verpfändet. Dynastiepolitisch wurde L. Witwensitz der Elisabeth von Görlitz (1390-1451, sporadische Aufenthalte in L. zwischen 1412 und 1434), einer Enkelin Kaiser Karls IV., das Herzogtum ihr Witwengut. 1437 starb die Dynastie der Luxemburger mit Kaiser Sigismund aus. Den Streit um die Nachfolge im Herzogtum L. konnte 1443/44 Herzog Philipp der Gute von Burgund für sich entscheiden. Mit dem gesamten Großkomplex der burgundischen Niederlande kam L. 1482 an die Habsburger, seit der Zeit Kaiser Karls V. formal von Spanien aus regiert. Den calvinistischen Aufstand gegen die spanischen Habsburger machte L. nicht mit und verblieb im 16./17. Jahrhundert in den Spanischen Niederlanden. In den französischen Réunionskriegen wurde L. 1684 erobert, doch im Frieden von Rijswick 1697 musste Frankreich auf L. verzichten. Im Utrechter Frieden von 1713, der den Österreichischen Erbfolgekrieg beendete, überließen die spanischen Habsburger die südlichen Niederlande mit dem Herzogtum L. ihren österreichischen Cousins, nunmehr Österreichische Niederlande genannt. Nominell war Kurfürst Maximilian-Emmanuel von Bayern, Schwiegersohn Kaiser Leopolds I., seit 1711 Landesfürst, bis die Habsburger ihm seine Erblande zurückerstatten würden; er residierte vom Juli-Oktober 1711 in L., verzichtete jedoch absprachegemäß 1713/1714 auf L. Die Herrschaft der österreichischen Habsburger dauerte bis 1795, als französische Revolutionstruppen die Österreichischen Niederlande eroberten.

Nach dem Weggang der Herrscher und des Hofs wurde die Burg von einem Burghauptmann verwaltet, an der Spitze der Verwaltung standen seit Philipp dem Guten hzl.e Statthalter bzw. deren Stellvertreter. Nach Vorbild anderer burgundischer Länder wurden im Herzogtum im wechselnden Zuschnitt Provinzialbehörden mit Sitz in L. eingerichtet. In der frühen Neuzeit wurde L. nur sehr sporadisch vom Generalgouverneur der Niederlande bzw. vom König selbst mit seinem Gefolge aufgesucht. Für die Entwicklung und das Leben in der Hauptstadt wichtiger waren das seit dem 13. Jahrhundert belegte Rittergericht des Landesadels, das aber bis ins 14. Jahrhundert hinein noch keinen festen Tagungsort hatte, und die Ständeversammlung, die sporadisch seit 1360, regelmäßiger seit der Zugehörigkeit zu Burgund, zusammengerufen wurde. L. liegt an der deutsch-französischen Sprachgrenze, seit dem 13. Jahrhundert ist die Stadt bilingual.

(2)Die vorstädtische Burgsiedlung auf dem Plateau westlich der Burg entwickelte sich erst im 12. Jahrhundert zu einer Stadt (Oberstadt). Ein 1166 belegter Neuer Markt (novum forum) lässt vermuten, dass der Altmarkt, gelegen bei der Stiftskirche in der Vorburg in unmittelbarer Nähe zur Straßenkreuzung, schon im 10. Jahrhundert funktioniert haben dürfte. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde die Burgsiedlung um eine Neustadt mit Nikolaus-Kirche erweitert. Die ursprüngliche Trennung zwischen dem Handwerkerviertel in der Unterstadt an der Alzette (Mühlen) und der Burgmannen- und Händlersiedlung in der Oberstadt verwischte sich im Laufe des Spätmittelalters, ohne dass die soziale Differenzierung ganz verschwand. Das Viertel um den Altmarkt vor dem Burgtor war seit dem späten 14. Jahrhundert bevorzugtes Wohngebiet der städtischen Führungsschicht.

