Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Emden

Emden

(1) E. liegt ganz im Nordwesten des Reiches auf der ostfriesischen Halbinsel verkehrsgünstig an der Mündung der Ems in den Dollart. Der Stadtname (altfriesisch Emethun, Nebenform Amethun) verweist auf die Lage an der Flussmündung. An der Stadt floss die Ehe/Aa vorbei, aus der später der Hafen (Delft) hervorgehen sollte. Die Stadt liegt an der Friesischen Straße bzw. dem Heerweg nach Münster.

Die Siedlung gehörte zum Emsigerland (Teil des Emsgaus), in dem die Gaugf.en aus dem Geschlecht Calvelage-Ravensberg die Gf.enrechte hielten. 1253 gingen diese an die Bischöfe von Münster über, die sich in E. durch einen Propst vertreten ließen, der als Drost auch die weltlichen Rechte besaß. Seit 1390 herrschte in E. zudem ein eigener Häuptling, was als Hinweis auf eine frühe städtische Verwaltung zu sehen ist. Ausgeübt wurden die Ämter in Personalunion von Mitgliedern der Familie Abdena. Im Zuge der Streitigkeiten zwischen den ostfriesischen Lokalherrschern und der Hanse, insbesondere vertreten durch Hamburg, wurde die Häuptlingsfamilie tom Brok 1413 Stadtherren. 1422 besetzte Hamburg E., ehe 1439 der Greetsieler Häuptlingsfamilie Cirksena die Stadt in Verwahrung übergeben wurde, unterbrochen in der Zeit von 1447 bis 1453 als E. wieder Hamburg unterstand. 1464 wurde Ulrich Cirksena erster Graf von Ostfriesland, womit die Reichsgft. begründet wurde, deren Hauptresidenz spätestens ab 1500 E. war. Wenngleich Graf Edzard II. 1562-1580 in Aurich residierte, blieb E. bis 1595 Hauptsitz der Cirksena. In diesem Jahr kam es zur »Emder Revolution«, in deren Folge die Grafen nach Aurich auswichen und E. zu einer »quasi-autonomen Stadtrepublik« unter niederländischer Garantie wurde. Dieser Zustand, der im Delfzijler Vertrag (1595), im Haager Vergleich (1602) sowie im Osterhusischen Akkord (1611) festgeschrieben wurde, blieb bis 1744 bestehen, ehe das 1654 zum persönlichen, 1662 zum erblichen Fürstentum erhobene Ostfriesland samt E. gemäß der kurz vorab geschlossenen Emder Konvention (1744) nach Tod des letzten männlichen Cirksena-Fs.en Carl Edzard an Preußen fiel. Nach der Emder Revolution verblieb die entfestete Burg weiterhin Besitz der Cirksena, auf ihr weilten noch gelegentlich Amtsträger des Hofes, allerdings wurde das Gebäude kaum genutzt.

(2) Die Siedlungsgeschichte ist geprägt von der Lage an der Ems. Die Siedlung entstand frühestens um 800 auf einer Warf. Die Altstadt, die auch heute noch als Warf wahrnehmbar ist, war Zentrum dieser Siedlung. Hier lebten vor allem Handwerker und (Fern-)Händler, Landwirtschaft spielte nur eine untergeordnete Rolle. Seit dem 11./12. Jahrhundert gab es eine Münzstätte, vermutlich auch einen Markt. Die vor E. befindliche Halbinsel Mittel-Faldern, auf der sich das Franziskanerkloster befand, wurde 1368/69 durch eine Brücke mit der Stadt verbunden. Seit dem 14. Jahrhundert wird E. als Stadt bezeichnet. Bis 1509 floss die Ems direkt an der Stadt vorbei, danach verlagerte sich das Emsbett weiter südlich. Versuche, durch ein Holzkonstrukt (»Nesserlander Höft«) die Ems wieder ins Fahrwasser zu zwingen, scheiterten. Mit dem Ausbau der Festungsanlagen wurden die direkt vor der Stadt liegenden Dörfer Klein- und Groß-Faldern 1574 städtebaulich integriert, juristisch hingegen erst 1595. Die größte Erweiterung der Stadt wurde während des Ausbaus der Befestigungsanlagen (1605-1616) während des Achtzigjährigen Krieges der Niederlande (1568-1648) vorgenommen. Die dadurch entstandene Neustadt wurde erst im 19. Jahrhundert komplett bebaut.

