Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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EICHSTÄTT, BF.E VON

I.

Reichsbf.e, seit 8. Jh. Sitz in E.; Suffragan der Erzdiöz. → Mainz, seit 12./13. Jh. werden Ansprüche auf die Würde eines Mainzer Kanzlers mit bes. Vorrechten in der Bischofstitulatur vertreten; Bischofshof in → Regensburg, bis um 1300 gegenüber bayer. Hzg.en hoffahrtspflichtig, ferner in → Nürnberg; Titulatur: episcopus, seit Marquard Schenk von Castell (1637-85) Dei Gratia Episcopus et Sacri Romani Imperii Princeps Eistettensis, unter Johann Anton II. von Freyberg (1736-57)Bischof und des Heil. Röm. Reichs Fürst zu Aychstätt Sedis Moguntinae Cancellarius Perpetuus; reichsunmittelbar, Angehörige des Fränkischen Reichskreises, seit 1500 stimmberechtigt. Das Domkapitel bestand in der Frühen Neuzeit aus 15 Domkapitularen und 13 Domizellaren vorwiegend aus der fränk., schwäb., rhein. Reichsritterschaft, seit dem 17. Jh. fand kein landsässiger bayer. Adeliger mehr Zutritt.

Die Gründung geht in die Mitte des 8. Jh.s zurück, als Willibald hier ein Kl. anlegte, das zum Mittelpunkt eines lange Zeit offene Grenze habendes Bm. wurde, dessen Existenz aufgrund seiner Grenzlage zu → Bayern zunächst gefährdet blieb. Erst mit Bf. Erchanbald (882-912), dem Berater der Kg.e Arnolf und Ludwig dem Kind, konnte definitiv der Bestand des Bm.s gesichert werden. Das Diözesangebiet im Grenzgebiet zw. dem fränk. dominierten Sualafeldgau und dem bayer. Nordgau, geogr. gelegen zw. der Pegnitz (vor 1016 die noch etwas weiter nördl. gelegene Schwabach) im N und derDonau im S, Hahnenkamm im W und Oberpfälzer Jura im O; südl. Mittelfranken, Teile der westl. Oberpfalz sowie des nördl. Oberbayerns. Die Diöz. umfaßte um 1500 ca. 310 Pfarreien, aufgeteilt auf zehn Dekanate, ferner sechs Stifte, 13 Männer- und zehn Frauenkl. In der Reformation reduzierte sich deren Zahl auf ein Drittel. Das Hochstift bestand im NW aus fünf zersplitterten Ämtern, während sich im S um die Hauptstadt herum ein geschlossener Herrschaftsbezirk, unterteilt nach insgesamt 15 Verwaltungseinheiten, ausbilden konnte. Ledigl. ein Drittel des Bm.s wurde vom Hochstift eingenommen, dieübrigen zwei Drittel waren auf elf reichsunmittelbare Territorien verteilt. Das Hochstift umfaßte 1785 rund 57 000 Einw. auf neun Quadratmeilen, verteilt auf acht Städte, 15 Märkte, 200 Dörfer und 300 Weiler. Damit war es das kleinste unter den fränk. Hochstiften.

II.

Ausgangspunkt der Entwicklung war das Bischofskl. des hl. Willibald im 8. Jh. Die in unmittelbarere Nähe entstehende Domkirche bestimmte fortan die Lage des Bischofshofes südwestl. davon; die Gesamtanlage wurde mehrfach umgebaut. Die Willibaldsburg, um 1355 von Bf. Berthold von Zollern (1351-65) errichtet, verlagerte den bfl. Wohnsitz von der alten Res. am Dom auf die befestigte Burg über der Stadt. Der »alte Hof« wurde unter Bf. Wilhelm von Reichenau (1464-96) ausgebaut, doch blieb die Willibaldsburg bis nach dem Dreißigjährigen Krieg der zentraleHerrschaftsmittelpunkt, ehe im 17./18. Jh. eine prunkvolle neue Res. neben dem Dom geschaffen wurde. Hinzu kam eine Sommerres. in der Ostenvorstadt.