Gf. Johann ergriff um 1325 die Initiative zum Bau einer zweiten Ringmauer, die auch die Unterstadt Grund und auf der rechten Talseite das Rham-Plateau mit einschloss. Das auf knapp 23 ha erweiterte Stadtareal war bis ins 18. Jahrhundert nicht vollständig besiedelt. Mit dem Bau wurden die Stadtbehörden beauftragt, denen 1346 das landesherrliche Ungeld und das Eichrecht überlassen und vor 1383 die Erhebung einer Akzise auf Weinhandel und Weinkonsum gewährt wurde. Nach der Befreiung von einer kurzfristigen Besetzung durch französische Truppen 1542-1544 wurde L. zur modernen Festung ausgebaut, die Stadtentwicklung diesem Ziel ganz untergeordnet. Die Anlage von drei Straßen und eines zentralen Platzes prägt das neue Stadtviertel bis heute. Wegen der militärisch bedingten Wohnraumverluste in den Unterstädten wurden erste Kasernen errichtet. Nach der 1684 erfolgten Eroberung durch die Franzosen wurden unter Festungsbaumeister Vauban weitere Kasernen und ein Militärhospital gebaut, das Hl.-Geist-Plateau zur Zitadelle ausgebaut und Pfaffenthal in den Festungsgürtel einbezogen. Ein weiterer Ausbau des sternenförmig angelegten dritten Festungsgürtels, insbesondere der Bau von vorgelagerten, autonomen Forts, die Anlage eines unterirdischen Netzes von Kasematten erfolgte unter österreichischer Herrschaft. Die Bevölkerung erreichte 1781 von Kaiser Joseph II. bei dessen Besuch die Auslagerung der Pulvermagazine vor die Festungsmauern. Erst die im Londoner Vertrag von 1867 beschlossene Schleifung vermochte das Festungskorsett (»Gibraltar des Nordens«) zu lösen.

Das gräfliche Urbar aus dem frühen 14. Jahrhundert lässt auf rund 5000 Einwohner schließen, 1434 dürfte L. etwa 7000 Einwohner gehabt haben, am Ende des Dreißigjährigen Kriegs etwa 3500, um 1800 wieder 8000. Für eine frühe Urbanisierung spricht, dass in dem Urbar eine öffentliche Waage, zwei Hallen, Verkaufsstände der Metzger, Bäcker, Krämer, Frucht-, Getreide-, Salz- und Tuchhändler genannt werden.

1244 gewährte Gf.in Ermesinde (reg. 1197-1247) ein Freiheitsprivileg, das zum Teil ältere Rechte bestätigte. Die Stadt wurde aus der Propstei, dem landesherrlichen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk, eximiert. Bereits aus dem Jahr 1238 ist das Stadtsiegel überliefert, das ein befestigtes Stadttor zeigt, das mit der Vorderseite der etwa gleichzeitig geprägten Münze der Landesherrin identisch ist. Die vom Grafen auf Lebenszeit ernannten Schöffen und der von der Bürgerschaft gewählte Richter sollten in Zukunft die Stadt verwalten, die landesherrlichen Steuern einziehen, das militärische Aufgebot des Landesherrn aufstellen. Dafür genossen die Einwohner persönliche Freiheit und Schutz ihrer Person und Güter. Der Magistrat konnte sich zum Verwaltungsorgan entwickeln, das sich beim Tod eines Schöffen durch Kooptation ergänzte, ohne dass je eine Ratsverfassung eingeführt worden wäre. Bis ans Ende des Ancien Régime behielt sich der Landesherr das Ernennungsrecht für Schöffen und Richter vor und griff zudem in Angelegenheiten der Stadtgemeinde ein (Zünfte, Schule, Hospital), in seinem Auftrag sorgte die Stadt für eine Befestigung. Unter den Hzg.en von Burgund mischte sich der Burghauptmann in Fragen der Stadtverteidigung ein, im 16.-17. Jahrhundert war es der sog. Provinzialrat, der Quarantänemaßnahmen bei Pestepidemien u.v.a.m. verfügte. Finanziert wurde die Stadt vor allem aus den Einnahmen der Weinakzise, die für mindestens 50% des städtischen Haushalts aufkamen. Ohne Zustimmung des Landesherrn führte L. hingegen neue Abgaben wie das Pfortengeld ein und bewirtschaftete selbständig den Stadtwald. 1411 gewährte König Wenzel die Hochgerichtsbarkeit, die Herzog Philipp der Gute 1444 aber mit allen anderen Stadtrechten und Einnahmen einzog. 1461 bzw. 1480 erhielt die Stadt die meisten Zuständigkeiten zurück mit Ausnahme der Hochgerichtsbarkeit, die sie erst 1673 König Karl II. von Spanien abkaufen konnte. In der Folgezeit sind Rivalitäten zwischen dem landesherrlichen Propst, der nicht für die Stadt zuständig war, und dem Stadtgericht belegt, u.a. bezüglich der Galgen. Im 18. Jahrhundert wurden seitens der Landesherrschaft neue Steuererhebungsmodi und Buchhaltungsregeln auferlegt, die Zünfte reformiert und die Kreditaufnahme durch die Stadt genehmigt. Kaiserin Maria Theresia schaffte schließlich 1775 die bis dahin abwechselnd von den sieben Schöffen oder den 13 Zunftmeistern ausgeübte Wahl des Stadtrichters, d.h. des Bürgermeisters, ab.

