Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Weert

Weert

(1) W. liegt auf einem Geestrücken am Rand des Hochmoorgebiet Peel, das von einem breiten Gürtel von Sandflächen umgeben ist, auf dem sich prähistorisch Heidelandschaften ausbreiteten. Der Name W. ist abgeleitet von mndl. »waard« (vgl. mnd. »warder«), Insel bzw. Halbinsel, Trockenfläche in Sumpf- oder Moorgegend, auch eingedeichtes Land meinend. Siedlungsaktivitäten konzentrierten sich auf diesen Gürtel um das Moorgebiet herum, ganz in dessen Süden entstand W. als zentraler »kerkhof« (Kirchhof), von dem wohl in fränkischer Zeit als Ableger mehrere Siedlungen im Umland entstanden, die weiterhin zu W. gehörten und als »Buitenie« bezeichnet wurden. Die in der Literatur oft genannte Ersterwähnung 1062 nimmt Bezug auf eine gefälschte Urkunde, die etwa 100 Jahre jünger ist. Die Entwicklung zur Stadt setzte vergleichsweise spät ein. Im 11. Jahrhundert erhielt das St. Servatius-Kapitel zu Maastricht das Eigentum an der Grundherrschaft und der Kirche in W., konnte dieses jedoch gegen die Ansprüche auf W. erhebenden Herren von Horn, Lehnsmannen der Grafen von Loon (frz. Looz), letztlich nicht durchsetzen. Vieljährige Auseinandersetzungen wurden 1306 dadurch beendet, dass W. den Herren von Horn zugesprochen wurde, die bereits ab ca. 1250 dort eine Burg bzw. einen befestigten Hof errichtet hatten, die »Aldenborgh« (der Stammsitz der Herren befand sich in dem 23 Kilometer östlich entfernt gelegenen Horn, an der Maas gegenüber Roermond). Im Laufe der Zeit, sicher im 15. Jahrhundert, verlegten die Herren ihren Hauptaufenthaltsort nach W., wo sie ab 1455 eine neue Burg errichteten, die »Nijenborgh« (heute Herrenhaus Op de Biest). Dynastisch bedeutsam war die Eheschließung des (noch jungen) Jacobs I. von Horn mit Johanna von Mörs, der Tochter seines Vogts und Regenten, Graf Friedrich von Mörs, deren Mitgift für eine finanzielle Sicherung sorgte. Als Herren von W., Nederweert und Wessem vermochte er eine relativ unabhängige Stellung zu wahren, 1450 wurde die Herrschaft von König Friedrich III. zur Grafschaft erhoben, Jakob (†1488) somit der erste Graf von Horn. W. wurde im frühen 16. Jahrhundert zum Niederrheinisch-westfälischen Kreis eingeteilt, nicht zum Burgundischen.

1540 starben die Grafen von Horn mit Jakob IV. in männlicher Linie aus, es erbte der Stiefsohn Philippe de Montmorency (Jakob IV. hatte Anna van Egmond, Tochter Floris van Egmond Graf von Buren, geheiratet, die aus ihrer ersten Ehe mit Joseph de Montmorency zu Nevele einen Sohn hatte). Wegen seiner Beteiligung am Aufstand gegen die spanisch-habsburgische Herrschaft 1566 wurde er 1568 hingerichtet, die Grafschaft Horn (und die anderen Hornschen Besitzungen) beschlagnahmt und der landesherrlichen Domäne zugefügt (und dem Burgundischen Kreis zugeordnet wie ganz Geldern, Zutphen, Overijssel u.a.). Die überlebende Frau Philippes de Montmorency, Anna Walburgis von Mörs (†1600) - eine Vorkämpferin der Reformation in den Niederlanden - führte den Titel weiter. Da sie ihren zweiten Ehemann ebenfalls überlebte, vermachte sie 1594 testamentarisch die Grafschaft und damit W. an Sabina van Egmond, Tochter des zugleich mit ihrem ersten Mann 1568 hingerichteten Lamoral van Egmond.

