Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Tecklenburg

Tecklenburg

(1) Die Stadt T., gelegen etwa 20 km westsüdwestlich Osnabrücks, entstand unterhalb der von den Grafen von Zutphen um 1100 auf einem Pass an der Südseite des Hauptkamms des Teutoburger Waldes errichteten Burg, von wo aus sich die Westfälische bzw. Münsterländische Bucht gut beobachten lässt. Die vermutlich aufgrund genau dieser ihrer strategischen Lage an einer Teilstrecke des wichtigen Handelsweges zwischen Lübeck und Köln erbaute Burg sollte wohl u.a. der Einforderung von Zöllen und Abgaben dienen. Mindestens ab 1119/20 diente die Burg als Stammsitz der Grafen von T., die auf dem Erbweg einen Teil der Zutphener Grafschaft übernahmen. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg 1150. 1180 erwarb der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg die Burg T., um sie als Lehen an die T.er Grafen wieder auszugeben. T. blieb Stammsitz und Residenz bis ins 17. Jahrhundert Über zwei Dynastiewechsel infolge fehlender männlicher Nachkommen (1263/68 und 1327) hinweg blieb die Grafschaft T. bestehen, hinzu kam auf dem Erbweg 1365 die Herrschaft Rheda am Oberlauf der Ems (abgesichert durch Kauf 1491). Abgetrennt wurde 1498 nach einem innerdynastischen Streit das Amt Lingen für Graf Nikolaus IV. (mit eigener Residenzstadt). Nach dessen Tod 1541 ging dieser Landesteil 1542-1548 wegen der Mitgliedschaft der T.er Grafen im Schmalkaldischen Bund an den auf Seiten des Ks.s und Herren der Niederlande Karl V. stehenden Maximiliaan van Buren verloren. Hinzu kam die 1508 geschaffene Obergft. Lingen (u.a. Ibbenbüren und das direkt vor T. gelegene Dorf Brochterbeck, heute Stadtteil T.s) zur zusätzlichen Versorgung des Grafen Nikolaus IV.

Nach einigen wechselnden Herrschaften und unter Umgehung eines Erbvertrags mit den Grafen von Solms-Braunfels, gelangte die Grafschaft T. durch die Heirat der Erbin Anna von T. mit Everwin III. von Bentheim 1554 an die Grafen von Bentheim. Nach einer Erbteilung 1606/1609 gingen die Grafschaften T. (mit Rheda) und Limburg (bei Hagen in Südwestfalen; seit 1618) an die Linie der Grafen Bentheim-T. über, nachdem es einen mehr als hundertjährigen Erbprozess vor dem Reichskammergericht gegen die Grafen von Solms-Braunfels gegeben hatte (»Tecklenburger Erbschaftsstreit«, 1576-1686, Urteil bestätigt 1696). Im sog. Vergleich von Lengerich 1699 mussten Schloss und große Teile der Grafschaft T. sowie ein kleinerer Anteil an der Herrschaft Rheda endgültig an die Grafen von Solms-Braunfels abgetreten werden. Aufgrund des reduzierten Herrschaftsbereichs verlegten die Grafen von Bentheim-T. ihren Regierungssitz ab Mitte des 17. Jahrhunderts, nach der Abtretung des Schlosses T. an die Grafen von Solms-Braunfels 1671 ganz auf Schloss Rheda bzw. 1726-1756 unter Moritz Kasimir I. von Bentheim-T. auf Schloss Hohenlimburg (Gft. Limburg) als Hauptresidenz. 1707/1729 wurde die Grafschaft T. an Preußen verkauft. 1807/1808 fiel sie gemeinsam mit der Reichsgft. Lingen an das Großhzm. Berg, 1810 bis 1813 an Frankreich, anschließend wurde sie zusammen mit der Obergft. Lingen wieder Teil Preußens.

(2) Der 1226 erstmals als suburbium erwähnte Ort (so auch noch 1320) passte sich den Geländegegebenheiten an, die Hauptstraße verläuft gekrümmt, sich an den Berg anlehnend, abzweigende Nebenstraßen verleihen einen rippenförmigen Grundriss. Der dreieckige Marktplatz wurde im Westen direkt unterhalb der Burg angelegt. Nach einer Stadtbeschreibung des 17. Jahrhunderts soll es bereits im 15. Jahrhundert eine alte und eine neue Stadt gegeben haben, was auf eine räumliche Ausdehnung und damit ein Wachstum der Siedlung verweist. 1365 wurde T. weiterhin als Minderstadt bezeichnet, 1388 als Stadt. Stadtrechte verlieh erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts Graf Adolf von Bentheim-T. (reg. 1606-1623), um sich die Unterstützung der Bürgerschaft zu sichern. Die Wahl von zwei Bürgermeistern jeweils für die alte und die neue Stadt T. erfolgte durch Ratsleute (Gemeinsmänner) und wurde vom Regenten bestätigt. Diese Privilegien wurden von den Nachfolgern aus dem Hause Bentheim-T. sowie von der preußischen Regierung im 18. Jahrhundert weitergeführt. Ab spätestens 1320 bis zum 16. Jahrhundert war T. von einer Stadtmauer mit zwei Stadttoren umgeben. Der Bau eines Rathauses wird um 1622/23 auf Veranlassung Adolfs von Bentheim-T. (reg. 1606-1623) vermutet.

