(1) E., Burg und Dorf/Stadt im Rheingau, am Mittelrhein und in der Nähe der Überfahrt über den Rhein bei Niederwalluf gelegen, gehörte durch königliche Schenkung wohl schon im 7./8. Jahrhundert zur Grundherrschaft der Mainzer Erzbischöfe Im Rheingau gewannen die Erzbischöfe 983 Zwing und Bann, komplettiert im frühen 12. Jahrhundert durch landesherrliche Rechte. Die Rheingft., seit dem 12. Jahrhundert Lehen der Mainzer Erzbischöfe, konnten sie um 1280 an sich binden und in ihre territoriale Amtsorganisation einbeziehen. Auf dem Burgareal bei der Siedlung ließ der Provisor des Mainzer Ebm.s, der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg, während der Mainzer Stiftsfehde (1328-1337) ab etwa 1330 einen Neubau errichten. Die Burg wurde, umgeben von Burgmannensitzen und flankiert von den benachbarten erzstiftischen Burgen Scharfenstein und Frauenstein, in die Ringmauer der 1332 mit Stadtrechten ausgestatteten Dorfgemeinde integriert. Residenzfunktionen besaßen Burg und Stadt E. nach ihrer Vollendung 1344/45 unter Erzbischof Heinrich von Virneburg (reg. (1328/37-1346/53) und seinem neuerlichen Gegner im Machtkampf um das Erzstift und Nachfolger, Gerlach von Nassau (reg. 1346-1371). Mit 727 Urkundenausfertigungen in dieser Zeit wandelte sich E. zur »Hauptresidenz« (Bünz 2003), zugleich besaß E. die Funktion einer »Gegenresidenz« (Gerlich 1988) zur Kathedralstadt Mainz, deren Gemeinde sich der unmittelbaren ebf.en Stadtherrschaft entzog. Nach der gewaltsamen Einnahme von Mainz durch Erzbischof Adolf II. von Nassau 1462 und dem Bau der dortigen Martinsburg ab 1478 hatte E. nur noch die Aufgabe einer wichtigen Nebenresidenz. In der frühen Neuzeit überflügelte Aschaffenburg E. an Bedeutung. E. blieben als herrschaftliche Zentralfunktionen der Oberhof der Ortsgerichte im Rheingau (1324-1534) als Mittelinstanz und der Verwaltungssitz des Vitztums im Rheingau (vom 15. Jahrhundert bis 1803), ergänzt 1438 durch die Rheingauer Landschreiberei und das Oberamt E. 1770 wurde das Oberamt zur Amtsschultheißerei E. umgruppiert.
(2) Mitten in der Mainzer Stiftsfehde, kurz nach Baubeginn der Burg, ließ der Provisor der Mainzer Kirche, Erzbischof Balduin von Luxemburg, 1332 dem Ort E. (zusammen mit Gau-Algesheim) von Kaiser Ludwig dem Bayern das Befestigungsrecht, das Recht der Stadt Frankfurt und einen Wochenmarkt verleihen. 1346 erteilte Erzbischof Heinrich von Virneburg der Stadt erneut ein Wochenmarktprivileg. E. blieb bis ins 19. Jahrhundert die einzige Stadt im Rheingau. Die sich im 14. Jahrhundert ausbildenden städtischen Freiheiten der rheingauischen Dörfer mit entsprechenden Bürgerrechten wurden in der frühen Neuzeit durch das Mainzer Erzstift weitgehend beseitigt. E. stand um 1525 mit 263 Haushalten (ca. 1100-1200 Einwohner) an der Grenze zu einer ansehnlichen Kleinstadt. Die Bevölkerungsverluste infolge des Dreißigjährigen Krieges konnten erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder ausgeglichen werden (1770 1117 Einwohner). In der Dorfgemeinde E. stand seit Ende des 12. Jahrhunderts der auf Vorschlag der Gemeindegenossen vom Mainzer Erzstift bestätigte Schultheiß an der Spitze eines zuerst 1227 bezeugten Gerichts aus 14 Schöffen, dessen Gerichtsbezirk noch die Nachbardörfer Ober- und Niederwalluf sowie Neuendorf umfasste. Anfangs des 13. Jahrhunderts gelang es der Gemeinde, das mit den Finanzen betraute Amt des Heimbürgen zu installieren. Mit der Ergänzung des Schöffenkollegs durch den Rat, wurde die Funktion, nachweisbar 1358, durch einen Schöffen- und Ratsbürgermeister ersetzt. Die Zahl der Geschworenen im Rat regulierte 1407 die ebf.e Gemeindeordnung auf zwölf. Die weitgehende Selbstverwaltung E.s wurde nach den Konflikten im Bauernkrieg in der Landesordnung von 1527 beschnitten. Die Mitglieder von Gericht und Rat ernannte und bestätigte fortan die ebf.e Administration, das Stadtgericht verlor wie alle Rheingauer Ortsgerichte seine Kompetenz in Strafsachen. Die verbliebenen Selbstverwaltungsrechte beseitigte die kurfürstliche Obrigkeit 1770. Den Rat ersetzte man zugunsten eines der Amtskellerei E. unterstehenden Gremiums aus dem Schultheißen und zwei Geschworenen sowie einem für die Finanzverwaltung zuständigen Bürgermeister.
