Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Rheda

Rheda

(1) R. liegt im östlichen Münsterland am Westufer der Ems, wo der Fernweg Deventer-Münster-Paderborn-Kassel, der spätere Hessenweg, den Fluss kreuzt. Der Ortsname verweist auf die Niederungslage. Die Wasserburg R. befindet sich innerhalb einer Schlinge der Ems.

R. hatte im Frühmittelalter Bedeutung als Oberhof einer karolingerzeitlichen Villikation. 1088 bezeugt Bischof Benno II. von Osnabrück, er habe dort für das von ihm gegründete Kloster Iburg ein Vorwerk und von den Erphonen die dortige (außerhalb der späteren Stadt liegende) Kirche erworben, was vermuten lässt, dass es eine Eigenkirche der Padberger Grafen war. Rechtsnachfolger der Padberger waren im 12. Jahrhundert der Vogt Everwin und sein Sohn Widukind, letzterer sich 1170 erstmals »von R.« nennend. Ihm wird die Errichtung der Wasserburg um 1170 zugeschrieben, wobei die Frage nach eventuellen Vorgängerburgen strittig bleibt. Nach seinem Tod 1191 trat sein Verwandter Bernhard II. zur Lippe in dessen Rechte ein. Dessen Sohn Hermann II. (†1229) vergrößerte die Burg und nutzte sie als Hauptsitz der Edelherren zur Lippe ebenso wie dessen Sohn Bernhard III. (†1265). 1245 trug letzterer die Herrschaft dem Bischof von Münster als Lehen auf. Die erste lippische Erbteilung führte 1265/1274 zum Verlust dieser Funktion. Die zweite Erbteilung von 1344 hatte zur Folge, dass 1365 Graf Otto von Tecklenburg sich in den Besitz seines Schwiegervaters Bernhards V. zur Lippe setzen konnte, eine Maßnahme, die bis 1491 Fehden zwischen den Tecklenburgern und Lippern nach sich zog. Nach dem Tod des letzten Tecklenburger Grafen Konrad II. 1557 geriet die Herrschaft R. auf dem Erbweg (seine Tochter Anna hatte Graf Everwin III. von Bentheim geheiratet) zusammen mit der Grafschaft Tecklenburg an die Grafen von Bentheim (bis 1808), die R. immer wieder für Landtage und höfische Ereignisse nutzten, zunächst ohne dort kontinuierlich zu residieren. Erst nach Verlust von Tecklenburg selbst an die Grafen von Solms-Braunfels hingegen ließen sich die Tecklenburger Grafen ab Mitte des 17. Jahrhunderts, nach endgültigem Verlust des Schlosses Tecklenburg 1671 in R. nieder, als erster Graf Mauritz (†1674). Lediglich Moritz Kasimir I. von Bentheim-T. pendelte 1726-1756 zwischen dem von ihm bevorzugten Schloss Hohenlimburg (bei Hagen in Südwestfalen) und R. als Aufenthaltsort hin und her, seine Nachfolger blieben dauerhaft in R. Überdies war R. 1672-1785 (mit Unterbrechung 1683-1700) bfl.-münsterische Garnisonsstadt, eine Folge des Lehnsverhältnisses; gerichtet war diese Truppenstationierung gegen die Kurfürsten von Brandenburg, die die Grafschaft Ravensberg übernommen hatten.