Angaben zur Einwohnerschaft können für die Jahre 1722 (556 Einwohner) und 1740 (638 Einwohner) gemacht werden, als T. keine Residenzstadt war.

Wirtschaftsgeschichtlich ist wenig bekannt. Die Landwirtschaft dürfte als Erwerbszweig dominiert haben, die typischen Handwerksberufe der Nahrungsmittelaufbereitung, des Hausbaus und der Kleidungsherstellung dürfte es ebenfalls gegeben haben, mit der Landwirtschaft als Nebenerwerb. Als Besonderheit ist zu nennen, dass es in T. die erste landesherrliche Leinenprüfanstalt (Legge) in Westfalen gab, die von 1650 bis zur ihrer Aufhebung im 19. Jahrhundert existierte. Der prosperierende Leinenhandel der Grafschaft T. wurde nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zudem durch den so genannten »Töddenhandel« (abgeleitet von Tödden, auch Tüötten oder Tiötten, Wanderhändler) befördert. Einigen Wanderhändlern gelang es, örtlich ansässig zu werden und einen stationären Leinenhandel zu begründen. Auch das Heuerlingswesen, d.h. die Anwerbung meist landloser Armer durch Bauern gegen Obdach und Gewährung eines kleines Stückchen Ackerlandes zur Selbstversorgung, spielt in der T.er Landwirtschaft ab dem 17. Jahrhundert eine größere Rolle, wohl auch in der von den Städtern getragenen Landwirtschaft.

Aus den Wachtgeldregistern, die um 1650 erstmalig angelegt wurden und bis ca. 1818 geführt wurden, geht die Aufteilung der Einwohnerschaft in acht Rotten (um 1650) bzw. neun Rotten (1727) hervor. Jedem Rott, 17 bis 32 Häuser umfassend (1693), stand ein Rottmeister vor, der für die Einhaltung der Ordnung sowie für die Hilfestellung in Notfällen in seinem jeweiligen Bereich sorgte. Von jedem Haushalt eines Rotts war ein jährliches Wachtgeld zur Entlohnung der Nachtwächter an die Stadt zu entrichten. Landesherrliche Amtsträger und Adelige waren von diesen Abgaben befreit, konnten aber freiwillig einen Beitrag leisten. Rottmeister und Nachtwächter standen unter Befehl des Stadtwachtmeisters (Stadtleutnants).

In T. wurde zweimal jährlich Markt abgehalten: Am 28. Oktober ein Viehmarkt und am 30. November ein Vieh- und Schweinemarkt. Am 18. Juli wurde ein Kirchweihfest begangen.

(3) Der Vorgängerbau der heutigen, 1562-1566 erbauten evangelischen Stadtkirche, wird erstmalig 1320 anlässlich einer Altarstiftung der Gf.in Beatrix von T. als »Georgskapelle« genannt. In der Stadtkirche befinden sich neben dem Grabdenkmal Konrads von T. (†1557) und dem Epitaph für seine Ehefrau Mechthild von Hessen (†1558) auch einige, teils im Nachhinein dorthin verlegte Grabstätten der gfl.en Familie und Mitglieder weiterer adeliger Familien.

Um 1176 soll eine Burgkapelle von Bischof Arnold von Osnabrück eingeweiht worden sein, deren genauer Standort sich nicht mehr lokalisieren lässt, aber sicherlich in irgendeiner Form in die Burg eingebunden war. 1209 wird erstmals ein Kaplan erwähnt. Ihr Patrozinium wird durch Bezeichnung als »Vituskapelle« erst 1443 durch die Stiftung von Kerzen durch einen Ministerialen greifbar. Die Erwähnung eines Hl. Kreuz-Altars ist für 1359, 1394 und 1454 gesichert. Die Kapelle diente als Grablege für Mitglieder der verschiedenen Zweige der gfl.en Familien T. und Bentheim sowie des bekannten Arztes und Kritikers der Hexenverfolgungen Dr. Johann Weyer. Aufgrund zunehmender Baufälligkeit wurde der protestantische Gottesdienst zu Beginn des 18. Jahrhunderts in die Stadtkirche verlegt. Im Rahmen der Schleifung der Burg ab 1744 wurde auch die Kapelle abgebrochen, ihre Glocke der Kapelle der Stiftskirche in Leeden übergeben.

