(1, 2) C., gelegen auf einer Erhöhung auf der rechten Elbseite (mit einem Steilufer zum Fluss), etwa sechs Kilometer nordöstlich von Wörlitz, kannte eine lange Besiedlungsgeschichte wohl als Fährort seit der Vor- und Frühzeit. Während des Frühmittelalters von Slawen bewohnt (der Ortsname C. [1187 Cosewitz] ist wendischen Ursprungs, eventuell abgeleitet von wendisch Kosa [Ziege], heutige Form erscheint 1396; der C.er Markt wurde Bockmarkt genannt), setzte der deutschrechtliche Landesausbau im 10. Jahrhundert ein, verstärkt erst ab etwa 1150 unter Markgraf Albrecht dem Bären aus der Familie der Askanier. C. dürfte zu dieser Zeit ein typisches Kolonistendorf mit einem Schulzen/Richter als Vorsteher gewesen sein. Ob bereits zu dieser Zeit Burg und Kirche errichtet worden sind, ist nicht ganz sicher, aber gut möglich. 1187 wird C. als Burgward erwähnt, der zum Kloster Leitzkau gehörte. Auch wenn C. 1215, als es als Lehen an Graf Hoyer von Falkenstein (den Auftraggeber Eike von Repgows für den Sachsenspiegel) ausgegeben wurde, mit der Bezeichnung oppidum (1230 hingegen von Bischof Gernand von Brandenburg – C. gehörte zur Diözese Brandenburg – als humilis locus, armseliger Ort, bezeichnet) belegt wird, so fällt die Stadtwerdung in die weitere Regierungszeit Fürst Heinrichs I. von Anhalt (1212–1252). Dieser hielt sich häufig in C. auf. Als Residenz bzw. Fürstensitz diente C. ab 1321, erneut ab 1411, ohne dass in beiden Fällen zu erkennen wäre, für wen genau, und 1490–1500 für Junggf. Philipp von Anhalt (1468–1500), der sich hier häufiger aufhielt, wenn auch nur jeweils kurz; der Stadt schenkte er einen Baumgarten. Nachdem C. sehr im Schmalkaldischen Krieg zu leiden gehabt hatte, weilte Fürst Wolfgang (reg. 1508–1562, † 1566) 1562–1564 hier, nachdem er seine Besitzungen an seine Vettern abgetreten hatte und ehe er nach Zerbst verzog. In seinem letzten Lebensjahr förderte er den Wiederaufbau von Schloss, Kirche und Rathaus sehr. 1603 fiel C. an die Linie Anhalt-Zerbst. Zweimal wurde es nun Witwensitz: 1621–1657 für Fs.in Magdalene (mit schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg 1626, 1636 und 1637) und 1667–1680 für deren Schwiegertochter Sophie Auguste (unter der das Schloss neu gebaut wurde). Nach dem dynastischen Wechsel zur Linie Anhalt-Bernburg 1797 wurde C. sogleich wieder Witwensitz 1797–1827 für Fs.in Friederike Auguste Sophie, die in besonderer Weise karitativ tätig war.
Ein stadtherrlicher Vogt wird 1215 erwähnt, ein Burg- bzw. Schlosshauptmann erst 1325. In der Reformationszeit wird letzterer als Amtshauptmann bezeichnet. Auch nach dem Übergang an das Fürstentum Anhalt-Zerbst 1603 blieb C. Sitz eines Amtmanns; in Zeiten, in denen C. als Witwensitz fungierte, übte ein Wittumsrat die örtliche Herrschaft aus.
Wann C. Stadtrecht erhielt, ist nicht bekannt. 1411 wurde von der Witwe des Fürsten Sigismund I. von Anhalt († 1405 in C.), Judith (Jutta) von Querfurt, die Gerichtsbarkeit übertragen. Wegen des Fehlens der Zustimmung der Fürstenfamilie wurde dieses alsbald zurückgezogen. Das 1566 angelegte Landbuch des Amts C. bestätigte die Stadtrechte, ordnete niedere und hohe Gerichtsbarkeit der Herrschaft zu (die Stadt erhielt jedoch die Hälfte der Strafgelder) und regelte die Auswahl der beiden (später mehrerer) Ratleute und des Bürgermeisters, bei der der Fürst aus einer Liste von vorgeschlagenen Personen die neuen Amtsinhaber bestimmte. Zur Seite standen dem Rat im 16. Jahrhundert ein Stadtschreiber, zwei »Gemeinsleute« als Vertreter der Gemeinde sowie mehrere niedere Amtsträger. Die Bürger waren zu zwei Tagen Dienst bei Hofe pro Jahr verpflichtet, auch war das Schloss zu reinigen; hiervon befreit waren die aktiven Ratsherren. Die Innungen mussten um 1560 dem Hof Pfeffer liefern. Die 1594/95 erwähnte Schützengesellschaft ging im Dreißigjährigen Krieg ein, wurde 1702 mit fsl.er Bewilligung neu gegründet.
