(1) A., gelegen am Westrand des Vorderen Spessarts, kennt eine lange, archäologisch gesicherte Besiedlungsgeschichte. Im Frühmittelalter hatte der Ort Bedeutung als »Civitas« der Alemannen. Als Teil des Hzm.s Thüringen kam A. zu den Karolingern, in Folge deren Teilungen zum ostfränkischen Reich. Zwischen 975 und 982 ging A. als Schenkung an das Mainzer Erzstift über, bei dem es letztlich über 800 Jahre verbleiben sollte. Die Stadt A. (erstmals 1187: Aschaffenburg ;zuvor u.a. Ascapha, Ascafabvrg) lässt sich auf das in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts gegründete Kollegiatstift St. Peter und Alexander zurückführen, das später zu den bedeutendsten Kollegiatstiften im Erzbistum bzw. Erzstift Mainz gehörte. Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung dürfte überdies die vermutlich bereits im späten 10. Jahrhundert existierende Mainbrücke gewesen sein (für ca. 1140 archäologisch gesichert). Daneben war die im 12. Jahrhundert belegte ebf.e Burg Ausdruck der Zentralfunktion A.s für das Mainzer Obere Erzstift (bzw. Oberstift). 1122 wird ein Vitztum als Statthalter des Ebf.s erwähnt. Im 13. Jahrhundert, wurde eine zweite Burg, das spätere Schloss Johannisburg, errichtet (1285 urkundlich nachweisbar), die im Zusammenhang mit den vermehrten Aufenthalten der Erzbischöfe in A. zu sehen ist. A. fungierte seit dem späten 13. Jahrhundert als weltlicher wie geistlicher Mittelpunkt des Mainzer Oberstifts sowie als Nebenresidenz, zeitweilig auch als Hauptresidenz der Mainzer Erzbischöfe bis zum Jahr 1802. Im Zuge der Auflösung des Alten Reichs wurde für den letzten Erzbischof Karl Theodor von Dalberg das »Fürstentum A.« geschaffen, das von 1803 bis 1810 bestand und dann im Großhzm. Frankfurt aufging (bis 1814, Übergang A.s an Bayern).
(2) Indizien einer ersten deutlichen Stadtentwicklung sind die Baumaßnahmen unter Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1111-1137), für den zum Jahr 1122 eine Befestigung der Stadt sowie die Erneuerung der damals verfallenen älteren Burganlage belegt sind. Hinzu kommen die Erwähnung eines Markts 1144 (wohl vor dem Stift gelegen), einer ebf.en Münze und eines Zolls. Weitere (Neben-)Märkte könnten ebenfalls bereits schon im 12. Jahrhundert existiert haben, sind jedoch urkundlich erst später nachgewiesen. Die Rolle der Jahrmärkte blieb regional begrenzt. Ausdruck eines Wachstums der Stadt bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts ist der Umstand, dass vor 1346 die Vorstadt ummauert und in die Stadtbefestigung einbezogen wurde.
Die Stadtrechtsverleihung erfolgte unter Erzbischof Konrad von Wittelsbach wohl um 1161/1173; das Original der Urkunde ist mit anderen städtischen Privilegien am Ende des Bauernkriegs von der ebf.en Kanzlei vernichtet worden. Seitens des Stadtherrn übte der Schultheiß (1144 erstmals erwähnt) zusammen mit den Schöffen (ebenfalls im 12. Jahrhundert belegt) die städtische Verwaltung und Rechtsprechung aus. Ein eigenes kommunales Siegel erscheint Mitte des 13. Jahrhunderts Schultheiß und Schöffen waren maßgeblich am erfolglosen Aufstand der Bürgerschaft gegen die Stiftsgeistlichkeit im Jahr 1304 beteiligt.
