Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ZIEROTIN

C. Zierotin – Residenzen

I.

Das Adelsgeschlecht der Z.er war im späten MA und in der frühen Neuzeit bereits dermaßen verzweigt und auch reich, daß seine einzelnen Zweige und Äste bis zu 28 Res.en besaßen, die Mehrzahl in Mähren, einige auch in Böhmen und in Schlesien. In der Blütezeit der Dynastie um das Jahr 1600 konnten die Z.er zur gleichen Zeit bis zu zwanzig Res.en in Anspruch nehmen. Meist handelte es sich um schlossähnliche Bauten, die im Renaissancestil errichtet wurden (mähr. Arkadenschloß) (Namiest (Náměšť nad Oslavou), Rossitz (Rosice), Neu-Titschein (Nový Jičín), Straßnitz (Strážnice), Lundenburg (Břeclav), Mähr.-Trübau (Moravská Třebová), Groß-Ullersdorf (Velké Losiny), Groß-Seelowitz (Židlochovice u. a.), außerdem um ma. Burgkomplexe, an die später Renaissancepaläste angebaut wurden, manchmal in kleinerem, andernorts in größerem Ausmaß (→ Alt-Titschein [Starý Jičín], Prerau [Přerov]), sowie auch um Schlößchen und Vesten, die gewöhnlich als Zweitres.en genutzt bzw. nur zeitweilig oder zweckdienlich (Jagdschlösser) bewohnt wurden (Kralitz [Kralice], Tatenitz [Tatenice], Drzewohostitz [Dřevohostice], Pousram [Pouzdřany], Kamenitz [Kamenice]). Nicht zuletzt waren die Res.en in Stadthäusern untergebracht (mehrere Häuser in Brünn [Brno], Olmütz [Olomouc], Iglau [Jihlava] und Breslau [Vratislav, Wrocław]). Bei der Verwendung von Bezeichnungen wie Burg, Schloß, Schlößlein/Veste spiegelt die damalige Terminologie, die man auf Comenius' Landkarte aus dem Jahr 1624, in den Mähr. Landtafeln und in den zwecks Konfiszierung aufgestellten Protokollen aus den Jahren 1621-1622 vorfindet, eher die örtliche semantische Tradition wider und weniger das reale bauliche, architektonische und künstl. Charakteristikum des jeweiligen Wohnsitzes. Da es unmöglich ist, im weiteren Text sämtliche Res.en der Z.er parallel zu beschreiben, werden nachstehend zwei Schloßkomplexe der wichtigsten Z.-Linie näher besprochen, die sich in Namiest und im unweit gelegenen Rossitz befanden, wobei auch die Gestaltung des Schlosses Ladislaus Velens von Z. in Mähr.-Trübau mitberücksichtigt wird.

II.

Die Mehrzahl der Res.en der bedeutendsten Linie der Z.er befand sich in den westlichen Regionen des Landes. Im Falle der westlich von Brünn liegenden Gegend an der Straße, die Brünn, eine der beiden historischen Hauptstädte der Mgft. Mähren, mit der Grenze zum Kgr. Böhmen verband, waren dies die Schlösser Namiest und Rossitz. Beide Schloßkomplexe ragten auf Anhöhen über dem Fluß Oslawa bzw. dem kleinen Fluß Bobrava empor. Ihre strategisch bedeutsame Lage an einem der wichtigsten Wege des Landes ermöglichte es außerdem, praktisch den gesamten Verkehr zwischen den beiden bedeutendsten Ländern der Böhm.en Krone unter Kontrolle zu halten. In beiden Fällen handelte es sich ursprgl. um ma. Burgen, die seit Beginn des 16. Jh.s schrittweise im Stil der Spätgotik bzw. der Frührenaissance um- und ausgebaut wurden. Der entscheidenden Neugestaltung wurden beide Wohnsitze allerdings erst nach Mitte des 16. Jh.s unterzogen (Namiest in den 60er, Rossitz in den 70er Jahren des 16. Jh.s). Zu diesem Zeitpunkt hat sie der Oberste Landesrichter Johann d.Ä. von Z. als Repräsentant einer der sich am dynamischsten entwickelnden Dynastien der Zeit aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen von den bisherigen Eigentümern erworben. Ähnlich ging einige Jahrzehnte später sein Verwandter Ladislaus Velen von Z. beim Erwerb der einstigen Burg in Mähr.-Trübau vor. Er konnte damit an die Res.tradition der Herren von → Boskowitz, eines nicht weniger angesehenen mähr. Adelsgeschlechtes, anknüpfen. Beherrschten Namiest und Rossitz, beide im Besitz von Johann d.Ä. von Z., das Gebiet zwischen Brünn und der Grenze zu Böhmen, stellte Mähr.-Trübau einen strategischen Sitz zwischen Olmütz und der mähr.-böhm. Grenze dar, wobei Olmütz und Brünn bis 1642 die Position als Hauptstadt Mährens abwechselnd für sich in Anspruch nahmen.

