Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Bevergen

Bevergen

(1) B. liegt in einer von Sanden bedeckten, von der B.er Aa durchflossenen feuchten Senke zwischen zwei sanft ansteigenden Hügeln, dem Borkenberg im Westen und dem Klei im Osten; sie sind dem westlichen Ausläufer des Osning (alter Name für den Teutoburger Wald), dem Huckberg, südlich vorgelagert. Im Süden erreichen erhöhte Sanddecken fast das Gebiet von B. Nördlich des Orts finden sich Moore. Der in der Senke gegebene ständig hohe Grundwasserstand begünstigte die Flutung der im Zuge der Stadtbefestigung regulierten Gräben, die aus dem anderthalb Kilometer ostnordöstlich gelegenen »Mörchen« in die Aa flossen. Parallel zum Höhenzug des Osning verlief ein von Rheine im Westen nach Brochterbeck-Tecklenburg im Osten führender Weg, der allerdings von nur regionaler Bedeutung war.

Im 13. Jahrhundert kam B. wie die gesamte Region unter Einfluss der Grafen von Tecklenburg. Im Laufe des 14. Jahrhunderts eskalierten die Streitigkeiten zwischen den Fbf.en von Münster und den Tecklenburger Grafen, die in B. eine Grenzfeste errichteten und dem Ort 1366 städtische Rechte verliehen. Die Auseinandersetzungen endeten mit der Abtretung zunächst nur der Burg 1388, sodann 1400 von Burg und Stadt an den Bischof von Münster. Im Dreißigjährigen Krieg wurde B. durch schwedische Truppen erobert und 1633 an die niederländischen Oranier übergeben, die Burg und Stadt bis zur Rückeroberung durch den Fbf. von Münster 1652 beherrschten. Die Zugehörigkeit B.s zum Fbm. Münster endete mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803.

Als Residenz diente B. den Fbf.en im 15./16. Jahrhundert Bischof Otto von Hoya (reg. 1392-1424) kümmerte sich persönlich um den Ausbau seiner Lieblingsburg B., wo er häufig residierte und auch verstarb; er verfügte die Bestattung seiner Eingeweide vor dem Hauptaltar der B.er Kirche. Auch Bischof Konrad von Rietberg (reg. 1497-1508) nutzte B. als Residenz, in der er 1508 verstarb. Danach wurde die Burg kaum noch als Aufenthaltsort genutzt. Zu Beginn der münsterschen Stiftsfehde (1450-1457) wurden Burg und Wigbold von der Stadt Münster und ihrem Bf.skandidaten Graf Erich von Hoya besetzt, die Burg blieb bis 1458 an ihn verpfändet. Weitere Verpfändungen folgten 1466 und später.

Vom Ende des 15. bis zum 16. Jahrhundert, vor allem zur Zeit der Niederwerfung der Wiedertäuferbewegung, diente die Burg u.a. als Gefängnis. 1533/34 wurden zahlreiche Angehörige dieser Bewegung hier gefangen gesetzt, verurteilt und hingerichtet. Bis zu seiner Hinrichtung 1536 war auch Jan van Leiden, »König des Königreichs Zion« (zu Münster), hier gefangen gehalten worden.

Schon unter den Grafen von Tecklenburg entstand das Amt B., das nach 1574 mit dem Amt Rheine vereinigt wurde. Die Verwaltung des Amtes B. befand sich bis zu deren Zerstörung 1680 auf der dortigen Burg.

Ebenso war B. Sitz eines Gogerichts, das 1400 mit Burg und Amt aus tecklenburgischen Besitz an Münster überging.