Die Bestrebungen zur Einführung einer kommunalen Ratsverfassung führten ab 1331/32 zur Etablierung von Bürgermeistern und Rat. Eine Stadtordnung von 1360 schrieb die bürgerlichen Mitwirkungsrechte an der Stadtherrschaft fest. Mit der erzwungenen Teilnahme und folgenden Niederlage der Stadt im Bauernkrieg wurden deren Kompetenzen jedoch scharf beschnitten: Die Stadt- und Polizeiordnung des ab 1514 (bis 1545) amtierenden Erzbischof Albrechts von Brandenburg (Albertinische Ordnung) von 1526, der bei der späteren, 1541 erfolgten Verlegung seiner Residenz von Halle an der Saale nach Aschaffenburg zahlreiche Kunstschätze mitbrachte, setzte der eigenständigen kommunalen Entwicklung A.s ein Ende. Dem Rat verblieb nur einiger Einfluss in der inneren Selbstverwaltung; er stellte den Schultheiß aus seinen Reihen. Viztum und Keller, die in der Regel aus dem Stiftsadel bzw. dem weiteren weltlichen Verwaltungsapparat des Erzstifts entstammten, waren die eigentlichen Vertreter der Landesherren. Unter Erzbischof Johann Schweickard von Kronberg (reg. 1604-1623) wurde die Stadt noch weiter in den landesherrlichen Staat integriert, indem das Schultheißenamt mit ebf.en Verwaltungsleuten besetzt wurde.
Eng verflochten waren die Beziehungen der Bürgerschaft zur Stiftsgeistlichkeit sowie zum Erzbischof und dessen Hof. Anziehungskraft besaß A. nicht zuletzt für den regionalen bzw. erzstiftischen Adel, der sich in der Stadt niederließ. Der Eintritt in das Kollegiatstift eröffnete bürgerlich-patrizischen Familien einflussreichere Positionen; die nahe gelegenen Nonnenklöster Himmelthal und Schmerlenbach (mit Stadthof in A.) dienten der Versorgung bürgerlicher Töchter.
Die Stadt, die im 16. Jahrhundert weniger als 3000 Einwohner zählte, war wirtschaftlich von Handwerkern, aber auch mittleren und kleinen Kaufleuten geprägt. Weinbau und Landwirtschaft bildeten wichtige Grundlagen. Wirtschaftlich eine zentrale Rolle nahm immer mehr die ebf.e Hofhaltung ein; die typisch städtischen Gewerke wie die Bekleidungsherstellung, die Nahrungsmittelbereitung und das Bauwesen besaßen eine Nähe zum Hof.
(3) Bereits im späten 12. Jahrhundert werden neben dem einflussreichen Kollegiatstift zwei Pfarrkirchen genannt: Innerhalb der damaligen Stadtmauern lag die Muttergotteskirche (»Unsere Liebe Frau«), während St. Agatha noch außerhalb der Mauern lag. Besonders prägend war das Stift St. Peter und Alexander, das während des Spätmittelalters über ein gutes Drittel des Grundbesitzes in der Stadt verfügte und auf viele Lebensbereiche reglementierend einzuwirken versuchte, was zu Konflikten mit der Bürgerschaft führte. In geistlicher Hinsicht übte das Stift Kontrollfunktionen über die städtischen Pfarreien aus. 1802 wurde es aufgelöst.
Während semireligiose Beginenkonvente keine große Rolle spielten (zu nennen ist eine Niederlassung vor dem Sandtor, zu der die im 16. Jahrhundert errichtete Heiliggrab-Kirche zählte), entstanden in der frühen Neuzeit sowohl ein Kapuzinerkloster als auch eine Niederlassung der Jesuiten. Die Kapuziner siedelten sich 1620 in unmittelbarer Nähe zum damals neu erbauten Schloss an, während die Jesuiten bereits 1612 in die Stadt gekommen waren. In beiden Fällen stand die gezielte Förderung dieser im Sinn der katholischen Gegenreformation tätigen Orden durch Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg im Hintergrund. Die Gründung des jesuitischen Gymnasiums wurde vom Erzbischof 1620 bestätigt. Als kurzlebig erwies sich dagegen im 18. Jahrhundert die Kommende A. des Deutschen Ordens, während sich die seit der Mitte dieses Jahrhunderts nachweisbaren »Englischen Fräulein« im Dienst der bürgerlichen Mädchenbildung dauerhaft in A. halten konnten. Außerhalb der Stadtmauern am Main existierte seit dem 13. Jahrhundert das Heiliggeistspital (später Elisabethenspital), dem zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Katharinenspital als Pfründnerspital nachfolgte; das Elisabethenspital blieb noch bis ca. 1764 bestehen. Allein bei der Stadtgemeinde lag die Verwaltung des auf der linken Mainseite errichteten Leprosenhauses (zerstört 1552).