Während die ersten Schöffen zweifellos aus der gfl.en Ministerialität stammten, stieg gegen Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts eine über ausgedehnten Grund- und Rentenbesitz verfügende kleine Schicht Bürger zu Schöffen auf, die Kennzeichen einer quasi-adeligen Lebensweise aufwies. Im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts wird diese kleine Gruppe von Schöffenfamilien abgelöst von Bürgern, die aus Handelskreisen stammten, größere Kredite vergaben und schon in städtischen oder in landesherrlich-burgundischen Diensten (zwischen beiden Bereichen gab es einen regen Austausch) als Steuerpächter oder Gesandte aktiv waren. Seit Ende des 15. Jahrhunderts sind vermehrt studierte Juristen unter den Schöffen zu finden. Im 18. Jahrhundert war die Zugehörigkeit zum Schöffenkolleg nicht mehr ans Bürgerrecht gebunden, sondern an juristische Fachkenntnisse bzw. wurde vom Vater an den Sohn vererbt.

Die meisten Zünfte hatten einen bruderschaftlichen Ursprung. Lebensmittelverarbeitung, Bekleidungsgewerke und Bauwesen inkl. der Metallverarbeitung sowie der Kleinhandel prägten die Gewerbestruktur. Nur die Wollweberei produzierte für den Export und setzte ihre Produkte in den Niederlanden, Paris oder Frankfurt und Nördlingen ab. Handelsgeschichtlich bedeutsam ist die Gründung des achttägigen Jahrmarkts der Schobermesse 1340 durch Graf Johann. Weberamt und Eligiusbruderschaft erhielten das Privileg der landesweiten Marktkontrolle. Im späten 15. Jahrhundert wurden die 13 Zünfte für das städtische Heer herangezogen.

(3) Laut Visitationsprotokoll von 1570 gab es drei Pfarrkirchen im Stadtgebiet: St. Michael (ehemalige 987 geweihte Stiftskirche in der Vorburg; Kollator: Kloster Mariental), St. Nikolaus (1166 der Münsterabtei übertragen, 1301 als Pfarrkirche belegt), St. Johann (Hospitalkirche, 1321 zur Pfarrkirche erhoben; Kollator: der Landesherr). Darüber hinaus sind die Matthäus-Kirche und die Ulrich-Kirche, beide mit Wachturm je an einem Flussübergang und Zugang zur Stadt, seit 1083 belegt.

Die durch Graf Konrad 1083 auf der Terrasse östlich der Burg gegründete Benediktinerabtei St. Peter, später Unserer Lieben Frau, sollte als Hauskloster und dynastische Grablege dienen. Das bedeutendste Begräbnis organisierte 1346 König Karl IV. für seinen Vater Johann den Blinden. Die Abtei wurde aus militärischen Gründen 1543 abgetragen, 1604 im ehemaligen Hospital in der Unterstadt neu eingerichtet. Ein Neubau erfolgte nach der Zerstörung 1684, zusätzliche Erweiterungsbauten im Lauf des 18. Jahrhunderts, bis das Kloster 1796 säkularisiert und als Gefängnis genutzt wurde.

Das 1308 von Gf.in Margarethe gegründeten Hospital in der Unterstadt Grund wurde 1667-1672 umgebaut und den Schwestern der Hl. Elisabeth anvertraut. Nach der Zerstörung durch die Franzosen 1684 musste es 1688 neu aufgebaut werden.