(2) Der regelmäßige, auf Burg bzw. Schloss ausgerichtete Stadtgrundriss aus drei parallelen Straßen (Widumstraße, Kleine Straße und Rosenstraße [heute Großer Wall]) lässt auf eine planmäßige Anlage schließen. Von der Burg bzw. dem Schloss führt der Steinweg zur Siedlung, er weitet sich zur Lindenplatz (heute Doktorplatz) genannten Freifläche, an der vermutlich die Burgmannenhöfe lagen. Der Steinweg überquert die Ems, die zwischen Stadt und Burg/Schloss fließt. Bis gegen 1230 entwickelte sich der Ort zum Burgflecken mit höchstens 25 Bürgerparzellen neben den Gehöften der 1221 belegten Burgmannen, spätestens bis 1305 war die Entwicklung zum Ort städtischer Qualität sicher abgeschlossen; die territorialpolitischen Verhältnisse legen aber einen Abschluss der Stadtwerdung höchstwahrscheinlich bereits vor 1290 nahe. Die formale Anerkennung fand 1355 mit der Bestätigung städtischer Rechte nach Lippstädter Vorbild statt, die die Abhaltung eines Markts (am Sonntag) einschlossen. Ansätze städtischer Selbstverwaltung finden sich bereits 1345, aber erst 1459 ist mit Bürgermeister, Rat und Gemeinheit die Selbstverwaltung des gesamten Gemeinwesens belegt. Durchgängig blieben die Burgmannen das politisch führende Element, sie hatten einen eigenen Gerichtsstand. In späterer Zeit, sicher im 17. Jahrhundert, wurde einer der beiden Bürgermeister von Stadtherrn bestimmt, was bereits im Stadtrecht von 1355 vorgesehen war. Im späten 17. Jahrhundert, wiedergegeben in der Beschreibung der Stadtverhältnisse durch den gfl.en Diener Moritz Meier 1685, wählte der Graf aus den Reihen der Großbürger eine Person aus, der andere Bürgermeister wurde in indirekter Wahl durch die Großbürger bestimmt; formell wurde zu dieser Zeit zwischen den 120 Großbürgerfamilien und den Kleinbürgerfamilien unterschieden, äußeres Kennzeichen war die Art des Wohnhauses, das Großbürgerrecht konnte erkauft werden. Die umwallte Fläche (Steinbefestigung wohl nur im Bereich der Tore) betrug 16,5 ha; Pest- und Fehdefolgen führten gegen 1370 zu einer weitgehenden Zerstörung der Stadt und anschließendem Wiederaufbau auf verkleinerter Fläche von 10,2 ha. R. verfügte in ausgebautem Zustand über drei Tore, im Süden das Kirchtor an der Straße zur Johanniskirche und weiter nach Wiedenbrück, das Westtor in Verlängerung der Widumstraße in Richtung Münster, und im Norden das Emstor an der Straße zum Kloster Marienfeld. Burgmannen und Bürger hatten für ihre innerstädtischen Grundstücke einen Zins an den Stadtherrn zu zahlen, die Stadt als Ganzes war hingegen nicht steuerpflichtig (und deshalb nicht in das Steuerbewilligungsrecht der Landstände eingebunden und folglich nicht Mitglied der Landstände).

Ein Hauseigentümerverzeichnis von 1663 nennt 225 Häuser, was auf maximal 1000 Einwohner schließen lässt, zu denen noch ca. 40-50 Schlossbewohner (belegt für die Zeit um 1600) zu zählen sind. Für das 18. Jahrhundert können ca. 30-40 Personen für Regierungs- und Verwaltungsangelegenheiten nachgewiesen werden. Für 1786 liegen exakte Einwohnerzahlen vor, 1188 werden genannt, was 12,3% der gesamten Landesherrschaft entspricht. Ab 1750 beschäftige sich die gräfliche Regierung mit einer Stadterweiterung, zu der es ab 1767 kann, indem die Woeste und der Gaukenbrink in der R.er Feldmark besiedelt wurden. An die Stadt fiel ein Drittel der künftigen Grundsteuer; bis 1808 entstanden 17 Siedlerstellen.

Gilden bzw. Ämter sind ab 1617 für Krämer, Schneider, Weber, Schuhmacher, später auch für Schmiede und Bäcker belegt. Im 18. Jahrhundert ist die Leinenproduktion der Haupterwerbszweig. 1573 genehmigte Gf.in Anna weitere Märkte, hinzu kamen Viehmärkte, einmal eine Woche vor dem Maitag (d.h. am 24. April) und drei Tage vor St. Gallus (d.h. am 13. Oktober).