(2) Bestimmend für die Entstehung von Burg und Stadt B. waren der Ausbau der tecklenburgischen Landesherrschaft seit Mitte des 13. Jahrhunderts und die wachsende Konkurrenz zu den Bf.en von Münster. Nachdem die Bischöfe vermehrt Rechte im benachbarten Rheine erworben hatten (Erhebung zur Stadt 1327), diente die Errichtung der B.er Burg wahrscheinlich um 1300 der Sicherung der tecklenburgischen Herrschaft. In diesen Zusammenhang gehört die nicht weiter datierbare Erwähnung eines Suburbiums, von dem anzunehmen ist, dass es als Wohnstätte für Handwerker und Dienstboten der Burg diente. Im Rahmen weiterer tecklenburgisch-münsteraner Auseinandersetzungen 1364/65 dürfte B. zu einer stadtähnlichen Befestigung ausgebaut worden sein. 1364 nutzte das Kloster Gravenhorst das offenbar kurz zuvor entstandene Gericht binnen den Bevergherne, nach späteren Zeugnissen gelegen vor dem huse Bevergern, für eine Grundstücksverlehnung, die von drei Burgmannen und drei borghere zu B. bezeugt wurden. Ihren Abschluss fand die Stadtwerdung mit der Ausstellung des Stadtrechts 1366, das eventuell ältere, mündlich vergebene Privilegien zusammenfasst, worauf Formulierungen in der Urkunde hindeuten. Vorlage war das Privileg für Lingen, der dortige Rat sollte als Oberhof für strittige Fragen dienen, von dort weiter nach Tecklenburg und noch weiter nach Osnabrück gehend. In der Urkunde wird zwischen Burg und Wigbold unterschieden und eine Siedlung bzw. ein Umland außerhalb der Befestigung erwähnt, die bzw. das ebenfalls Stadtfreiheit genießen soll. Als Bewohner der (wohl größeren) Burg nennt das Privileg summarisch Amtleute, gemeint wohl die anderweitig erwähnten Burgmannen, Mannen, Dienstmannen und Klosterzugehörige, die in der Grafschaft Tecklenburg über Besitz verfügten, den sie frei vererben konnten, hingegen nicht über den in B. gelegenen Besitz.

Zuständig waren die Amtleute für die in B. wohnenden Bürger und deren Gesinde. Die Amtleute sollten bei kleineren Vergehen angerufen werden und zusammen mit den ebenfalls erwähnten ra(e)tluden Gärten, Kämpe und Schläge an die demnächst aufzunehmenden Bürger vergeben; weitere Hinweise auf den Rat fehlen. Möglicherweise gab es eine personelle Identität zwischen Amtleuten, Burgmannen und Ratsmitgliedern, sicher dürfte der Tecklenburger Graf als Stadtherr großen Einfluss auf die Geschicke des Orts ausgeübt haben. Gestützt wird diese Einschätzung durch die wechselnde Bezeichnung B.s als stad und wigbold und die im Vergleich zu anderen Städten mindere Rechtsstellung.

Höchstwahrscheinlich lag die Befestigung (anfangs ein Palisaden-Graben-System) zunächst ausschließlich in der Verantwortung der gfl.en Burgmänner und Amtsleute, denen die Bürger entsprechende Dienste zu leisten hatten. Als Einwohner dürften Unfreie aus der Grafschaft Tecklenburg oder deren Vasallen geworben worden sein. Der geringe Status B.s lässt sich aus der Verpflichtung zur Abgabe eines Wachszins von den Inhabern der alden worden (Wurten, Grundstücke) unde gharten innerhalb der Freiheit an den gfl.en Schließer zu Tecklenburg erkennen. Der montags stattfindende Wochenmarkt galt ausschließlich dem Nahbereich außerhalb der Freiheit.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gab es unter der bfl.-münsterschen Herrschaft durch den Ausbau der Burg einen bescheidenen Aufschwung. Das älteste Bürgerbuch B.s datiert von 1427, die Festlegung des Bürgereids dürfte aus dieser Zeit stammen. Auch die beiden im 15. Jahrhundert nachgewiesenen Stadtsiegel vermitteln den Eindruck einer gewissen Selbständigkeit der Bürgerschaft. Das Amt der Bürgermeister war unumstrittene Institution (bis 1802 immer zwei), deren Rangfolge nicht eindeutig festzumachen ist. Sie wurden aus den Reihen der Kurnoten (Wahlmänner), in späteren Zeiten von den Gilden benannt bzw. ausgelost, aber stets von landesherrlichen Amtsträgern bestätigt. Sie versahen die niedere Gerichtsbarkeit, führten das Rechnungswesen, kontrollierten die Kirchen- wie Armenmittel und waren für das Bauwesen verantwortlich. Ratsleute und (zunächst zwei, später sechs) Schöffen wurden - in Westfalen durchaus üblich - wechselweise erwähnt. Die Existenz eines Rathauses ist für das 15. Jahrhundert zu vermuten, hingegen 1573 unmittelbar westlich der Kirche, später am westlichen Stadtausgang nachgewiesen.