Die Beziehungen zwischen dem Wohnsitz, der Res., und der Res.stadt waren durch die juristisch relativ schwache Position von Namiest und Rossitz gekennzeichnet. In beiden Fällen handelte es sich um kleine Städtchen, deren Bewohner sich rechtlich in einer ähnlichen Stellung befanden wie die Untertanen in den umliegenden Dörfern. Am Bestehen der Res. nahmen sie v.a. durch ihre Lebensmittellieferungen teil, in einem gewissen Umfang auch dadurch, daß sie das niedere Hofpersonal (nur in Ausnahmefällen auch höheres) stellten. So war es eher Großbittesch (Velká Bíteš), eine 10 km von dem Res.markt Namiest entfernte Stadt, die unter den westmähr. Dominien Karls d.Ä. von Z. die Beziehung zwischen Res. und Stadt bestimmte. Ende des 16. Jh.s war ihre Einw.zahl zwar nicht hoch, doch das zum Brünner Verwaltungskreis gehörende Großbittesch besaß seit dem MA zahlr. Stadtprivilegien, darunter auch das Strafrecht. Unter den Z.ern wuchs die Bedeutung von Großbittesch insbes. dank weiteren ökonomischen Rechten, die ihm verliehen wurden. Eine etwas andere Stellung unter den Z.er Dominien nahm in dieser Hinsicht das südmähr. Groß-Seelowitz ein, das sich im Besitz Friedrichs d.Ä. befand. Die Res. erstreckte sich in einer fruchtbaren Weingegend und ihre Existenz wurde daher deutlich von den Seelowitzer Winzern mitgeprägt. Diese besaßen auf dem Dominium eine unbestreitbare Rangstellung und hatten nicht selten direkten Kontakt zur Herrschaft. Eine ganz andere Beziehung herrschte zwischen der Res. und der Stadt in Prerau, das Karl d.Ä. von Z. gehörte, und in Mähr.-Trübau, das sich im Besitz von Ladislaus Velen befand. In beiden Fällen handelte es sich um große Städte mit einer starken Bürgerschaft, um Städte, die im MA das Statut einer kgl. bzw. einer landesherrlichen Stadt besaßen. In Prerau hatten die Bürger unmittelbar und langfristig Einfluß auf Form und Bestehen der Res. Da es sich um eine ausgeprägt städtische Herrschaftsform handelte (neben der Res.stadt gehörten lediglich drei Dörfer und ein herrschaftliches Gehöft dazu), gingen die Hof- und Herrschaftsverwaltung einerseits und die Stadtverwaltung andererseits ineinander über. Auch der Z.er Hauptmann entstammte meist dem städtischen Prerauer Milieu. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs besetzten die um die eigene Sicherheit besorgten Prerauer Bürger sogar das Z.er Schloß einschließlich der herrschaftlichen Zimmerfluchten. In Mähr.-Trübau sprechen die Quellen von einem nicht unwesentlichen Teil der Höflinge bzw. von den am Hof tätigen Künstlern (einschließlich jener, die sich um 1611 am Umbau des hiesigen Schlosses im Stil der Renaissance und des Manierismus beteiligten) als von Trübauer Bürgern bzw. als von Künstlern aus der Stadt, die in den herrschaftlichen Dienst eintraten.

III.

