(1) Die F. liegt auf einem Bergsporn an der Sieg und beherrscht durch ihre Lage das umgebende Siegtal.
In einer Grenzbeschreibung der Kirche Haiger wurde 1048 der Rodungsbezirk »Froudesbrahderofanc« erwähnt, der den seit 1131 belegten Edelherren von F. gehörte. 1195 erbte Burggraf Eberhard von Aremberg (†1218) die Herrschaft F., die 1220 von Graf Heinrich III. von Sayn (†1246/1247) erworben wurde. 1367 trug Graf Johann III. von Sayn (†1408) F. Kurtrier als Lehen auf und übergab sie 1391 an seinen Sohn, Gerhard I. von Sayn (†1419), der 1408 die Regentschaft antrat. Die F. diente den Grafen von Sayn zeitweilig als Residenz und Witwensitz und war seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert (1398 belegt) Sitz eines Amtmanns, seit Mitte des 15. Jahrhunderts (1454 belegt) eines Rentmeisters. Anna von Solms (†1433) residierte nach dem Tod ihres Mannes seit 1419 auf der F. (1423 heiratete sie erneut). Bei einer Landesteilung 1437 kam die F. an Graf Dietrich von Sayn (†1452), dessen überlebende Frau Margarethe von Nassau-Vianden (†nach 1465) 1452 ihren Sitz auf der F. nahm.
1493 fielen die Burgen F., Homburg und Friedewald an Graf Sebastian I. von Sayn (†1498). Das Tal F. als Siedlung unterhalb der Burg entbehrte förmlicher Stadtrechte, allerdings sind seit dem 16. Jahrhundert durchgängig Bezeichnungen als Tal oder Flecken belegt. Die Landesteilung 1555 brachte Burg und Tal F., Haus mitsamt Flecken Friedewald sowie Schloss Homburg an Graf Sebastian II. von Sayn (†1573), der in seinem Landesteil bis zu seinem Tod auf der F. residierte. Ab 1573 nahm Graf Heinrich IV. von Sayn (†1606) auf der F. seine Residenz. Heinrich IV. von Sayn baute die Burg 1580 enorm aus und erweiterte sie zur repräsentativen Residenz (»Heinrichsbau«). Das Gf.enhaus erlosch mit dem Tod des Grafen Heinrich IV. von Sayn 1606, die Grafschaft fiel an die Linie Sayn-Wittgenstein. Kurtrier erhob Ansprüche auf das Amt F., das 1626 in Besitz genommen wurde. 1633 wurde F. von den Schweden eingenommen und an Gf.in Louise Juliane von Sayn-Wittgenstein (†1670) als Regentin der Sayner Grafschaft übergeben. 1637 nahm sie kurzzeitig auf der F. ihren Sitz, von der sie indes sehr bald wieder von Kurtrier vertrieben wurde. Nach dem Westfälischen Frieden gab Kurtrier 1652 das Amt F. an die Grafschaft Sayn zurück. Durch die Teilung der Grafschaft in die Territorien Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg Mitte des 17. Jahrhunderts kam F. an Sayn-Altenkirchen, dann an die Herzöge von Sachsen-Eisenach und 1741 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Die Burg diente fortan überwiegend als Garnison und Sitz des Amtmanns, der der Kanzlei in Altenkirchen unterstand. Bis zum Ende des Alten Reiches blieb F. Sitz des Amts. 1791 kam Sayn-Altenkirchen an das Königreich Preußen, war ab 1802/1803 nassauisch und fiel nach dem Wiener Kongress 1815 wieder an Preußen. Die F. diente im 19. Jahrhundert zunächst als Sitz für Gericht und Forstverwaltung, seit 1923 als Jugendherberge.
(2) Die Siedlung am Hang unter der Burg war durch eine Mauer mit Torbauten befestigt. In der frühen Neuzeit ist eine Freiheit als Flecken oder Tal belegt. F. blieb als Tal eine dörfliche Siedlung mit gesonderter Rechtsstellung.
1652 gab es in F. 16 Feuerstellen (Räuche), 1745 hingegen 48 Räuche. 1787 waren 52 Haushalte vorhanden mit 268 Personen, 1791 wurde 305 Einwohner gezählt.