Unter den 1475 in einer Rechnung genannten 35 Kostgängern der Burg finden sich überwiegend Amtsträger, Wachpersonen, Knechte und Mägde, aber nur ein Bäcker und ein Koch, so dass wohl zusätzlich Handwerker aus der Stadt für die Versorgung des Hofs herangezogen worden sind. 1660 gab es 27 Handwerker, vier Kaufleute und Händler (Krämer, Höker, Rosskäufer), drei Brauer, zwei Bäcker, je einen Müller, einen Notar, einen Hausvogt und den Pförtner, daneben 45 Tagelöhner, also über 90 Haushalte, außerdem 17 Stadtarme und 11 Soldaten. Bewohnt waren 63 Häuser und 66 Gademe (Buden, Hütten, Ein-Raum-Häuser) mit jeweils 69 Feuerstätten. Für das 15. und 16. Jahrhundert ist die Zahl vermutlich geringer anzusetzen, so dass B. am Ausgang des Mittelalters etwa 400 Einwohner hatte, deren Zahl sich durch die Zuwanderungen vor 1600 auf 600 vergrößerte und dann kaum mehr veränderte.

Im bescheidenen Handwerk haben schon früh (Woll-)Tuchmacher eine führende Stellung eingenommen. Sie errichteten 1599 als einziges Handwerk mit 35 Meistern eine Zunft. Dies diente wohl ebenso der wirtschaftlichen Absicherung wie auch die 1608 erfolgreichen Bitten der Bürgermeister um das Privileg für zwei Jahrmärkte. In diesem Zusammenhang wurde auf den Fernhandel mit Groningen, Ostfriesland und Deventer hingewiesen. Kaum eine Familie konnte ausschließlich von typisch städtischem Gewerbe - Handwerk oder Handel - leben, sondern musste daneben Landwirtschaft und Torfstich betreiben. Nach 1562 wurde die Einlagerung von zu großen Torfbeständen in den Häusern verboten.

Kleine Einkünfte zog die Stadt aus der Verpachtung gemeindeeigener Flächen und Häuser sowie aus der Bier- und Branntweinakzise, in geringerem Maße auch aus den Wege- und Waagegeldern sowie gelegentlich - und dann nur teilweise - aus dem Zoll für das Brechen von Steinen am Huckberg und aus anderen Steuern; Kornzehnt und Schatzungsgelder gingen an den Landesherrn.