Die bürgerlichen Ökonomien in E. ruhten größtenteils auf Weinbau und -handel. E. war eine Winzerstadt und verfügte über einen herrschaftlichen Kran am Rheinufer. Nach dem Urbar des Vitztums von 1390 sorgten Weinmärkte in E. und anderen Orten im Rheingau für den Absatz des Weins. Das Handwerk, organisiert in vier Zünften, entsprach dem alltäglichen Bedarf einer kleinen Stadt und den speziellen Anforderungen der Weinwirtschaft (1699: Bäcker, Gastwirte, Schmiede, Schlosser, Fassbinder und Branntweinbrauer). Luxusgewerbe für die Bedürfnisse der Residenz ist in Rechnungen des 15. Jahrhunderts bezeugt: Der Hof der Grafen von Katzenelnbogen in St. Goar und die ebf.-mainzische Burg Oberlahnstein bezogen aus E. Stickseide und Goldfäden für die Herstellung von Kleidern. Ein Büchsenmeister hatte in dieser Zeit seine Werkstatt in E. Kurzzeitig arbeiteten die Brüder Bechtermünz aus Mainz mit einer Druckoffizin in E. (1467-1476). Aufenthalte Johannes Gutenbergs in E. sind nicht sicher bezeugt. Versuche, den im Dreißigjährigen Krieg verschwundenen Wochenmarkt wiederzubeleben, scheiterten 1650 und 1693/94 im Gegensatz zur Wiederbelebung der drei Jahrmärkte in E. an Widerständen aus Bingen und Mainz. Marktschiffe, die auf der Strecke Mainz-Bingen u.a. auch in E. anlegten, stellten zuvor die Verbindung von Personen und Waren zwischen den Marktorten sicher. Erst Ende des 18. Jahrhunderts konnten wieder Viktualienmärkte abgehalten werden.
(3) Die seit dem 10. Jahrhundert bezeugte Pfarrkirche St. Peter und Paul, kirchlich dem Archidiakonat des Propstes des Mainzer Moritzstifts, Landkapitel Rheingau, unterstehend und besitzrechtlich dem Mainzer Petersstift zugeordnet, wurde 1438 dem Stift auch inkorporiert. Die Pfarre war ursprünglich Mittelpunkt eines großen Kirchspiels, dessen Orte sich vom 11. Jahrhundert an verselbständigten. Die reformatorische Bewegung erfasste E., motiviert durch die 31 Mainzer Artikel, im April 1525. Von allen Rheingauer Gemeinden wurden 29 bzw. 31 Artikel verabschiedet mit Forderungen nach freier Predigerwahl, Steuerpflicht der Kirchengüter, u.a. Am 12. Juli mussten sich E. und die Rheingauer Gemeinden dem Aufgebot des Schwäbischen Bundes unterwerfen. E. blieb altgläubig-katholisch.
