Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ZEITZ C.3.

I.

Cici (967), Itaca (976), Cice (981), Zitizi (995), Citica (1004), Ziza (1032), seit ca. 1460 Czeizc, Zceitz.

Die Burg befand sich westl. der Altstadt von Zeitz auf dem Gelände des heutigen Schlosses Moritzburg, auf einem niedrigen, in die Elsteraue vorspringenden Geländesporn, der teilw. vom »Wilden Bach« umgeben ist. Die dem Bf. wohl bereits bei der Errichtung des Bm.s i. J. 968 als Res. dienende Königsburg kam 976 durch Schenkung Ks. Ottos II. endgültig in den Besitz der Bf.e. Bis zur Verlegung des Bistumssitzes nach → Naumburg i. J. 1028 und seit 1285/86-1564 war die Z.er Burg Hauptres. der Naumburger Bf.e. Sie wurde 1644/45 zerstört, ab 1657 erfolgte der Neubaueines Residenzschlosses durch Hzg. Moritz I., dem Begründer der bis 1718 bestehenden Sekundogenitur Sachsen-Zeitz. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez Halle, Burgenlandkr.

II.

Z. liegt am östl. Ufer der Weißen Elster. Hier kreuzten sich die Salzstraße (von → Nürnberg nach → Halle/→ Leipzig) sowie die in Z. den Fluß querende Straße von → Böhmen nach → Magdeburg. Aus der Bistumsgründung in dem erstmals 967 genannten Ort sowie aus archäolog. Befunden kann geschlossen werden, daß Z. bereits zuvor ein regional bedeutender Siedlungsmittelpunkt gewesen ist. Gegen Ende des MA besaß Z. ca. 3000 Einw.

Von Burg, Dom und der östl. anschließenden Immunität ausgehend, entstand die Stadt aus mehreren Siedlungskernen, wobei der älteste Stadtteil die »Unterstadt« um Brühl und Nikolaikirche mit dem ersten Markt der Fernhändler gewesen ist. Ab 1147 wurde die hoch gelegene »Oberstadt« um einen rechteckigen Marktplatz planmäßig angelegt (Marktrecht 1154); im 13. Jh. wurde sie um die Neustadt nach N erweitert.

An geistl. Institutionen existierten das i. J. 1028 eingerichtete Kollegiatstift St. Peter und Paul (anstelle des nach → Naumburg verlegten Domkapitels), das Benediktinerinnenkl. St. Stephan (seit 1147), ein Franziskanerkl. (seit 1266) sowie drei Hospitäler. Mit der Propstei des Kollegiatstiftes war der größte Archidiakonat der Naumburger Diöz. verbunden.

Der Fernhandel war eine der wirtschaftl. Grundlagen der Stadt, deren überregional bedeutender Markt seit 1135 in den Quellen belegt ist. 1152 wird ein Zoll auf der Elsterbrücke und 1278 ein Niederlagsrecht erwähnt. Im 14. Jh. wurden in Z. neben Leder, Kleider, Garn, Wachs, Hopfen u. a. auch Weine aus Italien, Tuche aus dem Rheinland, Flandern, Frankreich und der Altmark gehandelt. Darüber hinaus bestanden in Z. zahlr. Handwerkerniederlassungen. Die bfl. Münze, die z. T. auch an Z.er Bürger verpachtet wurde, besaß größere Bedeutung. Die bis zu ihrer Vertreibung (1494) existierendeJudengemeinde spielte für das Kreditgeschäft eine wichtige Rolle.

In der nach Magdeburger Recht lebenden Stadt entstand die Ratsverfassung wohl im 13. Jh., doch ist sie erst seit 1322 nachweisbar. Das wohl noch im 13. Jh. entstandene Stadtsiegel zeigt die Stiftspatrone Peter und Paul, ab dem 14. Jh. den hl. Michael.

Die bis in das 16. Jh. nicht ernstl. gefährdete bfl. Herrschaft wurde zunächst durch einen edelfreien Bgf.en, dann von einem Schultheißen bzw. später durch einen bfl. Richter ausgeübt. Die Verlegung der Hauptres. von → Naumburg nach Z. unter Bf. Bruno (1285-1304) verengte den Handlungsspielraum und die Selbständigkeitsbestrebungen des Rats einschneidend. Gründe für die Verlegung waren der hier vorhandene geschlossene bfl. Besitzkomplex, die Gerichtshoheit über die Stadt sowie seit 1286 auch über das Gericht am Roten Graben bei Z., der Wild- und Holzreichtum in dem großen Forst imElsterbogen südl. von Z. sowie die größere Unabhängigkeit gegenüber dem vom Landesherren stark beeinflussten Domkapitel in → Naumburg.