Im 16. Jahrhundert gab es einen starken Bevölkerungszuwachs: Waren es zunächst noch um 3000 Einwohner, stieg die Zahl in den 1540er Jahren auf 4000-5000 Einwohner, ehe wegen Zuzug niederländischer Exulanten in den 1570er Jahren wohl mindestens 15000 Einwohner (mitunter Schätzungen von 20000 bis 30000) zu verzeichnen sind, von denen 5000-6000 zu den Exulanten gehörten, die die Stadt allerdings größtenteils wieder verließen, nachdem Amsterdam sich 1578 der Rebellion angeschlossen hatte. 1608/15 waren es wohl 18000-19000 (inkl. 3000 Angehörige des seit 1595/1602 stationierten niederländischen Militärs), nach 1650 dauerhaft unter 15000, nach 1700 dauerhaft unter 10000 Einwohner. Die Migranten stammten meistens aus Westfalen, seit Mitte des 16. Jahrhunderts sollen es vor allem Holländer, Brabanter, Flamen, Engländer und französischsprachige Niederländer gewesen sein. Es gab eine breite Unterschicht aus Seeleuten, Schiffern, Hafen- und Transportarbeitern sowie kleinen Handwerkern, die vor allem im Stadtteil Klein-Faldern wohnten.

Ein verbrieftes Stadtrecht besteht nicht. Die Rechtsprechung vor Ort geschah anhand des alten Emsiger Rechts sowie des ostfriesischen Landrechts. 1427 wurden erstmalig zwei Bürger als Vertreter der Bürgerschaft ernannt. Ein städtischer Rat bestand seit 1442, zu dem vier Bürgermeister (einer präsidierend) sowie acht Ratsherren gehörten, auch wenn in der Frühzeit nicht alle Posten besetzt wurden. Seit 1574 existierte zudem ein 24er Rat als Vertretung der Bürgergemeinde, ab 1589 wurde dieser auf 40 Personen erweitert. Während vor 1595 der Rat vom Grafen ernannt wurde, blieb diesem danach nur noch das Recht der Bestätigung. In der Stadtrepublik wurden die Regierungsgeschäfte vom Stadtsyndikus geleitet. Der Rat beanspruchte seitdem die Hochgerichtsbarkeit (eigener Scharfrichter). Eine Besonderheit bildete das Militärrecht, das nach Vorbild der niederländischen Provinz Friesland ausgeübt wurde.

E. galt bereits Zeitgenossen als »Kaufmannsstadt«, der Seehandel mit Nord- und Ostseehäfen bildete das Kerngeschäft. U.a. importierten Kaufleute Luxuswaren wie Seidenstoffe, Perlen, Goldborte für den Hof. In den 1560/70er Jahren war E. zu einer bedeutenden Reedereistadt in Europa aufgestiegen, da die Stadt sich während des Achtzigjährigen Kriegs neutral hielt. Die englischen Tuchhändler (Merchant Adventurers) verlegten zwischen 1564 und 1565 sowie erneut von 1580 bis 1587 ihren Sitz nach E. In der Stadt gab es seit dem 15. Jahrhundert zahlreiche Gilden. Überregionale Bedeutung hatten das Goldschmiedehandwerk sowie insbesondere in der frühreformatorischen Zeit die Buchdrucker.