(3) Vermutlich noch 1366 wurde mit dem Bau einer Kapelle westlich des Marktplatzes begonnen, die zunächst zum Kirchspiel Riesenbeck und damit zum Bistum Osnabrück gehörte (urkundlich nachgewiesen 1367). Zwischen 1423 und 1440 erlangte die neben der Gottesmutter dem Abt Antonius geweihte Kapelle Pfarrrechte, wenn auch das Kirchspiel B. schon am Ende des 14. Jahrhunderts als Teil des Amtes B. genannt wird. Ohne weitere vertragliche Vereinbarungen kam die Pfarrgemeinde sicherlich bereits im Laufe des 15. Jahrhunderts zum Bistum Münster. Archidiakonatsverzeichnisse des 16. Jahrhunderts zählen B. zum Bistum Münster, 1571 fand eine Visitation durch Münster statt. Die endgültige vertragliche Regelung über den Wechsel von Osnabrück nach Münster datiert von 1667. Nicht unwahrscheinlich ist, dass sich einige B.er Bürger den Wiedertäufern angeschlossen haben. Am Ende des 16. Jahrhunderts soll es auch Lutheraner gegeben haben, danach blieb die Kirchengemeinde unter dem Einfluss gegenreformatorischer Maßnahmen des Fbf.s römisch-katholisch.

Die älteste Schützenbruderschaft wird erstmals 1425 erwähnt. Am Ende des 18. Jahrhunderts bestand eine Rosenkranz- und eine Todesangstbruderschaft. Neben den Prozessionen am Karfreitag, am Pfingstmontag sowie an Fronleichnam ist noch die von Bischof Christoph Bernhard von Galen (1650-1678) eingeführte Prozession am Sonntag nach dem Bartholomäustag (24. August) zu nennen.

Als karitative Einrichtung ist das 1519 erstmals erwähnte Armenhaus zu nennen. 1573 wird eine Schule erwähnt - den Unterricht erteilte der Küster. Der Bischof verfügte 1656 die Sonderung der Mädchen von den Knaben, was 1675 den Bau einer Mädchenschule in der östlichen Vorstadt zur Folge hatte.

(4) Baulich geprägt worden sein dürfte der Ort von der wahrscheinlich um 1300 errichteten Burg, wohl einer Motte (steinerner Turm, umgeben von kreisförmigem Wassergräben). Die ersten Befestigungsanlagen des Wigbolds von 1366 waren - archäologisch gesichert - ein im Nordosten an die Burg anschließendes Palisaden-Graben-System (die Palisaden später durch eine Mauer ersetzt). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der Stadtgraben erheblich erweitert. Der westliche Zugang wurde 1609 als Doppeltor ausgebaut.

Das Straßennetz folgte im Wesentlichen dem Festungsring und der Ost-West-Durchgangsstraße. Dieser Ring umfasste knapp zwei Hektar Fläche, davon einen Hektar reine Siedlungsfläche mit ca. 50 gleich großen Parzellen. Erweiterungen jenseits des ersten Ringes entstanden im Osten und Westen im 16. und 17. Jahrhundert, nachgewiesen 1607 bzw. 1609. Die enge Bebauung mit fast ausschließlich Fachwerkhäusern begünstigte 1562, 1624 und 1658 Brände, bei der große Teile zerstört wurden.

Die Burganlage wurde nach dem Übergang an das Bistum Münster im Jahre 1400 unter persönlicher Leitung des Bf.s Otto von Hoya ausgebaut. Der Zugang zum Wigbold lag im Norden und erfolgte über die Kremersbrücke. Nach Quellen des 16. Jahrhundert verfügte die Burg über zwei Säle, ein Kommandantenhaus, eine Kapelle, Versorgungs- und Handwerksgebäude. Vor 1547 wurde die Anlage mit einer steinernen Bastion auf der Nordseite verstärkt. 1622 erschien die - offenbar anstelle einer älteren Vorburg errichtete - inzwischen verfallene Katzbane (Platz bzw. Haus für das an den Höfen betriebene und von den städtischen Oberschichten übernommene Federballspiel, vgl. ndl. Kaatsbaan) als Gefahr für die Festung, die drohende Belagerung 1632 führte zum Abbruch. Stattdessen wurden der große Turm ausgebessert, die Zugbrücke sowie am Ende der Brücke die Hohe Pforte am Burgplatz (so auch schon 1591) erneuert. Bischof Christoph Bernhard von Galen ließ um Burg und Wigbold eine etwa 25 Meter breite Wallanlage mit vorgelagertem Graben anlegen. Im Jahr 1680 ließ sein Nachfolger Bischof Ferdinand von Fürstenberg das schöne schloss B. sprengen aus Angst, die in Lingen befindlichen Holländer würden es als Festung nutzen.