C. formte eine halbkreisförmige Anlage, die nach Westen hin durch die gerade verlaufende (heutige) Friederikenstraße abgeschnitten ist. Der Bockmarkt wurde nach 1671 mit dem Häuserblock zwischen Langestraße und Mittelstraße bebaut. Südlich lagen direkt vor der Stadt der Ortsteil Oberfischerei, weiter zur Elbe hin der Teil Unterfischerei, letzterer eventuell einen slawischen Kietz bildend. Nach Norden und Nordosten war C. durch einen Wall geschützt, im Osten und Süden durch einen Bach. Im 16. Jahrhundert gab es das dem Amt unterstehende Zerbster Tor im Westen der Stadt, das wohl 1715–1717 erbaute Neue bzw. Berliner Tor im Norden und das Wittenberger Tor im Osten, beide dem Rat unterstehend. Auf dem Propsteiberg lag die dem Propst zugehörende Wittenberger Vorstadt, in der es 1547 20 Haushaltungen gab, denen die Braugerechtigkeit zustand (dazu gab es zwei städtische Brauhäuser). 1563 wurde von Fürst Wolfgang das Gebiet vor dem Zerbster Tor zur Besiedlung freigegeben, woraufhin dort eine weitere Vorstadt entstand, die bereits 1566 13 Haushaltungen zählte, u. a. das brauberechtigte Gasthaus »Zur weißen Kanne«. 1566 hatte C. insgesamt 169 Häuser, was auf knapp 800 Einwohner schließen lässt, eventuell etwas mehr. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam die nördliche Friederikenstraße als Vorstadt hinzu, innerhalb C.s wurde die Bebauung verdichtet (u. a. der Bockmarkt verkleinert). 1788 gab es nach einer Volkszählung 1738 Einwohner. Die 1764 errichtete Straßenbeleuchtung war ein Geschenk des letzten Zerbster Fürsten Friedrich August († 1793).
Zünfte wurden durch Fürst Wolfgang 1564 privilegiert: Schmiede, Schuster, Schneider und Leinweber, im weiteren Verlauf der frühen Neuzeit folgten weitere, vor allem im 18. Jahrhundert kamen Handwerker für den gehobenen Bedarf hinzu. Unbestimmten Alters sind der Lätaremarkt im März und der Laurentiusmarkt im August (belegt 1566); 1696 kam der Simon-und-Juda-Markt Ende Oktober hinzu. Ökonomisch weitgehend bestimmend war die Landwirtschaft.
(3) Pfarrkirche war die St. Nicolai-Kirche, deren romanische Bauteile wohl in die Mitte des 12. Jahrhunderts zu datieren sind und auf einen groß angelegten Bau schließen lassen. Dieser wurde ca. 1250 überformt, der Chor um die Mitte des 14. Jahrhunderts vollendet; aus dieser Zeit stammen auch die Glasfenster (die ältesten überlieferten Anhalts). 1230–1275 lagen die Pfarrrechte beim Kollegiatstift. Eventuell war der Nicolai-Kirche ein Hospital angeschlossen. Im Schmalkaldischen Krieg wurde das Schiff zerstört, dessen Reparatur erst 1565 durch Förderung Fürst Wolfgangs († 1566) ermöglicht wurde. 1596 wurde die Kirche von Kunstwerken befreit, da der Landesherr sich dem Calvinismus angeschlossen hatte. An Bildern sind mehrere Werke Lucas Cranachs zu nennen, auch am Ratsstuhl soll sich eines befunden haben. Cranach hatte enge Beziehungen zu C., u. a. war er Besitzer der Pulvermühle. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde die Mühle unter Fürst Carl Wilhelm (reg. 1667–1718) ab 1696 wieder aufgebaut.
1272 gründete Fürst Siegfried I. ein Augustinerinnenkloster (geistlich von Dominikanern betreut), in dem mindestens neun Töchter der anhaltinischen Fürsten im 14./15. Jahrhundert versorgt wurden, einige wirkten als Äbtissin oder Priorin. Hinzu kamen Töchter von Adelsfamilien, die mit den Anhaltinern verbunden waren. Bis weit ins 14. Jahrhundert hinein wurde das Kloster von den Fürsten sehr gefördert.