Durch die Besetzung Gelderns durch die spanischen Habsburger 1610 geriet W. erneut unter landesherrliche Kontrolle, nun wurde die Beschlagnahmung aufgehoben und W. der Familie Egmond restituiert, doch die frühere unabhängige, quasi-landesherrliche Stellung der Grafschaft Horn konnte nicht wieder erreicht werden (die Besitzungen Nederweert und Wessem waren nach 1568 in den benachbarten Herrschaften aufgegangen, vor allem im Herzogtum Geldern), auch W. als Stadt verlor in dieser Zeit deutlich. Bis 1663 verblieb W. in der Familie Egmond, ging dann auf dem Erbweg an die Fürsten von Chimay, die durch weitreichende diplomatische Aktivitäten beim Kaiser, den Reichsständen, den Reichskreisen, dem Reichshofrat und dem Reichskammergericht danach trachteten, die vormalige Selbständigkeit wiederzuerlangen, was letzlich scheiterte, auch wenn es zu einer Rangerhöhung kam. 1677 wurde durch den spanischen König als Herrn der spanischen Niederlande das Fürstentum Horn erneut geschaffen und an Eugen Maximilian von Chimay, dritten Graf von Baucignies verliehen. Dessen Enkel wurde 1736 vom Kaiser in den Reichsfürstenstand erhoben. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts residierte jedoch kein Herr mehr in W.

(2) W. entwickelte sich erst im Laufe des Spätmittelalters zu einer stadtgleichrangigen Siedlung. Formell hat W. hat nie ein Stadrecht erhalten, sondern erhielt 1414 Marktrechte. Als »Ort mit Marktrecht« wird W. zu den Minderstädten gerechnet. In W. ließen sich die Herren/Gf.en von Horn durch einen Schultheißen vertreten. W. verfügte bis zum Ende des Alten Reichs über zwei Bürgermeister, einen für die Stadt und einen für die »Buitenie«. Oftmals entstammten sie dem Schöffenkollegium, aus dem jährlich die Bürgermeister gewählt wurden. In Händen der Bürgermeister lag die Finanzverwaltung der Stadt sowie die Umsetzung der Beschlüsse der Schöffen. Im Laufe der Zeit wurde ihre Zuständigkeiten erweitert, vor allem auf alle öffentlichen Bauvorhaben (Wege, Wasserläufe und Brücken). In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts scheinen die Schultheißen die Funktionen des Stadtherrn übernommen zu haben, die seit dieser Zeit nicht mehr in W. residierten.

Oberhof für die W.er Schöffen wurde durch die Erhebung zur Grafschaft 1450 der königliche Schöffenstuhl zu Aachen, nicht der des geldrischen Nimwegens; mit der Hinrichtung Philippes de Montmorency 1568 wurde dieser Rechtszug durch König Philipp von Spanien verboten, die Stadt W. an den geldrischen Schöffenstuhl in Roermond verwiesen.

Als Größenordnung für die Bevölkerung werden für 1300 ca. 1500 Einwohner geschätzt, 1400 ca. 4000. Höhepunkt dürfte 1577 mit ungefähr 6250 Einwohnern erreicht worden sein, von wo aus sie wieder auf 4000 im Jahr 1700 sank. Erst im 19. Jahrhundert stieg sie wieder an. Kennzeichen der Deurbanisierung war der Rückgang besteuerbarer Häuser von 357 im Jahr 1693 auf 250 im Jahr 1733, ein Rückgang um 30% innerhalb einer Generation.

Die erste Zunft (in W. Ämter) war das Wollamt, 1378 vom Herrn anerkannt. Das Zimmeramt bzw. Zwölf-Apostel-Gilde wurde 1464 gegründet und hatte den Hl. Josef als Schutzheiligen. 1471 folgte das Gewandschneideramt, privilegiert durch Jakob II. von Horn. Der Hl. Eligius (ndl. Sint-Eloy) war der Schutzheilige des Schmiedeamts, 1525 privilegiert durch Graf Jakob III. Das Schuhmacheramt entstand 1663, eventuell als Fortsetzung des bereits 1563 bestehenden Gerberamts. Das Krämeramt folgte 1652, jedoch zu einer Zeit, als der Handel in W. am Boden lag. Bei der Tuchherstellung waren beim Verpacken zum Ballen, dem Beschauen des Tuchs und dem Versiegeln Gebühren fällig, von denen zwei Drittel an den Grafen und ein Drittel an die Webermeister gingen.

1414 führte Wilhelm VII. von Horn einen Samstagsmarkt ein, danach erlaubte er drei Jahrmärkte, zu St. Bonifacius (5. Juni), zu Johannis-Enthauptung (29. August) und zu St. Barbara (4. Dezember). 1563 verlieh Philippe de Montmorency der Stadt das Recht, drei Pferdemärkte abzuhalten, donnerstags und freitags vor Fastnacht, am 27. Juni vor Peter und Paul und am donnerstags und freitags nach dem westfälischen Grevermarkt (24. August). Es gab sichtlichen Andrang zu diesen Märkten. Die Stadt finanzierte sich durch Akzisen auf Getreide, Fleisch, Ferkel, Rauchwaren/Felle, Wolle, Branntwein, Wein, Bier und Torf, welche zusammengenommen die ärmere Bevölkerung vergleichsweise schwer belastete. Zudem wurde Wegezoll erhoben.

