Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ZIESAR C.3.

I.

Ezeri (948), Jezera (1214), Seiesere (1254), Sygezere (1266), Zegezere (1275), Segeser (1336), Seyesere (1350), Seyeser (1358), Segeser (1408), Siesar (1473), Z. (1500), Cziesar (1544); Burg und Stadt; Hochstift Brandenburg; Bf.e von Brandenburg; Niederungsburg; bevorzugter Aufenthaltsortseit der Mitte des 14. Jh.s - D, Brandenburg, Kr. Potsdam-Mittelmark.

II.

Die civitas Z. (Ezeri), gelegen im slaw. Gau der Marzanen etwa 25 km südwestl. von Brandenburg, erscheint erstmals 948 in der Gründungsurkunde des Bm.s Brandenburg, als sie - wie auch die Burg Pritzerbe nördl. von Brandenburg - mit allem Zubehör von Kg. Otto I. dem neugegründeten Bm. übergeben wurde. In bfl. Besitz war sie auch nach der Wiedererrichtung des Bm.s im 12. Jh.

Bereits 1214 wird die Burg erstmals als Aufenthaltsort des Bf.s von Brandenburg gen. Nachdem es zunächst neben der Kathedralstadt und Pritzerbe eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, wurde Z. - soweit aus dem lückenhaften Material ersichtl. - um 1340 zum bevorzugten Aufenthaltsort der Bf.e in ihrem Stift und blieb dies bis zum Amtsverzicht des letzten Bf.s Joachim von Münsterberg 1560. Allerdings fungierten die Bf.e des 15. und 16. Jh.s in der Regel als Räte des Kfs.en von → Brandenburg und finden sich als solche nicht selten in → Berlin, wo sie einen eigenenHof besaßen, und auf diplomat. Missionen.

Gleichzeitig war Z. Mittelpunkt des größten, im 16. Jh. neben der Stadt zehn Dörfer umfassenden Amtes des kleinen bfl. Territoriums. Amtssitz blieb die Burg auch, nachdem die Verwaltung des Stiftes 1560 vom brandenburg. Kurprinzen Johann Georg übernommen und 1571 schließl. vollständig mit der kfsl. vereinigt worden war. 1613 kam das Amt an den Administrator von → Magdeburg, Christian Wilhelm von Brandenburg († 1665), dessen Frau Dorothea von Braunschweig es seit 1617 bis zu ihrem Tod 1643 als Leibzucht besaß. Christian Wilhelm behielt das Amt nach dem Dreißigjährigen Krieg alsAusstattung, hielt sich nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1652 jedoch zumeist im Kl. Zinna auf.

Innerhalb der Diöz. Brandenburg gehörte Z. seit dem 12. Jh. zum Archidiakonatsbezirk des Dompropstes und war Hauptort einer archidiakonalen Sedes. Gleichzeitig war es Sitz einer der 18 bfl. Sedes, die der Erhebung bfl. Abgaben dienten. Auch wurden seit dem 14. Jh. gelegentl. Diözesansynoden in Z. abgehalten, die letzte 1502.

Die Stadt Z. entstand wohl aus einem slaw. suburbium im Schatten der Burg, gelangte aber zu keiner größeren Bedeutg. 1337 erlangte sie Magdeburger Recht. Noch 1349 als nicht befestigter Ort bezeichnet, besaß sie später Mauern und vier befestigte Tore, die aber schon im 17. Jh. abgebrochen wurden. Trotz der geringen Größe des Ortes entstand schon 1226 ein Franziskanerkonvent, der allerdings schon vor 1271 in die Altstadt Brandenburg verlegt wurde. Zw. 1330 und 1340 stiftete Bf. Ludwig von Neindorf an der städt. Pfarrkirche ein Zisterzienserinnenkl., das wohl bis in dievierziger Jahre des 16. Jh.s existierte. Noch 1555 errichtete Bf. Joachim von Münsterberg ein Hospital vor dem Peterstor, angebl. an der Stelle eines schon früher existierenden.