Wichtig war die Leineweberei. Für R. privilegierte der Landesherr Mauritz von Bentheim-Tecklenburg 1660 das Amt der Linnentuchmacher, das u.a. die Ausbildung, die Niederlassung und die Qualitätssicherung der Leinenweberei in der Herrschaft regelte. Um 1700 galt »Westfälisches Leinen« aus R., wo es zu dieser Zeit eventuell eine eigene Legge zur Qualitätssicherung gab, neben dem aus Warendorf als hochwertige Exportware. Zwischen Schloss und Stadt gab es südlich des Schlossgartens günstig gelegene Bleichen, die sich in herrschaftlichem Besitz befanden (1787 verpachtet an Bleichunternehmer), an anderer Stelle gab es eine städtische und eine private Bleiche. Anders als in anderen westfälischen Regionen, gingen aus der Leinweberei allerdings keine Textilfabriken hervor.

(3) Die zu 1088 sicher bezeugte St. Johannis-Kirche lag außerhalb der späteren Siedlung. Sie ist als adelige Eigenkirche anzusehen, als deren Fundator ein Mitglied der Padberger Gf.enfamilie zu vermuten ist. 1088 dem Kloster Iburg zugewiesen, wurde sie 1246 vom Osnabrücker Bischof zurückerworben. 1220 wird ein Pfarrer an der Johanniskirche erwähnt. 1259 wurde die Kirche dem Wiedenbrücker Stift als Tochterkirche zugeordnet. Bemühungen im 14. Jahrhundert um eine Kirche in der Stadt mündeten in der Errichtung der Hl.-Blut-Kapelle (wohl vor 1341) als Filiale der Johanniskirche, die um 1595 zum Ort der Gottesdienste und nach Erweiterung 1603 zur Hauptkirche wurde (mit Fürstenempore). Die als Friedhofskirche weiter genutzte Johanniskirche wurde 1818 niedergelegt. Die geistlichen Rechte, besonders das Pfarrrecht, wurden seit 1256 vom Wiedenbrücker Stift ausgeübt. Die zu 1221 genannte Burgkapelle (Romanus-Patrozinium) wurde 1605 mit einem eigenen Kaplan ausgestattet, der später als Zweitpfarrer an der Hauptkirche St. Johannis amtierte.

Gf. Konrad II. führte ab 1527 die Reformation ein, 1588 erließ der neue Landesherr Arnold von Bentheim (reg. 1573-1606) eine reformierte Kirchenordnung, die eine Neuordnung der Kirchenverwaltung und des Schulwesens nach sich zog. Damit wurde das reformierte Bekenntnis eingeführt. 1619 wurde in R. ein Konsistorium eingerichtet, 1682 in ein Presbyterium umgewandelt. 1534 gründete Graf Konrad ein Gast- und Armenhaus am Kirchtor, zu dessen Unterhaltung ältere Pfründen umgewidmet wurden; 1733 wurde es vom Presbyterium geschlossen.

Als Folge der bfl.-münsterschen Truppenstationierung ab 1672 entwickelte sich eine katholische Gemeinde, deren Gottesdienste im Ratssaal des Rathauses stattfanden, auch über den Abzug der Truppen 1785 hinaus. 1807 erhielten die Katholiken am Steinweg ein eigenes Gotteshaus.

Jüdisches Leben ist seit dem späten 16. Jahrhundert belegt. Bereits 1569 erfolgte eine Vertreibung auf Befehl der Gf.in Anna; in den 1580er Jahren gab es wieder Juden in R. Auf Drängen der R.er Krämer verfügte Graf Hans Adolf (reg. 1674-1701) 1688 die Vertreibung der Juden (unter der Regentin Christiane Marie [reg. 1710-1726] wieder aufgehoben). Als strenger Reformierter untersagte er auch die Ausübung des lutherischen Glaubens, sogar gegenüber seiner eigenen Ehefrau. Lutheraner begaben sich deswegen nach Gütersloh, etwa zehn Kilometer nordöstlich R.s. Im 17. Jahrhundert kam es häufig zu Zuzügen überzeugter Calvinisten aus dem rekatholisierten Hochstift Münster. Im 18. Jahrhundert kam es zur Neukonstituierung der jüdischen Gemeinde, förmlich gegründet 1781.

