(1) S. liegt im Thüringer Schiefergebirge an der Saale, die an dieser Stelle von einer Handelsstraße von Nürnberg nach Leipzig gekreuzt wurde. Um 1204 kamen die Herren von Lobdeburg in den Besitz des Gebiets der oberen Saale. Sie errichteten vor 1216 auf einem Bergsporn eine Burg, die zur Keimzelle der späteren Stadt wurde. Von S. aus herrschte Hartmann IV. von Lobdeburg-S. († um 1243) über ein größeres Gebiet, das u. a. auch Schleiz umfasste. Vermutlich wegen seiner Beteiligung am Aufstand Heinrichs (VII.) gegen Kaiser Friedrich II. verlor er seine Herrschaft, die 1240 Landgraf Heinrich Raspe im Auftrag des Ks.s verwaltete. Die Besitzgeschichte der Jahrzehnte bis 1316 ist nicht geklärt. Spätestens 1316 bis 1550 befand sich S. sicher in der Hand der Vögte von Gera. 1550 kamen die Burggrafen von Meißen aus dem Hause Plauen in den Besitz S.s, nach deren Aussterben 1589 ging S. an die Reußen über. In der reußischen Landesteilung von 1596 fiel die Stadt Heinrich Posthumus aus der jüngeren Linie zu, der 1611 und 1612 in S. Hof hielt. 1647 teilten seine Nachkommen das Erbe auf und schufen neben Gera, Schleiz und Lobenstein eine vierte Herrschaft S. Per Losentscheid fiel diese dem achtjährigen Heinrich I. zu, der 1661 persönlich die Herrschaft antrat. 1666 übernahm er die prestigeträchtigere Herrschaft des verstorbenen Heinrichs IX. zu Schleiz, woraufhin die Herrschaft S. zerschlagen wurde. Die nunmehrige Pflege S. fiel an die Herrschaft Gera, wo sie bis 1848 verblieb. Die Geraer Herren Heinrich XXV. (1681–1748) und Heinrich XXX. (1727–1802) nutzten S. als Nebenresidenz.
Als Residenzstadt 1647–1666 wurde in S. ein Justizamt angesiedelt (bis 1861 bestehend) und ein Ephoralamt (Mittelinstanz der Kirchenaufsicht) mit dem S.er Oberpfarrer als Inspektor (1653 in Superintendent umbenannt). 1659–1832 gab es einen zweiten Diakon für die Kirchenaufsicht. Ein Amtsschösser verwaltete die herrschaftlichen Finanzen. Die weitere Ansiedlung von Behörden in S. unterblieb weitgehend, weil es eine gemeinschaftliche Verwaltung der Herrschaften Reuß j. L. in Gera gab, die für Militär, Bergwerke, Verkehr usw. zuständig war. Eine Ausnahme bildete der S.er Brückenverwalter. Die von ihm getätigten Einnahmen des Fährverkehrs für die 1638 zerstörte und erst 1670 wieder errichtete Saalebrücke flossen 1647–1666 direkt der Herrschaft S. zu.
(2) Die Stadt S. bestand aus mehreren Teilen, nämlich 1. der ummauerten Oberstadt auf dem Stadtberg mit breiter Marktstraße, zwei Nebenstraßen und Kirchplatz, 2. einer kleinen Siedlung im Saaletal, 3. dem anderthalb Kilometer nördlich gelegenen Kloster zum Hl. Kreuz, das 1534 als Vorstadt bezeichnet wurde, und 4. den Mühlen und Hammerwerken im Tal der Saale. Die vollen Bürgerrechte besaßen nur die Haushaltsvorstände der Oberstadt. Die Siedlungsteile im Saaletal wichen 1926–1932 dem Bleilochstausee.
Die Siedlung wurde im 13. Jahrhundert planmäßig angelegt. 1313 erscheint S. als oppidum (1320 civitas). Ein erstes Stadtrecht ist nur durch die Erwähnung in den Satzungen von Zeulenroda (1438) bekannt. 1495, 1590 und 1667 wurden die Statuten erneuert. Nach der Zerstörung des Schlosses im Vogtländischen Krieg (1354–1357) erhielt die Oberstadt eine teilweise doppelt geführte Umfassungsmauer (erwähnt 1367) mit zwei Toren, die von mindestens drei Burggütern aus versorgt wurde.
Der Stadtrat, dem ein Bürgermeister (Ersterwähnung 1408) vorstand, hatte die niedere Gerichtsbarkeit über den Ort inne. Die obere Gerichtsbarkeit unterstand dem Landesherrn, der sich durch einen Richter (1318 iudex), später durch einen Amtmann vertreten ließ, der weite Kompetenzen hatte, auch hinsichtlich der Kirchen- und Schulaufsicht. Dem Rat zur Seite stand ein Stadtschreiber, der bis zur Reformation gleichzeitig Schulmeister war. 1396 sind vier Vorsteher der Geschworenen der Stadt nachgewiesen.