Analogische Baugeschichte und auf ihrer Grundlage analogisches Charakteristikum sind gemeinsame Nenner für die zwei wichtigsten Res.en, Namiest und Rossitz. In beiden Fällen handelte es sich ursprgl. um eine ma. Burg, die im Verlauf des 16. Jh.s, meist in zwei oder drei Bauetappen, zu einem Renaissanceschloß um- und ausgebaut wurde. Für diese Art von Adelssitzen findet man in der kunsthistorischen Literatur (Eva Šamánková, Jarmila Krčálová, Erich Hubala) die Bezeichnung »Mähr. Arkadenschloß«, während in den zeitgenössischen Quellen (v.a. in den Mähr. Landtafeln) der einfachere Ausdruck »Schloß« verwendet wird (einige Quellen prägen für die Schloßres.en auch den Ausdruck »Haus«, wie es sonst eher bei den herrschaftlichen Häusern in den Res.- bzw. den kgl. Städten üblich ist). Im Falle von Prerau wurde der traditionelle Begriff »Burg« verwendet, auch wenn es sich um ein Objekt handelt, das – ähnlich wie in Namiest und Rossitz – weitgehend im Renaissancestil umgebaut wurde. Bei kleineren Arkadenschlössern, zu denen die Res. in Dřevohostice zählte, wurde die traditionelle tsch. Bezeichnung »Veste« (tvrz), evtl. auch die dt. Bezeichnung »Schlößl« gewählt. Einzelne zu den Wohnsitzen gehörende Gebäude oder Flügel hatten gewöhnlich keine spezifischen Namen (auch wenn in Böhmen und Mähren Fälle bekannt sind, die sonst typisch z. B. für Heidelberg sind, nämlich daß einzelne Anbauten den Namen des Bauherrn tragen, so z. B. »Adamsbau« oder »Joachimsbau« als Bezeichnungen für die Schloßflügel in → Neuhaus (Jindřichův Hradec)). Auf den Z.er Schlössern tragen meistens die Hofplätze eine Bezeichnung (Erster, Zweiter Hofplatz), evtl. werden auch die Schloßvorbauten gemäß ihrer Verwaltungs- und Wirtschaftsfunktion namentlich bezeichnet.

Das Wirken der Architekten und Baumeister an den Höfen der Z.e zu verfolgen, ist angesichts des mangelnden Quellenmaterials schwierig. Im Allg. kann man sagen, daß sie aus zwei oder drei Bereichen stammten. Die ausführenden Baumeister und Handwerker kamen nicht selten aus dem Umkreis der Z.er Untertanen oder sie wurden bei Verwandten und Bekannten angeworben. Die zweite Gruppe bildeten Baumeister und Künstler aus den mähr. städtischen Zünften. Die Arbeiten wurden den Zunftmeistern aus den Res.städten bzw. aus den nahen Städten in Auftrag gegeben (im Falle der Schlösser Prerau und Mähr.-Trübau kamen sie direkt aus den gen. Städten und, wenn es um ostmähr. Schlösser ging, aus Wallachisch-Meseritsch und Kremsier (Kroměříž). Die größte und bedeutendste Gruppe bildeten logischerweise Zunftmeister aus Olmütz und Brünn. Im Falle der westmähr Schlösser Namiest und Rossitz ist durch Quellennachweis und Stilanalyse Mitwirken der großen Brünner Zunft der Baumeister und Steinmetzen belegt, bestehend v.a. aus den aus Italien stammenden Künstlern (die Baumeister Antonio und Pietro Gabri, Antonio Paris, die Steinmetzen Giorgio Gialdi, Francesco Canevale). Die dritte Gruppe wurde in großen Städten Mitteleuropas, die zugl. Res.städte waren, angeworben, und zwar stets für konkrete, manchmal auch längerfristige Auftragsarbeiten. Wurden sie in Mähren ausgeführt, galt als solches Zentrum neben Prag und Breslau v.a. Wien. Die dort für die Z.er tätigen Vermittler und Geschäftsleute besorgten dann vor Ort Kontakte zu den zuständigen Künstlern. In den Quellen ist z. B. der Auftrag des Wiener Stukkateurs (»Kalkschneiders«) Hans Falck belegt, der um 1618 in Rossitz Stuckarbeiten ausgeführt hatte, (teils in absentio, denn seine Gesellen arbeiteten nach Modellen ihres Meisters). Hofkünstler im engeren Sinne des Wortes betätigten sich an der Errichtung und Gestaltung der Z.er Res.en vermutlich nur in einem kleineren Ausmaß. Eine derartige Beteiligung vermutet die neueste Literatur in Mähr-Trübau um das Jahr 1611.