(3) Wichtigste Kirche war die Große Kirche, die im Mittelalter den Hl. Cosmas und Damian geweiht war. Aufgrund des Asyls für die niederländischen Glaubensflüchtlinge erhielt sie im 16. Jahrhundert den Ehrentitel »Moederkerk« des reformierten Protestantismus. Die ältesten Spuren des Kirchbaus sind drei Pfosten, von denen zwei dendrochronologisch auf das Jahr 966 datiert werden können. Einen ersten Backsteinbau gab es nach 1200, weitere Ausbauten erfolgten im 13./14. Jahrhundert (Abschluss um 1509). Hier befand sich die Gruft der Cirksena. Zwischen 1540 und 1548 wurde nach Tod Graf Ennos II. 1540 ein aus der Werkstatt des Antwerpener Bildhauers Cornelis Floris de Vriendt stammendes Monument über der Gruft errichtet. Um 1520 gab es 13 Altäre. Zwei Altäre gehörten dem Gf.enhaus (Hauptalter sowie Altar in der Grabkapelle). Gf.in Theda bedachte 1494 in ihrem Testament die Priester der Altäre St. Ewald, St. Nikolaus sowie St. Jacob für Seelenmessen. In der Kirche ist das Herz Albrecht von Sachsens (†1500 in E.), Gubernator von Friesland, begraben. Der Innenraum der Kirche verfügte seit dem 16. Jahrhundert über eine eigene Bank für die Gf.enfamilie (»Fürstenböntje«) sowie eine Bank für den Rat (»Ratsböntje«). Ausgehend von der Großen Kirche entwickelte sich seit Einführung des reformierten Bekenntnisses der Kirchenrat zu einem politischen Gegenspieler zum Gf.enhaus. In den Räumen der Kirche gab es die durch den Kirchenältesten Gerhard tom Camp (†1559) ins Leben gerufene Bibliothek der reformierten Gemeinde (seit 1995 »Johannes a Lasco-Bibliothek«).

Auf Mittel-Faldern bestand das auf Grund der St. Walburga-Kirche 1317 gegründete Franziskanerkloster, das im Zuge der Reformation zur Gasthauskirche mit Armenanstalt umfunktioniert wurde. Die Mönche wurden 1557 vertrieben. In dieser Kirche ist Ulrich Cirksena 1464 zum Grafen erhoben worden. 1648 wurde die Neue Kirche auf Groß-Faldern fertiggestellt, die nach Vorbild der Amsterdamer Noorderkerk errichtet wurde. Die Kirche ist der erste reformierte Kirchenneubau im Alten Reich. In Klein-Faldern gab es die St. Nicolaus-Kirche, in Groß-Faldern die St. Magnus-Kirche. Bereits im 15. Jahrhundert waren sie durch die Hamburger zerstört worden.

Seit der E.er Revolution war Lutheranern und Katholiken der Gottesdienst verboten. Lutherischer Gottesdienst fand außerhalb E.s in Harsweg sowie später in der Kirche des benachbarten Dorfes Petkum statt. In E. selbst gab es erst 1685 die Erlaubnis, vier Mal im Jahr Gottesdienst in einem umgebauten Privathaus halten zu dürfen. Erst in preußischer Zeit war den Lutheranern ab 1748 Religionsausübung gestattet, 1774-1775 durften sie eine eigene Kirche errichten. Katholischer Gottesdienst wurde erst wieder ab 1717 in einer Kapelle in der Großen Deichstraße gehalten. Nach dem Verbot 1730, diese Kapelle zu nutzen, wurde ein umgebautes Packhaus an anderer Stelle gewählt. Erst zwischen 1803 und 1806 wurde eine eigene Kirche errichtet.

Mehrere karitative Einrichtungen sind zu nennen. Die im 15. Jahrhundert erwähnten St. Antoni-Gotteskammern dienten zur unentgeltlichen Unterbringung alter Frauen. Bedürftige konnten zudem bis 1514 im Gertrudengasthaus wohnen. Dazu kam das Alte Gasthaus am Neuen Markt. Nach Einrichtung eines zentralen Gasthauses im ehemaligen Franziskanerkloster wurde dies zunächst als Fleischhaus genutzt (1614 abgetragen). Zudem bestand das Lazarushaus bis zum ersten Drittel des 17. Jahrhunderts als Siechenhaus.

Laienbruderschaften sind bekannt wie die Clementiner-Bruderschaft von 1495. Ihre Aufgabe wandelte sich mit der Reformation, nunmehr wurden Schifferarmen verpflegt. Zudem ist die Existenz der Bruderschaft Unserer lieben Frauen, einer Bruderschaft St. Antonius, der Schuster-Bruderschaft St. Crispini und Crispiniani sowie der St. Annenbruderschaft beim Kloster gesichert.