1456 gestattete Heinrich IX. von Gera die Bildung einer Zunft der Schneider und Schuster. In der Zeit als Sitz einer Residenz 1647–1666 erfuhr das Handwerk Auftrieb, wie die verabschiedeten Innungsstatuten der Zimmerer (1652), Schneider (1652), Schlosser, Wagner und Schmiede (1660) sowie der Zuzug auswärtiger Handwerker nahelegen. Ein wichtiges Gewerbe war die Saaleflößerei, daneben waren der Bergbau von Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Blei sowie die Verhüttungsindustrie bedeutend.
1609 bekam S. einen Wochen- und Viehmarkt. Darüber hinaus gab es einen Jahr- und Pfingstmarkt, die zu einem unbekannten Zeitpunkt eingingen. 1665 wurden sie von Heinrich I. wiedereingeführt, zusätzlich schuf er je einen neuen Jahr- und Viehmarkt, für die die Stadt Geleit zu stellen hatte, zugleich auch Zoll einnehmen durfte.
Vor 1586 sollen innerhalb der Stadtmauer 76 Häuser gestanden haben, außerhalb 15 (verteilt auf die drei Stadtteile, u. a. neun beim Kloster), was auf etwas über 400, höchstens 800 Einwohner schließen lässt. 1803 lebten in der Stadt 750, im Kloster 29 und in den Hämmern und Mühlen 42 Personen. Die Bürger waren dem Landesherrn zu Jagddienstleistungen verpflichtet (erwähnt 1495, 1647).
(3) Die 1311 erstmals erwähne Stadtkirche Beatae Mariae Virginis geht auf eine Gründung der Lobdeburger zurück. Das Patronatsrecht übertrugen die Vögte von Gera 1325 dem Kloster zum Hl. Kreuz. Vor der Reformation existierten zwei geistliche Lehen, der Marienaltar im Glockenturm verfügte über ein Altar-Lehn (1506). Anfang des 15. Jahrhunderts bildete sich eine Bruderschaft zum Heiligen Wahren Leichnam. Heinrich I. machte die Kirche zur Grablege für seine Familie und stiftete 1665 einen Altar. Aus dieser Zeit stammen die heute noch vorhandene Innenausstattung der Kirche sowie die Kirchenbibliothek.
Außerhalb der Stadtmauern befand sich auf dem St. Ägitiberg, einem Felsen im Saaletal, die Ägidienkapelle (nach der Reformation aufgegeben). Auch sie unterstand dem Kloster.
Das Zisterzienserinnenkloster zum Hl. Kreuz wurde Anfang des 14. Jahrhunderts von den Vögten von Gera gestiftet (1325 bestätigt) und umfangreich ausgestattet. Besetzt wurde es mit unverheirateten Töchtern des niederen Adels. Trotz der Entwicklung einer Wallfahrt konnte ein wirtschaftlicher Verfall im ausgehenden 15. Jahrhundert nicht verhindert werden. In der Reformation, die in S. 1533/34 auf Initiative der Kurfürsten von Sachsen eingeführt wurde, wurde das Kloster 1544 aufgelöst, Grund und Boden fielen an den Landesherrn, zu erzielende Zinseinnahmen gingen an den städtischen Kirchkasten zur Unterstützung der Pfarr- und Lehrstellen und für S.er Studierende. Die Klostergebäude wurden 1567 an S.er Bürger verkauft.
(4) Die Burg der Lobdeburger hatte einen imposanten Palas (Grundriss 11 × 33 Meter) sowie einen 37 Meter hohen Bergfried (1913 eingestürzt), dessen das Stadtbild beherrschende Stellung sich im Stadtsiegel von 1387 niederschlug. Ein Wappenstein mit dem Alianzwappen »Gera 1532 – Beichlingen 1532« bezeugt den Schlossneubau als Sitz der Anna von Beichlingen († 1571), der Gattin Heinrichs XIV. von Gera (1471–1538). Er hatte ihr S. 1515 als Leibgedinge vermacht. 1722 brannte das Schloss zu weiten Teilen ab, woraufhin der Landesherr Heinrich XXV. von Reuß-Gera ein Stadtpalais direkt neben dem Rathaus errichtete. Das Stadtpalais wurde 1802 an bürgerliche Hände verkauft (1886 abgebrannt). Auf den Resten des alten Schlosses wurde im 19. Jahrhundert die Oberförsterei errichtet.
Im Südwesten der Stadt schloss sich an das untere Stadttor das burgähnliche Amtshaus als Sitz des herrschaftlichen Richters bzw. Amtmannes an (1869 umgebaut). Weitere herrschaftliche Liegenschaften waren der als Tummelhaus bezeichnete Marstall und das Dobenecksche Rittervorwerk (vormals zur Burg gehörig). Zudem gab es einen zum Schloss gehörenden Garten außerhalb der Stadtmauern.
