(1) M. erscheint zunächst als Landschaftsbezeichnung Marungun (1002–1003), ein Wirtschaftshof gelangte 1013 in Besitz des Bf.s von Paderborn. 1156 verfügte Heinrich der Löwe über Besitz in M., später seine Nachfahren im seit 1235 bestehenden Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Neben der Stadt M., die an dem Handelsweg über Einbeck nach [Hann.] Münden in der Nähe der Burg M. entstand, gab es etwas westlich gelegen ein Dorf M., heute das nördlich an die Stadt angrenzende Oberdorf. Die Burg M. dürfte sich im 13. Jahrhundert in welfischem Besitz befunden haben.
M. gehörte zum erstmals 1291/92 und wieder 1345–1435/37 bestehenden, vom Fürstentum Braunschweig abgeteilten Fürstentum Göttingen. 1363 war die Burg im Besitz der Herren von Rosdorf, die die Stadt ausbauten. Sie öffneten Herzog Ernst (1345–1367) die Burg, die Herzog Otto der Quade (1367–1394) 1379 ganz kaufte. 1435/37, abgesichert 1442 kam das Fürstentum Göttingen und somit auch M. an die Calenberger Linie der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, durch die Landesteilung 1495 an das bis 1584 bestehende Fürstentum Calenberg-Göttingen und fiel dann zurück an die im Fürstentum Braunschweig regierenden Herzöge (sog. Mittlere Haus) von Braunschweig-Lüneburg. Bei der Neuverteilung der welfischen Fsm.er nach dem Aussterben des Mittleren Hauses Braunschweig 1634 erhielt Herzog Georg 1635 die Fsm.er Calenberg und Göttingen, die mit dem Fürstentum Grubenhagen vereinigt 1692 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (»Kurhannover«) erhoben wurden.
Zwischen 1381 und 1435 hielten sich gelegentlich Herzöge auf der Burg M. auf (1381, 1417/22, 1432). 1437 war sie verpfändet. Von 1447 bis 1462 war die Burg Wohnsitz des aus dem väterlichen Haushalt abgeschichteten Hzg.ssohnes Friedrich (1424–1495), der von hier aus etliche Fehden führte und letztlich unterlag (u. a. 1462 Einnahme M.s durch Hansestädte, Abtretung an Stadt Braunschweig, schließlich Übereignung an seinen Vater Herzog Wilhelm d. Ä.). Seit der Zusammenführung der Fsm.er Calenberg und Göttingen 1495 hielten sich Regenten nur sehr selten in M. auf. Herzogin Sidonie, erste Gemahlin Herzog Erichs II. (reg. 1545–1584), besaß hier ein Haus. Anfang Januar 1644 hielten sich die Herzöge Christian Ludwig und Georg Wilhelm kurz in M. auf, 1649 nahm Herzog Georg Ludwig persönlich die Huldigung der Stadt entgegen. Seit dem 16. Jahrhundert war Schloss M. wie das Amt, das aus der seit dem frühen 14. Jahrhundert erwähnten hzl.en Vogtei entstanden war, verpfändet. 1485 bestätigte Herzog Wilhelm d. J. (reg. 1483–1495 die Fsm.er Calenberg, Göttingen und Braunschweig), dass die Stadt M. zum Gericht der Amtsleute auf dem M. Rathaus gehörte.
Vor der Reformation gehörte M. zum Archidiakonat Nörten in der Erzdiözese Mainz. Die Reformation wurde 1542 eingeführt; M. kam zur Superintendentur Hohnstedt der Spezialsuperintendentur Hardegsen.
(2) Das spätestens 1381 als Stadt erwähnte M. ist aus dem Unteren Dorf entstanden, das südwestlich im Vorfeld der Burg lag. Stadtrechte wurden zuerst 1382 vom Ldgf.en von Hessen bestätigt (als Folge der 1381 getroffenen Erbeinigung zwischen ihm und Herzog Otto dem Quaden); 1395 bestätigte sie Otto Cocles’ (1394–1435/37, † 1463). Das im Westen quadratische, im Osten abgerundete Stadtareal mit unregelmäßigen Straßenzügen wird im Norden von der Moore durchflossen. Die Stadtmauer (wohl um 1400 entstanden) hatte drei Tore: Mannentor im Süden, das 1439 errichtete Obertor im Westen und das Büchen- oder Einbecker Tor im Norden. Hauptverkehrsachse war die s-förmige Straßenführung vom Mannentor über Mannenstraße, Marktstraße (heute Kirchstraße) und Einbecker oder Lange Straße zum Büchen-/Einbecker Tor. Im Bereich der oberen S-Kurve traf sie sich mit der durch das Obertor von Uslar über den Solling hereinkommenden Straße. Nach dem Stadtbrand 1734 sind schachbrettartig breite Straßen angelegt und die Stadt im Westen und Norden erweitert worden, zugleich die teils im Dreißigjährigen Krieg zerstörte, teils später verfallene Befestigung beseitigt worden. 1689 wurden 559 Einwohner gezählt.