Mit der Reformation wurde die Armenversorgung neu ausgerichtet. Für die Versorgung fremder Armen, die aufgrund religiöser Verfolgung nicht in ihren Herkunftsstädten versorgt werden konnten, bestand die Diakonie der »Fremdlingen Armen«. 1557 wurde der Kornvorrat gegründet, der bei Teuerung Getreide an Bedürftige verteilen sollte.

E. wurde früh reformatorisch geprägt. Bereits in den 1520er Jahren hat es reformatorische Gottesdienste gegeben. Die Stadt war in dieser Zeit durch ihre konfessionelle Vielfalt geprägt, u.a. wurde 1530 die erste mennonitische Gemeinde konstituiert. Durchgesetzt wurde die Reformation durch Johannes a Lasco, der von Gf.in Anna als erster Superintendent von Ostfriesland ernannt wurde. Die Calvinisierung der Stadt geschah allerdings erst in Folge des Zuzugs von Glaubensflüchtlingen während des niederländischen Aufstandes. Während Gf.in Anna noch reformiert war, bekannte sich das Gf.enhaus seit Edzard II. allein zum Luthertum und stand somit im Konflikt zur Bürgerschaft. Erstmals wurde im Zuge der E. Revolution die reformierte Konfession reichsrechtlich gleichberechtigt zum Luthertum anerkannt.

Seit den 1530er Jahren sind jüdische Familien nachweisbar. Im Delfzijler Vertrag war geregelt, dass nicht mehr als sechs jüdische Familien in E. und sechs weitere in der gesamten Grafschaft leben durften. Mit der Aufgabe der E.er Residenz 1595 verfiel der landesherrliche Schutz gegenüber den Juden. Allerdings war gerade die Quasi-Autonomie der Stadt attraktiv, der prozentuale Anteil von Juden war vergleichsweise hoch.

(4) Die Burg lag im Südwesten der Stadt, von ihr durch einen Graben getrennt, der nach der Revolution zugeschüttet wurde. 1765 wurde sie gänzlich abgebrochen. Die Burg lag zur Wasserseite, wo sich auch die Emsmauer befand, deren Zweck in der Verteidigung der Stadt zur Seeseite lag. Eine Stadtmauer hat es nicht gegeben.

Zeichen der steigenden bürgerlichen Autonomie war der Neubau des Rathauses unter Leitung von Laurens van Steenwinkel nach Antwerpener Vorbild zwischen 1574 und 1576, womit das alte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert ersetzt wurde. Repräsentativ war der mit vier Wappen abschließende Risalit (kgl.-schwedisches Wappen wegen der Ehe Graf Edzards II. mit Katharina Wasa, das Wappen Gf.in Annas, das Wappen E.s sowie das der Cirksena). Im Rathaus selbst befanden sich verschiedene Gemälde mit Allegorien auf die selbstbewusste Bürgerschaft sowie der Silberschatz. Bereits in der frühen Neuzeit als »Kuriosität« geschätzt wurde die Rüstkammer. Ihr Ursprung geht wohl auf die kriegerischen Auseinandersetzungen während des beginnenden Achtzigjährigen Kriegs zurück, der 1568 seinen Anfang in der Region mit den Schlachten von Jemgum und Heiligerlee genommen hatte.

Repräsentativ waren für das Gf.enhaus die Stadttore (Neutor, Boltentor, Nordertor sowie das Herrentor). Das alte Neutor trug die Wappen E.s, Ostfrieslands sowie des schwedischen Kg.shauses. Nach dem Ausbau der Befestigungsanlagen wurden drei neue Stadttore errichtet, die nunmehr Inschriften des bürgerschaftlichen Selbstverständnisses aufwiesen.