Jagdschlösser befanden sich in Hirschberg, Greding, Hofstetten und Pfünz. Unter Bf. Wilhelm von Reichenau spielte auch das castrum in Obermässing als bfl. Nebenres. eine wichtige Rolle. Im Jahre 1475 wurde von demselben Bf. die domus in Pfünz für die Jagd und sonstige Vergnügungen eingerichtet. Die Burg in Greding konnte Bf. Raban 1375 käufl. von Ludwig Schenk von Greding erwerben. Sie war wohl mit Wassergräben bzw. Weihern geschützt, 1696 folgte ein Umbau durch Hofbaumeister Jakob Engel in eine zweiflügelige, dreigeschossigeAnlage. Im 18. Jh. diente das Schloß den Bf.en häufig als Ort für Jagdaufenthalte (Franz Ludwig, Johann Anton II., Joseph).

Burg und Schloß Hirschberg bildeten die wohl am häufigsten aufgesuchte Bischofsres. außerhalb des Diözesansitzes. Die Erbauungszeit geht in das ausgehende 12. Jh. zurück: Auf bfl. Grund errichteten die Stiftsvögte, die Gf.en von Grögling-Dollnstein, eine Burg. Im SpätMA engagierten sich mehrere Bf.e an deren Ausbau. So ließ Friedrich von Oettingen (1383-1415) ein valde solempnem et delicatam domum, neben einer neuen Mauer, erbauen. Der Wert des Hausrates wurde 1415 auf 373 fl geschätzt, im Vergleich dazu betrug derselbe für die Willibaldsburg 498 fl. Wilhelm vonReichenau errichtete den Ost-, Martin von Schaumberg (1560-90) den Nordflügel. Damit wandelte sich die Burg allmähl. zu einer frühneuzeitl. Residenzanlage. Sein heutiges, von Barock und Rokoko geprägtes Aussehen erfuhr Hirschberg unter den Bf.en Franz Ludwig Schenk von Castell (1725-36) und bes. unter Raymund Anton Gf. von Strasoldo (1757-81). Die Anlage wurde vom eichstätt. Hofbaudirektor Mauritio Pedetti (1719-99) im Zeitraum 1760-64 in Form eines dreiflügeligen Palazzos vollkommen umgestaltet. Bis 1740 erfüllte Hirschberg die Funktionen als Sitz des Oberamtes Hirschberg, dem das PropstamtBerching und die Richterämter Greding und Töging zugeordnet waren, sowie einer frühneuzeitl. Res. mit großen Sälen, bfl. Wohnräumen, Arbeitskabinett, Audienzzimmer und Gästezimmern.