IV.

Namiest

Das Z.er Schloß in Namiest entstand durch einen groß angelegten Umbau der ursprgl. ma. Burg (von der der Turmkern erhalten blieb), die hoch über dem Fluß Oslawa empor ragte. Die erste Etappe des Umbaus zum Renaissanceschloß nahmen vermutlich bereits die Herren von Lomnitz vor. Die Hauptphase der Bauarbeiten kann jedoch in die Zeit nach 1562 dat. werden, als Johann d.Ä. von Z. neuer Schloßbesitzer wurde. Als Oberster Landesrichter nahm er eine hohe gesellschaftliche Rangstellung ein; dazu gehörte sowohl eine gute Orientierung in der zeitgenössischen Architektur (i.J. 1575 unternahm er deshalb eine Reise nach Italien) als auch Kontakte zu den Brünner Kunsthandwerker-Zünften. Um die gen. Zeit wurde auch der Umbau durchgeführt, an dessen Ende aus der alten Burg ein Schloß mit vier Flügeln wurde. An zwei Seiten war er mit Arkaden versehen (sie tragen die Jahreszahl 1573), deren Fassaden in den Innenhof gerichtet sind. Ein im Renaissancestil gehaltener Polygonalturm, ein im gleichen Stil ausgeführter Brunnen in der Mitte des Innenhofes, eine Schloßkapelle, ein Erker, der eine bemerkenswerte Bildhauerarbeit darstellt, v.a. aber das wirkungsvolle, vom Werk Michelangelos inspirierte Portal des Hauptschloßgebäudes, zu dem man über eine – für die mähr. Architektur einmalige – zweiarmige Treppe gelangte, gehörten zu weiteren Merkmalen des Umbaus. Sämtliche Baustilanalysen weisen aufs Mitwirken der Mitglieder der Brünner Zunft aus dem Umkreis Pietro Gabris und Giorgio Gialdis hin. Datem ante quem des im Renaissancestil durchgeführten Umbaus ist am wahrscheinlichsten das Jahr 1578, das am äußeren Schloßportal als Datum der Beendigung der Bauarbeiten angeführt ist. Zwar wurde das äußere Aussehen, v.a. aber die innere Ausgestaltung des Namiester Schlosses durch seine späteren Besitzer beeinträchtigt (im begrenzten Ausmaß durch die Adelsfamilie Verdenberg im 17. und durch die Kufsteiner im 18. Jh., maßgeblich aber durch die Haugwitzer im 19. Jh.), doch sein prägendes Renaissanceaussehen, das ihm die Z.er gaben, blieb unangetastet.