Eine Schule wurde von Graf Adolf gestiftet, die Schulordnung stammt von 1606. 1711 wurde ein neues Schulhaus gebaut. Neben dem Rektor gab es zwei weitere Lehrer, die als Küster oder Organist tätig waren.

(4) Bis um 1800 bestand die innerstädtische Bebauung im Wesentlichen aus Fachwerkhäusern, ab dem 17. Jahrhundert betont schlicht gehalten aufgrund der von den Landesherren durchgesetzten calvinistischen Lehre. Neben Kirche (mit Epitaphen für die 1616 im Alter von drei Jahren verstorbene Anna Amoena, Tochter Graf Adolfs und Margaretha, und für den Drosten Friedrich von Twickel [†1629], zudem an der Nordseite ein Grabkeller für die gräfliche Familie), und Rathaus (Neubau 1604 auf einem vom Grafen verkauften Grundstück, den bisherigen Bleichen, am Lindenplatz [heute Doktorplatz]; 1856 abgebrochen) sind keine residenzbezogenen Gebäude in Stadtlage zu nennen. Wo sich der in Ratsprotokollen erwähnte Ratskeller befunden hat, ist nicht bekannt, das Rathaus selbst hatte keinen Keller. Im Übergangsraum zwischen Stadt und Schloss sind im 18. Jahrhundert Schlossgärten (neugestaltet 1703), Orangerie (um 1700), Kanzlei, Marstall, Theater (1780) und Wirtschaftsgebäude nachzuweisen.

Das ostsüdöstlich der Stadt gelegene und durch die Ems und den Schlossgarten von der Stadt getrennte Schloss wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter Graf Arnold umgebaut (Ersetzung des Turms durch eine Kirche) und erweitert. R.er Handwerker profitierten von Aufträgen. Die Schlosskirche wurde unter Graf Adolf (1606-1623) umgebaut, hier wurde er auch beigesetzt. Desweitern fanden seine Enkelin Sophia Agnes Eleonore und der R.er Hof- und Stadtprediger Johannes Schildius hier ihre letzte Ruhe.

In R. wurde die jeweilige Rückkunft Moritz Casimirs I. aus Hohenlimburg als höfisches Fest mit städtischen Gaben an den Grafen begangen. Unter ihm nahm auch das höfische Musik- und Theaterleben zu, was von seinem gleichnamigen Sohn fortgeführt wurde. Die Theateraufführungen zogen auch Besucher aus umliegenden Orten wie Gütersloh und Bielefeld an. 1754-1756 wurde das Schloss um den Barocktrakt erweitert, ab 1768 kamen noch Kanzlei, Wachthaus und Schloßmühle in der Vorburg hinzu. 1790 folgte ferner ein (kleines) Hoftheater. Unter Graf Moritz Casimir II. (reg. 1768-1805) gab es eine sehr kleine Hofhaltung, zu den sonntäglichen Konzerten hatte »jedermann« Zutritt (zu denken ist an Hofangehörige und die städtische Oberschicht). Im Jahr 1800 erwarb Johann Friedrich Kreiker, der ab 1784 am Hof für zahlreiche einfachere bis mittlere Tätigkeiten herangezogen wurde und für sein detailliertes Tagebuch bekannt ist, ein Haus und das Bürgerrecht. Für den Hofkomponisten Martin Doemmig, der auch als Küchenschreiber tätig war, ist dies nicht bekannt. Zum Schlossareal gehörten ein Baum- und ein Küchengarten sowie eine Rennbahn an dem Stadt und Schloss verbindenden Steinweg. 1795 erwarb Gf.ensohn Friedrich das Großbürgerrecht und daraufhin den unfertigen, palastartigen Bau des bankrott gegangenen Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Fuhrmann (heute Berliner Straße 22), was dem seit 1578 bestehenden Verbot des Grundbesitzerwerbs durch Adlige widersprach. Gfl.e Bediente wohnten in der Stadt zur Miete und mussten Straßengeld zahlen, aber keine auf ihnen als Person lastende Abgaben leisten, auch hatten sie kein Bürgerrecht; sie durften aber Gewerbe treiben, sofern sie die dann üblichen Abgaben leisteten. Die Pflasterung der Straßen erfolgte im 18. Jahrhundert auf Betreiben des Stadtherrn.