Über den zahlenmäßigen Umfang des Hofgesindes geben mehrere Hofordnungen des 16. Jh.s Auskunft. Hofgesindebücher und Juramentbücher informieren über Namen, Herkunftsorte, Besoldung, Termine sowie über Eide und Stellenbeschreibungen. Sie setzen mit Gabriel von Eyb (1496-1535) im frühen 16. Jh. ein. Mit ihm begann auch eine Aufgliederung und Spezialisierung innerhalb der Hofverwaltung. Die im 13. Jh. genannten Hofämter bildeten nur äußerst rudimentäre Vorformen für eine ausdifferenzierte Hochstiftsverwaltung. Gabriels Vorgänger Wilhelm von Reichenau führte einen festen Instanzenzug ein.Diesem zufolge waren die Amtleute in den Hochstiftsämtern die erste, die Hofräte die zweite Instanz. Diese Hofräte hatten mit Regierung und Justiz eine Doppelaufgabe, die im 16. Jh. mit festen Amtszeiten und einer vom Bf. unabhängigen Amtsführung aufgabenmäßig und zeitl. stärker fixiert wurde. Freilich behielt sich der Bf. ein letztes Eingriffsrecht vor. Gleichzeitig bildete sich eine feste Amtshierarchie aus, mit dem Hofmeister als Chef der Hofhaltung, als Vorsitzender des Hofgerichts, aber auch als Stellvertreter des Bf.s an der Spitze. Ihm zugeordnet war der Kanzler, der sich vomSchreib- zum obersten Regierungsbeamten mit breiten jurist. Kenntnissen wandelte. Der Kammermeister besaß die Oberaufsicht über die Finanzverwaltung, die erst 1651 vom Hofrat getrennt wurde. Einblicke in die bfl. Kanzlei gewähren für den Zeitraum 1535-1636 eine Sammlung von Formularbüchern. Zahlr. größere bzw. kleinere Funktionsträger bildeten das Gefolge des bfl. Hofes. Daneben wurde der hochstift. Beamtenapparat generell ausgebaut, völlig durchstrukturierte Organisationsformen lassen sich jedoch nur ansatzweise finden. Als nicht zu übergehende Kontrollinstanz für die Hochstiftsverwaltungwirkte das Domkapitel, das seit 1685 die Präsidentenstellen der drei Dikasterien beanspruchte. Der Geistliche Rat als Gremium ist schon unter Bf. Kaspar von Seckendorff (1590-95), der Hofrat spätestens unter Marquard II. (1636-85) nachweisbar.

Im Dez. 1510 erließ Bf. Gabriel von Eyb eine Tischordnung, in der die Mitglieder des Hofstaates aufgelistet und an verschiedenen Tischen - je nach ihrem sozialen Rang - plaziert wurden. Insgesamt 153 Personen mußten versorgt werden. Ihre Zahl erhöhte sich jedoch innerhalb weniger Jahrzehnte dramatisch, ein Zeichen für die sich ausdifferenzierende Verwaltung. Nach Auskunft des Formelbuchs Bf. Eberhards von Hürnheim betrug die Anzahl des Hofstaates i. J. 1554 bereits 242 Personen, nicht mitgerechnet die temporär beschäftigten Steinmetzen, Maurer und Tagelöhner. Ferner waren 107 Pferde zuunterhalten. An der Spitze der damaligen Hofgesellschaft standen nach dem Fbf. 16 Hofräte, die sich ihrerseits 21 Diener leisteten. Es folgte die Kanzlei- und Kammerangestellten, die Kapläne, Edelleute sowie eine Viel-zahl der Bediensteten, vom Torwächter über den Bierbrauer bis zum Hofschmied. Diese Zahlen verändern sich in der Hofordnung von 1558 nur marginal. Es waren hier 223 Personen, davon 15 Hofräte, zehn Kanzlisten, sechs in der fsl. Kammerstuben, drei Kapläne und 14 sog. HofJunkhern.

Unter Bf. Marquard II. fehlen Hofordnungen - ledigl. eine namentl. Liste der Hofleute mit ihrer Steuerleistung von 1648 findet sich -, immerhin gibt es für Dez. 1657 ein Verzeichnis über 104 Personen, die tägl. von der fürstbfl. Hofhaltung verköstigt werden mußten. Der berechnete Lebensmittelverbrauch für die mittägl. und abendl. Speisen an den Tisch der Dienerschaft (1777) ließ fünf Fleisch- und zwei Fasttage zu. Am Kammerdienertisch nahmen acht, am Fouriertisch sieben, am Lakaientisch 18 und am Kutscher- und Reitknechtetisch 21 Personen Platz. Neben drei Kammerdienern gab es je einenKeller- und Küchenschreiber, Hofbereiter, Kücheninspektor sowie eine Hofbeschließerin. Zu den Hofkünstlern bzw. -handwerkern zählten Glockengießer, Maler, Goldschmiede, Steinschneider, Bildhauer, Schreiner, Schlosser, Büchsenmacher, Münzer, Sattler, Schmiede, Buchbinder. Entsprechende Bestellungsakten sind ab Ende des 17. Jh.s vorhanden. Diesen wurde 1720 eine, im Vergleich zu ihrer Besoldung, zu laxe Arbeitshaltung vorgeworfen, aber auch die Annahme von Aufträgen in der Stadt. Dabei nahmen sie unterdurchschnittl. Löhne an, verwendeten aber die eigtl. dem Hof gehörenden Basismaterialien. Ihnenalle wurde eine wöchentl. Überprüfung ihrer Arbeitsleistung angedroht. 1745 werden insgesamt zwölf sog. Hofhandwerke aufgeführt, die sich teilw. bereits in einer Aufstellung der Hofoffizianten 1648 nachweisen lassen. Die stärkste Gruppe bildeten die Gärtner, davon drei in E. und einer in Pfünz. Ab 1783 gab der alljährl. Hof- und Staatskalender Auskunft über den sich differenzierenden Beamtenapparat. 1784 etwa war das Personal, ohne die Militärangehörigen, auf 349 Personen gestiegen.