Bedeutend war das von Otto I. und Mechthild 1240 gegründete Zisterzienserinnenkloster Leeden (sechs Kilometer östlich T.s), das von 1538 bis zu seiner Auflösung 1822 als freiweltliches adeliges Damenstift geführt wurde. Eine 1427 erfolgte Gutsübertragung Graf Ottos VII. von T. an die »Brüder vom gemeinsamen Leben« begünstigte in der Grafschaft T. die Gründung eines Kreuzherrenordens.

In der Reformation war T. wichtig, da der am Hof Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen erzogene Graf Konrad von T. (reg. 1534-1554) zu den führenden Mitgliedern des 1531 gegründeten Schmalkaldischen Bundes zählte und als einer der führenden reformatorischen Landesherren in Westfalen galt (u.a. 1535 Kauf der Güter des 1527 aufgelösten Klosters Schale). Schon vor Regierungsantritt förderte er die Reformation (mit Hilfe des Theologen Johannes Pollius zunächst 1527 in der Herrschaft Rheda), um die lutherische Lehre 1543 offiziell mit Kirchenordnung in der Grafschaft T. verpflichtend zu machen (Gültigkeit auch für die Landesteile Rheda und Lingen). 1546 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft im Schmalkaldischen Bund vom Kaiser mit der Reichsacht belegt, nach Untergang des Bundes musste er die Grafschaft Lingen an den Kaiser verpfänden und eine hohe Entschädigungssumme entrichten. Im Anschluss an Friedensverhandlungen 1548 erhielt Konrad von T. die Grafschaft T. als Reichslehen vom Kaiser zurück, die Grafschaft Lingen blieb hingegen verloren. Sein Enkel Arnold II. von Bentheim-T. (reg. 1562-1606) trat 1588 zum reformierten Glauben über und erließ sukzessive 1587/88 in seinen Territorien eine reformierte Kirchenordnung.

Zur Hebung der Bildung ließ Arnold II. von Bentheim-T. zudem eine Lateinschule sowie nach 1585 eine öffentliche Bibliothek einrichten. Nach seinem Tod organisierte sein Sohn Adolf die Verwaltung des Territoriums und berief u.a. 1609 eine Generalsynode in T. ein, 1619 wurde die Synodal- und Presbyterialverfassung eingeführt.

Aussagen zur landesherrlich geförderten Ansiedlung von Juden sind ab Ende des 17. Jahrhunderts möglich. 1701 lebten neun jüdische Familien in der Grafschaft T., neben T. selbst auch in Lengerich, Lienen und Westerkappeln, die Abgaben für Schutz und Geleit an die Landesherrschaft zu entrichten hatten. Nach dem Übergang der Grafschaften T. (1707) und Lingen (1702) an Preußen nahm die Zahl der jüdischen Bevölkerung zu.

(4) Beherrscht wurde das Stadtbild von der um 1100 von den Grafen von Zutphen errichteten Burg. Vor allem im 16. Jahrhundert wurde die Burg von den Grafen von Bentheim-T., insbesondere von der Regentin Gf.in Anna, zu Verteidigungszwecken stärker ausgebaut, zugleich jedoch auch den Bedürfnissen einer landesherrlichen Residenz angepasst. Nach Abtretung des Schlosses an das Haus Solms-Braunfels 1671 wurde die von dieser Familie verfolgten Pläne zur Renovierung wegen zu hoher Kosten aufgegeben und das Schloss dem Verfall preisgegeben, 1729 bis auf die Grundmauern und einzelne Gebäudeteile wie dem heute noch erhaltenen imposanten, noch unter den Grafen von Bentheim-T. 1657 errichteten Burgtor abgerissen. Auf letzterem befinden sich unter der Figur der Göttin Minerva die Allianzwappen des Erbauers, Moritz (auch Mauritz) von Bentheim-T. (reg. 1623-1674), und seiner Gemahlin Johanna Dorothea von Anhalt-Dessau sowie die Wappenschilde verwandter Familien wie Anhalt, Bentheim, Brandenburg, Hessen, Nassau, Neuenahr und Pfalz.