Rossitz

Die historisch älteste nachgewiesene Erwähnung, die bereits die Existenz des hiesigen Adelssitzes als gegeben erscheinen läßt, stammt aus dem Jahr 1259. In den Kellerräumen blieben Teile der einst von der Familie Hecht von Rossitz (und später von den Fs.en von Teschen bzw. von den Herren von Kukwitz, von P. und von → Boskowitz) bewohnten ma. Burg erhalten, darunter Tonnengewölbe und Steinmetzelemente. Es ist anzunehmen, daß das Rossitzer Schloß in der spätgotischen Epoche oder während der Frührenaissance (1459-1522), als die Herren von Leipa seine Besitzer waren, in seinem ungefähr heutigen Grdr. ausgebaut wurde; dieser konnte sich räumlich v.a. in dem heutigen Westflügel erhalten. Zu dem umfangreichsten Umbau kam es zur Zeit von Johann und Karl von Z. Johann d.Ä. knüpfte an die bereits zuvor ausgeführte Umgestaltung des Namiester Schlosses an, vermutlich um 1578. Nach der heraldischen Darstellung an den Arkaden des Rossitzer Schlosses zu schließen, wurde noch zu seinen Lebzeiten, also bis 1583, an der Nord-, teilw. auch an der Westseite eine Renaissancearkade errichtet. Der Umbau im Stil der Spätrenaissance wurde dann zu einer Zeit fortges., als Johanns Sohn Karl d.Ä. von Z. das Schloß übernommen hat. Nach den kleinen Wappenschildern an der Steinumrandung der Fenster im Ost- und Südflügel zu urteilen, wurden bis 1604 das Parterre und das erste Stockwerk dieses Schloßteils ausgebaut, nach 1605 folgte das zweite Stockwerk. Um das Jahr 1605 bekamen auch die Innenräume im Westflügel ihr endgültiges Aussehen. In den altehrwürdigen, nun neu gestalteten Zimmerfluchten wurden die Repräsentationsräumlichkeiten untergebracht. Das Piano Nobile ließ Karl d.Ä. dann sogar noch in den dramatischen Jahren Ende der 20er bzw. zu Beginn der 30er Jahre des 17. Jh.s fertig stellen; an den Gewölben der neuen Repräsentations- und Privaträume führte der Wiener Stuckateur Falck die manieristische Stuckverzierung durch. Selbst die drei späteren Umbauetappen (zuerst in den 60er Jahren des 17. Jh.s von den Gf.en von Verdenberg ausgeführt, bauliche Neuerungen, die von Georg Ruprecht und Johann Nepomuk Hauspersky von Fanal seit Ende des 18. und über das ganze 19. Jh. hindurch durchgeführt wurden, umfassender Fassadenumbau im neoklassizistischen Stil in den 70er Jahren des 19. Jh.s unter den Gf.en von Sinn) konnten das durch die Renaissance geprägte Aussehen, das die Z.er dem Schloß verliehen haben, nicht überdecken.

Die Schlösser in den beiden gen. Städten wurden sowohl von gleichen Bauherren als auch vom identischen Umkreis der Baumeister errichtet. Ihre Architektur weist deshalb sehr ähnliche Elemente auf, sei es in sachlicher oder in funktionsmäßiger Hinsicht. Das Exterieur der Schlösser bilden in beiden Fällen jeweils zwei Hofplätze. Der äußere Schloßplatz war von Wirtschafts- und Verwaltungsgebäuden umgeben, er diente außerdem bei zeremoniellen Zwecken als Antrittsraum, wogegen der innere Hofplatz für die herrschaftliche Präsentation vorgesehen war. Die unmittelbare Umgebung des Schlosses und der Innenhof gingen durch eine offene Arkade ineinander über, die mit reichen heraldischen, ikonologischen und emblematischen, die Tugenden des Schloßherrn preisenden Darstellungen sowie auch mit einer klassischen Reihung der Säulenordnungen (toskanische, ionische, komposite Ordnung) ausgeschmückt wurde. Die Innenräume der beiden Schlösser wurden als Zimmerfluchten gestaltet. Während das Parterre v.a. für die Verwaltung und Bedienung vorgesehen war, diente das erste Stockwerk als Piano Nobile. Karl d.Ä. von Z. übte hier in den Jahren 1608-1615 sogar das Amt des mähr. Landeshauptmanns aus. (Angesichts des nicht vorhandenen Landesherrn von Mähren war der Landeshauptmann praktisch die höchst gestellte Person im Land). In Namiest blieben die im Renaissancestil gehaltenen Innenräume praktisch nicht erhalten (ihr heutiges Aussehen stammt aus dem 19. Jh., als die Adelsfamilie Haugwitz hier residierte, teils auch aus der Zeit nach 1945, als das Namiester Schloß Sommersitz des Präsidenten Edvard Beneš wurde, außerdem wurde hier eine ständige Gobelinsausstellung untergebracht.) In Rossitz dagegen haben manche Innenräume des Piano Nobile ihre von den Z.ern verliehene Renaissancegestaltung bewahrt. Die Repräsentationssäle wurden hier in die ältesten Räumlichkeiten situiert, was – auf die Altertümlichkeit der Dynastie hinweisend – vermutlich einen symbolischen Charakter hatte. Von bes. Bedeutung waren in dieser Hinsicht Räume im Westflügel, die mit Grotesken, gemalten Wappen und Emblemen verziert waren; sie dienten als Ahnensäle und außerdem wohl auch als eine Art »Thronsäle«, in denen der Landeshauptmann Z. residierte. Sehr repräsentativ waren die mit Hans Falcks Stuckarbeiten verzierten Säle im Stil »Kommunizierender Rahmen«, die zwischen 1617 und 1623 errichtet wurden (ihre Funktion kann man nur teilw. ableiten, vermutlich befanden sich hier der Speisesaal, der Rittersaal und die Herrschaftsräume). In diesem Schloßteil war wahrscheinlich auch die umfangr. Kollektion der Hängebilder untergebracht, die Hauptmann Z. in Frankreich und anderen Ländern Westeuropas hat anfertigen lassen und die Porträts namhafter Persönlichkeiten ihrer Zeit zeigten. (Die Sammlung ist heute nur anhand schriftlicher Quellenerwähnungen bekannt). Auf beiden Schlössern befanden sich außerdem Räume, in denen die Bibliothek untergebracht war, und eine Salla terrena. In zeremonielle Zwecke miteinbezogen war auf beiden Schlössern die Eingangstreppe. In Namiest handelte es sich um die bereits erwähnte zweiarmige Treppe, deren Abschluß ein Renaissanceportal mit massiven Bossen und darüber angeordneten Voluten bildete. In Rossitz wurde, vermutlich als Teil der Umbauarbeiten, die im Zusammenhang mit einer der Vermählungen Z.s durchgeführt wurden, eine repräsentative Treppe im Nordflügel des Schlosses gebaut, zu der man vom Schloßplatz durch ein Portal gelangte, das nach einem Vorbild von Sebastian Serlius gestaltet wurde.