Eine Darstellung R.s findet sich in Merians Topographia Westphaliae von 1647, die die Stadt undifferenziert wiedergibt. 1718 fertigte ein C. Freese eine Zeichnung von Schloss und Stadt R. an, auf der die Bleiche gut zu sehen ist. Einen Eindruck von der Lage der Straßen vermittelt die »Carte von der Grafschaft R.« von 1800, wie sie sich auch in einer Beschreibung von 1768 findet.

(5) Im Zuge der Lippeschen Herrschaftsteilung 1345 wurden den R.er Burgmannen mehrere Freiflächen übereignet, die anschließend zu Bürgerland erklärt und den Bürgern zur Landwirtschaft zugewiesen wurden. Im Bereich der Herrschaft R. entwickelten sich keine Adelssitze, als Ausnahme ist eventuell das Haus Bosfeld ab 1620 zu nennen. Die einzige landständische Kurie bildeten die Klöster Herzebrock und Marienfeld und die Propstei Clarholz. R. selbst verfügte nicht über die Landstandschaft.

R. war, wohl auch wegen fehlender Landstandschaft, weder in Städtebünden noch in anderen regionalen politischen Verbindungen vertreten.

Bedeutung für den überregionalen Verkehr zwischen dem Hessischen und den Niederlanden dürfte R. durch die Emsfurt gehabt haben, der dort erhobene Zoll war für die Herrschaft tragend. Als Markt fungierte R. als Nahversorgungszentrum für die umliegenden Dörfer und Bauerschaften (abgesehen von den Importen für die Hofhaltung), konkurrierte allerdings mit dem sehr nahegelegenen (drei Kilometer südöstlich) zum Bistum Osnabrück gehörenden Wiedenbrück. Wirtschaftlicher Mittelpunkt der Herrschaft R. war Gütersloh, jedoch hatte die R.er Leinenbleiche einen so guten Ruf, dass sogar Tuche aus Bielefeld nach R. gebracht wurden. Export des Tuchs durch R.er Kaufleute ist nicht belegt. Für kurze Zeit gab es in R. eine landesherrliche Münzstätte (1562-1567, um 1620, 1655-1660, 1760/61).

(6) Als Burg- bzw. Residenzstadt fungierte R. unter den Edelherren von Lippe im Zeitraum von ca. 1221 bis 1265, unter Graf Konrad II. von Tecklenburg 1527-1534 und ab 1671 bis zum Ende des Alten Reichs (mit einer Unterbrechung 1726-1756). Gemäß der von Friedrich Wilhelm Hemann entwickelten Typologie für Residenzstädte in Westfalen handelt es sich um eine Stadtgründung bei der Residenzburg in einem Kleinstterritorium, deren Stadtqualität an die Residenz gebunden war (Typ I, 2b). Ein Wegfall dieser Funktion habe automatisch zu einer Reduktion der städtischen Qualität geführt. Im Falle R.s ist die Ausbauphase im 13. Jahrhundert u.a. eine Folge der Residenzfunktion; ihr Wegfall ab 1274 führte zu deutlich verlangsamten Wachstum, zumal der Landes- und Stadtherr selten in R. Aufenthalt nahm. Dies ändert sich erst nach dem Verkauf Tecklenburgs an Preußen 1707, vor allem nach dem 1745 erfolgten Ausbau des R.er Schlosses, als mit dauernder Anwesenheit des Landesherrn von einem eigentlichen Hofleben mit Theater und Orchester gesprochen werden kann. Konflikte zwischen Bürgergemeinde und Stadtherr sind nicht bekannt (von der Beschmutzung des katholischen Altars im Ratssaal durch zwei Söhne eines Bürgermeisters 1683 einmal abgesehen).