Die als Dom bezeichnete St. Marien-Kirche, ursprünglich Filiale der Pfarrkirche, lag auf einer Insel in der Elbe (auch als Domfreiheit bezeichnet), zu der nach Ausweis von Ratsrechnungen 1655 und 1672 eine Brücke führte. Erstmals erwähnt wird St. Marien 1213, als Fürst Heinrich I. den ihm zustehenden Anteil an den in C. anfallenden Braugeldern zur Unterstützung der Kranken im Hospital stiftete; St. Marien dürfte Hospitalskirche gewesen sein. 1215 wurde St. Marien von Fürst Heinrich in ein Kollegiatstift für fünf Stiftsherren umgewandelt, in der Folge reich ausgestattet, u. a. mit dem Propsteiberg vor C. 1230–1275 hatte das Stift die Pfarrrechte inne. Ab 1265 wurde die Kirche umgebaut, 1275 geweiht, die Pfarreirechte wurden aber wieder an St. Nicolai übertragen. Ein Mitglied der Fs.enfamilie wurde Dechant, ein weiterer Stiftsherr. Bis 1490 fanden 28 Mitglieder der anhaltinischen Dynastie wohl in der Katharinenkapelle ihre letzte Ruhestätte. Das Stift sorgte für eine deutliche Erweiterung der Kirche, die mit mehreren Kapellen und Altären ausgestattet war, u. a. mit einer Kalandskapelle (der Kaland wurde von den Fürsten gefördert und nahm im Gegenzug die Memoriendienste wahr, belegt für Johann II. [1341–1382]); Fürst Sigismund I. ordnete 1391 den Dienst am Sigismundaltar. Im Schmalkaldischen Krieg wurde der »Dom« zerstört, 1566 wurden seine Reste für die Pfarrkirche und für das Rathaus verwendet. Auf der Dominsel lagen die Häuser der Kanoniker, der Kirchendiener, die dem Stift 1275 angeschlossene Schule (1334 eventuell zwei Schulen) sowie drei (kleine) adlige Höfe, ferner ein Gottesacker, auf dem 1815 die letzte Fs.in des Anhalt-Zerbster Fsm.s und deren Schwester, eine Fs.in von Schwarzburg-Sondershausen, ein Mausoleum erhielten.
Die Reformation dürfte früh Eingang gefunden haben; 1520 verstarb der letzte Stiftspropst, von einer Neubesetzung ist nichts bekannt. Nach dem C.er Landbuch soll Fürst Wolfgang bereits kurz nach 1517 die neue Lehre eingeführt haben. Sicher ist nur, dass 1527 das Nonnenkloster säkularisiert wurde. Im Schmalkaldischen Krieg wurde Wittenberg mit dem Luthergrab auf ksl.es Geheiß hin verschont, stattdessen C. stark zerstört. An die besondere Nähe Fürst Wolfgangs zur Reformation erinnert ein Wappen am Altar der Wittenberger Schlosskirche. 1560 musste ein Hospital (wohl der St. Nicolai-Kirche angeschlossen) dem neuen Pfarrhaus weichen. 1576 wird eine städtische Jungen- und Mädchenschule erwähnt, das Fs.-Wolfgang-Stipendium gewährte auch wenig bemittelten Familien die Finanzierung des Schulbesuchs. 1596 wechselte Fürst Johann Georg (1586–1618, Gründer der Fruchtbringenden Gesellschaft) zum Calvinismus. Da C. 1621 Witwensitz von Magdalene von Oldenburg, der Frau des 1606 nachfolgenden Rudolf von Anhalt-Zerbst, wurde, kam es trotz Protest der anhaltinischen Fürsten zur Rückkehr zum Luthertum.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich eine kleine jüdische Gemeinde, welche Synagoge und Friedhof von Wörlitz mitbenutzte.