Seit 1221 hatte der Deutsche Orden sich in L. niedergelassen; er erhielt vom Graf das erste in L. belegte Hospital als Geschenk, das er ab 1249 gegenüber der Ulrichskirche betrieb. Die 1262 erstmals erwähnten Franziskaner ließen sich vor der Stadtmauer nieder. Ihr Kloster, das später auch für den gfl.en Hofrat zur Verfügung stand und die Theobaldusbruderschaft der Zimmerleute und Steinmetze beherbergte, wurde im 14. Jahrhundert in die zweite Ringmauer einbezogen. Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts gegründete Frauengemeinschaft in Bonneweg südlich der Stadt wurde 1240 den Zisterzienserinnen eingegliedert. Die von ihnen bis dahin gepflegten Siechen wurden in ein Leprosorium im Norden vor der Stadt verlegt. Eine weitere Frauengemeinschaft nahm in den 1230er Jahren die Regel der Büßerinnen der Hl. Maria Magdalena an, bevor sie 30 Jahre später in den Klarissenorden inkorporiert wurde. Ihr Hl.-Geist-Kloster auf dem Oberstadtplateau wurde Sitz der Bäckerbruderschaft. 1292 hatte Gf.in Beatrix die Dominikaner nach L. gerufen. Ihr Kloster stand im nördlichen Abhang zwischen Burg und Münsterabtei und wurde wie die Münsterabtei 1543 zerstört. 1630 errichteten sie ein neues Kloster neben der St. Michael-Kirche am Altmarkt, die ihnen die Marientaler Dominikanerinnen kurz vorher übertragen hatten. Bei der Belagerung von 1684 schwer beschädigt, wurde die Kirche dank einer Spende Ludwigs XIV. 1687-1688 wiederaufgebaut.

L. erlebte keine protestantische Reformation. Die tridentinische Reform wurde mit Verzögerung von den Trierer Ebf.en durchgeführt, weil das seit burgundischer Zeit vom Provinzialrat verlangte Placet für Interventionen geistlicher Hoheitsträger im Herzogtum ungern angefragt wurde. 1594 ließen sich auf Bitten des Gouverneurs und der städtischen Führungsschicht die Jesuiten in L. nieder, die ein Kolleg eröffneten und für ein Aufblühen des Marienkults sorgten (Marienkapelle auf dem Glacis). Im Gefolge des Dreißigjährigen Kriegs kam es zu einer besonderen, von der Stadt L. geförderten Marienwallfahrt innerhalb des Hzm.s. Zur selben Zeit ließen sich die Kapuziner nieder und die Augustinerchorfrauen aus Nancy übernahmen die höhere Schulbildung für Mädchen.

Weitreichende Eingriffe erfolgten in der Aufklärung: Unter Maria Theresia und Joseph II. wurden die Wallfahrten verboten, die Klöster aufgelöst, Kirmesfeiern im ganzen Land auf einen Sonntag im Jahr festgelegt. 1778 wurden per ksl.em Dekret die Pfarrrechte von der Nikolaus-Kirche auf die ehemalige Jesuitenkirche übertragen, die nunmehr das Patrozinium der Hll. Nikolaus und Theresia trug. Der Friedhof wurde vor die Tore der Stadt zur Marienkapelle verlegt.

(4) Der um 963 entstandene Burgkomplex mit domus/palas wurde wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts stark erweitert, doch blieb die Anlage so klein, dass die Vollversammlung der gfl.en curia sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Franziskanerkloster traf. Die Burg überdauerte sowohl die burgundische Eroberung von 1443 als auch die Kriege von 1542-1544, erst im Rahmen des Festungsausbaus 1554 wurde sie abgerissen.