Im 14./15. Jahrhundert erfolgte an der Stelle älterer Vorgängerbauten der Neubau der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die asymmetrische zweischiffige Hallenkirche mit zweijöchigem Chor und imposantem Westturm besitzt noch Teile seiner beachtenswerten Ausstattung (u.a. Wandmalereien des 15./16. Jh.s). Der Chor entstand unter Erzbischof Gerlach von Nassau (reg. 1346-1371). Anschließend wurde wohl unter Erzbischof Adolf I. (reg. 1373-1390) bzw. Erzbischof Johann II. (reg. 1397-1419) von Nassau das Langhaus und das Turmuntergeschoss ausgeführt. Unter Erzbischof Konrad III. von Dhaun (reg. 1419-1434) fand der Ausbau des Turms statt. Der gotische Spitzhelm des Ende des 15. Jahrhunderts vollendeten Turms wurde 1686 durch eine barocke Haube ersetzt. Wie die reiche Heraldik an Architektur und Ausstattung bezeugt, wurde das Mainzer Petersstift beim Bau von Ebf.en, Domstift, Adel und Stadt unterstützt. So finden sich an den Gewölbeschlusssteinen des Chors und der Schiffe u.a. die Wappen von Kurmainz und verschiedener Nassauer Erzbischöfe, der Adelsfamilien Zum Jungen und Fürstenberg sowie der Stadt (kreuzverbundenes Doppelrad und Schlüssel). Der Chorbogen ist mit neun Wappen von Erzbischof Johann II. von Nassau, seiner Verwandten und politischen Unterstützer bemalt (um 1400). Nassauer Wappen sind zudem auf dem Sakramentshaus (um 1400) sowie in einer Glasscheibe der Marienkapelle (zweite Hälfte 14. Jh.) zu sehen. Das Westportal trägt hingegen das Wappen von Erzbischof Konrad III., während der Gewölbeschlussstein der Turmhalle mit dem Stadtwappen geziert ist. Der von der Gemeinde finanzierte Turm lässt mit seinen repräsentativen Schauseiten zur Stadt und zum Rhein Einflüsse der Frankfurter Bauhütte des Madern Gerthener erkennen. Die Durchgänge der Turmhalle sowie die Außenkanzel über dem Westportal stehen wahrscheinlich in Verbindung mit den Wallfahrten zur Heiligen Hostie, die Erzbischof Johann II. 1402, auch zur Förderung des Kirchenbaus, nach E. überführen ließ. Im Jahr 1614 besaß die Pfarrkirche einen Haupt- und sechs Nebenaltäre.
Eine Marienbruderschaft wurde 1492 gestiftet. Nach der Pest von 1666 bildete sich eine Bruderschaft des Hl. Sebastian als neuem Stadtpatron. Im 18. Jahrhundert existierten zwei weitere Bruderschaften. Ferner bestand eine Beginenniederlassung. Wie die erhaltenen Grabdenkmäler belegen, diente die Pfarrkirche vor allem als Begräbnisstätte des Adels und der Geistlichkeit. Auf dem Kirchhof stehen noch drei (Grab-)Kapellen des 18./19. Jahrhunderts, wobei die »Schmidtburg-Kapelle« 1717 eventuell anstelle der Michaelskapelle mit Beinhaus erbaut wurde.
Im Umfeld der Pfarrkirche lagen verschiedene geistliche Einrichtungen und Wohnhäuser. Überliefert sind u.a. die Frühmesserei (um 1500), die Kaplanei, in der im 16. Jahrhundert die »Gemeine Schule« eingerichtet wurde, sowie Teile des Pfarrhofs (18. Jh.). Der Sitz des Vizedoms Georg von Bicken (16. Jh.) sowie die beiden Mainzer Stiftshäuser von St. Victor (1718) und St. Peter (1719) westlich der Kirche wurden später sukzessive in den Eltzer Hof integriert (siehe [4]). Entlang des Domherrengässchen befanden sich mitunter die Domherrenkurien. Nördlich davon entstand wohl im 16. Jahrhundert ein schon 1434 erwähnter Hof des Mainzer Domkapitels. Über den Stadtraum verteilt finden sich zudem als bürgerliche und adelige Stiftungen verschiedene Heiligen-Skulpturen. Ein für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts bezeugtes Hospital ließ der Rat 1476/77 am Rhein, vor der Stadtmauer beim Sebastiansturm, neu errichten und mit dem Stadtwappen versehen (1889 abgebrochen). Nordwestlich davon lag der »Cappell Hoff« mit der Nikolauskapelle (1313 geweiht, 1434 erweitert, 1855 abgebrochen), deren Patronat 1433 aus ›privater‹ Hand auf den Rat überging.
Juden sind in E. aus der Zeit vor 1331 bis zum Pogrom 1349, danach wenige, darunter ein Arzt und Rabbiner, von 1354 an bis um 1495 mit Schutzbriefen der Mainzer Erzbischöfe bezeugt. Zwischen 1517 und 1603 sind keine Juden in E. belegt. Nach ihrer Wiederansiedlung wohnten dort bis zum Ende des 18. Jahrhunderts höchstens zwei bis vier jüdische Familien.