(4) Über das ältere Aussehen C.s kann man so gut wie keine Aussagen machen, allzu verheerend wirkte sich die Zerstörung im Schmalkaldischen Krieg 1547 aus. Das »Haus« bzw. das Schloss wurde gesprengt, 1556–1560 wurden vier Flügel wieder erbaut. Unter Fs.enwitwe Sophie Auguste erfolgte 1667–1677 eine großzügige Erweiterung des Schlosses in die heute noch bestehende Form. Das Rathaus, 1490 das erste Mal als »neu« erwähnt – es muss also ein älteres gegeben haben – lag am Breiten Weg, direkt benachbart war das größere städtische Brauhaus. Wie andere Teile C.s wurde es 1547 zerstört und ab 1566 mit Unterstützung Fürst Wolfgangs neu errichtet. Als Privathaus ist das 1675, also in der Zeit C.s als Witwensitz, erbaute Kavalierhaus (Zerbster Str. 2) zu nennen. Nach Ende der Residenzzeit wurden im frühen 18. Jahrhundert einige Bauten errichtet, so das Haus des Papierfabrikanten Fiedler von 1703 (Breiter Weg 44). Ältere bildliche Darstellungen sind nicht bekannt, wohl aber ein kurzes Stadtlob, das vermutlich von Caspar Cruciger d. J. dem Wittenberger Reformator Philip Melanchthon in den Mund geschoben wurde (Werner [unter (8)], S. 20 mit Verweis auf Amt C.er Landbuch, fol. 5); hierzu passt, dass C. beliebtes Ausflugsziel von Studenten der Wittenberger Universität war.
(5) C. bezog seine Bedeutung aus der Lage an der Elbe und am Handelsweg von Magdeburg nach Wittenberg. In C. wurde (sicher 1566) Geleitsgeld erhoben, es muss eine Geleitstation gegeben haben, die als Indiz für einen dichten Verkehr gelten kann. Für den Elbverkehr gab es ab 1362 einen Zoll (1821 aufgehoben). Zur Stadt gehörten größere Ländereien, vor allem die Bernauer Mark galt als fruchtbar. Für die Viehwirtschaft unterhielt C. eine ganze Reihe von Hirten (1660 Bestätigung ihrer Innung).
(6) Da C. im 17./18. sowie bis ins frühe 19. Jahrhundert für längere Zeit Witwensitz war, zudem im 14. und 15. Jahrhundert von einigen anhaltinischen Fürsten vermehrt besucht wurde, lässt sich die Stadt zu den Residenzstädten zählen. Mit wohl unter 1000 Einwohnern und einer Prägung durch die Landwirtschaft gehört C. zum Typ der Kleinstädte. Seine Bedeutung zog C. vor allem wohl aus der Funktion als Ort einer Elbfähre. Bezeichnend ist, dass die Handwerkerschaft erst im Laufe des 16. Jahrhunderts, dann wieder verstärkt im 18. Jahrhundert organisiert wurde. Die anhaltinischen Fürsten haben den Ort immer wieder gefördert, vor allem Fürst Wolfgang ist zu nennen, der C. nach der Zerstörung im Schmalkaldischen Krieg 1547 wieder errichtete. Nur kurz (1562–1564) weilte er in C., die Aufbaumaßnahmen ergriff er 1566. Bisher nicht erforscht ist die Verflechtung zwischen Stadtgesellschaft und den Höfen, Hinweise aber gibt es: So fungierte zeitweise im 16. Jahrhundert die C.er Familie Eiserbeck als Richter und Lehnsnehmer des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt († 1586), als C. jedoch keine Residenzstadt war. Von 1768 bis 1812 war Johann Erdmann Keck sowohl Leibarzt (wohl der Fs.inwitwe Friederike, die ab 1797 in C. weilte) als auch Amtsphysikus und Bürgermeister.
(7) Das Coswiger Kopialbuch in StA Zerbst enthält Urkundenabschriften zur Geschichte der Marienkirche und des Kollegiatstifts, angelegt etwa 1360 mit späteren Ergänzungen (Weiteres bei Werner [unter (8)], S. 4). Als städtische Überlieferung zu nennen sind die Ratsrechnungen ab 1594 (mit Lücken), die Bürgerrolle ab 1649, Ratsprotokolle und Einzelakten. Wichtig ist das Amt Coswiger Landbuch von 1566, eine Art Grundbuch, das sich im Zerbster StA befindet. Ebenfalls im Zerbster StA befindet sich das Coswiger Superintendentenbuch 1603–1624. Die Reihe der Coswiger Kirchenbücher setzt 1585, der Kirchenrechnungen 1595 ein. – Codex diplomaticus Anhaltinus (1867–1883), (ND Osnabrück 1986) [Urkunden bis 1400, teilweise als Regest]. – Wäschke, Hermann: Regesten der Urkunden des Herzoglichen Haus- und Staatsarchivs zu Zerbst aus den Jahren 1401–1500, Dessau 1909.
(8)Werner, Ernst: Geschichte der Stadt Coswig in Anhalt, Coswig 31929.