Während ursprünglich Hofrat und Stände wohl in der Burg tagten, versammelten sie sich in burgundischer Zeit im beschlagnahmten Rathaus. Nach dessen Rückgabe im Jahr 1477 wird erst 1509 der Bau eines landesherrlichen Ratsgebäudes und der Kanzlei am Altmarkt geplant. Die zunehmende Tätigkeit des Ratsgremiums führte dazu, dass die Zahl der in L. wohnenden Anwälte von 15 (Mitte 16. Jh.) auf 66 (Ende des Ancien Régime) anstieg. Auch der Generaleinnehmer hatte seinen Amts- und Wohnsitz in L. 1564 begann Statthalter Peter-Ernst von Mansfeld (1545-1604) mit dem Bau eines Amtssitzes in der Oberstadt, den sein Nachfolger Graf Florent von Berlaymont (1604-1626) ausbaute. Repräsentativen Charakter besaß das große Renaissance-Prunkschloss La Fontaine, das Peter-Ernst von Mansfeld in der Unterstadt Clausen, am Alzette-Ufer vor eine Kulisse aus steilen Felswänden als private Residenz errichten ließ und in dem er seine Antiquitätensammlung und Gemäldegalerie zeigte. In der Gartenanlage ließ er kunstvolle Wasserspiele einrichten, die den Schlossnamen erklären. Er stiftete seine Grabkapelle bei den Franziskanern, wo auch sein Amtsnachfolger Johann Beck (1638-1648) sich beisetzen ließ. Die Schlossanlage fiel per Testament an König Philipp III., der die Kunstschätze nach Spanien bringen ließ, während das Schloss nach und nach verfiel.

Ab wann der landsässige Adel Stadthäuser errichten ließ, ist nicht bekannt. In der Herdzählung von 1562 werden 21 genannt, 17 weitere sind aus anderen Quellen bekannt. 1680 waren es 30-35, 1795 nur mehr 22. Das (erhaltene) Haus der Herren von Raville von 1575 war im selben Stil gebaut wie das gegenüberliegende neue Rathaus. Daneben gab es zahlreiche Stadthöfe der Klöster Clairefontaine, Differdingen, Echternach, Marienthal, St. Maximin vor Trier, Orval, die den Äbten zum gelegentlichen Aufenthalt dienten.

Ein Rathaus ist 1414 erstmals belegt. Es stand am Neumarkt und diente auch als Holzlager und Zeughaus. Versammlungen des Stadtmagistrats mit Vertreten der Landstädte fanden weiterhin in privaten Gasthäusern statt. Nach einem Brand 1554 erfolgte der Neubau am selben Ort 1572 im Stil der flämischen Renaissance (seit 1890 Amtssitz des Ghzg.s). Im Neubau erhielt die Ständeversammlung einen Versammlungsraum. Auf Initiative der Stadt wurde 1740-1742 für sie ein eigenes Haus neben dem Rathaus an Stelle der Waage errichtet.

Die ältesten Stadtpläne stammen aus den 1550-60er Jahren. An erster Stelle steht eine undatierte Darstellung aus dem Umkreis des italienischen Festungsbauingenieurs Gianmaria Olgiati (1553?). Der L.er Humanist Thomas Mameranus schickte König Philipp II. ein Memorandum mit zahlreichen urbanistischen Verbesserungsvorschlägen, dazu einen dicht beschrifteten Stadtplan (1561) (heute im Escorial). Derselbe König beauftragte 1559 den Kartografen Jakob Roelofs von Deventer, die rund 250 niederländischen Städte kartographisch zu erfassen; der sehr präzise Plan L.s wurde zwischen 1560 und 1564 vor Ort aufgenommen und zeigt die nicht geschlossene Bebauung des Stadtareals. Eine vereinfachte Umzeichnung des letzteren wurde 1581 von Georg Braun und Franz Hogenberg in deren Civitates orbis terrarum publiziert. Diese Ansicht diente u.a. Joan Blaeu (Amsterdam 1649) als Vorlage, während Lodovico Guicciardini (1613) und Mathäus Merian (1654) die Stadt von Süden her darstellten und den Höhenunterschied zwischen Unter- und Oberstadt nivellierten, wodurch das Rathaus und die Kirchen viel stärker hervortreten. Die intensiven und sukzessiven Arbeiten an den militärischen Anlagen in und vor der Stadt führten seit dem 17. Jahrhundert zu einer Unmenge von Stadtplänen und Ansichten. Die französische Belagerung 1684 wurde in den beiden Gemälden von Jean-Baptiste Martin und Adam Frans van der Meulen dargestellt, Auftragsarbeiten für den französischen Hof. Aus demselben Grund finden sich Kupferstiche der Stadt L. in kgl.en Almanachen für 1685. Aus französischer (1684-1697) und österreichischer (1715-1795) Zeit stammen Baupläne für die einzelnen Festungsbauten. Die nächsten Stadtansichten stammen erst vom Ende des 18. Jh.s.