(4) Der Siedlungskern ist zwischen Kiedrich- und Sülzbach zu lokalisieren. Eine Ummauerung der Siedlung wird 1313 erwähnt. Wegweisend für die bauliche Entwicklung des Ortes waren die Baumaßnahmen Balduins von Luxemburg sowie seines Widersachers und Nachfolgers Heinrich von Virneburg. In diesem Zuge erhielt die Siedlung ab etwa 1330 einen neuen Mauerring mit vier Haupttoren, zwei Pforten und mehreren Türmen. Am Martinstor findet sich rheinseitig das Wappen Heinrichs von Virneburg. Die in Resten nachvollziehbare Befestigung umschließt einen langestrecken Stadtraum, der durch die parallel zum Rhein verlaufende Durchgangsstraße (Rheingauer Straße) sowie die davon abzweigenden, zum Flussufer hin orientierten Nebenstraßen gegliedert ist. Der Markt liegt südlich der Hauptstraße. Nördlich und westlich des Marktes befanden sich vorrangig die dicht bebauten Handwerkerviertel. Südöstlich des Marktes steht die Pfarrkirche, umgeben vom alten Friedhof sowie den ehemaligen geistlichen Einrichtungen und Wohnhäusern (siehe [3]). An der Südostecke der Altstadt erhebt sich die Burganlage. Das Stadtbild ist besonders durch die markanten Türme der Kirche und der Burg sowie einige stattliche Adelshöfe geprägt. Zahlreiche Bauten des 14. bis 18. Jahrhunderts, teils mit historischer Ausstattung, sind erhalten.
Die viereckige Burganlage wurde zeitgleich mit der Stadtbefestigung, vermutlich an der Stelle des 1301 im Zollkrieg zerstörten ebf.en Hofs, direkt am Rheinufer errichtet. Der Bau wurde um 1330 von Balduin von Luxemburg begonnen, von Heinrich von Virneburg etwa 1345 vollendet und bis ins frühe 16. Jahrhundert weiter als ebf.e Residenz aus- und umgestaltet. Der mächtige, um 1340 entstandene Wohnturm, der zur Flussseite das Wappen Bertholds von Henneberg (reg. 1484-1504) zeigt, besitzt noch Teile seiner repräsentativen Raumfassungen (bes. in der »Grafenkammer«). Nach Zerstörung der Burg 1635 erfolgten zwischen etwa 1660 und 1683 umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen. Dabei ließ man u.a. den Ostflügel in veränderter Form neu aufbauen sowie den West- und Südflügel (Palas) abbrechen. Neben einem großen Zwinger am Rheinufer und dem inzwischen verfüllten (Stadt-)Graben an der Ostflanke besitzt die Burg noch heute an der Nord- und Westseite zur Stadt hin tiefe, gemauerte Gräben und Zwinger. Durch das Haupttor im Norden gelangt man über eine Brücke zum vormaligen Burghof, wo sich wohl einst auch die Wirtschaftsgebäude befanden. Vom Burghof führen die Burgstraße nach Norden direkt zur Hauptstraße und die Burghofstraße nach Westen in Richtung Pfarrkirche und Marktplatz.
Rund um die Burg gruppierten sich mehrere Adels- bzw. Freihöfe, deren Besitzer vorwiegend dem Rheingauer Adel oder dem Mainzer Patriziat entstammten. 1480 werden neun Häuser mit Hofreite genannt. Von den heute noch vorhandenen Anwesen des 16. bis 18. Jahrhunderts, die sich teilweise aus verschiedenen Einzelhöfen entwickelten, sind besonders der Hof Langwerth von Simmern (mit Stockheimer Hof [um 1500] und Lichtensternschem Hof [1669]), der Eltzer Hof (mit Bickenschem Hof [16. Jh.] und Kavaliershaus [um 1600], Teilen des Martinshofs [18. Jh.] und Stiftshäusern [1718/19]), der Bechtermünz-Hof (16. Jh.) und der Gensfleisch-Hof (1681) zu nennen. Der älteste, im Kern ins 11. Jahrhundert datierende Adelshof (später Burg Crass) steht außerhalb der Stadtmauer, am Freigässchen östlich der Burg.