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine jüdische Gemeinde samt einer Synagoge nachweisbar, Indizien für eine Existenz bereits im 12. Jahrhundert sind unsicher. Ein Ritualbad wird erstmals 1345 erwähnt. Die mehrfach Verfolgungen ausgesetzte Gemeinde blieb relativ überschaubar (wohl ca. 15 bis 20 Familien, die Handel oder Pfand- und Geldverleih betrieben).
(4) Der Stadtraum wurde von ebf.en sowie stiftischen und adligen Bauten und Gebäudeensembles geprägt. Es gab zwei Burgen, von denen die ältere im Bereich des Stiftsberges bereits vor 1122 bestanden haben dürfte, während die jüngere, das spätere Schloss Johannisburg, in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts am Mainufer angelegt wurde (1285 Weihe der Burgkapelle). Umfassende Baumaßnahmen an der jüngeren Burg wurden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie zu Beginn des 16. Jahrhundert (unter der Leitung Matthias Grünewalds) ergriffen. Im Markgräflerkrieg wurde es 1552 weitgehend zerstört. Bis zum Wiederaufbau bzw. Neubau des Schlosses diente das sogenannte »Alte Schloss« behelfsweise als Residenz. Unter Einbeziehung des früheren Bergfrieds ließ Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg ab 1605 den beeindruckenden Schlossbau errichten, der um 1618/19 fertiggestellt wurde.
Daneben waren die Bauten der Stiftsgeistlichkeit bestimmend, genannt seien nicht nur die Stiftskirche mit ihrem spätromanischen Kreuzgang samt Stiftskapitelhaus und angrenzenden Stiftsgebäuden selbst, sondern eine ganze Reihe von Wohnhäusern der Stiftsherren (Stiftskurien), zu denen sich weitere Amtshäuser von Geistlichen gesellten. Ein weiteres Element stellen die Stadthöfe mehrerer Adelsfamilien dar, die auch zu den Grundbesitzern im Stadtgebiet gehörten. Erhalten haben sich weitgehend mehrere solcher Gebäude, darunter die Rienecker Höfe und das Haus zum Storchennest. Als markantester Bau ist der Ende des 17. Jahrhunderts errichtete »Schönborner Hof« hervorzuheben.
Zurückhaltender wirkten kommunale Bauten. 1353 erwarb die Stadtgemeinde einen Adelshof und richtete dort das erste bekannte Rathaus ein; welches Gebäude vorher diesem Zweck diente, ist nicht bekannt. Seit dem Jahr 1655 nutzte die Stadt am Ort des heutigen Sitzungssaales (neben dem heutigen Rathaus in der Dalbergstraße) ein Fachwerkhaus als Rathaus, das in den 1780er Jahren wiederum durch einen Neubau nach Plänen des ebf.en Baumeisters Emanuel von Herigoyen ersetzt wurde. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts war die Stadt unter Erzbischof Adalbert von Saarbrücken mit einer Mauer umgeben worden (als Erneuerung einer früheren Befestigung); die Stadtmauer samt Tortürmen und weiteren Türmen erlebte mehrfach Erweiterungen.
Erste Stadtansichten der Stadt bzw. von markanten Bauwerken datieren aus dem 16. Jahrhundert Hervorzuheben ist die um 1540 entstandene Federzeichnung des Malers Veit Hirschvogel der Jüngere Sie zeigt den damaligen Zustand des Schlosses samt städtischer Umgebung. Die Ruine des Schlosses, 1552 im Markgräflerkrieg weitgehend zerstört, samt Silhouette der Stadt findet sich auf einer Karte des Viztumamtes A. (um 1560). Grafische Darstellungen finden sich dann seit dem frühen 17. Jahrhundert, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Neubau des Schlosses, das in der Folge das Stadtpanorama dominierte. Die zweifellos bekannteste Darstellung der frühneuzeitlichen Stadt stammt von Matthäus Merian (1633), dem der Einzug der schwedischen Truppen des Jahres 1631 als Staffage diente.
(5) A. war 1254/1257 Mitglied im Rheinischen Städtebund und seit der Mitte des 14. Jahrhunderts (bis zum Bauernkrieg) Mitglied des oberstiftischen Neunstädtebundes. Nach dem Ende des Bauernkriegs wurde die Landsässigkeit endgültig festgeschrieben, die bis 1803 unverändert blieb.
Als Markt- und Handelsort blieb A.s Bedeutung regional begrenzt. Letztlich wirkte sich die Nachbarschaft der aufstrebenden Reichsstadt Frankfurt (über den Main gut zu erreichen, über Land etwa 40 km nordwestlich A.s) für A.s Handel eher negativ aus, auch wenn die Mainmetropole günstige Absatzmöglichkeiten für A.er Produzenten bot.
