Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WÜRZBURG C.3.

I.

Seit dem 13. Jh. war die eigentl. Res. auf dem Marienberg (oder Frauenberg) linksmain. der Stadt gegenüber. Aber auch in der Stadt gab es Gebäude mit Residenzfunktionen, wie den Saalhof nahe dem Dom, die von Bf.en bewohnten Domherren-Kurien und Plätze der Stadt. Der Berg, der auch der auf ihm gelegenen Burg den Namen gab, wurde nach einer im Burghof gelegenen, sehr alten, der Maria geweihten Rundkirche benannt. Sie scheint sich am Anfang mit einer am Fuß des Berges gelegenen Andreaskirche (heute Burkhardkirche) die Funktionen einer Bischofskirche geteilt zuhaben. Im späten 8. Jh. wurde ein rechts des Mains gelegener Dom gebaut. - D, Bayern, Reg.bez. Unterfranken, Kreis W. (Stadt).

II.

In einer Urk. des frühen 8. Jh.s, die allerdings erst in einem Echternacher Kopiar des HochMA überliefert ist (Wampach 1930, Nr. 8), in der Passio minor Kiliani wohl aus der Mitte des 8. Jh.s (MGH SS rer. Merow. V, 1910, S. 717) und in anderen Quellen des 8. Jh.s wird mit »Würzburg« noch die Burg des Marienberges bezeichnet. Eine gleichnamige rechtsseitige Siedlung erscheint zuerst 800 in einer Urk. für die Salvatorkirche, den derzeitigen Dom, und trägt von da an allein den Namen »Würzburg«. Der Bf.ist von vornherein der Immunitätsherr der Siedlung und späteren Stadt. Stadt und Bf. geraten allerdings wiederholt in Konflikt, zuerst im Investiturstreit unter Bf. Adalbero (1045-90). Die Bemühungen der Stadt um den Status einer »freien Stadt« oder gar einer Reichsstadt werden von ihr nach der Schlacht von Bergtheim 1400 eingestellt. Obwohl Burg und Stadt am Fluß liegen, ist die Wahl des Ortes für einen Bischofssitz nicht verkehrsgeograph. zu erklären, sondern durch einen vorhergehenden Herzogssitz auf dem Berg bedingt. Immerhin liegt W. in einem ausgedehnten Talbecken und die umrahmendenHänge eignen sich für den Weinbau, dessen Erträgnisse seit dem Beginn des Weinhandels im späteren 13. Jh. die Haupteinnahmequelle für Geistlichkeit und Bürger wurden. Der Bf. nahm durch den Weinzins und verschiedene Steuern und Zölle, insbes. den »Guldenzoll«, an diesen Einnahmen teil.

III.

Von der Gestalt der frühen Burg auf dem Marienberg haben wir keine Zeugnisse. Erst von der Burg, die der im 13. Jh. zu ihr zurückkehrende Bf. ausbaute, können wir uns ein Bild machen. Nach dem Bericht eines Zeitgenossen begann Konrad von Querfurt (1198-1202) mit diesem Ausbau (MGH SS XX, 1868, S. 327). Erst 1277 bezeugt uns eine schriftl. Nachricht, daß der Bf., der in einer Kemenate auf dem Berg amtierte, eine Eidesleistung entgegennahm (MB XXXVII, Nr. 232). Nach einem gescheiterten Aufstand von 1308 mußten die Bürger auf dem Berg einen Turm bauen, denheutigen Randersackerer oder Sonnen-Turm im Südosteck der Hauptburg (MB XXXVIII, Nr. 232). Dort wurde das 1339 zuerst bezeugte Archiv untergebracht (MB XL, Nr. 131). Weitere Gebäude werden noch im 14. Jh. erwähnt. Eine Wasserleitung in Bleiröhren wurde von benachbarten Höhen herüber geleitet (Lorenz Fries, Chronik, Bd. 2, 1994, 272). Der heute sichtbare tiefe Brunnen wird erst 1555 erwähnt. An dem sog. Scherenberg-Tor, dem westl. Haupteingang, sind Wappen von Bf.en seit Gerhard von Schwarzburg (1372-1400) angebracht, die verraten, daß man seit dem späten 14. Jh. an der Westseite der Hauptburggebaut hat. Rudolf von Scherenberg (1466-95) hat bes. viel für die Burg getan, und seine Wappensteine sind überall zu finden. Die heutige Gestalt ist allerdings mehr durch die Umbauten von Julius Echter (1573-1617) bestimmt. Von ihm stammen auch die westl. Vorburg und das noch weiter westl. gelegene Zeughaus, das heutige Mainfränkische Museum. Aus dem Jahre 1584 ist ein Zeughausinventar erhalten. Der Wiederaufbau nach dem Brand von 1600 führte ebenfalls zu Ergänzungen und Veränderungen. Julius Echter ließ eine Übersicht über die Baukosten anfertigen, die von Wilhelm Engel 1951 veröffentlichtwurde. Die umschließende bastionäre Befestigung entstammt erst der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Von den Bauten in der Stadt mit Residenzfunktion, dem Saalhof, dem Landgerichtsgebäude und den Domherren-Kurien sind nur noch Grdr.e erkennbar. Der »Hof bei unserem Saal« wurde im 14. Jh. in das Marktleben einbezogen und trug vom 15. Jh. an die Bezeichnung »Kürschnerhof«. Trotzdem behielt der Hof seine Bedeutung für den Bf., der hier nicht nur seine Funktionäre amtieren, sondern auch Versammlungen abhalten und Feste feiern ließ. Während dieser Hof die Domgreden, die stufenartige Marktstraße vor der Westfassade des Doms, nördl. flankierte, lag ihm südl. gegenüber der»Kalhart«, in dem wohl meistens das Landgericht tagte. Das Brückengericht tagte in einem Gebäude am linksmain. Ende der Mainbrücke. Der Judenplatz wurde nach der Vertreibung der Juden und der Errichtung der Marienkapelle im 15. Jh. oft für Turniere herangezogen und übernahm erst allmähl. die Funktion eines Marktplatzes.

Sources

Siehe die entspr. Angaben bei B.3. Würzburg und Freeden 1952. - Wampach 1,2, 1930.

Bachmann, Erich/Roda, Burkard von: Residenz Würzburg und Hofgarten. Amtlicher Führer, München 1988. - Engel, Wilhelm/Freeden, Max von: Fürstbischof Julius Echter als Bauherr, Würzburg 1951 (Mainfränkische Hefte, 9). - Freeden, Max Hermann von: Festung Marienberg, Würzburg 1952 (Mainfränkische Heimatkunde, 5) [grundlegend zu allen Phasen und mit den Hinweisen auf die archivalischen Quellen]. -Lusin, Jörg: Die Baugeschichte der Würzburger Domherrenhöfe, Würzburg 1984.