Das früheste erhaltene Rathaus befindet sich westlich des Marktplatzes an einer platzartigen Kreuzung mehrerer Gassen. Das um 1513 als Eckhaus über unregelmäßigem Grundriss errichtete Gebäude besitzt ein massives Erdgeschoss und ein im späten 16. Jahrhundert neu aufgesetztes Obergeschoss aus Fachwerk. Im Erdgeschoss sind Reste von Malerei des 16. Jahrhunderts erhalten. Gegenüber dem Rathaus steht das »Haus Breitenstein« (16./17. Jh.), benannt nach einem Findling einer alten Gerichtsstätte. Ein Gerichtshaus wird 1454 erwähnt. In direkter Nähe zum Rathaus steht die 1512 erwähnte »Gemeine Badstube«, und das um 1508 erbaute »Gemeine Backhaus«. Ferner werden seit dem 16. Jahrhundert eine Reihe von Gasthäusern genannt (13 im Jahr 1773). Erwähnenswert ist der 1739 am Rheinufer errichtete und repräsentativ ausgestaltete Gasthof »Zur güldenen Rose«.
Eine frühe Ansicht E.s von Süden zeigt die Karte von Ulrich Peltzer (1573). Ansichten von Norden stammen von Wilhelm Dilich (1605) und Matthäus Merian (1646). Um 1636 fertigte Wenzel Hollar zwei Ansichten vom Rhein aus. Die Gemarkung E. ist erfasst in einem Plan von Andreas Trauttner (1751). Anschaulich ist zudem ein Kupferstich von Johann Christian Ziegler (1792).
(5) Das Gericht der Residenzstadt E. nahm, erweitert um den Vitztum und zwei adlige Funktionsträger Oberhoffunktionen für den Rheingau und einige Dörfer links des Rheins wahr (bis 1770, danach die Amtsvogteien Erbach und Geisenheim). 1349-1365 gab es eine erzstiftische Münzstätte.
(6) E. war schon vor der Verleihung der Stadtfreiheiten Zentralort des Rheingaus, das große Kirchspiel, die Größe des Dorfes und die seit 1313 bezeugte Stadtbefestigung begünstigten dies. Die zeitweilige Verlegung der Residenz der Mainzer Erzbischöfe im 14. und 15. Jahrhundert bedingte einen Aufschwung E.s als kleine Residenzstadt. Sie erhielt eine städtische Verfasstheit, der Stadtraum wurde durch Befestigungs- und Residenzbau sowie kirchliche und öffentliche Baumaßnahmen urbanisiert und unter Beteiligung von hoch qualifizierten Baumeistern und Künstlern repräsentativ gestaltet. Die auf Weinbau und -vertrieb orientierte Stadtwirtschaft differenzierte sich im Handwerk auch in einigen Luxusgewerben aus. Die Stadt wurde durch die Anwesenheit des Herrn während des Spätmittelalters zum Oberhof und administrativen Mittelpunkt der Region. Der Wandel stellte sich durch den Aufstieg Aschaffenburgs zur wichtigsten Residenz der Mainzer Erzbischöfe schon um 1500 ein. Bereits im Verlauf des 15. Jahrhunderts, verstärkt durch die Konflikte des Bauernkriegs, geriet E. in der frühen Neuzeit zur Nebenresidenz, es blieb aber einer der administrativen Zentralorte im Rheingau.
(7) An ungedruckter Überlieferung ist zu nennen das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Akten: Zinsregister; Besitz Kloster Tiefenthal; Vitztumamt Rheingau, Urkunden und Akten; Finanzkollegium: Domanialgrundzinsen, Güter, Ablösung Domanialzehnten, Gebäude etc.; Nachlass Zobus), und das Stadtarchiv Eltville.
Die Geschichtsquellen des Niederrheingau’s, gesammelt von Friedrich Wilhelm Emil Roth, Wiesbaden 1880 (Fontes rerum Nassoicarum - Geschichtsquellen aus Nassau, 1,1-4). - Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises, gesammelt und bearb. von Yvonne Monsees, Wiesbaden 1997 (Deutsche Inschriften, 43). - Regesten der Erzbischöfe von Mainz I, 1-2, II, 1; Namensverzeichnis, hg. von Fritz Vigener u.a., Darmstadt 1913-1958.