Mähr.-Trübau

Auch die im manieristischen Stil gehaltene Res. Ladislaus Velens von Z. in Mähr.-Trübau entstand durch den Ausbau einer altehrwürdigen ma. Burg. Sie wurde um die Mitte des 13. Jh.s gegr. und bekam schrittweise das Aussehen eines gotischen Donjons. Dank dem kulturellen Weitblick sowie den baulichen Aktivitäten Ladislaus von → Boskowitz wurde die Burg i.J. 1492 im Stil der Frührenaissance umgebaut, wobei bes. Augenmerk dem Portal gestalteten im Albertinischen Stil zukommt (neben einem ähnlichen Schloßportal in Tovačov mit gleicher Datierung und mit den ein Jahr zuvor angefertigten Fenstern im Vladislaus-Saal der Prager Burg handelt es sich um die ältesten im Renaissancestil gehaltenen Bildhauerwerke in den Ländern der Böhm.en Krone). Das Portal war Bestandteil des bereits unter den Herren von Boskowitz durchgeführten Umbaus des Kernstücks der Trübauer Res., dessen Ergebnis traditionell als »altes Schloß« bezeichnet wurde. Nachdem Ladislaus Velen von Z. neuer Herr auf Mähr.-Trübau geworden war, begann er, anstatt Lundenburg nun dem neuen Wohnsitz sein ganzes Augenmerk zu widmen, und so nahm er auch den umfangreichsten Umbau des Schloßkomplexes in Angriff. Schwerpunkt der in den Anfang des 17. Jh.s datierten Neugestaltung im Stil des Manierismus (der Umbau wird traditionell in die Jahre 1611-1618 gelegt, neue, in jüngster Zeit durchgeführte Forschungen lassen diesbezüglich eine mögliche kontinuierliche Fortsetzung der Z.er Bestrebungen auch nach 1618 zu, als das Schloß konfisziert und von den Liechtensteinern übernommen wurde) wurde auf den früheren Vorplatz vor dem Schloß verlagert. Hier entstanden mehrere Gebäudeflügel mit Bossenfassaden, miteinander verbunden durch den Eingangsturm bzw. das Haupttor, mit mehrstöckigen, in den Hof gerichteten Arkaden und einem manieristischen Portal mit umgürtelten Halbsäulen, die in Richtung Stadt situiert waren. Der manieristische Umbau, früher meist dem Baumeister Giovanni Mottala, später eher Giovanni Mario Filippi zugeschrieben, fügte die Neubauten und das alte Schloß zusammen, das so zum Kernstück des Schloßkomplexes wurde. (Es wurde allerdings i.J. 1840 beim letzten Großumbau geschleift, der derzeitige bauliche Stand stellt also nur ein Frgm. jenes Aussehens dar, das das Schloß unter den Z.ern besaß.)