Durch die Residenzfunktion war E. Wohnstätte lokaler Adeliger. Die Klunderburg, ein Adelssitz, war im 15. Jahrhundert in Hand des Häuptlings Ewo von Borssum und Midlum, später von der Familie zu Inn- und Knyphausen und seit Mitte des 16. Jahrhunderts für verschiedene Zwecke genutzt. Weiterer Adelssitz war das Gödenser Haus (1551 gebaut). Der Grund gehörte zunächst den Häuptlingen von Borssum, später der Familie zu Gödens. Auch das Dornumer Haus, das die Familie Closter, Häuptlinge in Dornum und Petkum, besaß, sowie das Oldersumer Haus, gebaut von Freiherr Friedrich von Schwarzenberg und Hohenlandsberg Herr zu Oldersum und Oisterweda, sind zu nennen. Im Vorgängerbau weilten bereits die Häuptlinge von Borssum. Anfang des 18. Jahrhunderts kam noch die Pollmannsburg hinzu.

E. erscheint 1570 erstmalig als Ansicht im Städtebuch von Braun und Hogenberg, ehe der Rat 1616 den Kupferstecher Nicolaus Geilkerck beauftragte, einen Plan der Stadt zu erstellen. Auch der bekannte Verlag von Joan Blaeu in Amsterdam hatte eine Ansicht der Stadt im Programm. Verzeichnet sind diese und weitere bei Albers 2012.

(5) In der Zeit als Residenzstadt wurde E. durch die Cirksena zum ökonomischen Zentrum der Grafschaft Ostfriesland ausgebaut. Zeugnisse sind nicht allein der florierende Hafen, sondern auch der 1438 eingeführte Stapelzwang, bestätigt 1494 durch König Maximilian. Nach der Revolution von 1595 war E. weitgehend isoliert. Um den Grafen von der Stadt fernzuhalten, wurden kurz nach Erlangung der Autonomie im Umland die Herrlichkeiten lokaler Häuptlinge erworben: Wolt- und Uphusen (1597), Groß- und Klein-Borssum (1629), Jarssum und Widdelswehr (1629), Oldersum (1631).

(6) E.s Geschichte und Bedeutung als Residenzort ist vor allem durch den Einfluss der Niederlande zu erklären. Während bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hinein die Stadt und auch das Cirksena-Haus überregional kaum Geltung entfalten konnten, gewann E. an Bedeutung durch die Aufnahme niederländischer Exulanten während des Achtzigjährigen Kriegs. Der starke Bevölkerungsanstieg sorgte für eine immer selbstbestimmter und -bewusster auftretende Bürgerschaft, der es letztlich mit Unterstützung der Generalstaaten gelang, den Grafen zu vertreiben und E. zu einer quasi-autonomen Stadtrepublik werden zu lassen. Auch wenn die Grafen zunächst versuchten, E. zurückzugewinnen, gelang dies aufgrund der strategischen Bedeutung E.s als Festungsstadt im niederländischen Barrieregürtel sowie als wichtiger Posten für die Herrschaft über die Ems nicht. E. isolierte sich allerdings in der Grafschaft Ostfriesland und verlor aufgrund der Versandung des Hafens an wirtschaftlicher Bedeutung. Auch eine Orientierung zu Preußen konnte mit Ansiedlung der Brandenburgisch-Afrikanischen(-Amerikanischen) Compagnie von 1683 bis 1711 sowie der Ostasiatischen Handelskompanie von 1751 bis 1765 keinen wirtschaftlichen Aufschwung bereiten. Kulturgeschichtliche Studien zur Bedeutung der Residenzfunktion, u.a. unter Einbeziehung materieller wie archäologischer Quellen, sind von der ostfriesischen Geschichtsschreibung kaum betrieben worden.