(8)Bünz, Enno: Residenzen der Mainzer Erzbischöfe. Mainz - Aschaffenburg - Steinheim - Eltville, Eltville 2003 (Eltviller Druck, 51). - Bünz, Enno: Eltville, in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, hg. von Werner Paravicini, Tlbd. II, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer, Ostfildern 2003 (Residenzenforschung, 15, I, 2), S. 1706-1714. - Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte, hg. von Friedhelm Jürgensmeier, Tl. 2: Christ, Günter, May, Georg: Erzstift und Erzbistum Mainz. Territoriale und kirchliche Strukturen, Würzburg 1997 (Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte, 6), S. 39-41, 223-258. - Dehio, Georg: Kunstdenkmäler, Hessen II, bearb. von Folkhard Cremer u.a., München/Berlin 2008, S. 205-216. - Einsingbach, Wolfgang, Kremer, Hans: Eltville am Rhein, Neuss 41989 (Rheinische Kunststätten, 129). - Eltville am Rhein. 650 Jahre Stadt. Geschichte Kultur Landschaft, Eltville 1982. - Falck, Ludwig: Eltville und die Mainzer Stiftsfehde, 1328-1337, Wiesbaden 1983. - Falck, Ludwig: Die erzbischöflichen Residenzen Eltville und Mainz, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 45 (1993), S. 61-81. - Gerlich, Alois: Art. »Eltville«, in: Lexikon des Mittelalters 3 (1986), Sp. 1861f. - Gerlich, Alois: Eltville als Mainzer Residenz. Werden - Bauten - Ausstattung, in: Mainzer Zeitschrift 83 (1988) S. 55-66. - Gutenberg in Eltville oder wie sich die Buchdruckerkunst die Welt eroberte, Ausst.-Kat., Eltville 2000. - Germania Judaica, Bd. II, 1, hg. von Zvi Avneri, Tübingen 1968, S. 207-208; Bd. III,1, hg. von Arye Maimon, Tübingen 1987, S. 298-300. - Heinemann, Hartmut: Leben in der Kleinstadt Eltville zur Zeit Gutenbergs, Eltville 1995. - Herrmann, Christofer: Wohntürme des späten Mittelalters auf Burgen im Rhein-Mosel-Gebiet, Espelkamp 1995 (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung. A, 2). - Kern, Susanne: St. Peter und Paul Eltville, Berlin/München 2013 (DKV-Kunstführer, 664). - Kratz, Werner: Eltville. Baudenkmale und Geschichte, 2 Bde., Eltville 1962. - Kremer, Hans: Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Eltville. Kunst, Geschichte und Bedeutung, hg. von der Katholischen Pfarrgemeinde, Eltville 1994. - Matheus, Michael: Hafenkräne. Zur Geschichte einer mittelalterlichen Maschine am Rhein und seinen Nebenflüssen von Straßburg bis Düsseldorf, Trier 1985 (Trierer Historische Studien, 9). - Mathy, Helmut: Eltville und die Kurmainzische Herrschaft im Rheingau, Eltville 1978. - Milani, A.: Die Burg zu Eltville. Eine baugeschichtliche Studie, in: Nassauer Annalen 56 (1936) S. 9-136. - Pfarrkirche St. Peter und Paul Eltville 1353-2003, hg. von der Katholischen Pfarrgemeinde, Eltville 2002. - Der Rheingaukreis, bearb. von Max Herchenröder, München 1965 (Die Kunstdenkmäler des Landes Hessen). - Sante, Georg Wilhelm, Struck, Wolf-Heino: Art. »Eltville«, in: Hessisches Städtebuch, Stuttgart 1957, S. 100-104. - Simon, Helga: Eltville im Rheingau, Neuss 52002 (Rheinische Kunststätten, 129). - Simon, Helga: Eltviller Villen und Adelshöfe an der Rheingauer Riviera, Eltville 2018. - Söder, Dagmar: Kulturdenkmäler in Hessen. Rheingau-Taunus-Kreis I, 1, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2014 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland), S. 114-245. - Spiess, Karl-Heinz: Das Rheingauer Weistum, in: Nassauische Annalen 96 (1985), S. 29-42. - Struck, Wolf-Heino: Art. »Eltville«, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 4, Stuttgart 1967, S. 106f. - Volk, Otto: Wirtschaft und Gesellschaft am Mittelrhein vom 12. bis zum 16. Jahrhundert, Wiesbaden 1998 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, 63). - Werkmüller, Dieter: Zur Geschichte des Eltviller Oberhofs, in: Festschrift für Adalbert Erler zum 70. Geburtstag, hg. von Hans-Jürgen Becker u.a., Aalen 1976, S. 357-419.