Die Kirche ist um 1500 in spätgotischer Form errichtet worden. Dem Turm wurde 1686 ein geschweiftes Helmdach aufgesetzt, kleine Kapellenanbauten folgten 1759 und 1767. Um 1800 zeigt sich die Kirche als einschiffiges Gebäude.

Die etwa dreieinhalb Kilometer ostnordöstlich von B. gelegene Zisterzienserinnen-Abtei Gravenhorst erwarb nach den Erfahrungen während des Dreißigjährigen Krieges seit 1643 einen Stadthof als Zufluchtsstätte, ein großes, 1669 erneuertes Fachwerkhaus.

1573 wird erstmals ein Rathaus erwähnt, im selben Jahr auch das kleine gemach, das als Schule diente; beide Gebäude befanden sich unmittelbar westlich der Kirche.

Das seit dem 15. Jahrhundert vorkommende Siegel zeigt den Biber (Ortsname abgeleitet vom mnd. Wort für dieses Tier), später prägte dieses Bild das bis in die jüngste Zeit verwendete Wappen.

Die Burg wird erstmals als Bild festgehalten auf einem in der Kirche hängenden Tafelgemälde des 17. Jahrhunderts als Hintergrund der Darstellung der Auferweckung des Hl. Lazarus. Außerdem sind die Burg (stark vergrößert) und das Wigbold auf einem Ölgemälde von 1652 abgebildet. Auf den zahlreichen frühneuzeitlichen Karten des Fbm.s Münster erscheint B. zumeist mit der für kleine Städte üblichen Signatur. Eine erste Grundrisszeichnung datiert von 1719.

(5) Das recht kleine Gebiet des Wigbolds (1974 664 Hektar) grenzte im Osten an die einen Kilometer östlich auf dem Gebiet des Nachbardorfes Riesenbeck gelegene Windmühle, die Flächen im Süden wurden bis ins 20. Jahrhundert als Allmende für das Vieh genutzt. Die Moore im Norden lieferten bis in das 19. Jahrhundert Brenntorf. Um die Torfgewinnung im Nordwesten - die Gemarkung war hier im 14. Jahrhundert durch eine Landwehr begrenzt - hatte es im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach Streitigkeiten gegeben. Das B.er Gebiet konnte sich auf ca. einen Kilometer Länge in die Gemarkungen ausweiten, die ursprünglich von den Bauerschaften Hörstel im Norden und Rodde im Westen beansprucht wurden

Im Privileg von 1366 war B. ein Wochenmarkt für den Nahbereich zugestanden worden, zwei Jahrmärkte kamen nach 1608 hinzu. In diesem Zusammenhang wurde auch auf den Fernhandel nach Groningen, Ostfriesland und Deventer hingewiesen, dorthin wurden noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts Wolltuche verkauft.

B. war Sitz des gleichnamigen Amts, dem bis zur Verlegung nach Rheine 1680 die benachbarten Kirchspiele Riesenbeck, Saerbeck, Hembergen, Altenrheine, einen Teil des Kirchspiels Schapen und das Kloster Gravenhorst, Hopsten und Dreierwalde angehörten (in Nord-Süd-Richtung etwa 30 Kilometer und von West nach Ost etwa 15 Kilometer). Auf Karten aus der Zeit der oranischen Besetzung der Burg (1633-1652) werden auch Herzford, Wietmarschen, Venhaus, Hesselte als dem Amt zugehörig bezeichnet.

