Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Erschließung der Akten des Kaiserlichen Reichshofrates

Buchpräsentation

Erste Bände der Karlstadt-Edition werden am 26.4. in der Alten SUB vorgestellt. Mehr

Sitzung des Reichhofrats als Kupferstich
Sitzung des kaiserlichen Reichshofrats. Bild aus einem Werk von J. Chr. Uffenbach aus dem Jahre 1700.

Einblicke in bisher kaum genutzte Quellen

Recht und Verfassung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation werden künftig durch ein umfangreiches und bisher nur schwer zugängliches Quellenmaterial neu zu bewerten sein. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen betreut ein Projekt, bei dem ca. 30 Prozent der Akten des kaiserlichen Reichshofrats im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv erschlossen werden sollen.
Die rechtshistorische Forschung hatte sich in der Vergangenheit überwiegend mit der Rechtsprechung des 1495 gegründeten und seit 1693 in Wetzlar ansässigen Reichskammergerichts befasst. Grundlage bildeten vor allem die inzwischen zu 95% erschlossenen Reichskammergerichtsakten. Der stets am Hofe des Kaisers – meist in Wien – tagende Reichshofrat wurde demgegenüber vernachlässigt. Seine Rechtsprechung ist mit Ausnahme von ca. 2500 erst kürzlich erschlossener Akten weitgehend unbekannt.
Damit sind unsere Kenntnisse von der Reichsgerichtsbarkeit noch immer sehr unvollständig und korrekturbedürftig. Denn beide Gerichte bildeten bei grundsätzlich gleicher Kompetenz die letzten und höchsten Instanzen im Heiligen Römischen Reich. Spätestens unter Kaiser Rudolf II. (1576-1612) begann der Reichshofrat als führende rechtspolitische Kraft im Spannungsfeld von Reich und Territorialmächten das von den Reichständen dominierte Reichskammergericht sogar zu überflügeln.
Heute wird in der Forschung die Vernachlässigung des mit dem Reichskammergericht teils konkurrierenden, teils kooperierenden Reichshofrats einhellig kritisiert. Die weitere Erschließung von rund 19.000 Gerichtsakten wird einen repräsentativen Einblick in die Tätigkeit des Reichshofrats geben und zeigen, in welchem Maße dieses Gericht den Frieden im Rechts- und Verfassungsleben des Alten Reiches mitgestaltet hat.


Leiter der Göttinger Arbeitsstelle
Prof. em. Dr. jur. Wolfgang Sellert
Juristische Fakultät der Universität Göttingen
Abt. Rechtsgeschichte
Weenderstr. 2 (Altes Auditorium)
37073 Göttingen
Telefon: 0551-39-19795
Telefax: 0551-394872
email: wseller@gwdg.de

Homepage des Projektes: http://www.reichshofratsakten.de

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