M. wurde im Laufe von knapp drei Jahrhunderten von den Hzg.en vier Jahrmärkte verliehen (1390, 1432, 1582, 1684). Die Gilden der Kaufleute (1390), Leineweber (1412) und Knochenhauer (1462) gehen ins späte Mittelalter zurück, in der frühen Neuzeit kamen die der Nahrungsmittel-, Bau- und Bekleidungsgewerke hinzu. 1649 wird ein Apotheker erwähnt. 1747 wurde eine Papiermühle angelegt, zur wiedererrichteten Schuhmachergilde gehörte gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Lohmühle; um 1800 gab es vier Mühlen, eine lag in der Stadt. Ein Erzfund 1708 führte zum Eisensteinbergbau. 1746 waren Kamelottfabriken und Schönfärbereien und 1764 eine Kattunweberei hinzugekommen. Davon abgesehen war die Wirtschaft M.s in der frühen Neuzeit weitgehend landwirtschaftlich und von weiterverarbeitenden Gewerken (Brauereien) geprägt. Im 18. Jahrhundert lebten Juden in M.
(3) Die Kirche St. Maria geht zurück auf eine von den Herren von Rosdorf gestiftete Kapelle (1374 erwähnt), eine Filiale der älteren Kirche und Erzpriestersitzes St. Martin im Oberdorf M.; diese gilt als eine der frühen Kirchen der Gegend und war bis 1490 Pfarrkirche der Stadt M. Patrone der Kapelle waren anfangs die Herren von Rosdorf, später das Kloster Lippoldsberg, das zugleich Patron der Kirche St. Martin war. In der Kapelle stiftete der Rat 1421 und 1425 Kommenden. 1488 gestattete Herzog Wilhelm d. J. – unter Übertragung der bisherigen Einkünfte der Kirche St. Martin – die Erhebung zur Pfarrkirche. Patron der Pfarrkirche wurde der Rat. Auf dem Deichwall vor der östlichen Stadtmauer lag die 1290 erwähnte Kapelle Hl. Kreuz und St. Ulrich, deren Patrone die Herren von Rosdorf waren; 1488 wurde diese Kapelle der Kirche St. Maria unterstellt. 1753 war sie nicht mehr vorhanden. Unweit der Kirche St. Maria stand das 1511 nach einem Stadtbrand wieder aufgebaute Hospital oder Armenhaus St. Spiritus. Geld für eine Armenstiftung der Kirche hatte der Rat vor 1561 angelegt. Vor dem Einbecker Tor bestand bis vor 1753 das Hospital St. Nikolaus, auch Klus genannt.
(4) Die Burg war in den 1460er Jahren, als sie im Pfandbesitz der Stadt Braunschweig war, sehr baufällig, Herzog Wilhelm d. Ä. sagte die Erstattung der Baukosten zu. 1720 wurde sie bis auf das Brauhaus (heute Heimatmuseum) wegen Baufälligkeit abgerissen. Zur Burg gehörten zwei Burgmannshöfe in der Stadt, von denen einer wohl um 1371 vom Herzog verlehnt wurde. Als Burgmannen erscheinen die Familien Münchhausen, Grapendorf, Mandelsloh u. a.
Das Rathaus (erste Erwähnung 1485) wurde nach einem Stadtbrand 1596/97 neu gebaut, 1737 ist es z. T. zerstört worden. Es gab einen Ratswein- und einen Ratsbierkeller, ein Brauhaus und ein Stadtschreiberhaus (1721/22 verkauft). Etliche Brände hatten seit 1461 wiederholt große Teile der Stadt zerstört. Nach dem Stadtbrand von 1734 erhielt M. ein neues Stadtbild mit breiten sich rechtwinklig kreuzenden Straßen. Die Häuser waren mit Solling-Schindeln einzudecken. 1792 wurde ein Spritzenhaus errichtet. Auf Verlangen der Regierung ließen die Stände 1738–1745 ein Waisenhaus errichten (1796 geschlossen).
Die älteste Ansicht M.s ist der 1654 gedruckte Stich bei Merian. Aus dem Jahr 1681 stammen zwei kleinformatige Kupferstiche. 1735 ist ein Plan der Stadt vor dem Brand 1734 gezeichnet worden, 1734 und 1735 Pläne zum Wiederaufbau der abgebrannten Stadt.