(3) Hauptkirche war die St. Martinus-Kirche. Das Martins-Patrozinium verweist auf eine frühe Gründung, eventuell schon in frühkarolingischer Zeit, zumal W. bereits im beginnenden Landesausbau als »kerkhof« bezeichnet wurde, der zuständig war für die Dörfer des Umlandes. In der Kirche soll sich das Grab Philippes de Montmorency befinden, genauer des Herzens, während der Körper im Franziskanerkloster liegen soll. Im Jahr 1400 gab es vier Altäre, 1404 werden eine Marien-Bruderschaft und ein Vikar erwähnt.

Nach dem Tod Johannas von Mörs 1461 schenkte Graf Jacob I. die »Aldenborgh« dem Franziskanerorden, der auf dem Gelände ein Kloster errichtete. Dieses schloss sich der Windesheimer Kongregation an. Dessen 1525-1539 errichtete und heute noch stehende Kirche, die »Paterskerk«, ersetzte einen kleineren Vorgängerbau. Im Rahmen des Aufstands wurde die Kirche 1566, 1572 und 1578 beschädigt, in den 1580er Jahren wiederhergestellt; 1652 wurde die Portiunkulakapelle angebaut. Heutige Nebengebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert 1797 wurde es aufgehoben (1836 wieder gegründet). Bei Ausgrabungen 2020 wurde ein Grabgewölbe entdeckt, in dem eventuell der Körper Philippes de Montmorency beigesetzt wurde.

Stadt und Graf gründeten 1509 gemeinsam ein Kloster der »Brot-« oder »Zellenschwestern«, auch »Schwarze Schwestern« genannt, das die Dritte Regel des Hl. Augustinus annahm, und an der Straße Op den Biest lag. Es diente vor allem der Krankenversorgung. 1609 wurde es aufgehoben und mit dem Schwesterkloster in Roermond vereingt.

Erste Spuren reformatorischen Gedankenguts finden sich zu Beginn der 1530er Jahre, als W.er Kaufleute den Priester Cornelis van Koudekerke in ihre Stadt holten. 1547 wurde ein der Ketzerei Verächtiger durch Inquisitoren des Fbf.s von Lüttich verhört. W. spielte unter der Frau von Philippe de Montmorency, der Calvinistin Anna Walburga von Neuenahr, für kurze Zeit (1566/67) eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung reformatorischen Denkens in den Niederlanden. Zusammen mit ihrer lutherischen Schwiegermutter Anna van Egmond überzeugten sie den 1559 vom Lütticher Fbf. eingesetzten W.er Priester Thomas van Sprankhuysen 1566 zum Verlassen des katholischen Glaubens, außerdem warnten sie die Nonnen des Klosters in der Maasstraat vor dem bevorstehenden Bildersturm. Die Besetzung durch Truppen unter Herzog Alba machte den reformatorischen Ansätzen ein Ende.

Etwas außerhalb der Stadt vor dem Molenpoort dürfte es bereits im 14. Jahrhundert eine Kapelle gegeben haben, die dem Hl. Rumold geweiht war. Im 18. Jahrhundert wurde der heute noch existierende Bau errichtet.

In den Orten der Buitenie wurden im Laufe der Zeit ebenfalls Kapellen errichtet, so in Boshoven die 1485 erwähnte »Sint Odakapel« oder in Altweert 1723 die »Sint-Antoniuskapel«.

(4) Die älteste Karte von W., angefertigt um 1565 von Jacob van Deventer, zeigt sechs Tore (Hoogpoort, Maaspoort, Langpoort, Molenpoort, Beekpoort und Morgatpoort). Die Stadt war gänzlich umgeben von Gräben, ungefähr ein Drittel war mit einer Mauer versehen, vor dem Rest befand sich ein Wall mit Palisaden. Der Stadtinnenraum war dicht bebaut. Stadtbildprägend waren die beiden Burgen, die Kirche und das Rathaus.

Ältestes Gebäude ist die St. Martinuskiche, gelegen am Markt (heute Markt 8). Die heutige Kirche ist das Ergebnis zahlreicher Um- und Anbauten in verchiedenen Phasen der Gotik. Ältester Teil ist der Chorumgang und drei Joche im Osten, 1456 als »nieuw koor« (»neuer Chor«) bezeichnet. Das westlich anschließende Schiff ist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet worden, deutlich aufwendiger gestaltet. 1512 wurde sie geweiht. Die dritte Bauphase endete 1528.

