(1) Das südwestlich von Marsberg strategisch günstig an einer Passhöhe zwischen Hoppeckebach und dem Oberlauf der Diemel gelegene P. bildete im Hochmittelalter den Herrschaftsmittelpunkt einer sich nach dem Ort benennenden Dynastenfamilie, die urkundlich erstmals 1101 in Erscheinung tritt. P., im Ittergau bzw. im Herrschaftsgebiet des Grafen Hahold gelegen, wird bereits 1030 als Besitz des Bf.s Meinwerk von Paderborn erwähnt. 1101 bestätigte Bischof Heinrich II. von Paderborn die beabsichtigte Klosterstiftung des Grafen Erpo von P. in Boke an der Lippe, die u.a. mit Erbgütern von dessen Gattin Beatrix ausgestattet werden sollte. Da das Vorhaben am Widerstand der Familie von Beatrix scheiterte, gründete Graf Erpo 1104 südlich von P. die Benediktinerabtei Flechtdorf, in der er 1113 beigesetzt wurde. Der Kölner Erzbischof Friedrich I. bestätigte 1120 die Klostergründung Flechtdorf und Erpos Witwe Beatrix veräußerte der Kölner Kirche die in exponierter Gipfellage auf dem hohen Berg Altenhagen gelegene Burg P. mit zahlreichen Güter und Rechte im späteren Territorium Waldeck umfassenden Allodialbesitz. In der Folgezeit ist P. als Beiname einer dort ansässigen vom Erzstift Köln abhängigen edelfreien Familie bezeugt, die sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts in zwei Linien spaltete. Außer der hochmittelalterlichen Stammburg auf dem Altenhagen (Altes Haus P.) verfügte das Geschlecht seit dem 14. Jahrhundert über die westlich des Ortes P. auf dem Berg Neuenhagen über eine zweite Burg (Neues Haus P.). Der zwischen den Burgen gelegene, 1263 von den Herren von P. mit Stadtrechten ausgestattete Ort bildete den Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft und diente dem unter ebf.-kölnischer Lehnshoheit stehenden, jedoch weitgehend unabhängig agierenden Geschlecht im 14. und 15. Jahrhundert als Operationsbasis in zahlreichen Fehden. 1394 wurde die Stadt P. durch ein Aufgebot des Ebf.s von Köln, des Bf.s von Paderborn sowie des Grafen von Waldeck ein erstes und 1414 in der so genannten Korbacher Fehde ein weiteres Mal eingenommen und zerstört. Nach dem Erlöschen des Neuen Hauses 1537 konnte Johann von P. (Altes Haus P.) den geteilten Besitz nochmals für kurze Zeit in einer Hand vereinigen, ehe seine Söhne Philipp und Friedrich 1557 erneut eine Erbteilung (Ober- und Unterhaus P.) vornahmen. Über eine Erbtochter gelangte das Unterhaus P. um 1680 an die Familie von Stockhausen. Zu den Herrschaften, die gewissermaßen außerhalb der landesherrlichen Ämterorganisation standen und im rheinischen Teil des Erzstifts Köln als Unterherrschaften bezeichnet wurden, gehörten im kurkölnischen Herzogtum Westfalen seit dem 16./17. Jahrhundert die Herrschaften Alme, Canstein, Friedhardskirchen, Mellich (Robringhausen) und P. Die Herrschaftsinhaber verfügten über mehr oder weniger eigenständige Gerichts- und Verwaltungsbezirke und hatten die volle oder eingeschränkte Gerichtsbarkeit (Patrimonialgericht P.) bis 1849 inne. Der Stockhausensche Besitz zu P. wurde 1801 von der Linie zum Oberhaus erworben. Regina Dorothea Maria von P. (Oberhaus) brachte den wiedervereinigten Besitz 1802 ihrem Gatten, Maximilian Franz Droste zu Vischering zu, dessen Sohn das Gut 1878 an den Grafen Droste zu Vischering zu Darfeld verkaufte. Die 1802 mediatisierte, vormals unter kurkölnischer Lehnshoheit stehende Herrschaft P. fiel mit den übrigen kurkölnischen Besitzungen im Herzogtum Westfalen an das ldgf.e bzw. seit 1806 ghz.e Hessen-Darmstadt. 1807 dem neu gebildeten Amt Marsberg eingegliedert, wurde P. schließlich nach Übergang an Preußen 1817 der Provinz Westfalen zugeschlagen.