Über das Aussehen des vermutlich 1622/23 errichteten Rathauses verlautet nichts, schriftlich fassbar wird es erst mit einer Inventarliste von 1788, die das Mobiliar, die Stadtfahne, weitere Fahnen, Gemälde, Öfen und nicht zuletzt Schreibutensilien nennt.

Der Verfasser der ältesten Beschreibung der Grafschaft T. (1672), der Pfarrer Gerhard Arnold Rump (Rumpius), verweist auf die durch städtische Ausdehnung vermutlich bereits im 15. Jahrhundert erfolgte Aufteilung in eine alte und neue Stadt T. Unter Gf.in Anna von Bentheim-T. (1532-1582, als Regentin anstelle ihres Vaters und danach ihres unmündigen Sohnes 1557-1573) wurden nach 1562 Burg und Stadt T. baulich erheblich erweitert, zugleich die Kirche umgebaut. Der Bereich des heutigen Marktplatzes ließ die Regentin baulich verbessern, indem nicht nur der Marktplatz erhöht wurde, sondern z.B. auch in dessen Umfeld der Bau des Junkerhauses für den Drost Christoph von Tecklenburg (1569, später Meesenhof genannt, gelegen unmittelbar vor dem Burgberg, 1957 abgebrochen) und des Torhauses (1577, spätere Leinenlegge) erfolgte. Nach 1562 wurde der »Schlossweg«, die heutige Schloßstraße, als großzügiger Aufgang zum Schloss angelegt. Auf dem Marktplatz befand sich um 1672 ein öffentlicher Brunnen, in der gesamten Stadt gab es bis zum Ende des 19. Jahrhundert sechs öffentliche und 25 private Brunnen.

Hervorhebenswert ist das Haus Marck, ein Adelssitz vor den Toren der Stadt, das auf einem Vorgängerbau (Motte) der Herren von Horne, gräflich T.er Dienstleute, aus der Zeit um 1368 stammt. Das später im Stil der Weserrenaissance zum Wasserschloss umgebaute Haus Marck war 1645/46 u.a. Schauplatz von Vorverhandlungen des Westfälischen Friedens sowie auch Unterbringungsort für Diplomaten beider Parteien.

Stadt und Burg T. sind vor allem im 17. Jahrhundert Gegenstand bildlicher Darstellungen geworden. Am bekanntesten ist der von 1637 stammende Kupferstich mit der Ansicht von Schloss T. von Norden inklusive der Vorburg aus dem von Paul Fürst vorgenommenen Nachdruck von Daniel Meisners »Thesaurus philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein« (Nürnberg 1637) unter dem Titel »Sciographia Cosmica«, bei dem die Burg im Mittelpunkt steht und die Stadt nur als Ansammlung von Dächern wiedergegeben ist. Eine genauere Darstellung T.s auf einem Kupferstich von 1700 weist ein als »Amtsstube« bezeichnetes Gebäude im Vorgelände der Burganlage, bzw. am Übergang von der Stadt zur Burg auf, benennt zudem weitere Gebäude in der Stadt.

Ein kolorierter Grundriss von Stadt und Schloss T. (»Plan de la ville et du château de Tecklenburg«, 1720) befindet sich heute in der Kartensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Kart. X34-923).

(5) Die Stadt T. hatte in erster Linie als Sitz des Hofs und in der frühen Neuzeit der entstehenden Behörden (Einrichtung eines Hofgerichts und einer zentralen Verwaltung mit Kanzler und Räten durch Graf Adolf [reg. 1606-1623], der auch mehrere Ordnungen erließ, so 1612 ein Policeyedikt, 1613 eine Hofordnung sowie ebenfalls 1613 eine Landesgerichtsordnung; eine erste Gerichtsordnung hatte bereits Gf.in Anna 1564 [als Regentin 1557-1573] erlassen) Bedeutung für die Grafschaft T. Als bedeutendes Zentrum der Hausleinenindustrie war die Grafschaft T. auch über die Grenzen Westfalens hinaus bekannt, vor allem in der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert wurde Leinen exportiert. 1476 richteten die Regenten eine Münzstätte in T. ein, erste Münzprägungen sind jedoch erst ab 1566 unter der Regentin Anna nachgewiesen. Als Landstand organisiert war nur die Ritterschaft des Landes, die Stadt T. hatte daran keinen Anteil. Über eine Teilnahme an Stadtbündnissen verlautet nichts.