(5) Nach 1504 gab es zwei Zollstellen, eine davon wurde von Herzog Erich I. verpfändet. Die Stadt lieh den Hzg.en mehrmals größere Beträge (1471, 1487, 1615), bürgte des Öfteren für hzl.e Kreditaufnahmen (1404, 1441) oder beteiligte sich an der Tilgung (1416). 1497 hatte das Stift Höckelheim beim M.er Rat Geld angelegt und 1526 verkaufte der Rat eine Rente an das Stift Fredelsloh. 1501 stellte Herzog Erich I. das Vorwerk in M. als Sicherheit für geliehenes Geld. Mit hzl.er Erlaubnis war M. 1435 auf drei Jahre mit Städten und Adel des Fsm.s verbündet, 1442 beschwor sie die dynastische Vereinbarung der Herzöge über das Fürstentum Göttingen. 1447 vermittelte M. wie andere Städte zwischen den Herren von Hardenberg und den Hzg.en. Überregional bedeutsam waren die in M. 1308 stattfindenden Sühneverhandlungen Herzog Albrechts II. zwischen mehr als 100 welfischen, mainzischen und waldeckischen Gefolgsleuten. Gegen die ständige Deputierung M.s auf den Landtagen als Vertreterin der kleinen Städte im Fürstentum legten die drei anderen kleinen Städte (Uslar, Hardegsen und Dransfeld) Ende des 17. Jahrhunderts Beschwerde ein, denn vorgesehen war eine Alternierung.
(6) M. war Residenz nur während etwas mehr als zweier Jahrzehnte im 15. Jahrhundert unter Herzog Friedrich, der die Stadt allerdings nicht förderte; Stadtrechts-, Jahrmarkts- und Gildeprivilegien gehen auf die anderen Herzöge zurück. M. machte die Besitzteilungen der Welfen mit und huldigte jeweils den neuen Herren, Widerstand zeigte sich nicht, äußerte sich nur gelegentlich bei Steuerfragen (zusammen mit Landständen 1544, bei Krediten 1553 und 1616) und der Pfarrereinsetzung (1582). Zudem unterstützte M. die kriegerischen Aktivitäten der Herzöge (u. a. auf hzl.es Geheiß 1387 Fehdeerklärung an Göttingen). Bedeutung erhielt Burg M. als Lager für Güter, die in Fehden bzw. Raubzügen erworben worden waren, so unter Herzog Friedrich (bis zur Einnahme durch ein hansestädtisches Kontingent 1462 und Abtretung 1467) und unter Herzog Erich I. 1499 (Fehde gegen Ldgf.en von Hessen), der zudem 1519 M. zum Ausgangspunkt seines Zuges gegen den Bischof von Hildesheim machte. M. war überdies Gläubiger und Bürge zugunsten der Herzöge Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts war M. eine auf den eigenen Bedarf ausgerichtete Handwerker- und auch Landwirtschaftsstadt, doch änderte sich dies nach Eisensteinfunden und mit dem Aufbau einer Textilfabrikation.
(7) Im Niedersächsisches Landesarchiv – Standort Hannover sind Archivalien in verschiedenen Beständen zu finden; Urkunden in: Cal Or. 1, Cal Or. 19, Cal Or. 100 Einbeck Augustiner, Cal Or. 100 Kleine Städte, Celle Or 8; Akten in: BaCl Hann 84a, Cal Br. 1, Cal Br. 2, (Cal Br. 7), Cal Br. 8, (Cal Br. 14), (Cal Br. 19), (Cal Br. 21), (Cal Br. 22), Hann. 68 B, Hann. 74, (Hann. 78), Hann 83 II, Hann 93, Hann. 112; Ansichten und Pläne in: Kartensammlung Nr. 22 Moringen (Pläne 1734, 1735). – Domeier, Johann Gabriel: Die Geschichte der Churfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Stadt Moringen und des umliegenden Amtes dieses Namens, Göttingen 1753; Hannover 1786.
Urkundenbuch Herzöge von Braunschweig, Bde. 3–5, 7, 9 (1862, 1864, 1865, 1871, 1877). – Urkundenbuch der Stadt Göttingen. Bd. 2: Vom Jahre 1401 bis 1500, hg. von Karl Gustav Schmidt, Hannover 1867 (Urkundenbuch des historischen Vereins für Niedersachsen, 7). – Urkundenbuch der Stadt Hildesheim, Bd. 7, bearb. von Richard Doebner, Hildesheim 1901. – Kopfsteuerbeschreibung Calenberg-Göttingen und Grubenhagen (1969), S. 193–208. – Urkundenbuch des Stifts Fredelsloh, bearb. von Manfred Hamann, Hildesheim 1983 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 37, Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter, 6). – Urkundenbuch Herren von Boventen (1992). – Urkundenbuch des Stifts Weende, bearb. von Hildegard Krösche nach Vorarbeiten von Hubert Höing, Hannover 2009 (Göttingen-Grubenhagener Urkundenbuch, 5; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 249). – Schatzverzeichnisse Göttingen (2011).
(8)Mitthoff, Hector Wilhelm Heinrich: Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen, 2. Bd.: Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen nebst den hannoverschen Teilen des Harzes und der Grafschaft Hohnstein, Hannover 1873, S. 129–133. – Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Blatt Moringen, bearb. und hg. von Erhard Kühlhorn, Hildesheim 1976 (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung, 2,4). – Boetticher, Manfred von: Kloster Höckelheim und das Amt Moringen: Zwei angebliche Urkunden aus dem 13. Jahrhundert, in: Plesse-Archiv 26 (1990) S. 7–18.