(2) Exemplarisch für die Entwicklung zahlreicher Minderstädte, die als Annex zu einer Burg entstanden sind, gingen auch in P. die entscheidenden Impulse für die Stadtwerdung von einem befestigten Herrschaftssitz, der später als Oberhaus bezeichneten Gipfelburg auf dem Altenhagen, aus. Über die präurbane Entwicklung des Ortes liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die in einer Urkunde 1201 verwendete Formulierung in urbe Patberg lässt auf eine frühe städtische Entwicklung des Ortes schließen, der bereits 1204 über einen eigenen Markt verfügte. Erste Ansätze einer städtischen Selbstverwaltung sind 1247/48 mit der Nennung von Ratleuten (consules oppidi Patberg) greifbar. 1263 bestätigten Johann und Gottschalk von P. schließlich die städtischen Rechte des Ortes. Nähere Angaben über Organe der städtischen Verwaltung sind bislang nicht bekannt. Vertreter des seit dem Spätmittelalter als »Ring« bezeichneten Stadt P. sind noch 1667 auf dem westfälischen Landtag zu Arnsberg nachweisbar. Inwiefern P. tatsächlich Stadtcharakter besaß, lässt sich aufgrund der nur dürftig fließenden Schriftquellen nicht sicher entscheiden. Hinweise auf eine Befestigung liegen aus dem Jahr 1394 vor. Infolge der Zerstörungen P.s im Zuge von Fehdehandlungen Ende des 14. bzw. zu Beginn des 15. Jahrhunderts stagnierte die bescheidene städtische Entwicklung. Um 1540 scheint der Ort lediglich über eine Wall-Graben-Befestigung sowie drei steinerne Torhäuser verfügt zu haben. Die Befestigung umfasste ein unregelmäßiges Areal mit wenigen Straßenzügen und einem im Süden gelegenen Marktplatz. Auf dem leicht nach Norden ansteigenden Gelände des Kötterbergs liegt die so genannte Alte Kirche St. Petrus (Pfarrkirche bis 1912). Zugang zu Stadt gewährten zwei unweit des Marktes gelegene Tore im Osten und Westen. Eine weitere im Norden gelegene Toranlage sicherte die Verbindung zu der über dem Ort auf dem Altenhagen gelegenen Burg. Angaben zur Zahl der Einwohner liegen erst aus der frühen Neuzeit vor. 1660 wurden in P. 68 Haushalte erfasst, 1717 lebten 254 steuerpflichtige Personen im Ort. Zahlreiche Bewohner waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Bergbau tätig. Darüber hinaus waren in P. Schuster, Schreiner, Schuhmacher, Schneider, Schmiede und Händler, die für den regionalen Bedarf produzierten, ansässig. Informationen über zünftisch organisiertes Handwerk innerhalb des Ortes fehlen bislang.
(3) Kirchlich gehörte die seit dem 13. Jahrhundert nachweisbare Pfarrei P. zum Archidiakonat Horhusen (Niedermarsberg) im Bistum Paderborn. Der relativ kleine Pfarrsprengel umfasste die Stadt P. sowie den Ort Helminghausen. 1733 wurde die Pfarrei dem Erzbistum Köln zugeteilt (1821 wieder Paderborn). Eine frühe Nachricht von 1170 bezieht sich auf die Burgkapelle auf dem Altenhagen. 1255 und 1256 berichten die Schriftquellen erstmals von einer Pfarrkirche zu P., der man vermutlich den 1246 in Erscheinung tretenden Geistlichen Gottfried zuweisen kann. Die archäologisch nachweisbaren Anfänge der Pfarrkirche mit Petrus-Patrozinium reichen jedoch bis ins beginnende 12. Jahrhundert zurück.
Innerhalb der Herrschaft P. sind erstmals 1672 Personen jüdischen Glaubens nachweisbar. 1766 werden insgesamt elf jüdische Familien aufgeführt, von denen fünf in P. und je drei in Helminghausen und Beringhausen lebten.
(4) Der als Talsiedlung anzusprechende Ort P. weist keine herrschaftlichen Gebäude auf. Sowohl der in exponierter Gipfellage gelegene hochmittelalterliche Stammsitz der Dynastenfamilie von P. auf dem Altenhagen wie auch die zu Beginn des 14. Jahrhunderts neu gegründete Höhenburg auf dem Neuenhagen liegen außerhalb der Siedlung P. Von der Befestigung des Ortes haben sich keine baulichen Reste erhalten. Als bedeutendstes bauliches Zeugnis des Ortes aus dem Mittelalter ist die auf dem Kötterberg gelegene, ehemalige Pfarrkirche St. Petrus anzusprechen, die sich bauhistorisch und archäologisch auf einen romanischen Gründungsbau zurückführen lässt. Die zweischiffige, gerade geschlossene kleine Saalkirche wurde um 1180 erweitert. Weitere bauliche Veränderungen und Erweiterungen des sich als zweischiffige westfälische Hallenkirche präsentierenden Sakralbaus erfolgten im ersten Viertel des 13., zu Beginn des 14. sowie im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts Reste figürlicher Malerei (Gewölbeausmalung) datieren ins zweite Viertel des 13. Jh.s.