Die Bf.e besaßen seit 908 das Münzrecht, erst unter Bf. Megingaud (991-1015) wurde es im hzgl. bayer. Auftrag ausgeübt. Dabei bildete E. eine Nebenprägestelle von → Regensburg. Bf. Heribert (1022-42) ließ als erster seinen Namen auf die Münzen setzen. Zu Beginn des 13. Jh.s endete die Münzprägung, ehe sie wieder von Bf. Gabriel mit der Prägung von Golddukaten (1511, 1512) aufgenommen wurde. Ab Mitte des 16. Jhs setzt eine relativ kontinuierl. Prägung von Gold- und Silbermünzen ein. Während Sedisvakanzzeiten prägte das Domkapitel eigene Sedisvakanzmünzen, 1790 den einzigenDoppeltaler.

Mitte des 18. Jh.s bestand das hochfsl. Heer im Rahmen der fränk. Kreistruppen aus 460 Mann, aufgeteilt in zwei Regimenter und ein Kontingent zu Fuß, ferner je ein Kontingent Dragoner und Kürassiere; hinzukam eine zwölfköpfige Artillerie. Die Soldaten waren nicht ständig in E. stationiert. Die milit. nur eingeschränkt einsetzbare und häufig nur bei feierl. Anlässen paradierende E.er Bürgerwehr umfaßte im gleichen Zeitraum 400 Mann. Bf. Joseph von Stubenberg verstärkte das E.er Schützenkorps personell wie in der Waffenausstattung.

Erst ab 1600 läßt sich, abgesehen von Trompetern und Organisten im ausgehenden 15. bzw. im 16. Jh., eine Hofkapelle mit mehr Sängern als Instrumentalisten nachweisen. Der Aufbau korreliert mit dem Umbau der Willibaldsburg zum Schloß (1609) und der Anlage des Hortus Eystettensis. Die Musiker stammten meist aus einfacheren bürgerl. bzw. handwerkl. Verhältnissen. Sie unterstanden nach Amtsantritt dem Hofmarschall, Trompeter und Pauker dem Oberstallmeister. 1792 hatte die Hofverwaltung 43 Instrumente in Verwahrung. Regional bedeutsam waren die Hofkomponisten Joseph Meck (um 1690-1758), GerolamoMango († vor 1790) und Anton Bachschmid (1728-97). Aus der Zeit zw. 1760 und 1774 sind 30 Musikstücke, zw. 1774 und 1792 beeindruckende 140, davon 30 Messen, 36 Offertorien, 16 Vespern und 21 Hymnen erhalten. Die Musikkapelle, unter Johann Anton III. dem Zehmen (1781-90) den Sparzwang unterworfen, erfuhr unter Joseph von Stubenberg (1790-1802) eine Aufwertung: waren es 1783 noch 16 Instrumentalisten, so steigerte sich die Zahl 1792 auf 25. Insgesamt ist beim letzten Fbf. eine Akzentuierung repräsentativer Momente zu beobachten, etwa bei vermehrten prächtigen Hoftafeln mit Konzertenoder bei der Anschaffung neuer Galauniformen für die Hof-/Hofkammer-/Geheimen Räte bzw. Domherrn.