(6) B. zählt zu den von den Münsteraner Bf.en angelegten, als Residenzen genutzten westfälischen Kleinstädten, für die der deutliche Bezug zur beherrschenden Burg, ihre geringe Größe und die Ausstattung mit weniger umfassenden Stadtrechten typisch war. Unter diesen nimmt B. einen Sonderstatus ein: So lagen Schloss Neuhaus (Paderborn), Petershagen (Minden) und Wolbeck (Münster) nicht weiter als zwei Wegstunden von der Kathedralstadt entfernt, B. hingegen etwa eine Tagesreise von Münster. Vor allem verdankte es seine Entstehung und das Stadtrecht einem weltlichen Herrscher, dem Grafen von Tecklenburg. Zwar besaß B. schon zu tecklenburgischer Zeit als Sitz des Gogerichts und Vorort des gleichnamigen Amtes eine Zentralität, aber erst nach Übergang an den Fbf. von Münster diente es für recht kurze Zeit im 15. Jahrhundert und zu Beginn des 16. Jahrhunderts als landesherrliche Residenz und besaß hierdurch eine zentrale Funktion für das gesamte Fbm. Auf die Dauer bedeutsamer für die Landesherrschaft war die Funktion der Burg als Festung und als Gefängnis. Als am Ende des 17. Jahrhunderts deutlich wurde, dass die Burg eher eine Gefahr für die Landesherrschaft werden konnte, wurde sie geschleift. Als Zentralort wurde B. 1680 durch das benachbarte größere und wirtschaftlich bedeutendere Rheine abgelöst. Abgesehen von dem Umstand, dass höchstwahrscheinlich nach dem Ausbau der Burg zu Beginn des 15. Jahrhunderts zahlreiche Handwerker des Wigbolds für die Burg tätig gewesen sein dürften, ist über die Verflechtung von Stadtgemeinde und Hofgesellschaft nichts Näheres bekannt.

(7) Ungedruckte Quellen sind überwiegend im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, in Münster zu finden (Stichworte: Stadt Bevergern, Amt Rheine-Bevergern), darunter: Bürgerbuch der Stadt Bevergern 1427-1806 (Signatur W 005/Msc. VII, Nr. 1721), daneben auch im dort deponierten Gesamtarchiv Landsberg-Velen.

Die Urkunde von 1366 ist veröffentlicht von Martin Sagebiel, Detmer: Geschichte der Stadt Bevergern vom Jahre 1366 bis zum Ende der französischen Fremdherrschaft, in: Bevergern. Geschichte und Geschichten um eine alte Stadt, hg. von der Stadt Bevergern, 2. Aufl., Hörstel 1983, S. 15-98, hier S. 32.

Schütte, Leopold: Das Tafelgutverzeichnis des Bischofs von Münster 1573/1574, Bd. 1: Das Amt Rheine-Bevergern, Münster 2014 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission, N.F., 14). - Bamler, Friedrich: Das Bürgerbuch von Bevergern (Westfalen) bis 1608, in: Familienkundliche Blätter 24 (1926) Sp. 115-118 und 145-148.

(8)Ludorff, Albert: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Tecklenburg, Münster 1907. - Freude, Albert, Hilckman, Anton: Bevergern in Vergangenheit und Gegenwart, Münster 1952. - Bevergern. Geschichte und Geschichten um eine alte Stadt, hg. von der Stadt Bevergern, 2. Aufl., Hörstel 1983. - Klein, Hartmut: Bevergern, Altenbecken 1997 (Westfälischer Städteatlas, Lieferung V, 1). - Hemann, Friedrich-Wilhelm: Residenzstädte in Westfalen, in: Westfälischer Städteatlas, Lieferung V (Einführung), Altenbeken 1997. - Kohl, Wilhelm: Das Bistum Münster, Bd. 7, 1: Die Diözese, Berlin, New York 1999 (Germania Sacra, N.F. 37, 1). - Bulla, Andrea: Im Schatten der Burg. Mittelalterliche Stadtbegrenzungen in Hörstel-Bevergern, in: Archäologie in Westfalen-Lippe 2009, S. 126-130.

Hartmut Klein