1372 belehnte Kaiser Karl IV. Graf Johann III. von Sayn (†1408) mit dem Freien Richtstuhl F. (Freistuhl der Feme). König Wenzel ernannte 1398 Albert von Berg zum Freigf.en. F. gehörte seit dem Spätmittelalter zum Landgericht Kirchf. (Kirchen an der Sieg), in F. selbst ist kein gesondertes Gericht dokumentiert. Die Gerichtsbarkeit wurde seit dem 16. Jahrhundert zunehmend durch den saynischen Amtmann übernommen. Im Tal hatten Familien des lokalen Adels Burgmannensitze oder -lehen inne (unter anderem 1455 Friedrich, Volbrecht und Rorich von Seelbach, 1472 Arnold von Betzdorf, 1479 Johann von Ottenstein, 1490 Johann von Widderstein, 1535 Gotthard von Scheidt genannt Weschpfenning).
Die Bevölkerung des Tals war 1746 bei Bedarf zum Wachdienst auf der Burg und zur Verteidigung verpflichtet. 1794 stand den Einwohnern ein Burgschulz vor, die Einwohner wurden Burgsassen genannt, ansonsten sind die rechtlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen noch nicht hinreichend erforscht. Mit dem Ausbau der landesherrlichen Verwaltung (Amt) zogen gräfliche Bedienstete nach F.
Der Ort war weitgehend landwirtschaftlich geprägt und produzierte überwiegend für den lokalen Markt, entwickelte aber dennoch gewerbliches Leben, das für das gesamte Amt F. in den Zünften der Bäcker- und Bierbrauer (1729) organisiert wurde. Ein Markt ist nicht belegt.
(3) Es gab keine Pfarrkirche, kirchlich gehörte F. bis 1743 zur Pfarrei Kirchf. (Kirchen an der Sieg), als die Pfarrei F.-Niederfischbach gebildet wurde. In F. stand lediglich eine Kapelle (wohl romanischen Ursprungs), die im 16. Jahrhundert umgebaut wurde. Auch Klöster oder Stifte waren nicht vorhanden.
1561 schlossen sich die Grafen von Sayn der lutherischen Reformation an. Graf Wilhelm von Sayn-Wittgenstein führte 1605 das reformierte Bekenntnis ein. Aufgrund einer Übereinkunft mit Kurtrier Mitte des 17. Jahrhunderts waren im ganzen Amt die katholische und lutherische Konfession gleichberechtigt. Bis zum Ende der Grafschaft Sayn-Altenkirchen existierten drei Konfessionen parallel. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts gab es im Tal eine Kirchspielschule.
(4) Neben dem Ausbau der Burg in der frühen Neuzeit ist eine Gestaltung des Stadtraumes nicht zu erkennen. Die Siedlung lag vor der Burg und war durch eine an die Burg anschließende Befestigung (mit Obertor an der Burg und Untertor) umgeben. Der heutige Ort entspricht in seiner Ausdehnung dem frühneuzeitlichen Zustand.
Mit der Burg existierte ein bis in das 18. Jahrhundert hinein in unterschiedlichem Grad genutztes, aber gleichwohl kontinuierliches herrschaftliches Zentrum. Ihre Baugeschichte ist nur spärlich dokumentiert. Die höfische Nutzung der F. als Residenz durch die Grafen Sebastian II. und Heinrich IV. von Sayn 1555-1606 und der vereinzelten Heranziehung als Witwensitz sind bislang noch weitgehend unerforscht. Das Amt F. hatte seinen Sitz indes weiterhin auf der Burg.
(5) Dem Tal F. kamen in seinem näheren Umland keine nennenswerten Rechte zu. Zentralfunktionen als Kirchort oder Nahmarkt entbehrte F., lediglich als Amtssitz sowie temporär im 14. Jahrhundert als Hochgericht (Freistuhl) war F. bedeutend. In den saynischen Landständen war F., anders als Hachenburg und Altenkirchen, nicht vertreten. F. war 1746 hinsichtlich der finanziellen Verflechtungen schatzfrei.