Im 18. Jh. häuften sich die Klagen über Amtsmißbrauch und ineffiziente Verwaltung, deren Ursachen auch in der übl. Vererbung der Ämter vom Vater auf den Sohn zu suchen sind. Der bfl. Zugriff war hier geringer, häufig mußte er bei einem Regierungsantritt die Ämter unv. lassen, ledigl. beim Geistlichen Rat waren seine Eingriffsmöglichkeiten stärker. Freilich beanspruchte das Domkapitel die Präsidenten bzw. Vizepräsidentenstellen.

Bereits die ma. Bf.e nahmen die Domstadt wie auch ihr Stift in feierl. Weise in Besitz, etwa 1464 Wilhelm von Reichenau, als er durch die Stadt bis auf den hoff zu Fuß ging, begleitet von Klerikern und Schülern, um die Huldigung der Bürger entgegenzunehmen. Das feierl. Ergreifen der possessio Episcopatus in spiritualibus et temporalibus fand im Dom bzw. im Alten Hof (bei Marquard II. im Willibaldschor) statt. Hierauf erst durfte der bestätigte Bf. die Res. in Besitz nehmen und die Hofmitglieder auf seine Person verpflichten. Bei der erstenMittagstafel umrahmte Musik das Ereignis. Berichte und Abrechnungen über den Huldigungsakt in der Stadt sowie auf dem Umritt im Hochstift sind für Konrad von Gemmingen (1595-1612), Johann Anton von Freyberg-Hopferau (1737-57) und Johann Anton III. von Zehmen erhalten.

Anläßl. des Aufenthaltes von Kg. → Maximilian 1490 wird von einem feierl. Einritt, Messe im Dom mit Ausstellung der Reliquien, Empfang in der städt. Res., Jagd mit dem Bf. und Besuch von St. Walburg berichtet.

Bilder von Hoffesten fehlen mit Ausnahme der anläßl. des 1000jährigen Bistumsjubiläums aufgestellte Ehrenpforte (Kupferstich), die an drei Tagen im Sept. 1745 mit 2200 Ampeln illuminiert wurde. Illuminationen als Abschluß von Festtagen spielten auch beim 50jährigen Priesterjubiläum Bf. Johann Antons II. 1749 eine Rolle. Die Feierlichkeiten begannen mit morgendl. Salutschießen, Verstärkung der Torposten, Aufmarsch der Bürgerwehr und Ausstellung der Willibaldreliquien. Die Domherrn holten den Bf. ab, zusammen mit anderen Adeligen und ihren insgesamt elf Sechsspännern begab er sich inseinem Prachtparadewagen auf den Weg durch die Stadt, begleitet von Hofbediensteten, Edelknaben und Bewaffneten. Glocken und Kanonenschüsse begleiteten den Umzug. Nach einem Pontifikalgottesdienst im Dom und anschließender Rückfahrt empfing der Bf. seine Gäste in Audienzen; eine Galadinner beendete den Festtag. Beim Bistumsjubiläum (5. bis 12. Sept. 1745) wurden Szenen und lebende Bilder aus der Geschichte E.s von seiten der einheim. Handwerker im Festzug mitgetragen. Der Bürgermagistrat, Schüler, die Domkleriker sowie die weltl. Regierungsräte nahmen ebenfalls daran teil. Singspiel, Sprücheund Theaterstück flankierten die Feier.

Berichte über Treffen mit weltl. Fs.en und das dabei verwendete Zeremoniell sind bis jetzt nur teilw. untersucht, etwa unter Johann Konrad von Gemmingen. Als der sächs. Hzg. Friedrich der Weise 1493 auf der Rückkehr vom Hl. Land mit 60 Reitern im Gefolge in E. Station machte, wurde er ehrenvoll, u. a. mit einer feierl. Messe, empfangen und bewirtet. Eine Liste der Teilnehmer anläßl. des gemeinsamen Einzug Bf. Marquards mit dem Mgf.en Johann Friedrich im Jan. 1684 dokumentiert die Beteiligung von 218 Personen und 235 Pferden.