(5, 6) Über seine direkte Nachbarschaft hinaus verfügte P. über keinen nennenswerten Einfluss auf das Umland. Seine zentralörtliche Bedeutung im Hoch- und Spätmittelalter bezog P. im Wesentlichen aus seiner Funktion als Sitz einer hochadeligen Dynastenfamilie und eines ihr nachfolgenden gleichnamigen Geschlechts, das sich ungeachtet der bestehenden ebf.-kölnischen Lehnshoheit um den Aufbau einer eigenständigen Herrschaft bemühte. Im Kontext territorialer Bestrebungen benachbarter Territorialgewalten, der Bischöfe von Paderborn sowie der Grafen von Waldeck, zählte P. im 14. Jahrhundert neben Odenkirchen, Rheineck und Alpen zu einer der vier Säulen des Erzstifts Köln, die jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits der Verfügungsgewalt der Erzbischöfe entglitten waren. Der Niedergang des bereits um 1200 auf dem Weg zur Stadt befindlichen Ortes P. setzte bereits im Spätmittelalter ein, da die Herren von P., die kurzfristig eine führende Position in den Rittergesellschaften der Falkner (Gründungsjahr 1380) und Bengler (Gründungsjahr 1391) innehatten, in zahlreiche Fehden verstrickt waren. Ende des 14. Jahrhunderts sowie zu Beginn des 15. Jahrhunderts erfolgte die Zerstörung des Ortes P., der in der Folgezeit lediglich mit einer Wall-Graben-Befestigung versehen war und dessen bescheidene urbane Entwicklung stagnierte.
(7) Ungedruckte Archivalien befinden sich in Münster, Nordrheinwestfälisches Landesarchiv, Abt. Westfalen, im Archiv der Freiherren von Wrede zu Melschede, Altes Archiv mit Teilen des Familienarchivs Padberg (Anteil der von Wrede am Oberen Haus) (als Depot in Münster, LWL-Archivamt in Westfalen) sowie im Archiv der Grafen Droste zu Vischering in Padberg (Benutzung über das LWL-Archivamt Westfalen). Das Haus- und Familienarchiv mit 404 Urk. (1234-1855) und 2137 Akten (14.-20. Jh.) ist verfilmt, dieser Film im LWL-Archivamt für Westfalen zugänglich.
Seibert, Johann Suibert: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, 3 Bd.e, Arnsberg 1839-1854. - Seibert, Johann Suibert: Regesten zur Geschichte der Herren von Padberg, in: Beiträge zur Geschichte der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, Bd. 2 (1869) S. 491-506, Bd. 3 (1872) S. 129-144 und S. 235-265, Arolsen 1869/70. - Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg, bearb. von Hermann Diemar, Marburg 1909 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 7).
(8)Landau, Georg, Die Rittergesellschaften in Hessen während des 14. und 15. Jahrhunderts, Kassel 1840. - Der Kreis Brilon, bearb. von Paul Michels, Münster 1952 (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 45). - Bockshammer, Ulrich: Ältere Territorialgeschichte der Grafschaft Waldeck, Marburg 1958 (Schriften des Hessischen Amts für Geschichtliche Landeskunde, 24). - Padberg im Wandel der Zeiten, redig. von Hubert Schmid, Padberg 1963. - Hömberg, Albert K.: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen, H. 4, Münster 1972, S. 45-89 (Padberg). - Ritterorden und Adelsgesellschaften im spätmittelalterlichen Deutschland, hg. von Holger Kruse, Werner Paravicini und Andreas Ranft, Frankfurt a.M. u.a. 1991 (Kieler Werkstücke, Reihe D: Beiträge zur europäischen Geschichte des späten Mittelalters, 1), S. 109f. und 149-155. - Conrad, Horst: Art. »Padberg«, in: Handbuch der Historischen Stätten. Westfalen, Stuttgart 32006, S. 206f. - Kneppe, Cornelia: Burgen und Städte als Kristallisationspunkte von Herrschaft zwischen 1100 und 1300, in: Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft in Westfalen bis zur Säkularisaton 1803, hg. von Harm Klueting, Münster 2009, S. 203-235. - Aschoff, Diethard: Die Juden im kurkölnischen Herzogtum Westfalen, in: Ebenda, S. 669-703. - Müller, Andreas: Die Ritterschaft im Herzogtum Westfalen 1651-1803. Aufschwörung, innere Struktur und Prosopographie, Münster 2017 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, N.F., 34).