Konflikte zw. Bf. und Stadt entstanden hauptsächl. aufgrund unterschiedl. Aufassungen über Gerichtskompetenzen und Besteuerungsfragen. Unter Bf. Heinrich I. (1316-25) kam es zu einem Aufstand der Bürger gegen die bfl. Herrschaft, weitere Auseinandersetzungen sind insbes. aus den Pontifikaten der Bf.e Dietrich IV. (1481-92) und Johannes III. (1492-1517) überliefert.

Die Anwesenheit des Hofes besaß größte Bedeutung für die wirtschafl. Entwicklung der Stadt. Seit dem 16. Jh. wurden in der Stadt, die nun über eine Uhr (1537), einen Apotheker (1539), einen Arzt (1564) und eine eigene Lateinschule (1544) verfügte, auch repräsentative Häuser von Angehörigen des Hofes erbaut.

III.

Über das Aussehen der bfl. Res., welche im Dreißigjährigen Krieg zerstört und ab 1657 durch das bis heute bestehende Schloß Moritzburg ersetzt wurde, vermitteln eine 1536/37 anlässl. der Reise Pfgf. Ottheinrichs angefertigte Darstellung von Z. sowie die Ansichten von Wilhelm Dillich und Matthias Merian eine ungefähre Vorstellung. Die Naumburger Bf.e ließen vor 1259 und dann in den 70er Jahren des 13. Jh.s Befestigungs- und weitere Bauarbeiten in der wohl aus Vor- und Hauptburg bestehenden Anlage durchführen. Bereits 1271 wurde eine bfl. Urk. innovo nostro palacio Cyce ausgestellt. Wohl veranlaßt durch die Hussitengefahr wurden unter Bf. Johannes II. von Schleinitz (1422-34) die Zwingermauern und die Mauertürme verstärkt, wovon noch ein Wappenstein zeugt. Weitere Baunachrichten sind aus den Pontifikaten der Bf.e Peter von Schleinitz (1434-63), Heinrich II. von Stammer (1466-81) und Johannes III. von Schönberg (1492-1517) überliefert. Letzterer sorgte für die Umgestaltung der Burg- in eine Schloßanlage.

Seit 1424 ist die Existenz einer dem hl. Jakob geweihten bfl. Hauskapelle bezeugt. Mehrere Bf.e ließen sich in der im unmittelbaren Burgbereich befindl. Dom- bzw. Kollegiatstiftskirche (seit 1028) bestatten. Die bfl. Begräbnisstätte wurde 1434 durch Bf. Peter von Schleinitz umgestaltet. Auch im Kreuzgang der Kollegiatstiftskirche befinden sich eine beachtl. Anzahl von Grabsteinen verschiedener Würdenträger des bfl. Hofes.

Ein Inventar des Schlosses vom 18. Okt. 1564 gibt Auskunft über den Großteil der damals in der Res. vorhandenen Räumlichkeiten, ohne daß deren Lage im Detail lokalisiert werden könnte. Gen. werden u. a. folgende Räume: Bischofsstube, Schlafkammer, kleiner Saal, Stube hinten auf dem kleinen Saal, Jungenkammer, Saal vor der Bischofsstube, Aufm obergange des Bischoffs gang genantt, großer Saal, Hof- und Marschallstube, Balbiers- und Kellnerkammer, Badestube, Bäckerei, Schosserei, Brauhaus, Küche, Küchenstube, Küchenkammer, Köche-, Schlaf- und Küchenjungenkammer,Fleischkammer, Küchenschreibergewölbe, Butter- und Käsegewölbe, Dörrfischkammer, kleine Kanzleistube, große Kammer an der langen Treppe zur neuen Küche, Engelstube, Boten-, Bettmeister-, Torwärter-, Hundejungen-, Rüst- und Zeugkammer, Kanzlei, Kanzleigewölbe, Silberkammer, Gewölbe daneben, Weinkeller, Böttgerhaus, Bierkeller, Hausmannsturm, Marstall, Schirrhaus, Ober- und Mittelstall, Kornhaus, Ober- und Mittelmühle, Viehhof. In einem der genannten Räume muß sich auch die umfangr. Bibliothek des 1564 verstorbenen Bf.s Julius von Pflug befunden haben.

Nach ersten, jedoch nicht realisierten Entwürfen von Melchior Brenner, wurden unter den Administratoren aus wettin. Haus ab 1609 umfangr. Baumaßnahmen durch den Leipziger Baumeister Friedrich Fuß durchgeführt. Errichtet werden sollten u. a. neue fsl. Gemächer und eine zierl. Wendeltreppe. Durch die weitgehende Zerstörung des Schlosses 1644/45 und dem unter Hzg. Moritz ab 1657 einsetzenden Neubau der noch heute erhaltenen Res. (Baumeister: Johann Moritz Richter I.) sind jedoch nur noch geringe Reste älterer Bausubstanz vorhanden.