Erhebl. Kosten verursachten eine Flucht des Hofes mit den Schätzen in Kriegszeiten, etwa 1796 nach Graz.

Seit 1562 gab das Hochstift, einem Beispiel anderer Fsm.er folgend, einen Hochstiftskalender heraus. Dabei handelt es sich um einen Wappenwandkalender in Holzschnitt, seit 1662 zusätzl. in Kupferstich. In seinen Wappen (bes. Bf., Domkapitel) symbolisierte sich visuell die frühneuzeitl. Herrschaft; als Repäsentationsgeschenk wurde es an hochgestellte Gäste weitergereicht.

Neben den bereits erwähnten Jagdschlössern muß noch auf Hofstetten hingewiesen werden, das 1694 von Jakob Engel dem Zeitgeschmack entspr. umgebaut wurde. Ein Inventar von 1799 zeigt für Pfünz die Zimmeraufteilung: Während sich im zweiten Obergeschoß Wohn- und Schlafgemächer des Bf.s und seiner Diener befanden, wohnten im ersten Obergeschoß Hofkaplan, Oberstjägermeister, Hofmarschall und einige Hofkavaliere. Im Erdgeschoß warender Kabinettsekretär, der Koch, ferner Stall- und Sattelknecht sowie drei Wachpersonen untergebracht.

Die Idee eines Theaters für Belehrung und moral. Erbauung wurde, trotz des Sparzwanges, erst unter Bf. Johann Anton III. von Zehmen in den 1780er Jahren ventiliert. Der Fbf. besuchte häufig das jesuit. Theater und sorgte daneben für eine öffentl. Hofbibliothek.

Sources

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Appel, Brun: Johann Conrad von Gemmingen. Ein Bischof und sein Garten, in: Die Pflanzenwelt des Hortus Eystettensis, München u. a. 1998, S. 39-71. - Biller, Josef H.: Die Hochstiftskalender des Fürstentums Eichstätt 1562-1803, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 75 (1982) S. 29-76; 76 (1983) S. 35-93. - Cahn, Erich B.: Die Münzen des Hochstifts Eichstätt, Grünwald bei München 1962 (Bayerische Münzkataloge, 3). - Fiedler 1997. -Flachenecker, Helmut: Bonifatius und Willibald. Die Bf.e von Eichstätt als Kanzler der Mainzer Kirche, in: Beiträge zur Eichstätter Geschichte, 1999, S. 150-164. - Lengenfelder, Bruno: Die Diözese Eichstätt zwischen Aufklärung und Restauration: Kirche und Staat 1773-1821, Regensburg 1990 (Eichstätter Studien, 28). - Littger, Klaus Walter: Eine Brieflehre aus der Kanzlei Bischof Martins von Schaumberg, in: Beiträge zur Eichstätter Geschichte, 1999, S. 344-356. - Mader, Felix:Geschichte des Schlosses und Oberamtes Hirschberg, Eichstätt 1940. - Rausch, Genoveva: Die Reorganisation des Hochstifts Eichstätt unter Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell (1637-1685), Diss. phil. Univ. Eichstätt in Vorb. - Schmid, Gabriele: Der Eichstätter Hofbaumeister Jakob Engel (1632-1714), Augsburg 1987. - Schweisthal, Christofer: Die Eichstätter Hofkapelle bis zu ihrer Auflösung 1802, Tutzing 1997 (Eichstätter Abhandlungen zur Musikwissenschaft, 12). - Seger,Josef: Der fürstbischöfliche Hofstaat zu Eichstätt unter den Bischöfen Gabriel von Eyb und Eberhard II. von Hirnheim, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 88/89 (1995/96) S. 99-113. - Seger, Josef: Der fürstbischöfliche Hof zu Eichstätt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Eichstätter Geschichte, 1999, S. 329-343.