(5) Seit Graf Johann dem Blinden wurde L. zusammen mit anderen bonnes villes der Grafschaft wie Arlon und Diedenhofen zu Städtetagen hinzugezogen. Regelrechte Landstände wurden erst im 15. Jahrhundert und dann regelmäßiger unter Herzog Philipp dem Guten zusammengerufen, sie fanden in L. statt. 1524-1526 überredete L. die anderen Mitglieder, die vom Landesherrn beantragte Steuer zu verweigern.

L. war auf den Zuzug von Neubürgern aus dem näheren und weiteren Umland angewiesen. In einem Umkreis von rund 20 km besaßen die Stadtbürger sowie kirchliche Institutionen oder das Hospital häufig Landbesitz bzw. bezogen sie Geld- und Naturalrenten (Wein). Von diesem Umland war die Stadt auch abhängig in Bezug auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen: Bau- und Brennholz, Sand und (Kalk)Steine konnten aus dem stadtnahen Wald bzw. Steingruben bezogen werden, Schiefer von der mittleren Mosel unterhalb Trier und aus dem Ardennenvorland nördlich von Arlon. Walkmühlen für das Textilgewerbe standen in dem wasserreichen Gebiet zwischen Semois und Sauer. Das ehemalige Burgwerk war offenbar in Form von Frondiensten auf die Stadt übergegangen; städtische Boten wurden regelmäßig in die Dörfer der Propstei geschickt, um Frondienste (Transportdienste, Holzlieferungen, Arbeiten an Stadtmauer) einzufordern. Diese Verpflichtungen wurden bis ins 17. Jahrhundert aufrechterhalten. Ausbürger sind nur vereinzelt etwa in Steinsel im Alzettetal belegt.

(6) Im Lauf des 13. Jahrhunderts hatte L. dank landesherrlicher Ausstattung des Ortes mit zentralörtlichen Funktionen andere Residenzorte wie die Abteistadt Echternach, die alte Kg.spfalz Thionville oder die ehemaligen Gft.szentren Laroche, Durbuy, Arlon überflügelt. Um 1300 verfügte L. über mehrere Kirchen und Klöster, das gräfliche Urbar aus dem frühen 14. Jahrhundert belegt eine so gut wie vollständige gewerbliche und urbane Ausstattung. Mit dem Aufstieg der L.er Grafen in die höhere Reichspolitik durch die Wahl Heinrichs zum römisch-deutschen König und der dynastischen Verbindung nach Böhmen verlor die Stadt ihre Bedeutung als Residenz. In L. verblieben zumeist Statthalter, auch diese oftmals abwesend und in der Zeit der Spanischen und Österreichischen Niederlande dem Generalgouverneur in Brüssel unterstellt. Vor Ort bestimmte zumeist der Festungskommandant das politische Leben. Abgesehen von gelegentlichen Fürstenbesuchen hielt sich seit König Heinrich VII. kein Herrscher mehr für längere Zeit in L. auf. Bezeichnend ist, dass Kaiser Karl IV. 1356 den bekannten Hoftag zur Verabschiedung der Goldenen Bulle nicht in L., sondern in Metz stattfinden ließ, da es L. die für einen Hoftag nötige Infrastruktur gebrach. Somit lässt sich L. eher als Amts-, Festungs- und Garnisonsstadt bezeichnen. Diese Rolle prägte das Stadtbild ganz wesentlich und zum Teil bis heute.

(7) Ungedruckte Quellen sind im Stadtarchiv Luxemburg zahlreich vorhanden, zu nennen sind die die Stadtrechnungen ab 1388 (fürs 16. Jh. fehlend; die des 17./18 Jh.s nicht untersucht), Neubürgerlisten ab dem 17. Jh. (noch nicht ausgewertet), Steuerzahlerlisten des Weinrechts von 1444-1500 (fast lückenlos erhalten). Des Weiteren sind die Archive geistlicher Institutionen im Nationalarchiv Luxemburg heranzuziehen, sowie Luxemburg-Betreffe im belgischen Generalarchiv in Brüssel und dessen Ableger in Arlon sowie im Landeshauptarchiv in Koblenz. Wichtige normative Quellenstücke, Stadtpläne und Geschäftsschriftgut liegen gedruckt vor.

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Michel Pauly