(6) F. fungierte durchgehend als Residenz 1555-1606 unter den Grafen Sebastian II. und Heinrich IV. von Sayn. Zuvor diente die F. vorübergehend als Sitz der Sayner Grafen, daneben im 15. Jahrhundert als Witwensitz für Anna von Solms sowie Margarethe von Nassau-Vianden. Das Verhältnis zwischen Landesherrschaft und Tal war durch die Präsenz des Amtmanns geprägt. Unter Heinrich IV. von Sayn wurde die Burg um 1580 zu einer weithin sichtbaren Residenz hoch über dem Tal der Sieg ausgebaut, sichtlich eine Form der Herrschaftsrepräsentation im Westerwald. Auch die landesherrlichen Amtsträger nahmen ihren Wohnsitz auf der Burg. Personelle Verflechtungen zwischen Tal und Hof oder Behörden, wie Konnubium oder Patenschaften, sind bislang unerforscht. Da F. im 18. Jahrhundert schatzfrei war, waren keine Abhängigkeiten des Landesherrn von der Finanzkraft der Siedlung gegeben. Bis zum Ende des Alten Reiches und darüber hinaus war F. Sitz nachgeordneter Behörden der Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Auch wenn der Ort nur zeitweilig Residenz war, so war er für die Herrschaftswahrnehmung in der Grafschaft Sayn und später in Sayn-Altenkirchen gleichwohl von Bedeutung.
(7) Die archivalischen Quellen werden überwiegend im Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 30) und im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Abteilung 340) aufbewahrt. Weitere Archivalien - allerdings mit zeitlichem Schwerpunkt nach 1800 - befinden sich im Kreisarchiv Altenkirchen.
Hardt, Albert: Urkundenbuch der Herrschaft Sayn, Wiesbaden 2012. - Brommer, Peter: Die Ämter Altenkirchen, Freusburg und Friedewald der Grafschaft Sayn-Altenkirchen in den Jahren 1745/46. Edition und Kommentierung unbekannter Amtsbeschreibungen, Altenkirchen 2016.
(8)Dahlhoff, Matthias: Geschichte der Grafschaft Sayn und der Bestandtheile derselben, Dillenburg 1874. - Semmelroth, Richard: Die Freusburg. Bilder aus ihrer Geschichte, Betzdorf 1930. - Sinemus, Martin: Die Geschichte der evangelischen Gemeinden des Kirchenkreises Altenkirchen (Westerwald), Saarbrücken 1933. - Die Kunstdenkmäler des Kreises Altenkirchen, bearb. von Margot Bitterauf-Remy, Düsseldorf 1935 (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 16). - Gensicke, Hellmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes, Wiesbaden 1958 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, 13). - Hennes, Friedrich: Zur Geschichte der Reformation in der Grafschaft Sayn, in: Festschrift zum 400jährigen Jubiläum der Reformation in der Grafschaft Sayn insbesondere innerhalb des Kirchenkreises Altenkirchen, hg. von Heinrich Müller, Albert Rosenkranz und Walter Schmidt, Düsseldorf 1961, S. 9-40. - Solbach, Benno: Der Burgflecken Freusburg nach dem Saal- oder Lagerbuch, errichtet Anno 1794, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 22 (1979) S. 47-49. - Vierbuchen, Erich: Die Herrschaft Freusburg. Wittum der Margaretha von Nassau-Vianden, Gräfin von Sayn (1452-etwa 1467), in: Siegerland 57 (1980) S. 92-94. - Menk, Gerhard: Langer Weg und halber Erfolg. Die »Zweite Reformation« in Sayn. Betrachtungen zu Dynamik und Gefährdung des Kalvinismus im Zeitalter des Konfessionalismus, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 18 (1992) S. 181-265. - Chronik des Ortes Freusburg, hg. von der Arbeitsgemeinschaft 950 Jahre Freusburg, Freusburg 1998. - Friedhoff, Jens: Die Freusburg bei Kirchen an der Sieg. Notizen zu Geschichte und Baugeschichte einer saynischen Landesburg, in: Siegerland 78 (2001) S. 25-44. - Fritzsche, Hans: Die Freusburg und die Freusburger Kapelle. Vergangenheit und Gegenwart, Freusburg 2003. - Schneider, Daniel: Die Landstände in der Grafschaft Sayn sowie Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 33 (2007) S. 213-229. - Schneider, Daniel: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015) S. 74-80.