Sources

Domstiftsarchiv Naumburg. - Stiftsarchiv und Stiftsbibliothek Zeitz.

Art. »Zeitz«, in: Deutsches Städtebuch, 2: Mitteldeutschland, 1941, S. 746-753. - Art. »Zeitz«, in: Dehio, Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt, 2, 1999, S. 529-566. - Nagel, Roswitha: Zeitz Stiftsbibliothek mit Domherrenbibliothek, in: Handbuch der historischen Buchbestände, 22, 2000, S. 189-195. - Bech, Fedor: Die bischöflichen Satzungen über das Eidgeschoß in Zeitz aus dem 14. und 15. Jahrhundert, Zeitz 1870 (Programm des Stiftsgymnasiums Zeitz). -Bech, Fedor: Verzeichnis der alten Handschriften und Drucke in der Domherrenbibliothek zu Zeitz. Aufgestellt und mit einem Vorwort zur Geschichte der Bibliothek versehen, Zeitz 1881. - Bischofssitz. Zeitz im Zeitalter der Ottonen, in: Saale-Unstrut Jahrbuch 7 (2002) S. 5-16. - Brinkmann, Adolph: Alphabetischer Katalog der in der königlichen Stiftsbibliothek zu Zeitz vorhandenen Druckwerke, Zeitz 1910. - Brinkmann, Adolph: Die mittelalterliche Befestigung der Stadt Zeitz, Zeitz 1902. -Bünz, Enno: Art. »Zeitz«, in: LexMA IX, 1998, Sp. 517f. - Die Inschriften der Stadt Zeitz. Gesammelt und bearbeitet von Martina Voigt unter der Verwendung von Vorarbeiten von Ernst Schubert, Berlin 2001 (Die Deutschen Inschriften, 52; Berliner Reihe, 7). - Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs, 2001. - Drössler, Ru- dolf: Zeitz. Zeit der Bischöfe, Bd. 2: Die Burgen und die Stadt Zeitz bis Mitte des 16. Jahrhunderts, Zeitz 1994. -Drössler, Rudolf: Zeitz: Stätte der Reformation, 2 Tl.e, Zeitz 1995. - Günther, Hans: Die Entwicklung des Zeitzer Stadtbildes im Mittelalter, in: Zeitzer Heimat 4 (1957) S. 69-79 und 101-108; 5 (1958) S. 39-41. - Häuser, Simone: Das Residenzschloß in Zeitz unter Herzog Moritz, Magisterarbeit an der Philipps-Universität Marburg 1995. - Heubach, Hans Heinrich: Geschichte des Schloßbaues in Thüringen 1620-1670, Jena 1927 (Beiträge zur Kunstgeschichte Thüringens, 4), S. 170-178. -Merian, Matthäus: Topographia superioris Saxoniae, Thuringiae, Misniae, Lusatiae, Frankfurt 1650, Abb. zw. S. 202f. - Müller, Alfred: Burg und Dom zu Zeitz, in: Zeitzer Heimat 2 (1955) S. 344-352. - Müller, Alfred: Geschriebene und gedruckte Quellen zur Geschichte von Zeitz 967-1967, Zeitz 1967. - Otto, Ernst: Die Sprache der Zeitzer Kanzleien im 16. Jahrhundert, Berlin 1970 (Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Sprache und Literatur, 45). -Pappe, Otto: Tausend Jahre Stadt und Kirche Zeitz. Eine Gabe an die Gemeinden zur Jahrtausendfeier, Berlin 1967. - Schlesinger 1952, S. 102-110. - Schmitt, Reinhard: Quellen zur Baugeschichte des Zeitzer Schlosses vom Mittelalter bis in die Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 10 (2001) S. 181-219. - Sommer, Gustav/Otte, Heinrich: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler desKreises Zeitz, Halle 1879 (Beschreibende Drstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, 1). - Trimpert, Holger: Slawische Gauburg (?) - sächsische Königsburg - Bischofssitz. Zeitz im Zeitalter der Ottonen, in: Saale-Unstrut-Jahrbuch 7 (2002) S. 5-16 - Wegener, Philipp: Verzeichnis der auf der Zeitzer Stifts-Bibliothek befindlichen Handschriften, Zeitz 1876 (Programm des Königlichen Stifts-Gymnasiums in Zeitz, 206). - Wentscher, Erich: Das Stiftsarchiv in Zeitz,in: Archivalische Zeitschrift 48 (1953) S. 195-119. - Wolf, Herbert: Zeitz, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 11, 1987, S. 519-523. - Zergiebel, Ernst: Chronik von Zeitz und den Dörfern des Zeitzer Kreises nach Urkunden und Akten aus den Jahren 968-1895, 3 Bde., Zeitz 1892-96.