Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WOLMIRSTEDT C.3.

I.

Walmerstidi (um 1000); Wormestede (1326); Wolmerstede (1363); Wolmerstedt (1470) - Burg und Stadt - Erzstift Magdeburg; Ebf. von Magdeburg - Höhenburg; Nebenres., v.a unter den Administratoren Joachim Friedrich und Christian Wilhelm von Brandenburg. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. Magdeburg, Ohrekr.

II.

Die Burg W., gelegen im Nordthüringgau an der alten Mündung der Ohre in die Elbe etwa 15 km nördl. von → Magdeburg, wird erstmals von Thietmar von Merseburg als Besitz der Gf.en von Walbeck erwähnt. Seit der Mitte des 12. Jh.s im Besitz der brandenburg. → Askanier, wurde sie in der ersten Hälfte des 13. Jh.s offenbar grundlegend erneuert. Seit der Jahrhundertmitte begegnet die Burg, die auch den Mittelpunkt eines Grafschaftsbezirkes bildete, mehrfach als Aufenthaltsort der Mgf.en.

Seit 1319 zunächst pfandweise, 1336 schließl. endgültig unter der Herrschaft der Ebf.e von Magdeburg, diente die Burg bis in die Mitte des 15. Jh.s mehrfach als Pfandobjekt und wurde von den Ebf.en nur gelegentl. aufgesucht. Erst seit der zweiten Jahrhunderthälfte blieben Burg und Amt W. im direkten Besitz der Landesherren. Unter Ebf. Ernst von Sachsen (1476-1513) wurde die architekton. bedeutende Burgkapelle errichtet Unter demselben Ebf. diente W. zeitweilig als Aufenthaltsort in Konkurrenz zur Stadt → Magdeburg.

Während in der ersten Hälfte des 16. Jh.s kaum Aufenthalte des Ebf.s in W. nachweisbar sind, gelangte die Burg unter Joachim Friedrich von Brandenburg (1566-98) zu neuer Bedeutung. Unter seiner Regierung wurde zw. 1575 und 1582 das heute noch bestehende Hauptgebäude errichtet. Während Rat und Kanzlei in → Halle verblieben, hielt sich Joachim Friedrich insbes. in den Sommer- und Herbstmonaten bevorzugt in W. auf, nicht zuletzt aufgrund der Nähe zu den Jagdrevieren in der Colbitz-Letzlinger Heide. Auch unter seinem Nachfolger Christian Wilhelm von Brandenburg (1598/1608-28) blieb W. einbeliebter Aufenthaltsort, während der letzte Administrator August von Sachsen (1628/35-80) wiederum → Halle bevorzugte.

Der Ort W. verharrte stets im Status einer Kleinstadt. 1240 wurde er noch als Dorf (villa) bezeichnet; erst 1363 erscheint W. erstmals unter den Städten des Erzstiftes, unter denen es niemals größere Bedeutung erlangen konnte.

III.

Die Burg W. besteht aus der Kernburg, der sog. Oberburg, sowie dem Unterburg genannten Wirtschaftshof. Mittelpunkt der Oberburg war im SpätMA der heute verschwundene viereckige Bergfried, den noch Abbildungen des 17. Jh.s zeigen. An der West- und Nordseite befand sich das ma. Residenzgebäude, von dessen Grundmauern Teile in neuerer Zeit freigelegt wurden. In diesem befanden sich um 1500 offenbar die Kammern des Ebf.s, des Kaplans, der Jungen, des Marschalls, des Dompropstes, des Hofmeisters, des Kanzlers, zweier Räte und die Schreiberkammer. Als einziges ma.Bauwerk noch heute erhalten ist die spätgot., in Backstein errichtete und um 1580 nachträgl. mit Renaissancegiebeln versehene Kapelle, deren Inneneinrichtung verloren ist. Als Schauseite diente die reich ausgestaltete Südwand mit drei beherrschenden Spitzbogenfenstern und dem prachtvoll gestalteten Portal.

Das heutige viergeschossige Hauptgebaude an der Westseite der Burg geht zurück auf die Baumaßnahmen der zweiten Hälfte des 16. Jh.s, möglicherw. an der Stelle eines oder mehrerer Wirtschaftsgebäude, die sich nach den Inventaren um 1500 im engeren Burgbereich befanden.

Der Kernburg östl. vorgelagert ist der Wirtschaftshof des Schlosses und Amtes W. In diesem Bereich befanden sich auch um 1500 die landwirtschaftl. Wirtschaftsgebäude des Amtes, das Meierhaus, das Käsehaus, der Schweinehof, der Schafhof und der Pferdestall.