(7) Die Quellenlage für Emden ist für die Zeit nach Mitte des 16. Jahrhunderts umfangreich. Wichtigstes Archiv ist das Emder Stadtarchiv (I. Registratur, Protokollregistratur, hier u.a. Ratsprotokolle, sowie die bisher kaum berücksichtigten Bestände der »Alten Cämmerei«); zu den Akten der I. Registratur siehe: Emden 1490-1749. Quelleninventar der I. Registratur des Stadtarchivs Emden, bearb. von Rolf Uphoff, 2 Bd.e, Oldenburg 2006. Wichtig sind zudem das Archiv sowie die Bibliothek der reformierten Gemeinde, heute Johannes a Lasco-Bibliothek. Das Niedersächsische Landesarchiv Abteilung Aurich umfasst Akten und Urkunden des Grafenhauses sowie der Stände. Bedeutsam sind zudem die Bibliothek und das Archiv der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, gegründet 1820. Die Akten befinden sich im Magazin des Ostfriesischen Landesmuseums, die Handschriften sowie die Bibliothek als Depositum in der Johannes a Lasco-Bibliothek. Aufgrund der engen Beziehungen zu den Niederlanden finden sich in den Beständen des Nationaal Archief in Den Haag (Bestände Raad van State sowie Generalstaaten), des Königlichen Hausarchivs in Den Haag (hier die Bestände der Nassauer Statthalter der Provinzen Groningen und Friesland) sowie insbesondere in den Archiven der Provinzen Groningen (Groninger Archieven) und Leeuwarden (Tresoar) breitgefächerte Überlieferungen. Ungewöhnlich reichhaltig ist zudem die Überlieferung der materiellen Zeugnisse des 16. bis 18. Jahrhunderts (Zeitalter der Stadtrepublik), die in den Beständen des Ostfriesischen Landesmuseums zu finden sind. Die Objekte wurden größtenteils seit 1820 von der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zusammengetragen. Hinzu kommen die Objekte des Rates sowie die Rüstkammer. Den besten Gesamtüberblick über die Bestände bietet immer noch: Eichhorn, Helmut: Für den interessierten Besucher der Sammlungen des Ostfriesischen Landesmuseums und der Emder Rüstkammer im Rathaus am Delft, Emden, Emden 1987.

Ostfriesisches Urkundenbuch, Bd. 1 (787-1470), hg. von Ernst Friedlaender, Emden 1878; Bd. 2 (1471-1500), Emden 1881; Ostfriesisches Urkundenbuch, Bd. 3 Ergänzende Regesten und Urkunden zu Bd. I und II 854-1500, hg. von Günther Möhlmann, Aurich 1975. - Die Emder Bürgerbücher 1512-1919, bearb. von Else Kannegieter. Mit einer verfassungsgeschichtlichen Einführung von Bernd Kappelhoff, Aurich 2013. - Albers, Lutz: Frisia Orientalis. Alte Karten und Geschichte von 1550 bis 1800, Norden 22012, S. 150-169.

(8)Fürbringer, Leo: Die Stadt Emden in Gegenwart und Vergangenheit, Emden 1892. - Wagner, Paul: Ostfriesland und der Hof der Gräfin Anna in der Mitte des 16. Jahrhunderts, Aurich 1904 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, 1). - Siebern, Heinrich: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, VI. Regierungsbezirk Aurich, Heft 1 und 2. Stadt Emden, Hannover 1927. - Lokers, Jan: Die Juden in Emden 1530-1806. Eine sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Studie zur Geschichte der Juden in Norddeutschland vom ausgehenden Mittelalter bis zur Emanzipationsgesetzgebung, Aurich 1990 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, 70). - Brandt, Klaus, van Lengen, Hajo, Schmidt, Heinrich, Deeters, Walter: Geschichte der Stadt Emden von den Anfängen bis 1611, Leer 1994 (Ostfriesland im Schutze des Deiches, 10). - Kappelhoff, Bernd: Geschichte der Stadt Emden von 1611 bis 1749. Emden als quasiautonome Stadtrepublik, Leer 1994 (Ostfriesland im Schutze des Deiches, 11). - Jahn, Wolfgang, Voss, Klaas-Dieter: Menso Alting und seine Zeit. Glaubensstreit, Freiheit, Bürgerstolz, Oldenburg 2012 (Veröffentlichungen des Ostfriesischen Landesmuseums Emden, 35). - van der Linde, Benjamin: Das Leibregiment der friesischen Statthalter. Kriegsgerichte, Offizierslaufbahnen und militärische Lebenswelten in den Garnisonsstädten Leeuwarden, Groningen und Emden 1666-1752, Berlin 2016 (Historische Forschungen, 113). - van der Linde, Benjamin: Der Emder Wall und die niederländische Garnison. Militärische und politische Interessen der Niederlande in Emden am Beispiel der Errichtung, Erweiterung sowie Instandhaltung der Festungsanlagen (1605-1744), in: Emder Jahrbuch 97 (2017) 55-85.

Benjamin van der Linde