(7) Fürstliches Archiv Rheda (Benutzung über LWL-Archivamt für Westfalen), Bestand Rha.E - Herrschaft Rheda (dazu: Adelsarchive in Westfalen …, bearb. von Wolfgang Bockhorst, Münster 32012). Ferner ist das Stadtarchiv Rheda zu Rate zu ziehen. Als Besonderheit sind zu nennen die Bestände: Chronik 1355-1865, Lagerbuch 1675-1806, Ratsprotokolle 1606-1755. Im Staatsarchiv Münster befinden sich 47 Urkunden 1355-1698, fünf Amtsbücher 1617-1770. - Conrad, Horst: Die Tecklenburger und Rhedaer Archivalien im Fürstl. Archiv Solms-Braunfels, in: Archivpflege in Westfalen und Lippe, Heft 52, 2000, S. 14-16.

Traubuch I (1625/82) der Kirchengemeinde Rheda, hg. von Franz Xaver Flaskamp, Münster 1937. - Bürgerbuch der Stadt Rheda, hg. und eingeleitet von Franz Xaver Flaskamp, Münster 1948 (Quellen und Forschungen zur Natur und Geschichte des Kreises Wiedenbrück, 73). - Meier, Moritz: Kurtze Beschreibung der uhralten Grafschaft Tecklenburg und der Herrschaft Rheda, abgetheilt in neun Partes. Abschrift von Ignatz Goedecke (Tecklenburg), in: Böckenholt, Hans-Joachim: Schloß und Herrschaft Rheda, Harsewinkel 1979, S. 49-59.

(8)Gaul, Otto: Die ehemalige lippische Residenz Rheda, in: Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde 24 (1955) S. 182-211. - Flaskamp, Franz Xaver: Die Stadtkirche zu Rheda, in: Jahrbuch des Vereins für westfälische Kirchengeschichte 59/60 (1966/67) S. 57-82. - Mühlen, Franz: Schloß und Kapellenturm zu Rheda, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 64 (1968), S. 62-77. - Stoob, Heinz: Rheda, in: Ders. (Hg.), Westfälischer Städteatlas, Lfg. I, Blatt 12, Dortmund 1975. - Mühlen, Franz: Schloß und Residenz Rheda, Münster 1979. - Hemann, Friedrich Wilhelm: Residenzstädte in Westfalen, in: Westfälischer Städteatlas, Lfg. V, hg. von Wilfried Ehbrecht, Altenbeken 1997 [Einleitungsfaszikel]. - Meier, Johannes, Ossenbrink, Jochen: Die Herrschaft Rheda. Eine Landesaufnahme vom Ende des Alten Reichs, Bielefeld 1999 (Quellen zur Regionalgeschichte 4). - Schaub, Hermann: Die Herrschaft Rheda und ihre Residenzstadt. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches, Bielefeld 2006 [grundlegend] - Lewe, Wolfgang-A.: Die Anfänge der katholischen Gemeinde nach der Reformation in Rheda sowie die Problematik der zeitlichen Datierung des Clemens-Patroziniums, in: Jahrbuch für westfälische Kirchengeschichte 108 (2012) S. 119-125. - Menschen aus Stadt und Herrschaft Rheda in Mittelalter und Neuzeit, 2 Teilbände, hg. von Christian Loefke, Münster 2016 (= Beiträge zur Westfälischen Familienforschung, 72/73) [grundlegend].

Friedrich Bernward Fahlbusch