(6) Als Ort stach T. wenig hervor, er blieb mit nur wenigen Hundert Einwohnern klein, auch wenn er bis Mitte des 17. Jahrhunderts Stammsitz und Residenz der Grafen von T. war. Überörtliche Bedeutung zog T. aus seiner Funktion als Sitz des gfl.en Hofs, so 1226, als Graf Otto I. von T. dem als Mörder des Ebf.s Engelbert von Köln (†1225) gesuchten Friedrich von Altena-Isenberg auf der Burg Zuflucht gewährte, woraufhin die Bürger T.s, die Burgmänner sowie die Burgbewohner mit einem Bann belegt wurden. Aufmerksamkeit erhielt T. in der Reformationszeit, als Graf Konrad von T. eine der treibenden Kräfte im Schmalkaldischen Bund war.

Dass es eine enge Verflechtung zwischen Hof und Stadtgesellschaft gegeben haben muss, belegen die Verwerfungen nach der Übergabe eines Teils der Grafschaft T. und der Residenz an die Grafen von Solms-Braunfels aufgrund des Urteils des Reichskammergerichts: Neben Beschwerden des T.er Kanzlers Dr. Winkel über den desolaten Bauzustand des Schlosses lehnte es der Schlossprediger und Stadtpfarrer Dr. Giffenius ab, für den neuen Landesherrn zu beten, was ihn letztlich sein Amt kostete.

(7) Quellen zur Stadtgeschichte, vornehmlich ab dem 17. Jahrhundert, befinden sich im Stadtarchiv Tecklenburg. Für die Erforschung der Grafschaft Tecklenburg und des gleichnamigen Adelsgeschlechts bis hin zum Fürstenhaus Bentheim-Tecklenburg kann das Fürstliche Archiv Rheda, betreut vom LWL-Archivamt für Westfalen in Münster, ebenso konsultiert werden wie das Fürstliche Archiv Solms-Braunfels. Aufgrund der gemeinsamen genealogischen Herkunft sind größere Überschneidungen bei der Überlieferung im Fürstlichen Archiv Burgsteinfurt der Fürsten von Bentheim-Steinfurt möglich. Weitere Archivalien zur Geschichte von Stadt, Territorium und Adelsgeschlecht befinden sich auch im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster.

Der Kupferstich von 1700 befindet sich im Bestand des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster.

Holsche, August Karl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung der Grafschaft Tecklenburg, Berlin, Frankfurt a.M. 1788 [ND Osnabrück 1975]. - Meese, Friedrich: Historisch-geographische Nachrichten die Grafschaft Tecklenburg betreffend, in: Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik (1791) H. 8, S. 319-331. - Reininghaus, Wilfried: Territorialarchive von Minden, Ravensberg, Tecklenburg, Lingen und Herford, Münster 2000 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe A: Inventare, 5). - Schröder, Sebastian: Tecklenburg um 1750, hg. von der Forschungsgemeinschaft zur Geschichte des Nordmünsterlandes e.V., Lage 2019 (Nordmünsterland-Studien, 1).

(8)Esselen, Moritz Friedrich: Geschichte der Grafschaft Tecklenburg, Schwerte a.d. Ruhr 1877. - Tecklenburg. Kirche, Gemeinde, Stadt in Vergangenheit und Gegenwart 1566 bis 1966, Lengerich i.W. 1966. - Hunsche, Friedrich Ernst: Tecklenburg 1226-1976, Tecklenburg 1976. - Rickelmann, Hubert: Die Tüötten in ihrem Handel und Wandel. Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial- und Familiengeschichte in der ehemaligen Obergrafschaft Lingen, der Grafschaft Tecklenburg und der benachbarten Gegenden, Paderborn 21976. - Schaub, Hermann: Die Herrschaft Rheda und ihre Residenzstadt. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reichs, Bielefeld 2006 (Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh, 10). - Remling, Ludwig, Schenk, Tobias: Die Juden in den Grafschaften Tecklenburg und Lingen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Westfalen und Lippe, hg. von Susanne Freund, Franz-Josef Jakobi und Peter Johanek, Bd. 4, Münster 2008 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Band 2), S. 127-139. - Marra, Stephanie: Grafen von Tecklenburg, in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Grafen und Herren, hg. von Werner Paravicini, Bd. 2, Ostfildern 2012 (Residenzenforschung, 15, IV, 2), S. 1480-1488. - Tecklenburg im Mittelalter, hg. vom Geschichts- und Heimatverein Tecklenburg 1922 e.V., Tecklenburg 22013. - Spannhoff, Christof: Kleine Geschichte der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg, Norderstedt 2017. - 500 Jahre Reformation im Tecklenburger Land, hg. vom Geschichts- und Heimatverein Tecklenburg 1922 e.V., Tecklenburg 2018. - Lebkücher, Florian: Die Grafschaft Tecklenburg und die Justizreform von 1613, Münster 2019 (Westfalen in der Vormoderne, 31).

Stephanie Marra