III.

Die Burg Z. liegt südl. der Stadt in einem Niederungsgebiet auf einem künstl. aufgeschütteten Hügel an einem ehemaligen See. Erhalten sind Teile der Kernburg, während die zwischen ihr und der Stadt gelegene Vorburg bis auf einen Turm verschwunden ist. Die Erforschung der Baugeschichte der Burg ist noch nicht abgeschlossen. Ältester erhaltener Teil ist der heute das Bild dominierende, in der südöstl. Ecke der Burg gelegene, aus Feldsteinen errichtete runde Bergfried wohl aus dem 13. Jh., der nach 1528 mit einer Renaissancehaube versehen wurde.Hinter einem seit dem 18. Jh. stark veränderten Gebäude, dem sog. »Alten Amtshaus«, im NO der Burg verbirgt sich der ehemalige bfl. Wohnbau, der unter Verwendung älterer Bauteile im 15. Jh. errichtet wurde. Im damaligen Erdgeschoß befand sich ein zweischiffiger, mit Kreuzrippen gewölbter Saal, während die Wohnräume im Obergeschoß, darunter wohl auch das 1544 erwähnte große Gemach, durch einen Gang über das westl. angrenzende Torhaus mit der Kapelle im NW der Burg verbunden waren.

Die Kapelle, das herausragendste Baudenkmal aus der Zeit der bfl. Res., wurde nach inschriftl. Nachricht 1470 durch Bf. Dietrich von Stechow geweiht. Die zum Burghof gerichtete Schauseite des Baues, der erhebl. Parallelen zur Schloßkapelle von → Wolmirstedt, aber auch zu Brandenburger Kirchen aufweist, ist mit Backsteinornamentik reich dekoriert. Im Inneren befinden sich noch Ausmalungen der Erbauungszeit.

Das Gebäude im S der Burg beinhaltet wohl noch Reste der Außenmauer, während die Westseite heute unbebaut ist.

Auf der Vorburg befand sich der Wirtschaftshof, von dem aus im 16. Jh. Ländereien in der Feldmark Z. sowie auf den Wüstungsfeldmarken Kritzkal und Schopsdorf bestellt wurden. Auf diesen Feldmarken und vor Z. befanden sich Schäfereien. Weiterhin gehörte zum Schloß eine wenig ergiebige Jagd. Ein Tiergarten bei der Burg war in der Mitte des 16. Jh. bereits nicht mehr vorhanden.

Sources

CDB X, 1856, S. 36-63.

Gebauer, Johannes Heinrich: Beiträge zur Ge- schichte des Matthias von Jagow, Bischof von Brandenburg (1526-1544), in: Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte 4 (1907) S. 87-109. - Germanica Sacra. AF, I, 1929. - Langer, Thomas: Bischöflicher Luxus. Eine Unterbodenwarmluftheizung in der Burg Ziesar, in: Zwischen Havelland und Fläming (2000) S. 70-74. - Olk, Detlev von: Ziesar. Die Burg. Spuren einer bischöflichen Residenz, in: Brandenburgische Denkmalpflege 11,1 (2002)S. 79-95. - Schütz, Heinrich: Stadt und Schloß Ziesar unter den Bischöfen von Brandenburg, in: Der Bär 18 (1892) S. 380-382, 392-393, 404-407. - Sens, Walter: Die alte Bischofsresidenz Ziesar, in: Montagsblatt. Wissenschaftliche Beilage der Magdeburger Zeitung, Jg. 71 (1929) S. 233-236. - Wernicke, Ernst: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Jerichow, Halle 1898 (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen, 21). -Wochnik, Fritz: Die Burgkapelle in Ziesar, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 58 (1991) S. 249-262. - Schich, Winfried: Ziesar, in: Städtebuch Brandenburg und Berlin, 2000, S. 569-574.