Ladislaus Velen von Z. war das einzige Dynastiemitglied, das sich mit seinem Verwandten messen konnte sowohl was den Stellenwert seiner Ämter und auch seinen Reichtum anbelangte. Die ma. Burg, die er zum Renaissanceschloß umbauen ließ, wurde – ähnlich wie die Res.en in Namiest und Rossitz – als einstöckiges Gebäude mit vier Flügeln und einem geschlossenen Innenhof ausgebaut. An der nordwestlichen Front befand sich ein Turm. Im südöstlichen Eckteil gelangte man über eine zweiarmige Treppe vom Parterre ins erste Stockwerk. Die Repräsentationsräume sowie die Privatgemächer Ladislaus Velens und seiner Familie (unter den Liechtensteinern als »Fürstenräume« bezeichnet) befanden sich v.a. im ersten Stock des Südflügels. Zur Zeit der Herren von → Boskowitz war noch eine Schloßkapelle Teil des alten Schlosses. Die Gebäude des mit Arkaden versehen »neuen Schlosses« wurden vermutlich auf den Fundamenten älterer Wirtschaftsobjekte errichtet. Auch wenn es sich im Falle des »neuen Schlosses« um eine hervorragende manieristische Architektur handelte, ausgeschmückt mit zahlr. Elementen der Baukunst und der Bildhauerei, belegt die Anordnung der Innenräume, daß sich hier, im Unterschied zum »alten Schloß«, wohl keine Repräsentationsräume befanden, sondern daß in diesem Teil des Schloßkomplexes Verwaltungs- und Wirtschaftgebäude untergebracht waren, ähnlich wie auch andernorts während der Renaissance entstandenen Schloßvorbauten,. Lt. einer zeitgenössischen Inventarliste befanden sich im Parterre der Kutschenstall und Stallungen, darüber der Getreidespeicher. Weitere Räume des »neuen Schlosses« dienten als Wohnungen für das Herrschaftspersonal, wie einem Möbelinventar, auf dem überraschend viele Stühle und Tische aufgelistet sind, zu entnehmen ist. Der einzige größere und gleichzeitig aufwendiger verzierte Saal des »neuen Schlosses« hatte womöglich die Funktion einer Salla terrena.

In analoger Weise könnte man natürlich die architektonische Gestaltung weiterer Res.en betrachten, die den mähr. Z.ern in der frühen Neuzeit gehörten (bes. erwähnenswert wären zweifellos Lundenburg, Prerau, Drevohostitz, Groß-Ullersdorf, Wiesenberg, Neu-Jitschein, Straßnitz und Wallachisch-Meseritch). In der Mehrzahl handelte es sich um ma. Burgen, die in mit Arkaden versehene Renaissanceschlösser umgebaut wurden, für die eine analogische Disposition mit einem Arkaden-Innenhof charakteristisch war. Daraus ist zu schließen, daß einzelne Vertreter der Z.-Dynastie allg. Trends in der Res.-Schloßarchitektur verfolgten (andere Quellen waren möglicherw. Vorbilder innerhalb der Region und die hier tätigen »Schulen«, bzw. auch Bemühungen, sich die Inspiration direkt in Italien oder bei wichtigen Bauprojekten in den Res.en herrschender mitteleuropäischer Dynastien und fsl. Familien zu holen), sie inspirierten sich aber auch gegenseitig und waren bemüht, das Vorgehen führender Repräsentanten ihrer Dynastie nachzuahmen.

Sources

Siehe A. Zierotin.

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