Direkt an der Befestigung lag die ab 1432 zu bauen begonnene »Nijenborgh« (heute Biest 1). Es handelte sich um eine größere, vierckige Anlage mit Ecktürmen, davon einer als größerer vierckiger Turm aufgeführt, auf dessen Fundamenten im 19. Jahrhundert ein palaisartiges Wohnhaus errichtet wurde. Von der Vorburg stehen noch die Reste des Tores. Während des Spanischen Erbfolgekriegs wurde die Burg um 1702 derart verwüstet, dass sie als Ruine verblieb. Durch den »Raad van State« wurde der weitere Abriss angeordnet. Im 18. und 19. Jahrhundert diente die Ruine als Steinbruch.

Bemerkenswert ist das »Stadhuis« (Rathaus, heute Markt 7). Der Bau begann 1543, 1550 war er größtenteils vollendet. Ein Wappenstein im Vorhof zeigt das Wappen der Grafen von Horn und die Jahreszahl 1550 (wohl das Jahr der Fertigstellung). In den Bürgermeisterrechnungen finden sich Angaben zum »nieuwen huys«, was darauf hindeutet, dass es ein älteres Rathaus gegeben haben muss. Das Gebäude diente auch als Gefängnis und Fleischhalle. Das mit Türmchen und einer Galerie an der Schauseite gezierte Gebäude, die den Reichtum der Stadt zu dieser Zeit verdeutlichten, wurde in den 1820er Jahren abgebrochen, lediglich die Rückseite ist erhalten.

Etwas außerhalb der Stadt lag die »Aldenborgh« (heute Biest 43), der erste Sitz der Herren von Horn, ein befestigter Hof. 1461 wurde dieser den Franziskanern übereignet, die es zu einem Kloster umbauten. Zu diesem gehörte eine Kirche, Nebengebäude, ein Garten, umgeben war er von einem Graben. Im frühen 16. Jahrhundert wurde die Kirche im repräsentativen Stil der Maasländischen Renaissance umgebaut und 1526 eingeweiht. 1652 wurde an den Chor eine Kapelle angebaut, Nutzgebäude wie eine Brauerei folgten. Nach der Französischen Besatzung 1795 wurde das Kloster 1797 an Privatbesitzer versteigert, 1836 wieder von Franziskanern in Besitz genommen.

Ab dem frühen 14. Jahrhundert gab es in W. eine Münze, die bis 1568 aktiv war. Die Schauseite des »Munte« genannten Gebäudes ist jedoch etwas jünger, eventuell stammen Innenteile noch aus der Zeit, als Münzen geprägt wurden.

(5) W. hatte von Anfang an eine zentrale Funktion für das direkte, aus acht Weilern bestehende Umland, das wohl bereits im Frühmittelalter von W. aus besiedelt wurde und zusammenfassend als »Buitenie« bezeichnet wurde. Alle Orte verfügten über Nutzungsrechte an den umliegenden Ländereien, Wäldern, Heide- und Moorflächen. Da einer der Bürgermeister W.s für diesen Raum zuständig war, erstreckte sich der Machtbereich W.s weit über die eigentliche Stadt hinaus. W. wurde in diesem Zusammenhang als »kerkhof« bezeichnet, hatte als Kirchort eine weitere zentrale Funktion inne. Das Verhältnis zwischen Stadt und Buitenie war dynamisch. Die Stadt war auf agrare Zulieferungen aus diesem Gebiet angewiesen und diente als Markt für deren weiteren Vertrieb. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang W.s im 17. und 18. Jahrhundert nahm der ländliche Charakter des Orts zu, was die Abhängigkeit von dem Umland verstärkte.

Problematisch war die Versorgung W.s mit Wasser, da die Stadt auf einem trockenen Sandrücken lag und keinen natürlich Zufluss besaß. 1296 schloss Aert Graf von Loon einen Vertrag zwischen Gosen van Born und Wilhelm von Horn, seinen Lehnsmannen, der die Anlage eines elf Kilometer langen künstlichen Bachs von der Aabeek südwestlich W.s vorsah, mit dessen Hilfe W. mit Wasser versorgt werden sollte. Die in der Nähe der »Nedermolen« von Bocholt angelegte Schleuse hatte die Größe eines Bienenkorbs und trug daher ihren Namen; 1481 wurde sie auf die Größe von drei Bienenkörben vergrößert, wohl um die Gräben um die »Nijenborch« und um die Stadt zu füllen. Die Schleuse lag im Rechtsgebiet des Orts Bree, sie wurde regelmäßig von Vertretern der Städte W. und Bree kontrolliert, im 17. und 18. Jahrhundert beteiligte sich außerdem Nederweert zu einem Drittel an den Unterhaltskosten.