Das Rathaus steht bereits im Spätmittelalter an der breitesten Stelle des Marktplatzes. Nach dem Stadtbrand von 1722 finanzierte der Landesherr Heinrich XXV. von Reuß-Gera dessen Neuaufbau.
Die älteste Stadtansicht ist eine Federzeichnung von J.C. Klotz aus dem Jahr 1782, in der Bergfried, Kirche und Rathaus markant herausgehoben werden. Ungenauer ist eine einem J. C. Müller zugeschriebene Radierung von 1785 oder 1786 (beide im Stadtmuseum Gera überliefert und als Digitalisat im Internet unter www.museen.thueringen.de, letztere zusätzlich in Lehfeld, Kunstdenkmäler, [siehe unter (8)], S. 33).
Einzüge und Herrscherempfänge sind gering belegt. Angaben liegen zur Huldigung Heinrichs I. 1661 vor, die in S. stattfand, und zu der neben dem S.er Rat auch der von Tanna, die Ritterschaft, Pfarrer, Schuldiener sowie die Amtsuntertanen der Herrschaft versammelt waren. S. steuerte zwölf Eimer Bier und 23 Kannen Wein bei.
(5) Zentralort war S. mit Ausnahme der Residenzperiode allein für die zugehörige Pflege. Im Umland verfügte die Stadt kaum über Einkünfte. Das Kloster zum Hl. Kreuz kam hingegen auf ansehnlichen Grundbesitz (1325 40 Höfe und 13 Dörfer). Durch Schenkungen des niederen Adels wurde dieser in der Folgezeit ausgeweitet, was das Kloster in die Lage versetzte, Kredite zu gewähren, u. a. dem Landesherrn (belegt 1362 und 1544). Im Zuge der Reformation wurden die Zinseinnahmen der Stadtkirche und -schule zugewiesen. In der Landesteilung von 1596 wurde ein Drittel der Klostergüter, die bisher zum Amt S. gehörten, der Stadt übereignet.
(6) Als Residenzstadt ist S. im 13. Jahrhundert unter Hartmann von Lobdeburg und im 17. Jahrhundert unter Heinrich I. Reuß j. L. (1647–1666) anzusprechen. Unter ihnen erlebte S. jeweils einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ansonsten zeigten die Landesherren wenig Interesse an S. Zumeist traten sie als Schlichter auf, so 1333 im Streit zwischen der Stadt und den Kloster Hl. Kreuz um die Ausdehnung des Klosterbesitzes und vor allem in dem mehrere Jahrhunderte währenden Streit S.s mit den umliegenden Dörfern um die Braurechte. Stets reagierten die Landesherren auf Gesuche, sie handelten nicht initiativ. Auch der Verkauf der Klostergebäude 1567 geschah auf Anfrage S.er Bürger. In der Zeit als Nebenresidenz der Geraer Herren Heinrich XXV. (1681–1748) und Heinrich XXX. (1727–1802) wurde von ihnen 1723 der Rathausneubau finanziert, zudem errichteten sie das Stadtpalais.
(7) Quellen über die Geschichte Saalburgs im Spätmittelalter existieren aufgrund eines Stadtbrands von 1586 und des Verlusts des Klosterarchivs 1945 kaum. Die Überlieferung des Stadtarchivs setzt im 1495 ein. Das Pfarrarchiv verfügt über Urkundenabschriften zur Kirchengeschichte sowie über Baupläne für Schloss und Stadtschloss. Akten zur Herrschaft Saalburg 1647–1666 blieben im Restbestand des Hausarchivs Schleiz, der heute im Thüringischen Staatsarchiv Greiz aufbewahrt wird, erhalten.
Urkundenbuch der Vögte (1885–1892). – Meyer, Heinrich: Das Saalburger Memorienbuch, in: Kirchliches Jahrbuch für Sachsen-Altenburg u. Reuß jüngere Linie (1903) S. 64–69. – Jauernig, Reinhold: Die Einführung der Reformation in den Reußischen Landen, Gotha 1933.
(8)Lehfeld, Paul: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft 12, Jena 1891. – Ronneberger, Werner: Das Zisterzienser-Nonnenkloster zum Heiligen Kreuz bei Saalburg a. d. Saale, Jena 1932. – Hermann, Frank: Saalburg. Festschrift zur 775-Jahrfeier 1997, Saalburg 1997. – Löffler, Reußische Residenzen (2000), S. 366–380. – Tannhäuser, Christian: Wysburg und Saalburg – zwei spätmittelalterliche Kleinburgen am oberen Saalelauf im östlichen Thüringer Schiefergebirge, Diss. Jena 2016.