(6) Von Beginn der Stadtwerdung an markierte die Trias von Erzbischof, Stadt und Kollegiatstift das Machtgefüge. Auch wenn die Autonomiebestrebungen der Bürgerschaft im späten Mittelalter alles andere als folgenlos blieben, war die Stadt doch durch ihre Funktion als Residenz des Mainzer Ebf.s gebunden. Die herrschaftliche Unterordnung der Bürgerschaft verstetigte sich nach Ende des Bauernkriegs weiter, während mit dem Schlossneubau des 17. Jahrhunderts der Residenzcharakter verstärkt wurde. Die daneben von dem Amtssitz im Oberstift geprägte Stadt war in der frühen Neuzeit finanziell, wirtschaftlich und kulturell eng mit der landesherrlichen Hofhaltung verbunden. Mit dem Ende des linksrheinischen Kurmainzer Staates Ende des 18. Jahrhunderts kam es nochmals zu einer Verdichtung der herrschaftlichen Funktionen: Die Stadt bildete nun den Mittelpunkt des verbliebenen Mainzer Staates, den der letzte Mainzer Erzbischof Carl von Dalberg als »Fürstentum A.« in die napoleonische Zeit führen sollte.
(7) Ungedruckte Quellen bzw. Archivalien zur Geschichte der Stadt Aschaffenburg befinden sich vor allem im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg. Der Bestand »Stadtarchiv Mainzer Zeit«, der eine Laufzeit vom späten Mittelalter bis ca. 1814 hat, ist seit 2021 erschlossen und zugänglich; ein DFG-Projekt zur Digitalisierung wird bis 2024 die Nutzung weiter verbessern. Hinzuweisen ist zudem auf das sehr umfangreiche »Stiftsarchiv«, das Urkunden, Amtsbücher und Aktenbestände des Kollegiatstiftes St. Peter und Alexander umfasst (Edition bis 1325: Urkundenbuch des Stifts St. Peter und Alexander, Band 1: 861-1325, bearb. von Matthias Thiel, Aschaffenburg 1986 [Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e.V., 26]). Weitere Bestände des Stadt- und Stiftsarchivs sind ebenfalls u.U. einschlägig. Im Staatsarchiv Würzburg ist ganz allgemein auf die Mainzer Bestände hinzuweisen (Erzstift und Domkapitel Mainz, mit Fürstentum Aschaffenburg; u.a. »Aschaffenburger Archivreste«). Einige Historische Ansichten der frühneuzeitlichen Stadt A. sind seit Anfang 2021 online abrufbar unter https://www.bavarikon.de/object/BSB-CMS-0000000000005519?lang=de (bei »bavarikon« auch ergänzend ein umfangreicher digitaler Bestand aus dem Stiftsarchiv).
Schad, Brigitte: Aschaffenburg im Spiegel alter Graphik: Dargelegt an der Sammlung Gustav Stadelmann und den graphischen Beständen des Stadt- und Stiftsarchivs Aschaffenburg, Aschaffenburg 1990 (Aschaffenburger Studien, I/3).
(8)Christ, Günter: Aschaffenburg. Grundzüge der Verwaltung des Mainzer Oberstifts und des Dalbergstaates, München 1963 (Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken I, 12). - Gerlich, Alois: Art. »Aschaffenburg«, in: Lexikon des Mittelalters, Tl. 1 (1980) Sp. 1101-1102. - Fischer, Roman: Aschaffenburg im Mittelalter. Studien zur Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Beginn der Neuzeit, Aschaffenburg 1989 (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e.V., 32). - Fussbahn, Heinrich: Die Stadtverfassung Aschaffenburgs in der frühen Neuzeit, Aschaffenburg 2000 (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e.V., 45). - Pollnick, Carsten: Aschaffenburg. Eine Reise durch die Zeit, Aschaffenburg 2002 (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e.V., 48). - Bünz, Enno: Art. »Aschaffenburg«, in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch. Residenzen, hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer, Ostfildern 2003 (Residenzenforschung 15. I), S. 19-22. - Denkmäler in Bayern, Kreisfreie Stadt Aschaffenburg, bearb. v. Ina Gutzeit und Hauke Kenzler, München 2015 (Denkmäler in Bayern, VI, 71).