Tuche aus W. wurden im 15./16. Jahrhundert weithin exportiert im nordwesteuropäischen Raum bis nach England und Frankreich. Über Antwerpen und Bergen op Zoom gelangten die W.er Tuche in den internationalen Handel.

Das Gebiet der Herrschaft W. wurde im 14. Jahrhundert durch eine so gut wie gerade Linie in zwei Teile geschnitten, dem Zuständigkeitsbereich der Schöffenbank W. und dem der neuen Schöffenbank von Nederweert. 1525 vergab Graf Jacob III. von Horn Nederweert das Recht, Akzise zu eigenen Gunsten einzuziehen und Flächen im Peel zu kultivieren. In der Folge führte dies zu Zwistigkeiten zwischen W. und Nederweert, da die größere Stadt W. sich aus dem zu Nederweert gehörenden Gebiet versorgte.

Schwierig war das Verhältnis zu Roermond. 1485 kam es im Rahmen einer Fehde zwischen den Grafen von Horn und den aus Roermond stammenden Van de Marcks zu einer direkten Auseinandersetzung, bei der es zu Toten kam. Noch 100 Jahre später wurde den Gefallenen in W. mit einer Prozession um die St. Martinus-Kirche zu Halbfasten gedacht. Im Rahmen der »Brabanter Revolution« 1789 wurden drei Mitglieder des »Hofs van Gelre«, die in Roermond von 630 Einwohnern W.s gefangen genommen, über W. nach Brüssel geführt, woraus eine Feindschaft zwischen beiden Städten entstand, da Roermond der verwaltungsmäßige und kirchliche Hauptort der Region wurde und blieb.

(6) Rechtlich als Minderstadt zu werten, erlebte W. unter den Grafen von Horn ca. 1450-ca. 1550 als Residenzstadt eine Blüte, die sich in der großen Einwohnerzahl von ca. 6250 Personen im Jahr 1577 ausdrückte. Hervorzuheben ist W. als Zentrum der reformatorischen Bewegung unter der Ehefrau Philippes de Montmorency 1568. Wirtschaftlich stand die Tuchherstellung an erster Stelle, das »Wollamt« bzw. Tuchgilde (Weberzunft) war der größte Zusammenschluss, da auch die anderen Gewerke, die in Beziehung zur Tuchherstellung standen, dazugehörten. Auch das repräsentative Rathaus und die große St. Martinus-Kirche legen Zeugnis ab von der Bedeutung W.s in dieser Zeit.

Das Entfallen der beschützenden Hand der Horner Grafen, die Verwüstungen des Achtzigjährigen Kriegs, die politischen und verfassungsmäßigen Veränderungen, die Trennung in Nördliche und Südliche Niederlande und die dadurch bedingten Veränderungen der Verkehrswege ließen W. in eine Randlage geraten, die sich in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen ausdrückte. Dieses teilte sich W. zwar mit anderen Städten, doch konnte W. sich erst im 19. Jahrhundert davon erholen. Die deutlich isolierte Lage zwischen dem Peel und den Kempen beförderte den wirtschaftlichen Abschwung.

(7) Archivalien zur Geschichte Weerts befinden sich im Gemeentearchief Weert, siehe zu diesem im Internet unter www.erfgoedhuisweert.nl. Im einzelnen handelt es sich um die Bestände: Oud-Rechterlijk Archief, Oud-administratief archief (1296-1795, die älteste Bürgermeisterrechnung stammt von1483), Nieuw Archief der Gemeente Weert (1795-1920) und das Archief van het Gemeentebestuur Weert (1795-1997). Siehe auch die Bestände: Archief gemeentebestuur Stramproy (1592-1937), Archieven parochie St. Martinus (1404-1979).

(8)Nies, Frits: Weert. Het verleden van een stad, Weert 1999. - Coenen, Jean: Op de keper beschouwd. Een geschiedenis van Weert, 2 Tl.e, Weert 2007-2009. - Wassink, Jos F.A.: Van stad en buitenie. Een institutionele studie van rechtspraak en bestuur in Weert 1568-1795, Hilversum 2005 (Maaslandse Monografieën, 68). - Graef, Mart: Kasteel Horn en zijn bewoners, [Horn] 2011. - Hermans, P.J. u.a.: Ach Lieve Tijd. 1000 jaar Weert, 13 Tl.e, Zwolle 2002-2003. - Einschlägig zur Ortsgeschichte ist der Internetauftritt der Stichting Historisch Onderzoek Weert unter »www.showeert.nl«.

Jac Lemmens